Die schweigsame Frau
Strauss, Richard
SIR MOROSUS (Bass)
Seine HAUSHÄLTERIN (Alt)
BARBIER SCHNEIDEBART (Bariton)
HENRY MOROSUS (Tenor)
AMINTA, seine Gattin (Sopran)
ISOTTA (Sopran)
CARLOTTA (Mezzosopran)
MORBIO (Bariton)
VANUZZI (Bass)
FARFALLO (Bass)
Die Werke von Richard Strauss geniessen bis auf weiteres den Schutz des Copyrights
© 1933 Richard Strauss
© 1994 Fürstner Musikverlag GmbH, Mainz
Die nachfolgende Wiedergabe des Librettos geschieht mit freundlicher Genehmigung
der Urheberrechtsgemeinschaft Dr. Richard Strauss
(für die Gebiete Deutschland, Danzig, Italien, Portugal und die Nachfolgestaaten der UdSSR ausser Estland, Lettland und Litauen)
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SYSTEMERSTER AUFZUG
SYSTEMERSTE SZENE
Zimmer des Sir Morosus. Weiter, unordentlich gehaltener Raum mit vielen Zeichen, die erkennen lassen, dass hier ein ehemaliger Seemann haust: Schiffsmodelle, Fahnen, Gewehre, Anker, Fischgerippe, Takelwerk. Besonders auffällig, dass alle Türen mit dichten Vorhängen oder Säcken geschützt sind.
Vormittagsstunde
fegt den Staub vom Tische, macht Ordnung. Es klopft
öffnet, lässt den Barbier herein
DIE HAUSHÄLTERINEi, die Ehre, die Ehre! Der Herr Schneidebart, immer zeitig, immer zur Zeit. Komm Er nur, komm Er nur weiter und wart' Er ein wenig! Er schläft noch, der Herr, er schläft Gott sei Dank, da haben wir Ruhe. Da kann man was reden, da kann man noch plaudern.
BARBIERMeld' Sie mich an!
DIE HAUSHÄLTERINIch sag's doch, er schläft noch, er schläft, Gott sei Dank. Da kann man noch reden, mir friert schon der Mund. Da darf man sich rühren, denn mein Gott, denn mein Gott, wenn er erwacht, dann ist es zu Ende, Da heisst es sich ducken, ganz stumm tun, und leise herum in Pantoffeln, ganz stumm und ganz leise, kein Wort und kein Atem, kein Schritt und kein Ton, nur schweigen und schweigen, schweigen bis man erstickt! Ach, liebster Herr Bader!
BARBIERMeld' Sie mich an!
DIE HAUSHÄLTERINGleich, gleich, ich muss Ihm's erklären, ich halt' es nicht aus. Der Herr, Er weiss ja, der Herr ist so streng, und doch, Er weiss ja, der Herr ist so gut. Man will ihm doch helfen, man will ihn doch pflegen, man müht sich, man plagt sich, man denkt nur für ihn, - wie arm und verlassen ist so ein einsamer Mann! Kein Sohn und kein Neffe, kein Freund und kein Schwäher undvo r allem, und vor allem, ach ja, keine Frau! Keine brave, keine treue, keine rechte und echte, keine ehrliche, redliche, sorgliche Frau ...
BARBIERZum Teufel, meld' Sie mich an!
DIE HAUSHÄLTERINGleich, gleich - Versteht sich, nicht eine, die frech ist und windig, nicht so ein verbuhltes, ludriges Ding... Keine junge, oh nein, keine junge, keine grüne, nicht so ein Püppchen aus Zucker und Wachs, nein, nein, eine rechte, erfahren und fleissig, sehr still und sehr schweigsam, schon reif in den Jahren - so etwa in meinen - genau und gelassen, zwar sparsam, doch flink, nicht hitzig, doch munter, so eine, so eine ... ich meine, die treu ist und gut.
BARBIERZum Teufel, ich hab' meine Zeit nicht gestohlen! Was schwätzt Sie und schwatzt Sie! Meld' Sie mich an!
DIE HAUSHÄLTERINGleich, gleich, ich meine nur ... Er weiss doch, Er kennt doch, Er kennt doch den gnädigen Herrn . . ; Er hat sein Vertrauen, Er plaudert mit ihm. Da dacht ich, Er könnt' doch verstohlen . . .
BARBIERPotz Kreuz, ich bin zum Barbieren bestellt.
