Und dann nicht mehr

Strauss, Richard

Ich sah sie nur ein einzigmal, und dann nicht mehr.

Da sah ich einen Himmelsstrahl, und dann nicht mehr.

Ich sah umspielt vom Morgenhauch durchs Tal sie gehn;

Da war der Frühling im Tal, und dann nicht mehr.

Im Saal des Festes sah ich sie entschleiern sich;

Da war das Paradies im Saal, und dann nicht mehr.

Sie war die Schenkin, Lust im Kreis kredenzte sie;

Sie bot mir lächelnd eine Schal', und dann nicht mehr.

Sie war die Ros', ich sah sie blühn im Morgentau;

Am Abend war die Rose fahl, und dann nicht mehr.

Nur einmal weinet Gärtner Lenz um eine Ros':

Da Tod ihm diese Rose stahl, und dann nicht mehr.

Ein einzigmal, da sie erblich, war herb die Lust

Des Lebens, süß des Todes Qual, und dann nicht mehr.

Ich sah die Rose Braut im Flor verschließen in

Die dunkle Kammer eng und schmal, und dann nicht mehr.

Ich will ins Rosenbrautgemach im Mondenglanz

Noch weinen meiner Tränen Zahl, und dann nicht mehr.