Daphne

Strauss, Richard

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Daphne Libretto

SYSTEMEINZIGER AKT

Steiniges Flussufer, dichte Ölbaumgruppen. Letzte Sonne. Rechts steigt die Landschaft zum Hause des Fischers Peneios auf. Im Hintergrunde ist der Fluss zu denken. Den Abschluss bildet das gewaltige Massiv des Olymp. Die Bewegung einer grossen Schafherde wird hörbar: Zurufe, Geläute, Schieben, Drängen, Hundegebell. Mitten hinein der Laut eines mächtigen Alphorns. Herde stutzt: dann drängt sie – schwächer – weiter. Wieder das Horn. Der Laut der Herde verebbt

auf der Bühne

ERSTER SCHÄFERKleontes!

vom Fluss aufsteigend

ZWEITER SCHÄFERAdrast!

ERSTER SCHÄFERWo bliebst du ?

ZWEITER SCHÄFERDie Herde trieb ich zum Fluss.

ZWEITER SCHÄFERNach des Tages Glut

ZWEITER SCHÄFERLabt sich unten die wollige Schar.

ERSTER SCHÄFERHörtest du nicht das Horn?

ERSTER SCHÄFERDer Fischer ladet zum Fest.

ZWEITER SCHÄFERWelches Fest ?

ERSTER SCHÄFERDas Fest der blühenden Rebe!

ERSTER SCHÄFERWenn längs des Stromes

ERSTER SCHÄFERDie alten Stöcke erblühn

ERSTER SCHÄFERTreibend geheime Kraft

ERSTER SCHÄFERWo sie wirkt,

ERSTER SCHÄFERBlüht selbst steinig Gefild,

ERSTER SCHÄFERRauscht es empor

ERSTER SCHÄFERIn unserm Blut.

ERSTER SCHÄFEREs naht die Zeit

ERSTER SCHÄFEREines grossen Gottes,

ERSTER SCHÄFERDes jungen Dionysos

ERSTER SCHÄFERHerrliche Stunde!

Das Horn sehr stark

ZWEITER SCHÄFERFurchtbar Getön!

ZWEITER SCHÄFEREines Gottes Stimme

ERSTER SCHÄFERNein ' nur das Zeichen

ERSTER SCHÄFERDer wichtigsten Frist

ERSTER SCHÄFERIm Leben der Herden,

ERSTER SCHÄFERIm Herzen der Hirten:

ERSTER SCHÄFERAller Natur grosse Hochzeit –

ERSTER SCHÄFERDie Zeit der Paarung!

ZWEITER SCHÄFERSo sag mir, Vater:

ZWEITER SCHÄFERWas soll ich tun ?

ERSTER SCHÄFEREilig hinab zum Flusse!

ERSTER SCHÄFERSammle die Tiere!

ERSTER SCHÄFERAuch in ihnen reift

ERSTER SCHÄFERDes Gottes Geburt,

ERSTER SCHÄFERDes jungen Dionysos!

Der Junge ab zum Flusse. Dort beginnt wieder das Drängen und Schieben der Herden, dem Hause des Peneios zu. Man sieht die Gestalten einiger Schäfer halben Leibes, denen Adrast zuwinkt

zurückrufend

DRITTER SCHÄFERHeil dir, Alter!

ERSTER SCHÄFERHeil dir, Klitos!

ERSTER SCHÄFERDie Stunde ist da.1

VIERTER SCHÄFERHeil, alter Vater!

VIERTER SCHÄFERGesegnet der Abend!

ERSTER SCHÄFEREure Herden lenkt –

ERSTER SCHÄFERIhr aber selbst

ERSTER SCHÄFERSchmückt euch, salbt euch

ERSTER SCHÄFERZu der blühenden Rebe Fest,

ERSTER SCHÄFERDes jungen Dionysos!

Das Horn ein letztes Mal. Erster Schäfer geht gegen das Haus. Noch einmal von unten der Laut der Herden, aufbäumend. Dazwischen die Rufe der Schäfer: "Halt ein! Nach rechts! Acht auf das Leittier!" usw. Endlich, unsichtbar, von fern ihr Gesang

im Abgehen

DIE SCHÄFERLeb wohl, du Tag 1

DIE SCHÄFEREinsam ich schritt,

DIE SCHÄFEREinsam ich lag.

DIE SCHÄFERZu Ende die Bürde,

DIE SCHÄFERÖffnet die Hürde!

DIE SCHÄFERDass ich des Abends pflegen magt

immer ferner

DIE SCHÄFERLeb wohl, du Tag!

Der Gesang verklingt. Die Geräusche der Herden legen sich allmählich ganz. Das Licht wird matter, letzte milde Sonne. Daphne kommt von links. Sehr jung, fast kindlich. Sie lauscht dem verklingenden Gesang

DAPHNEO bleib, geliebter Tag!

DAPHNELange weiltest du,

DAPHNESo bleib, bleib für immer!

DAPHNESonne, gesegneter Schein,

DAPHNEDu lässt mich leben

DAPHNEMit meinen Brüdern, den Bäumen.

DAPHNEIn dir prangen in Blüte

DAPHNEStrauch und Gezweige,

DAPHNEJegliche Blume

DAPHNEDie Schwester mir!

DAPHNEIn dir erkenne ich

DAPHNEDie tanzende Quelle,

DAPHNEMein Zwillingsbild,

DAPHNEIn dir folgt mir lachend

DAPHNEDer Falter Pracht,

DAPHNEIn dir nur spielen

DAPHNEDer Wiese zarteste

DAPHNEBlütenhalme mit mir!

DAPHNEO bleib, geliebter Tag,

DAPHNENimm noch nicht Abschied!

DAPHNEUmgib noch nicht

DAPHNEMit dem Rot der Wehmut mein Gesicht,

DAPHNEKüss meinen Finger nicht

DAPHNEMit süsser Trauer Abschiedsglanz –

DAPHNEIch liebe dich – so geh nicht fort von mir!

DAPHNEWenn du mich verlässt,

DAPHNEGeliebtes Licht,

DAPHNESind sie ferne von mir:

DAPHNEBäume und Blumen,

DAPHNESchmetterling, Quelle.

DAPHNEBrüder und Schwestern

DAPHNEGehen vor meinen Blicken

DAPHNEFerne ins Dunkle,

DAPHNEAntworten nicht mehr

DAPHNEÄngstlichen Rufen:

DAPHNEStill ist alles, Nacht und leer.

DAPHNEWarum, lieber Vater,

DAPHNELockst du heute die Menschen,

DAPHNEDie mit schweren Füssen die Wiese versehren,

DAPHNEMit stumpfem Getier die Gräser vernichten,

DAPHNEMit harten Händen die Zweige berauben,

DAPHNEMeine geliebteste Schwester trüben, die Quelle!

DAPHNEIhre verlangenden Blicke quälen mein Herz,

DAPHNEIhre wilden Lieder bedrängen mein Ohr,

DAPHNEFremd ihre Sprache, rauh ihre Sinne,

DAPHNEFremd sind sie mir wie den Bäumen und Blüten!

DAPHNEFremd ist mir alles,

DAPHNEEinsam bin ich -

DAPHNEO wie gerne blieb ich bei dir,

DAPHNEMein lieber Baum,

DAPHNEIn der Kindheit Tagen gepflanzt

DAPHNEUnd so mein Bruder!