AUSHÄLTERINch mein' nur . .. ach hört doch, ich denke ...
BARBIERDen Schaum schlag' ich selber, was schwätzt Sie? Meld' Sie mich an!
DIE HAUSHÄLTERINNur dies noch. . Er könnte doch ... ich meine.. ich zahlt' es Ihm gut ... ich meine, Er könnte dem Herren doch sagen ... versteht sich, ich zahlt' es Ihm gut ... Er könnt' Ihm doch sagen .... Er begreift mich, ich zahlt' es Ihm gut ... Was braucht er lang' suchen, der gnädige Herr ... Mich hat er erprobt. Seit siebzehn Jahren ...
BARBIERSchwätzt Sie und schwatzt Sie allein wie ein Kirchenspiel von morgens bis abends -
DIE HAUSHÄLTERINEr könnt' Ihm doch raten ...
ausbrechend
BARBIEREuch zum Henker zu jagen, Euch altes, verschwatztes, verwittertes Weib!
aufschreiend
DIE HAUSHÄLTERINAi!
BARBIEREh' an den Glockenklöppel von Sankt Pankraz sich hängen als an Euren Hals! Eh' sich nackt in ein Nesselfeld legen, als mit Euch ins Bett!
schriller
DIE HAUSHÄLTERINAi!
BARBIEREh' sich alle Backenzähne reihenweis ausziehn zu lassen, als ein Ja" vor dem Pfarrer!
DIE HAUSHÄLTERINEr Grobian, - Er. . . Er ...
BARBIEREh' sich inokulieren zu lassen mit Narrenkraut, als Euch zu sponsieren!
DIE HAUSHÄLTERINWas erlaubt Er sich gegen eine ehrsame Wittib? Er will reden! Er, Er elender Bartschaber, Er lediger Kindermacher, Er Kuppelmajor und Mixturenmischer, Er ausgeflogener Galgenvogel, Er ausgepichter, ausgejagter Tanzmeister des Teufels? Hinaus aus dem Haus! Marschier' Er sofort! Hinaus!
BARBIERRuhig, alter Scherben, oder ich schlag' dich in Trümmer!
sehr grell
DIE HAUSHÄLTERINMich schlagen, du Hundsknochen? Mich schlagen, eine ehrsame Wittib? Hinaus mit Ihm, hinaus aus dem Haus . .
SYSTEMZWEITE SZENE
stürzt aus dem Schlafzimmer hervor. Er ist im Morgenrock, hält eine lange türkische Pfeife in der Hand, deren langen Stiel er vom Pfeifenkopf wegreisst und gegen die erschrockene Haushälterin schwingt. Losdreschend
SIR MOROSUSDa eine in deine Takelage, du altes wurmstichiges Wrack! Ich will dich lehren, Lärm machen. Da noch eine Breitseite und noch eine und noch eine! Mich willst du entern, du rostiger Ankerhaken ? Mich willst du als Prise nehmen, du morsche Galeere? Ich werde dir Wind machen, dass du zum Satan fährst. Marsch, in deine Koje und nicht wieder heraus! Marsch und keinen Ton mehr oder ...
ist durch die Tür entflohen
Morosus unterbrechend und beruhigend
BARBIERNur nicht so cholerisch, gnädiger Herr, es schlägt sich auf die Leber und macht schwarzes Blut. Nur Ruhe! Sie ist die Spucke nicht wert. Nur Ruhe, nur Ruhe!
ärgerlich auf den Barbiersessel sich niederlassend
MOROSUSRuhe? Warum soll ich Ruhe halten? Warum gerade ich? Warum ich allein in diesem Lärmkessel des Teufels? Wer lässt mir Ruhe?
ihm das Tuch umbindend und den Schaum schlagend, höflich, friseurhaft
BARBIEREuer Liebden haben, ich fürchte, schlecht geschlafen.
