Heimliche Aufforderung

Strauss, Richard

Auf, hebe die funkelnde Schale

empor zum Mund,

Und trinke beim Freudenmahle

dein Herz gesund.

Und wenn du sie hebst, so winke

mir heimlich zu,

Dann lächle ich, und dann trinke

ich still wie du...

Und still gleich mir betrachte

um uns das Heer

Der trunknen Schwätzer—verachte

sie nicht zu sehr.

Nein, hebe die blinkende Schale,

gefüllt mit Wein,

Und laß beim lärmenden Mahle

sie glücklich sein.

Doch hast du das Mahl genossen,

den Durst gestillt,

Dann verlasse der lauten Genossen

festfreudiges Bild,

Und wandle hinaus in den Garten

zum Rosenstrauch,—

Dort will ich dich dann erwarten

nach altem Brauch,

Und will an die Brust dir sinken

eh' du's gehofft,

Und deine Küsse trinken,

wie ehmals oft,

Und flechten in deine Haare

der Rose Pracht—

O komm, du wunderbare,

ersehnte Nacht!