DAPHNEWenn der Tag mich verlässt,

DAPHNEDie Sonne, Apollo, der grosse Gott,

DAPHNEStolz dahinzielit nach Hause

DAPHNEIns Gebirge der Götter,

DAPHNEBlicke ich zu dir!

DAPHNESuchte im Dunkel

DAPHNEDeinen schützenden Ast,

DAPHNEUmklammerte dich fest, liebkoste dich.

DAPHNEUnd in feinem Rauschen,

DAPHNEIm schwellenden Nachtwind

DAPHNESängest du mir Vom Glanze der Sonne,

DAPHNEDie du tagsüber empfingst

DAPHNEAuf stillem Gezweige,

DAPHNEVon der Stärke der Erde,

DAPHNEDie dein Fuss umfasst,

DAPHNESängest ein gewaltiges

DAPHNEStärkeres Lied

DAPHNEAls die Lieder der Menschen –

DAPHNEO geliebter Baum!

Sie schmiegt sich innig an den Baum. Leukippos springt hinter dem Baum hervor. Sie erschrickt

DAPHNELeukippos, du!

LEUKIPPOSJa, ich selbst,

LEUKIPPOSIch war der Baum!

DAPHNEMeine Andacht lästre nicht!

DAPHNEGeschwisterlich bin ich

DAPHNEDer Gottheit des Baumes.

LEUKIPPOSSeltsame Andacht!

LEUKIPPOSSeltsam Geschwister !

LEUKIPPOSSieh mich doch an:

LEUKIPPOSBin dir Gespiele,

LEUKIPPOSNicht fühlloses Holz.

mit sanftem Blick auf den Baum

DAPHNEWas fühllos du nennst –

DAPHNEMir fühl ichs näher –

DAPHNEGeliebter Baum!

sie wendet sich und küsst das Gezweige

LEUKIPPOSWas blieb für mich ?

LEUKIPPOSDieser Hirtenflöte

LEUKIPPOSHölzerner Mund!

LEUKIPPOSDein Blumenmund aber

LEUKIPPOSSuchte den gleichen Weg

LEUKIPPOSZum neidischen Holz!

er schlägt mit der Flöte in die Zweige

vorwurfsvoll

DAPHNELeukippos !

LEUKIPPOSAls Kinder spielten wir,

LEUKIPPOSUnter den Herden.

LEUKIPPOSWenn zagend dir folgte

LEUKIPPOSDer Flöte Laut:

LEUKIPPOSGerne littst du es, Daphne!

LEUKIPPOSDoch wollt ich dich haschen,

LEUKIPPOSAus dichtem Gebüsch

LEUKIPPOSDa entglittest du mir, Daphne!

DAPHNELass ruhen die Jahre,

DAPHNEDie Jahre der Kindheit.

DAPHNEZum Vater lass mich...

LEUKIPPOSDie Herde liess ich,

LEUKIPPOSStieg hinunter ins Tal.

LEUKIPPOSUnd die Blumen hörten mich,

LEUKIPPOSDeine Geschwister, Daphne!

LEUKIPPOSEinten sich meinen Klagen

LEUKIPPOSMeiner Flöte trauerndem Lied!

LEUKIPPOSSie alle, die Freunde ihr sind,

LEUKIPPOSKlagen mit mir -

LEUKIPPOSUnd Daphne verschmäht mich!

DAPHNENicht verschmäht ich

DAPHNEDie sanfte Flöte.

DAPHNESie rief mich, sie lockte mich

DAPHNEWie des Windes Stimme zum Spiel!

DAPHNEMit leichtem Raunen

Küsst er die Blumen,

DAPHNEMit spielendem Drängen

DAPHNEGreift er ins Gebüsch -

DAPHNEMit süssem Flötenlaut

DAPHNERuft er auch mich

DAPHNENicht dir, bin ich. gefolgt,

DAPHNENur meinem Bruder

DAPHNEDem lieblichen Wind!

LEUKIPPOSUnd ich – ich selbst – was war ich dir?

LEUKIPPOSWars sinnlos, was mich zu dir trieb

LEUKIPPOSUnd was der Flöte Stimme gab?

LEUKIPPOSSind Götter nur in Bäumen, Quellen, Blüten –

LEUKIPPOSNicht auch in mir ?

sehr innig

DAPHNEWas du mir warst? –

DAPHNEDer Blumen geliebtes Rot

DAPHNEGrüsste mich glücklich

DAPHNEVon deiner Wange!

DAPHNEEs glich dein Flötenspiel

DAPHNEDem Spiel der Quelle – deine Augen

DAPHNEDer Schwester, Freundin Augen gleicht

DAPHNEWenn sie sich feuchteten, die Augen,

DAPHNEWenn weinend sie mich suchten – dann –

DAPHNEDann blickte mich die eigne Träne

DAPHNEAus des Gespielen Freundesauge an!

LEUKIPPOSNichts – nichts sonst?

LEUKIPPOSDaphne, nur den Atem hauche ich

LEUKIPPOSIn dieses kleine Rohr,

LEUKIPPOSDu aber entfährst ihm

LEUKIPPOSAls süsser, lockender Ton!

LEUKIPPOSVor mir fliehst du,

LEUKIPPOSDer Leichtfüssigen gleichend,

LEUKIPPOSDianen, der Göttin!

LEUKIPPOSDoch dies ist zu Ende,

LEUKIPPOSVorbei der Flöte Ton.

LEUKIPPOSErstarkt bin ich,

LEUKIPPOSFühle den Gott!

LEUKIPPOSIch hasse die Spiele!

LEUKIPPOSDich selbst will ich!

er zerbricht die Flöte

gleichzeitig

DAPHNESieh Leukippos:

DAPHNEDeine Flöte liebte ich

DAPHNEWie den singenden Wind,

DAPHNEWie der Quelle Silberlaut.

DAPHNEIch schwang mich, so wars,

DAPHNEAuf den fliehenden Ton,

DAPHNEDurcheilte – Musik – Das duftende Tal,

DAPHNEDer Leichtfüssigen gleichend,

DAPHNEDianen, der Göttin!

DAPHNEDoch dies ist zu Ende,

DAPHNEDeine Hand fasst mich an

DAPHNEVoll Glut und Begehren!

LEUKIPPOSDaphne, Daphne – ich liebe dich!

er umfasst Daphne

macht sich los

DAPHNEFremd ist das Fest mir, fremd.

LEUKIPPOSZwingt dich das Fest doch,

LEUKIPPOSKeusche Schwester,

LEUKIPPOSSchwester Dianens!

LEUKIPPOSIch bleib allein!

schnell nach links ab

macht einige Schritte gegen das Haus

DAPHNEGespiele Leukippos –

DAPHNEWie fremd du warst,

ihm traurig nachblickend

DAPHNEDas Licht verlor ich,

DAPHNEAuch dich, den Freund!

Schon während der letzten Verse des Duettes ist Gaea sichtbar geworden. Volle, reife Frauengestalt in blauen Gewändern. Sie fasst Daphne fest ins Auge. Knapp in ihrer Nähe erst ruft sie

GAEADaphne!

sieht sie erst jetzt

DAPHNEMutter!

GAEAWir warten dein.

GAEAKomm ins Haus.

DAPHNEEs eilt der Fuss

DAPHNEZu gehorchen.

DAPHNEDie Seele, Mutter,

DAPHNEDie Seele bleibt hier.

GAEADein Zagen kenn ich.