MOROSUSSchlafen? Wie kann man schlafen, wenn immer eine ganze Herde von Brüllhälsen wach ist? Schlafen denn die andern Menschen in der Stadt? Und lassen sie einen friedsamen Bürger schlafen? Nein, sie rennen auf die Strasse, sie toben in den Schenken, sie kotzen die Nacht voll mit ihrem vermaledeiten Lärm! Oh Gott, wie ist dieses Eselsgeschlecht der Menschen erfindungsreich im Spektakulieren! Das fiedelt und flötet, das pfeift und trompetet, das brummt und das schrummt, das rauft und besauft sich, das klimpert und stümpert und setzt niemals aus, nie, nie wird's hier still in Gasse und Haus!
ihn beflissen einseif end, nach hurtiger Friseursart
BARBIERWohl, wohl, eine Schande ists, wie die gestrengen Verordnungen seiner Majestät des Königs und des löblichen Magistrats missachtet werden in dieser Stadt. Aber solange das Volk Geld in der Tasche hat, will es saufen, und wenn es gesoffen hat, dann geht's ans Raufen, und leider, leider, das ist jederzeit mit Geschrei verbunden. Da hilft nichts, als dass ein ruheliebender Bürger selber sein Gläschen Ale trinken geht und im Wirtshaus abwartet, bis die Scharwache die Gassen reinfegt. Um Mitternacht wird's dann schon still!
ihn wegstossend vor Zorn
MOROSUSStill? Um Mitternacht still? Und die Glocken? Die verfluchten, vermaledeiten Glocken? Wann werden die jemals still?
MOROSUSOh diese Glocken,
MOROSUSDie bös und schwarz auf den Türmen hocken,
MOROSUSUnsichtbar stumm im Gestühle kauern
MOROSUSUnd die Zeit, die unendliche Zeit belauern!
MOROSUSUnd plötzlich mit einem donnernden Stoss,
MOROSUSFahren sie los:
MOROSUSPing, pang,
MOROSUSSchwing, schwang,
MOROSUSStundenlang,
MOROSUSDie grossen, die schweren,
MOROSUSDie donnern und dröhnen,
MOROSUSDie kleinen, die dünnen,
MOROSUSDie plärren und stöhnen,
MOROSUSImmer und immer
MOROSUSSchmeissen sie einem Lärm ins Zimmer;
MOROSUSOb es dunkelt, ob's dämmert,
MOROSUSBei Nacht und bei Tag,
MOROSUSImmer und immer
MOROSUSDieser grässliche, grausame Stundenschlag!
MOROSUSOh, die Glocken,
MOROSUSDie entsetzlichen Glocken,
MOROSUSBald gröhlen sie, um in die Kirche zu locken,
MOROSUSWenn einer krepiert,
MOROSUSWenn einer geboren,
MOROSUSWenn ein Narr einem Weib sich zur Ehe verschworen,
MOROSUSWenn ein Dieb zum Galgen befördert wird,
MOROSUSImmer, immer,
MOROSUSImmer werden die Glocken gerührt!
die rechte Seite rasierend
BARBIERSehr wahr, Euer Liebden, nicht einmal Sonntag feiern sie wie sonst jeder ehrsame Handwerksmann. Aber die Glocken unterstehen der Diözese und nicht der Judikatur des Magistrats. So tut jeder Bürger, dem sein ehrlicher Schlaf lieb ist, wohl, seine Läden gut zu schliessen gegen dieses ärgerliche Gel.trm und er hat Ruh' im Haus.
ihn wieder wegstossend
MOROSUSRuhe im Haus? Wann hab' ich Ruhe im Haus? Ist dieses Weib nicht da, das mehr Lärm macht als ein achtzehngräd'ger Monsun? Ah, dieses Plappermaul, das mehr Worte in einer Minute abschiesst als seiner Majestät bestes Kriegsschiff Salven in einer Stunde. jetzt fegt sie die Zimmer, jetzt schlägt sie die Türen, bald klopft sie und knattert, bald schwatzt sie und schnattert, beständig zeigt sie sich höllisch lebendig und nie, niemals schweigt sie.
BARBIEREinen solchen Drachen würde ich an Eurer Gnaden Stelle per Stückfracht dahin spedieren, wo der Pfeffer wächst und nähme mir dafür eine junge ins Haus, still und gefügig, ein schmuckes Weibchen, ein sanftes Täubchen, ein zartes, zärtliches Zeitvertreibchen - eine nette, adrette, schweigsame Frau!