GAEADein Zagen herrscht

GAEAIn allem Lebendigen!

GAEADoch kommt der Tag,

Da öffnet der Götter

GAEAHeiliger Wille

GAEAUnsre Herzen wie Blüten

GAEASo mir wie dir –

GAEAUnd lässet blühen

GAEAIn grosser Andacht

GAEADie ganze Erde!

kindlich

DAPHNEBin ich dann näher

DAPHNEDen Bäumen und Blumen?

DAPHNEBin, was sie sind ?

sehr ernst

GAEADunkel ist der Götter

GAEAHeiliger Wille.

GAEANicht leicht hier unten

GAEADer Weg auf Erden!

GAEAAls du so heftig

GAEADem Freund widersprachst,

GAEAJa fort ihn wiesest

GAEAAm Tage des Festes

GAEAKam Sorge mir, Daphne.

immer kindlich

DAPHNESo leite mich, Mutter,

DAPHNEIch will gehorchen.

GAEATochter, du bist neues Reis,

GAEAVon mir entsendet,

GAEAZweig vor der Blüte,

GAEABist Sorge mir, Daphne!

DAPHNEUnd werde blühen,

DAPHNEGeschmückt im Frühling

DAPHNEWie Wiesen und Laub?

Zwei Mägde treten feierlich vom Hause her auf. Jede von ihnen trägt Teile eines Frauenkleides und Schmuck vorsichtig auf den flachen Händen. Sie bieten alles auf einen Wink Gaeas Daphne dar

lächelnd

GAEANimm erst die Kleider,

GAEADer Menschen Schmuck,

GAEAUnd blüh gesegnet

GAEAIn Ahnung des Festes!

nach kurzem Besinnen

DAPHNESo lass mich, Mutter,

DAPHNESo wie ich lief

DAPHNEDurch blühende Wiesen,

DAPHNEDann bleibt das Fest mir

DAPHNENicht ganz so fremd...

sie eilt dem Hause zu

schreitet ihr nach, sinnend

GAEABist du auch fern mir,

GAEADaphne, Tochter:

GAEAEinst führen Götter

GAEADich wieder zurück,

GAEAUnd wieder zur Erde!

sie folgt

sieht ihnen nach

ERSTE MAGDEi, so fliegt sie vorbei,

ERSTE MAGDDes Hauses Tochter?

ERSTE MAGDUnd dies edle Kleid

ERSTE MAGDTrifft nicht ein Blick?

ZWEITE MAGDEi – so eilig vorbei,

ZWEITE MAGDDie keusche Daphne?

ZWEITE MAGDDer Schmuck, die Spange,

ZWEITE MAGDSie werden verschmäht?

ERSTE MAGDDu armes Gewand,

ERSTE MAGDNie umfassest du mehr

ERSTE MAGDDas süsse Geheimnis!

ERSTE MAGDNie schmiegst du dich mehr

ERSTE MAGDUm den weissesten Nacken!

ZWEITE MAGDDu armer Schmuck,

ZWEITE MAGDNie wirst du den zarten

ZWEITE MAGDBusen ihr rühren,

ZWEITE MAGDNie durchwühlen

ZWEITE MAGDDas herrliche Haart

noch unsichtbar

LEUKIPPOSWer höhnt mich dort?

LEUKIPPOSWer sieht mich schon

LEUKIPPOSAls leeres Kleid,

LEUKIPPOSVerworfen – verachtet?

ERSTE MAGDWas stöhnt dort unten?

ZWEITE MAGDWas klagt im Gebüsch?

Leukippos kommt

BEIDE MÄGDEEin armer Schäfer,

BEIDE MÄGDEVerspätet zum Feste!

LEUKIPPOSIch hasse dies Fest

LEUKIPPOSund meine Flöte

LEUKIPPOSHab ich zerbrochen!

ERSTE MAGDWas dir versagt,

ERSTE MAGDUns ist es leicht:

ERSTE MAGDWir dürfen ihr dienen,

ERSTE MAGDDie Glieder ihr salben. . .

BEIDE MÄGDEWie Baum und Wind

BEIDE MÄGDEUmgeben wir sie,

BEIDE MÄGDEWahre Geschwister –

BEIDE MÄGDEHahahaha!

LEUKIPPOSVerschwinde, lüsterner Spuk

BEIDE MÄGDEHöre uns, Schäfer!

BEIDE MÄGDENicht Mägde sind wir!

BEIDE MÄGDEWir sind Träume

BEIDE MÄGDEBesseren Lichts,

BEIDE MÄGDEWie Wellenschäume

BEIDE MÄGDEZerfliessend in Nichts!

BEIDE MÄGDEWir bringen Enthüllung

BEIDE MÄGDEDem heissen Gedanken,

BEIDE MÄGDEDes Festes Erfüllung

BEIDE MÄGDEOhne Leid, ohne Schranken!

BEIDE MÄGDEHöre uns, Schäfer,

BEIDE MÄGDEDie fröhlichen Wissenden:

BEIDE MÄGDENimm dies Geschenk

BEIDE MÄGDEUnd nahe dich uns!

sie bieten ihm Kleider und Schmuck an

LEUKIPPOSEuch mich vertrauen?

LEUKIPPOSWahnsinniger Spott!

BEIDE MÄGDEWas man nicht ist,

BEIDE MÄGDEGewinnt der Schein

BEIDE MÄGDESo wird sie dein:

BEIDE MÄGDELiebe durch List!

noch unentschlossen

LEUKIPPOSDumpfer Betrug ...

LEUKIPPOSDoch wie sagte sie selbst,

LEUKIPPOSDie geliebte Grausame?

LEUKIPPOSMeiner Wangen sanfteres Rot

LEUKIPPOSGemahne sie an die Blumen,

LEUKIPPOSAn ihre eigene Träne

LEUKIPPOSGemahne sie die meine?

LEUKIPPOSLeb wohl, zerbrochene Flöte!

LEUKIPPOSDer Liebe seltsame Dienerinnen,

LEUKIPPOSMädchen, zu euch...

Die beiden Mägde umfassen ihn rasch und mit losem Gelächter. Alle drei stürmen ab. Das Lachen verklingt. Letzte Dämmerung. Von rechts mit Würde Peneios, ein ernster, rüstiger Mann in vollem Barte, und Gaea im Kreise der Hirten

PENEIOSSeid ihr um mich,

PENEIOSIhr Hirten alle?

DIE SCHÄFERWir sind es, Vater.

DIE SCHÄFERWir harren des Festes.

erblickt den Olymp)

Gewaltiger Berg!

Noch erkenne ich dich!

Noch entschwandest du nicht

Im Dunste der blühenden Rebe!

DIE SCHÄFER

(befremdet, leise

PENEIOSWas verkündest du?

PENEIOSDeut uns den Spruch!

PENEIOSHerrlich Gesichte!

PENEIOSKöstliche Ahnung!

PENEIOSIhr Schäfer alle seht –

PENEIOSZu des Olympos Höhen!

PENEIOSDie Wolke über des Berges

PENEIOSRotglühender Kuppe!

PENEIOSDort ist die Sonne

PENEIOSNoch nicht entschwunden!

PENEIOSNoch nicht verliess uns

PENEIOSPhoibos Apollon!

GAEANach welchen Höhen

GAEAWillst du noch steigen,

GAEAEwiger Träumer ?

PENEIOSMutter, ich seh ihn,

PENEIOSSehe sein Antlitz!

PENEIOSNicht mehr auf einsamen Höhn

PENEIOSWollen sie hausen!

PENEIOSNein, sie kehren heim,

PENEIOSIn die Hütte zurück

PENEIOSDes verlassenen Bruders.…

PENEIOSGott war ich einst ...

PENEIOSGott wie sie!

DIE SCHÄFERVater, du schreckst uns!

DIE SCHÄFERMeide Beschwörung!

stark

PENEIOSWisset, ich sah ihn,

PENEIOSPhoibos Apollon!

PENEIOSHerrlich ein Gastmahl

PENEIOSWollen wir rüsten!

PENEIOSKlinge die Kelterl

PENEIOSErgiesse sich sprudelnd

PENEIOSGoldener Wein!

PENEIOSUnd siehe: sie kommen

PENEIOSMit grossen Schritten,

PENEIOSMächtig angezogen

PENEIOSVom Dufte des Fleisches,

PENEIOSVom Dufte der Rebe,

PENEIOSVom Klingen der Kelter!

PENEIOSUnd sie sitzen nieder

PENEIOSAn.der Seite des Bruders

PENEIOSAn hölzernem Tische

PENEIOSUnd lachen wieder,

PENEIOSWie einst wir gelacht

PENEIOSAn goldenen Tischen:

PENEIOSBrüderlich, ewig

PENEIOSGöttlich Gelächter!

er bricht in Lachen aus

gleichzeitig

GAEAO versuche sie nicht,

GAEAEwiger Träumer!

GAEAFreu dich des Wirkens

GAEAVereint mit der Erde,

GAEABescheiden und friedlich,

GAEAUnd neide nicht ihr

GAEAHochfahrig Anteil:

GAEAGöttlich Gelächter!

gleichzeitig

DIE SCHÄFERVater, welch dunkler

DIE SCHÄFERFurchtbarer Spruch!

DIE SCHÄFERVoll ist die Dämmrung

DIE SCHÄFERVon seltsamen Wesen!

DIE SCHÄFERSiehe, schon nahen sie,

DIE SCHÄFERSiehe, schon strafen sie

DIE SCHÄFERUns, Alter, und euch!

DIE SCHÄFERSchon höhnt uns von überall

DIE SCHÄFERGöttlich Gelächter!

Der Laut des Lachens wiederholt sich von überall wie Echo. Die Hirten erschrecken und flüchten in einer dichten Gruppe um Gaea. Rotes Lichterzucken aus dem Ölbaumwald. Apollo, gekleidet als Rinderhirt, tritt ganz einfach und schlicht zu ihnen. Er trägt Bogen und Köcher

schreien vor Angst

DIE SCHÄFEREin Dämon! Ein Dämon! Ein Gott!

der Lärm legt sich

ruhig

APOLLOIch grüsse dich, weiser,

APOLLOErfahrener Fischer.

APOLLOMit dir dein Weib,

APOLLODie herrliche Gaea!

PENEIOSSei, mir gegrüsst

PENEIOSUnd den Meinen all!

PENEIOSWas trieb dich her. .

etwas unsicher

PENEIOSMit seltsamen Zeichen?

APOLLOEin Rinderhirt bin ich

APOLLOUnd weide die Scharen

APOLLOAm Fuss des Olympos,

APOLLODer Götter Bezirk.

APOLLOWir wollten zur Ruh

APOLLOAn diesem Abend

APOLLOMit meinen Knechten

APOLLOUnd allem Getier.

APOLLODoch seltsam: es zog

APOLLOEin beizender Dunst

APOLLOVon brennenden Scheitern

APOLLOVon brenzligem Fett

APOLLOUnd süsslicher Blüte

APOLLOGrad über den Fluss

APOLLOVon deiner Seite!

APOLLODas brannte dem Bullen

APOLLOSo arg in die Nüstern,

APOLLODass er die Kühe

APOLLOWütend ansprang!

APOLLOGanz toll geworden

APOLLOTrieb er sie fort,

APOLLOHinab in die Wellen!

APOLLOMit stampfenden Hufen

APOLLODie Steine zerspellend,

APOLLOMit grässlichem Schnauben

APOLLODie Zweige zerbrechend!

APOLLOMühsam umstellt

APOLLOVon der Knechte Ruf,

APOLLODer mitgejagten,

APOLLOBeruhigt sich endlich

APOLLODie keuchende Schar.

APOLLODort liegt sie im Dunkel.

APOLLOMich – siehst du vor dir.

heiter, zu Peneios

GAEANun siehst du, was du geschaut,

GAEADu ewiger Träumer!

GAEANun siehst du, wen du verlockt

GAEAMit deinem Fest:

GAEASchwitzende Knechte,

GAEAÄngstliche Kühe,

GAEAEinen brünstigen Stier!

befreit

DIE SCHÄFEREinen Hirten wie wir,

DIE SCHÄFEREinen brünstigen Stier!

PENEIOSSchweigt, ihr alle!

zu Apollo

PENEIOSSei uns gegrüsst

PENEIOSZu unserm Fest!

zu Gaea

PENEIOSDu aber, Weib:

PENEIOSSende die Tochter,

PENEIOSDass sie ihn pflege,

PENEIOSDen späten Gast!

Gaea ab gegen das Haus. Die Schäfer zerstreuen sich. Ihnen folgt Peneios

im Abgehen

DIE SCHÄFEREs sandten die Götter

DIE SCHÄFERZu unserem Feste,

DIE SCHÄFERDie ewigen Spötter,

DIE SCHÄFERDas Allerbeste:

DIE SCHÄFEREinen Hirten wie wir,

DIE SCHÄFEREinen brünstigen Stier!

Das Lachen verklingt unten am Ufer. Apollo, allein geblieben, sieht sich prüfend um, dann ganz verwandelt

APOLLOWas führt dich her

APOLLOIm niedern Gewande,

APOLLODas ehrliche Volk

APOLLOMit Lügenwort

APOLLODreist zu betrügen?

APOLLOO erniedrigter Gott!

APOLLOSelbst: Brünstiges Tier!

Das Licht hat sich völlig verändert. Der Vollmond geht auf und beleuchtet durch magischen Abendnebel die Szene. Von der Seite des Hauses Daphne, eine Schale in beiden Händen tragend. Ihr folgen einige Dienerinnen in einer Gruppe. Sie bewegen sich langsam und feierlich bis zur Mitte der Szene. Dort verneigen sich die Dienerinnen und kehren um. Daphne bleibt

APOLLOWas seh ich? Was schreitet dort ?

APOLLOIst das noch Wahrheit ?

APOLLODort aus dem Nebel?

APOLLOHerrlich ragt die Gestalt!

APOLLODunkel und bernsteingleich

APOLLOLeuchtet das Auge!

APOLLOSchwester – Schwester – Artemis!

APOLLOWo ist das königlich Geleite

APOLLODeiner Dienerinnen

APOLLOAuf des Mondes blankem Strahl?

APOLLOWarum nur nahmst du

APOLLOGeringen Wohnsitz,

APOLLOKommst, mich zu strafen,

APOLLOAus dem Hause des Fischers?

DAPHNENicht wollen die Götter,

DAPHNEDass ich dich strafe!

DAPHNEDer Vater sendet mich

DAPHNEZu deinem Dienst.

APOLLODienen, Schwester ?