MOROSUSHa! Eine schweigsame Frau? Ein Meer ohne Salz? Ein Schiff ohne Ratten ? Eine Frau, die nicht schnattert? Siebenmal bin ich ums Kap gesegelt und vom Eismeer bis ins Affenland und habe vierundsechzig Jahre keine begegnet! Eine schweigsame Frau, die findet man nur auf Kirchhöfen und unterm steinernen Kreuz!
hat das Rasieren beendet, stäubt ihn mit Puder ein und bereitet die Brennscheren vor für die Perücke
BARBIEREuer Gnaden belieben zu übertreiben. Sind nicht so rar, die stillen Täubchen, flattern nur nicht aus, sitzen brav gehorsam im Taubenschlag bei Vater und Mutter, und ausser im Kirchstuhl sieht sie kein Mann. Ein Dutzend an jedem Finger wüsst' ich, die sich glücklich schätzten, einen so respektablen, hochehrenswerten S quire wie Euer Gnaden betreuen zu dürfen. Und gar heiraten, geheiratet werden, ach, sie liefen hundert Meilen weit, denn die ehrsamen Männer sind rar geworden und . . .
MOROSUSWill Er mich zum Narren haben? Eine junge Frau ins Haus, das hiesse mich drei Wochen später auf der Bahre!
BARBIERMit nichten, mit nichten! Glauben Euer Gnaden einem geprüften Bader, der siebenmal mehr weiss als jeder Medikus von der Royal Academy: es gibtkein besseres Remedium, um das Blut warm zu halten, als eine junge Frau! Das schmeidigt den Schlaf, das schmächtigt die Galle und sänftigt die Laune, das heitert den Sinn, das vergütigt die Seele. Ach, kein Arcanum tut einem ältlichen Herzen so wohl als eine junge, zärtliche Frau. Es ist ein Elektron in ihrem Blick, das alle guten Kräfte im Mann aufziehet und fruchtbar macht. Es ist wie gefilterte Sonne, die das Herz wieder zum Blühen bringt. Denkt Euch's nur aus:
BARBIEREs wird Abend, der Ofen friert kalt,
BARBIERMan fühlt sich verlassen, man fühlt sich uralt. -
BARBIEREs wird traurig und schaurig, wird so furchtbar stumm,
BARBIERAls sässe der Tod in der Stube herum.
BARBIERDa tritt sie herein,
BARBIEREin Stück lebendiger Sonnenschein,
BARBIERBringt Wärme und Blüte, bringt Güte und Licht
BARBIERMit hilfreichen Händen, mit frohem Gesicht,
BARBIERUnd alles Grauen ist fortgetan.
BARBIERMan hält sich die Hände, man blickt sich an,
BARBIERMan plaudert, man schweigt, man lächelt sich zu,
BARBIERMan spricht sich, man scherzt sich und träumt sich
BARBIERZur Ruh. -
BARBIERWär das nicht schön?
plötzlich nachdenklich werdend. Ganz träumerisch vor sich hin
MOROSUSJa, das wär schön! Nicht so bang, - nicht so leer, -- nicht so sterbensallein
MOROSUSJeden Tag, jede Nacht mit sich selber zu sein.
MOROSUSKein Sohn, kein Erbe, kein Neffe, kein Freund,
MOROSUSKein Mensch auf der Welt, der es herzlich meint.
MOROSUSja, das wär schön! -
MOROSUSIrgendwen
MOROSUSZu wissen, für den man da ist,
MOROSUSDer einem gut, - der einem nah' ist,
MOROSUSMit dem man atmet, mit dem man denkt.
MOROSUSWenn einem die Angst in die Kehle drängt.
MOROSUSIrgendwen,
MOROSUSFür den man lebt und dem man stirbt,
MOROSUSUnd dass einer da ist, wenn man erkaltet,
MOROSUSDer einem die Augen zudrückt und die Hände faltet,
tief atmend
MOROSUSJa, das wär schön. -
schnell
BARBIERAlso verstatten Euer Gnaden, ein wenig Umschau zu halten, ich kenne alle Mütter und Väter und Tanten und Töchter im Umkreis von siebzehn Meilen, ich brächte Euch das Feinste, das Stillste, das Lieblichste, das Leiseste aus der ganzen Grafschaft ...
MOROSUSUnsinn, mach' keinen Scherz! Welches Mädchen sollte mich nehmen wollen, mich alten, bösen, bissigen Mann? Was jung ist, liebt die Jugend, und recht so! Nein, nein, ich bin zu alt, ich bin zu alt !