APOLLOSieh, ich knie vor dir!

er kniet

verwirrt

DAPHNEO spotte nicht, Fremder

DAPHNEDoch wohl tut unendlich

DAPHNEDem träumenden Herzen

DAPHNEDer selige Anruf:

DAPHNESchwester, Schwester . . .

aufspringend

APOLLOSei mir denn Schwester

APOLLOIn dieser Stunde!

APOLLOVon den Tagen des Sommers

APOLLOLängster Fahrt

APOLLOLabe du mich!

er streckt ihr beide Hände hin

giesst die Schale darüber

DAPHNESo labt das Wasser:

DAPHNEDas heilige Wallen

DAPHNEHat es vom Blute!

DAPHNEVon unsern Tränen

DAPHNEHat es die Milde. –

Sie nimmt ihm Bogen und Köcher ab und stellt sie, ebenso wie die Schale, abseits

DAPHNEFort mit den Waffen!

DAPHNENur dieser Mantel –

DAPHNESchwesterlich hülle er dich!

Sie legt einen blauen Mantel, der ihr zusammengefaltet über dem Arm hing, um die Schultern Apollos. Der Mantel entrollt sich und umgibt ihn weit und mächtig. Zugleich umspielt ihn ein merkwürdiges Licht, flüsternd

DAPHNEWas seh ich ?

DAPHNEWie bist du gewaltig,

DAPHNEFremder Hirte . . .

APOLLODaphne, die mich gelabt,

APOLLOBlickt fremd mich nun an?

etwas misstrauisch

DAPHNEUnd von welcher Fahrt

DAPHNEKehrst du zurück?

DAPHNEKann ich doch selbst

DAPHNEHerden und Rinder

DAPHNEÖfters gewahren!

zweifelnd

DAPHNEDich aber sah ich nie.

APOLLOWas können an Weite

APOLLOMenschliche Augen

APOLLOForschend ermessen ?

APOLLOImmer umkreist

APOLLODes Lichtes Wagen

APOLLOLeuchtend das Haus,

APOLLOAus Weltenweite

APOLLOSieht er herab!

APOLLOHeute – von oben,

APOLLOVom Gipfel der Reise,

APOLLOHeute gewahrt er

APOLLODie herrliche Daphne!

APOLLODa knirschten mächtig

APOLLODie goldnen Räder:

APOLLOHeute – hielt er! . . .

APOLLOUnd jegliche Weite

APOLLOIst ausgelöscht!

DAPHNESeltsam singst du

DAPHNEUnd voller Rätsel!

DAPHNEAber ich höre dich

DAPHNEGerne ... Bruder!

feurig

APOLLOBruder! Dies Wunderwort

APOLLOVerbindet Ferne und Ferne! –

APOLLOAls ich am Abend

APOLLODes längsten Tags

APOLLOIn die purpume Wohnung

APOLLOErmüdet geglitten:

APOLLOSieh – ein feiner Strahl

APOLLORiss noch nicht ab,

APOLLODer führte mich

APOLLOZum Hause des Fischers:

APOLLODaphne, Daphne – dein Blick!

DAPHNEWie viel doch weisst du

DAPHNEVon meinem Herzen!

DAPHNESchwer nahm ich Abschied

DAPHNEHeut von der Sonne –

APOLLO"O bleib, geliebter Tag! –"«

dringend

DAPHNEBruder, wer bist du?

APOLLO"Lang weiltest du –

APOLLOSo bleib für immer! "

DAPHNEHirte – was singst du ?

APOLLO"Ich liebe dich – so geh nicht fort von mir!"

mit vollster Empfindung

DAPHNEWer du auch seist, Gewaltiger!

DAPHNESo wenig wie der Kiesel

DAPHNEUnten am Fluss vor der Sonne Auge –

DAPHNESo wenig verberg ich mich dir!

sie sinkt in kindlicher Ergriffenheit an seine Brust

APOLLOFür Daphne nicht ende

APOLLODer Menschen längster Tag!

APOLLOFolgt sie dem Hirten:

APOLLOKein neidisches Dunkel mehr

APOLLOTrennt sie von Freunden und Brüdern!

jubelnd an seinem Halse

DAPHNEO Seligkeit,

DAPHNENie mehr getrennt

DAPHNEIm Schmerze der Nacht

DAPHNEVon Bäumen und Blüten1

APOLLOWeit über der Bäume

APOLLOFreundliche Wipfel

APOLLOReist Daphne im feurigen Wagen!

APOLLOSie selbst eines Gottes Braut

APOLLOTräufelt Glanz der Schönheit

APOLLOHin über die Welt!

gleichzeitig

DAPHNENie mehr im Finstern

DAPHNERauscht die Quelle,

DAPHNENie mehr unsichtbar,

DAPHNESchaurig und leer.

APOLLOZur Höhe des Wagens

APOLLOIn Daphnes Strahlenhand

APOLLOFliesst dann von selbst

APOLLOAufwärts die Quelle!

wie oben

DAPHNEDie streng mich mied,

DAPHNEDie kühle Quelle,

DAPHNEAus der Hand mir glitt,

DAPHNEKommt selbst zu mir?

gross und hymnisch

APOLLOAlles Lebendige,

APOLLOTier und Gewässer,

APOLLOPreiset die Sonne,

APOLLOFreut sich des Lichts!

APOLLOBlumen wachsen

APOLLOIn Daphnes Hand;

APOLLOUnd alles Lebendige,

APOLLOBlumen, Tiere, Quellen

APOLLOStrömen über von Glück

APOLLOUnd rauschendem Singen!

APOLLOSo wärmt Daphne,

APOLLOSo leuchtet Daphne,

APOLLOSo wird Daphne,

APOLLODie herrliche Daphne geliebt!

in höchstem Jubel

DAPHNEWie bin ich jetzt dein

DAPHNEAus glücklicher Seele!

DAPHNEWie leuchtets im Herzen!

DAPHNEBruder ... Bruder!

Er umschliesst sie fest, so dass sie ganz und gar im Blau des Mantels versinkt. – Daphne ringt sich aus der Umarmung des Gottes heraus. Sie flieht in höchster Verwirrung

DAPHNEDieser Kuss – – Dies Umarmen – –

DAPHNEDu nanntest dich: Bruder!

stark

APOLLOIch liebe dich., Daphne!

gehaucht

DAPHNEDu schlichst dich. ein

DAPHNEIn meinen Traum. ..

wie oben

APOLLOZu Ende Träume!

APOLLOWahrheit bring ich!

etwas stärker

DAPHNEDu banntest mich

DAPHNEAn diese Stelle,

DAPHNEIn deine Arme ...

DAPHNEDu gabst mir Angst

Der Mond hat sich verborgen. Es ist ganz dunkel. Nur die beiden Gestalten sind zu erkennen

unsichtbar von fern

CHORGib, Dionysos,

CHORNeu erstandener,

CHORGib uns Rausch!

CHORGib uns Liebe,

CHORAphrodite!

sich nähernd, flüsternd

APOLLOHörst du, Geliebte,

APOLLOHörst du, was sie singen?

APOLLOKennst du den Sinn

APOLLODer blühenden Rebe?

APOLLOWagst du Verneinung

APOLLODem Liebesfest ?

DAPHNEFremd das Fest –

DAPHNEFremd und unheimlich.

DAPHNEFremd Leukippos,

DAPHNEFremd ward die Welt

DAPHNEDunkel und leer –

stärker

DAPHNEDoch du:

DAPHNEDer Fremdeste aller!

APOLLOWie sehr du irrst,

APOLLODaphne, Geliebte 1

APOLLOSo nah dem Licht,

APOLLODas du ersehnst –

APOLLOBegehre ich dich, Daphne:

APOLLOVerzichte nicht! ...

Roter Schein flammt auf, Fackeln von allen Seiten. Apollo nimmt seine Waffen wieder auf; die Schale küsst er, dann wirft er sie abseits. Aus dem Dickicht von überall die Schäfer mit Fackeln. An ihrer Spitze Peneios, unter ihnen Maskierte. Von der Seite des Hauses gleichzeitig ein Aufzug der Frauen mit Amphoren und Schüsseln, auf dem Kopfe getragen. Voran Gaea mit einem Fruchtkorbe. Die beiden Züge begegnen einander auf der Bühne. Daphne flüchtet an die Seite Gaeas, während Apollo sich zu den Männern zurückzieht

majestätisch

PENEIOSAllüberall blüht Dionysos

PENEIOSAn des Flusses göttlichem Band,

PENEIOSDamit dereinst aus dieser Liebe

PENEIOSSein Blut uns quelle, sein Wein!

Gaea reicht ihm den Korb, Peneios spendet vom Weine

DIE SCHÄFERAllüberall blüht Dionysos,

DIE SCHÄFERDamit dereinst aus dieser Liebe

DIE SCHÄFERSein Blut uns quelle, sein Wein!

Die Hirten sind auf dem Hügel rechts gelagert, von den Fackelträgern umstanden, von den Frauen bedient. Man schmaust, ohne zu trinken. Unter dem Chore dringen die Maskierten vor. Es sind Schäfer, die mit umgekehrten Pelzen und Widdermasken – wie auf Vasenbildern – einen furiosen Tanz im Vordergrunde aufführen

fröhlich zusehend

CHORHütet euch, Frauen!

CHORGar sehr überfiel die

CHORDer Geist der Rebe!

Ein Zug Mädchen, zum Teil mit blumenumwundenen Stäben, zum Teil mit gefüllten Trinkschalen, tritt ein. Die mit den Thyrsosstäben sind kaum bekleidet, die mit den Trinkschalen ganz und gar mit Tüchern und Schmuck behängt, auch Kopf und Gesicht. Die letzte in ihrer Reihe ist der, verkleidete Leukippos. Nach kurzem Rundtanz der Thyrsosträgerinnen stürzen die Widder vor und bemächtigen sich der Bacchantinnen

sehr vergnügt

CHORO selge Dämonen!

CHORTräf uns euer Schicksal!

CHORO glückliche Widder!

Die Schalenträgerinnen schreiten auf die Schäfer zu und laden sie zum Trinken ein. Sie trinken mit den Mädchen. Leukippos nähert sich mit lockenden Gebärden Daphne

GAEATrinke ' du Tochter !

GAEAAus Erde kam es,

GAEADie Erde segnets!

GAEAMit solchem Trank

GAEAKehrst zu den Deinen,

GAEAKehrst zur Erde zurück!

Leukippos bietet Daphne die Schale

für sich, zugleich mit Gaea

ERSTE MAGDVorzüglich gelang es!

ERSTE MAGDGanz ist er Daphne!

ebenso

ZWEITE MAGDWas nie er gewagt,

ZWEITE MAGDGerät ihm nun leicht!

DAPHNEWoher nur kommst du,

DAPHNEDu grosse Fremde,

DAPHNEDie mir ganz gleicht

DAPHNEIn meinen Kleidern,

DAPHNESo rätselvoll

DAPHNEZiehts mich zu dir!

sie trinkt

ERSTER SCHÄFERWie gleicht sie Daphne!

ZWEITER SCHÄFERIst auch dies eine Magd

ZWEITER SCHÄFEROder der Himmlischen eine?

Leukippos ladet Daphne durch Zeichen ein, ihm tanzend zu folgen. Die andern Mädchen, die Trinkschalen anboten, tun desgleichen mit ihren berauschten Partnern

DIE SCHÄFERSo folgen wir euch

DIE SCHÄFERZu Ehren des Gottes

DIE SCHÄFERDionysos ! Dionysos!

Daphne steht unentschlossen, vor ihr der lockende Leukippos

GAEAWenn es dich treibt

GAEAZum heiligen Tanze,

GAEAWillfahre denn, Tochter,

GAEAUnd mir ist wohl!

DAPHNENur weil du mir

DAPHNEGanz schwesterlich bist,

DAPHNEAls wäre ich selbst

DAPHNEDurch der Götter Willen

DAPHNEEntstiegen dem Quell – –

DAPHNENur weil du mein Spiegelbild – – –

DAPHNEWill ich dir folgen ...

Langsamer hieratischer Tanz

alle Augen starr auf das Paar gerichtet

DIE SCHÄFERGross sind die Götter,

DIE SCHÄFERReich ihre Wunder! Dionysos!

ausbrechend

APOLLOFurchtbare Schmach dem Gotte!

durcheinander

ALLE SCHÄFERWas sagt der da ?

ALLE SCHÄFERDer eitle Fremde ?

ALLE SCHÄFERMit blanker Waffe

ALLE SCHÄFERBei unsrem Dienste

ALLE SCHÄFERDer hohen Götter ?

APOLLOWas ich euch sage?

APOLLODass ihr geäfft werdet

APOLLOVon einem Gaukler!

APOLLOBetrogen die Tochter

APOLLODes weisen Fischers,

APOLLOUnd nichts als Lästrung

APOLLODas ganze Fest!

Die Schäfer erheben sich wie ein Mann und bedrohen Apollo. Leukippos und Daphne kommen so nach dem Hintergrund

ERSTER SCHÄFERWillst du uns höhnen?

DIE SCHÄFERRecht so, Adrast!

ERSTER SCHÄFERFort mit der Waffe!

DIE SCHÄFERWillst du uns drohn?

ZWEITER SCHÄFERFort mit dem frechen

ZWEITER SCHÄFERRinderhirten!

er droht Apollo mit seinem Stabe

ERSTER SCHÄFERBist du so weise,

ERSTER SCHÄFERSo gib ein Zeichen!

Apollowird von den wilden Schäfern ganz auf die Bühnenseite gedrängt. Sie reissen ihm den Mantel weg. Vergebens suchen Peneios und Gaea sich Gehör zu verschaffen

DIE SCHÄFEREin Zeichen, ein Zeichen,

DIE SCHÄFERIm Namen des Gottes!

APOLLOEin Zeichen wollt ihr?

APOLLOIhr sollt es haben!

APOLLODen Gast beraubt ihr,

APOLLODer Schwindler entschlüpft euch!

APOLLOMag euch die Fremde beschützen!

Er schwingt seinen Bogen durch die Luft. Es donnert leise, aber vernehmlich. Die Schäfer stehen erstarrt

der ganz hinten geblieben ist, hell

ZWEITER SCHÄFERGewitter! Gewitter!

ERSTER SCHÄFERDie Hürden offen!

DRITTER SCHÄFERDie Böcke entspringen!

ERSTER SCHÄFEREntlaufen am Ufer!

DIE SCHÄFERTreiben die Schafe!

ZWEITER SCHÄFERVerdorben die Paarung!

ERSTE MAGDJetzt wirds gefährlich!

ZWEITE MAGDLass uns entlaufen!

beide ab. Das Drängen und Scharren der Herden erhebt sich nochmals, jetzt am stärksten. Donner

ALLE SCHÄFERSieh, es umgeben uns

ALLE SCHÄFERDunkle Dämonen!

ALLE SCHÄFERVater, rette!

PENEIOSFort denn, Männer!

PENEIOSRettet, rettet!

GAEAFort, ihr Mägde!

GAEARettet, rettet!

Dritter stärkster Donner. Alles stiebt ungeordnet davon. Ungewisses gewittriges Dämmerlicht. Apollo, Daphne und Leukippos bleiben allein zurück

zornig

APOLLOZu dir nun, Knabe!

APOLLODer mit frechem Trug

APOLLOSich einschlich zum Fest

APOLLOMeines göttlichen Bruders

APOLLOUnd rauben mir wollte

APOLLODie herrliche Daphne!

reisst sich selbst die Frauenkleider ab)

LEUKIPPOSJa, ich bekenne!

LEUKIPPOSIch bin Leukippos!

LEUKIPPOSDer Trug ist getilgt,

LEUKIPPOSDa ich bekenne!

LEUKIPPOSFrei weiss ich mich

LEUKIPPOSVon aller Schuld!

LEUKIPPOSAus männlicher Kraft

LEUKIPPOSWerb ich um Daphne!

LEUKIPPOSVerschmähe gerne

LEUKIPPOSDie weichliche Maske

LEUKIPPOSUnd eitle Verhüllung!

LEUKIPPOSDenn besser ging

LEUKIPPOSDer Gott in mich ein,

LEUKIPPOSDa mit Daphne ich trank

LEUKIPPOSSein gewaltiges Blut:

LEUKIPPOSDionysos! – – –

zu Daphne

LEUKIPPOSIn Dionysos Namen

LEUKIPPOSWend dich von jenem

LEUKIPPOSUnd diene dem Fest!

LEUKIPPOSIn Dionysos Namen:

LEUKIPPOSVon neuem bring ich

LEUKIPPOSDir meine Liebe!

LEUKIPPOSIn Dionysos Namen

LEUKIPPOSFolge mir, Geliebte,

LEUKIPPOSAuf ewig vereint!

verhüllt sich schmerzvoll

DAPHNEO doppelt getäuscht!

DAPHNEGetäuscht vom Gespielen,'

DAPHNEGetäuscht von ihm,

DAPHNEDer Bruder sich nannte!

zornig

APOLLODer Kinder Mund

Wirft Götternamen

APOLLOAchtlos umher!

APOLLOUnd sehn nicht den Gott!

tritt stolz und offen vor Daphne

LEUKIPPOSNicht mehr von mir!

zu Apollo

LEUKIPPOSDoch du, du selbst,

LEUKIPPOSDer sich vermisst

LEUKIPPOSIhn zu verteidigen

LEUKIPPOSUnd uns zu schmähn:

LEUKIPPOSWarum trägst du,

LEUKIPPOSDu Eitler, Starker,

LEUKIPPOSNoch eine Maske

LEUKIPPOSUnd Hirtenkleider ?

LEUKIPPOSVom Antlitz weg

LEUKIPPOSDes Geheimnis' Maske !

in schwerem Kampf

APOLLOMenschen – Menschen –

APOLLOWohin treibt ihr den Gott?

fasst Apollo an den Schultern

LEUKIPPOSHerab mit dem falschen Hirtengewand!

APOLLODaphne – Geliebte,

APOLLOErzwing nicht Enthüllung!

APOLLOMenschen – Menschen,

APOLLOIhr ertrügt sie nicht!

LEUKIPPOSMiss dich mit mir,

LEUKIPPOSWenn du vermagst!

gross und ehrlich, zugleich

DAPHNESo wahr du mir

DAPHNEVom Lichte sprachst,

DAPHNESo wahr du genannt

DAPHNEMeine echte Liebe,

DAPHNESo wahr du mir

DAPHNEErfüllung verhiessest,

DAPHNEMuss Wahrheit ich fordern!

APOLLOWahrheit wollt ihr?

DAPHNEReinige dich,

DAPHNEFalscher Bruder!

schlägt die Arme auf, in gewaltig rhapsodischem Ton

APOLLOWahrheit ? – –

APOLLOJeden heiligen Morgen

APOLLOSchnür ich die Riemen,

APOLLOBesteig den gewaltigen

APOLLOGoldenen Wagen! –

APOLLOAufwärts geht es

APOLLOMit schlagenden Hufen!

APOLLODa lang ich ins Dunkel

er nimmt den Pfeil aus seinem Köcher

APOLLOEinen Pfeil – so wie jetzt !

APOLLOErhebe den Bogen,

er spannt den Bogen

APOLLOSo scharf wie j etzt – –

APOLLOÜber der Berge eisige Spitzen,

APOLLOÜber die grünende Niederung,

APOLLOÜber das flammende Meer

APOLLOFliegt mein Geschoss!

hebt den Pfeil wieder ab

APOLLOFreut euch, ihr Götter, freut euch!

APOLLOIhr Menschen und Wesen alle:

APOLLODie Sonne

APOLLOSeht in mir

in höchster Ergriffenheit

DAPHNESo rührst du mich

DAPHNEAls sängest du,

DAPHNEWas meine Liebe längst

DAPHNEHintrug in alle Welt – –

DAPHNEUnd doch fass ich dich nicht!

LEUKIPPOSIch aber fass ihn wohl:

LEUKIPPOSLügner, Lügner!

Bogen und Pfeil noch in den Händen

APOLLOWas will das Menschlein?

APOLLOFlieh, wenn du kannst!

auf den Knien

DAPHNEJetzt helft, Freunde,

DAPHNEWahre Brüder!

DAPHNEJetzt hilf, geliebtes

DAPHNEHeiliges Schimmern

DAPHNEÜber den Wipfeln,

DAPHNEÜber den Wassern!

APOLLODaphne, wen rufst du

APOLLOUnd siehst mich nicht,

APOLLOWahres Licht ?

muss vor dem Bogen weichen

LEUKIPPOSSo schütze mich, Daphne,

LEUKIPPOSDu tanztest mit mir

LEUKIPPOSZu Ehren des Gottes!

wie festgebannt

DAPHNEIch kann ja nicht!

DAPHNEEr weiss mein Geheimnis,

DAPHNEEr kennt mein Herz –

DAPHNEEr selbst ist das Licht!

senkt den Bogen

APOLLOSo ahnst du mich endlich!

APOLLOFolge dem Gott!

wie erwachend, stark

DAPHNEDoch nie deinen Gluten!

LEUKIPPOSDank dir, Geliebte!

gross vor Apollo

LEUKIPPOSDir aber fluch ich!

Apollo hebt rasch den Bogen und schnellt ab. Blitz und Donnerschlag. Leukippos taumelt und fällt im Hintergrunde. Daphne bleibt erstarrt

sich langsam aus der Starre lösend

DAPHNEWas blendet so?

DAPHNEWar es die Sonne ?

DAPHNENein – es war nicht – die Sonne –

DAPHNEEs war der Blitz!

sie geht mit schwankenden Schritten nach dem Hintergrunde, erblickt den Daliegenden

DAPHNELeukippos!

sie wirft sich über ihn

schwach

LEUKIPPOSDaphne – Gespielin

LEUKIPPOSDich zu lieben wagt ich. –

LEUKIPPOSUnd ward erschlagen

LEUKIPPOSVon einem Gotte – –

stirbt

DAPHNEUnheilvolle Daphne! –

DAPHNEWeil ein Gott dich geliebt,

DAPHNEMusste er sterben!

DAPHNEO mein Leukippos!

DAPHNEGeliebter Gespiele!

DAPHNEWieder erklingt mir

DAPHNEDie trauernde Flöte.

DAPHNEDoch jetzt erlausche ich

DAPHNENicht des Windes Spiele,

DAPHNEJetzt weiss ich endlich,

DAPHNEWas du gelitten,

DAPHNEJetzt sagt mir die Flöte

DAPHNEDein ganzes Herz! ...

DAPHNEO mein Leukippos!

DAPHNESchuldvoll bin ich,

DAPHNEDa ich dir nicht folgte!

DAPHNEAus kindischen Spielen

DAPHNEDich leiden liess

DAPHNEUnd klagen die Flöte...

DAPHNESchuldvoller noch,

DAPHNEDa zu ihm ich mich wandte,

DAPHNEDem Herrn der Blitze,

DAPHNEStatt ihn anzuflehn,

DAPHNEDass er uns verlasse,

DAPHNEDie schwachen Menschen,

DAPHNEUnd gnädig folge

DAPHNEDen himmlischen Wegen

DAPHNEDer ewigen Götter.

DAPHNEAber am schuldvollsten,

DAPHNEDa ich dich nicht schützte,

DAPHNEMich ihm nicht darbot

DAPHNEZu seinem Willen

DAPHNEUnd meiner Vernichtung.

DAPHNEDich nicht errettet

DAPHNEMit meiner Keuschheit

DAPHNEGeliebter Gespiele!

DAPHNESo höre, mein Leukippos:

DAPHNEAlles, was jemals ich liebte,

DAPHNEWill ich dir opfern,

DAPHNEAlle die Spiele,

DAPHNEMein kindliches Glück!

DAPHNEIn meiner Hand

DAPHNEBring ich die Quelle,

DAPHNEDie Stirn dir zu netzen,

DAPHNEDie arme, bleiche!

DAPHNEDie gaukelnden Falter

DAPHNEIch ruf sie herbei,

DAPHNEUm dich zu schmücken

DAPHNEMit ihrer Pracht!

DAPHNEUnd all die Blumen,

DAPHNEDie je ich geliebt,

DAPHNEBring ich auf vollen,

DAPHNESchwellenden Händen,

DAPHNEBreite sie aus

DAPHNEUm dich, Geliebter,

DAPHNEZu deiner Feier

DAPHNEUnd Totenfest! –

DAPHNEIch aber, armselige Daphne,

DAPHNEWill still mich kauer

DAPHNEZu deinen Füssen

DAPHNEIn grosser Trauer,

DAPHNEIn tiefer Demut –

DAPHNEUnd warten ... warten,

DAPHNEBis sie mich rufen

DAPHNEDie stolzen Herren

DAPHNEDie dich getötet –

DAPHNEUnd mich geliebt!

sie sinkt ganz in sich

in ihre Betrachtung versunken

APOLLOWas erblicke ich?

APOLLOHimmlische Schönheit !

APOLLOWas höre ich ?

APOLLOWelch ein Gesang ?

APOLLOSind wir noch Götter ?

APOLLOOder längst schon beschattet

APOLLOVon menschlichen Herzen

APOLLOOder längst schon ausgelöscht

APOLLOVon solcher Reinheit?

APOLLOGötter! Brüder

APOLLOIm hohen Olympos!

APOLLOSeht den schuldvollen

APOLLOElenden Bruder

APOLLOGetötet hab ich

APOLLOMehr als den Armen,

APOLLOGetötet hab ich

APOLLODie unschuldvollste,

APOLLODie lichteste Reinheit!

APOLLOBruder Dionysos,

APOLLODu bliebst unsichtbar

APOLLOBei deinem Feste;

APOLLODenn ich, ich selber

APOLLOZierte mich fälschlich

APOLLOMit deiner Kraft!

APOLLOKannst du verzeihen,

APOLLODass ich den jünger

APOLLODir getötet habe,

APOLLODer dein erfüllt war?

APOLLONimm ihn zu dir

APOLLOIn deine Kreise,

APOLLOErfreu sein Flötenspiel

APOLLOGöttliche Tänze!

APOLLODu aber, stärkster

APOLLOErhabener Vater,

APOLLOZeus Kronion!

APOLLOKannst du verzeihen,

APOLLODass ich mich mengte

APOLLOIn dein innerstes Walten

APOLLOErhabner Natur,

APOLLOStatt darüber zu schweben

APOLLOIn meiner Sphäre?

kniend, ganz gross

APOLLOGib sie mir wieder,

APOLLODie ich geliebt

APOLLOUnd tief beleidigt,

APOLLODie schuldlose Daphne!

APOLLODoch nicht als Mensch mehr,

APOLLOWie ich sie suchte

APOLLOIn meiner Verblendungl

APOLLOErfüll ihren Traum,

APOLLOErfüll ihre Liebe!

APOLLOUnverwelklich

APOLLOEwig grünend

APOLLOLass sie aufblühn

APOLLOIm Kreis ihrer Freunde,

APOLLODer Blütenbäume,

APOLLOZu unsern Höhn!

APOLLOSo schenke mir

APOLLODen Baum Daphne –

APOLLODen göttlichen Lorbeer –

APOLLOUnd ich will ihn setzen

APOLLOIn höchster Ehre!

Er erhebt sich beschwörend. Es wird nach und nach dunkel

APOLLOPriesterlich diene,

APOLLOVerwandelte Daphne,

APOLLODem ewigen Bruder

APOLLOPhoibos Apollon!

APOLLODer von je dich geliebt

APOLLOUnd in Ewigkeit!

APOLLOSo löst er von dir,

APOLLOSchwester, das Reis,

APOLLODas ewig grünende,

APOLLOWindet den Kranz!

APOLLODie hart um dich streiten,

APOLLODer Männer beste –

APOLLODu berührst sie

APOLLONur an den Stirnen,

APOLLODie Jünger des Gottes,

APOLLODie besten im Streite

APOLLOUnd edlen im Frieden!

Apollo verschwindet. Es ist ganz dunkel geworden. Daphne rafft sich auf und eilt in den Hintergrund. Plötzlich bleibt sie festgebannt

DAPHNEIch komme – ich komme –

DAPHNEGrünende Brüder… ,

DAPHNESüss durchströmt mich

DAPHNEDer Erde Saft!

DAPHNEDir entgegen –

DAPHNEIn Blättern und Zweigen –

DAPHNEKeuschestes Licht !

Daphne unsichtbar, an ihrer Stelle erhebt sich der Baum

STIMME DER DAPHNEApollo! Bruder!

STIMME DER DAPHNENimm… mein ... Gezweige .

STIMME DER DAPHNEWind. ... Wind.

STIMME DER DAPHNESpiele mit mir!

STIMME DER DAPHNESelige Vögel,

STIMME DER DAPHNEWohnet in mir ...

STIMME DER DAPHNEMenschen ... Freunde ...

STIMME DER DAPHNENehmt mich ... als Zeichen

STIMME DER DAPHNEUnsterblicher Liebe ...

Mondlicht hat sich über den ganzen Baum gebreitet. Daphnes Stimme tönt aus seinem Geäst weiter

Der Vorhang fällt langsam