BARBIEROh, Euer Gnaden tun sich selber Unrecht. Es gibt solche und solche bei den Jungfern, und solche, die gar keine sind. Es gibt törichte und kluge, und die Klugen wissen, dass das Alter gütig ist und die Jugend frech, die Schönheit vergänglich und das Geld beständig, und sie wählen tausendmal lieber einen Mann mit Würde und Ehre, als einen Tunichtgut.
Er hat die Brennschere in der Hand und singt, während er die Locken aufwickelt und einrollt, die Kanzone
BARBIERMädchen nur, die nichts erfahren,
BARBIERSind vom blossen Blick betört,
BARBIERNicht nach Rang, nur nach den Jahren
BARBIERMessen sie des Mannes Wert.
BARBIERKeiner kann da grob genung sein,
BARBIERDenn sie suchen ohne Halt
BARBIERIn der Liebe nur das Jungsein,
BARBIERIn dem Mann nur die Gestalt.
MOROSUSJa, ich bin mir längst im klaren,
MOROSUSJa, ach ja, ich bin zu alt.
BARBIERAnders aber lieben Frauen,
BARBIERKraft und Reife zieht sie an,
BARBIERNur wem sie getrost vertrauen,
BARBIEREhren sie als rechten Mann.
BARBIERGern beugt jede sich und fügt sich,
BARBIERWo sie Geist spürt und Gehalt.
BARBIERWer nur Jugend sucht betrügt sich,
BARBIERJede Kluge weiss das bald.
MOROSUSIch, ich sehe, Er belügt mich,
MOROSUSNein, ach nein, ich bin zu alt. -
BARBIERDiese lieben, jene schwärmen,
BARBIERSucht Euch nur die Rechte aus.
MOROSUSNein, sie werden beide immer lärmen,
MOROSUSRuhe will ich, Ruh' im Haus!
SYSTEMDRITTE SZENE
Ein plötzlicher harter Schlag mit dem Klopfer an die äussere Türe
aufspringend wie von einer Kugel getroffen
MOROSUSAh!
hat die Brennschere fallen gelassen vor Schreck
BARBIERGnädiger Herr!
Neues kräftiges Pochen
MOROSUSAh! Mein Stock! Wo ist mein Stock? Ich muss diesem Schurken den Schädel eindreschen!
ihn haltend
BARBIEREuer Gnaden, temperiert Euch! Es kann ein Schlagfluss resultieren, wenn Euer Gnaden sich so echauffieren.
mit ihm ringend
MOROSUSMeine Ruhe! Ich will keine Menschen im Haus! Meine Ruhe will ich!
draussen, unsichtbar
STIMME DER HAUSHÄLTERINFür niemanden! Sir Morosus empfängt niemanden.
unsichtbar
STIMME DES HENRY MOROSUSIch muss ihn aber sprechen.
STIMME DER HAUSHÄLTERINIst nicht zu sprechen.
STIMME HENRYSMuss zu sprechen sein!
STIMME DER HAUSHÄLTERINNein!
STIMME HENRYSDoch!
STIMME DER HAUSHÄLTERINNein!
STIMME HENRYSDoch!
MOROSUSAh, du Kröte! Ich werde dich breitschlagen!
STIMME DER HAUSHÄLTERINWas, mit Gewalt?
noch draussen
STIMME HENRYSIch muss herein.
draussen
STIMME DER HAUSHÄLTERINLasst mich los.
innen zum Barbier
MOROSUSLass mich los, Verfluchter!
Morosus hat sich losgerissen, rennt nach seinem Prügel und stürzt mit dem geschwungenen Stock nach der Tür
fliegt in diesem Augenblick durch die aufgerissene Tür herein und zu Boden, hinter ihr Henry
HENRYich werde dir zeigen, mir den Weg zu sperren!
MOROSUSAh..
Er schwingt den Stock, um auf Henry loszuschlagen. Plötzlich lässt er den Stock starr erhoben schweben, fragend
MOROSUSHenry?
HENRYMein teuerster Ohm!
begeisterter, sicherer
MOROSUSHenry? Wirklich Henry?
HENRYUnd meines Oheims allergetreuester Neffe!
MOROSUSHenry!
Er lässt den Stock fallen und umarmt ihn. Zärtlich ihn nach vorn führend
MOROSUSDu lebst?
HENRYIch lebe.
MOROSUSDu bist nicht tot ?
HENRYNicht dass ich wüsste.
MOROSUSDu bist nicht gestorben?
HENRYNicht dass ich dessen mich erinnerte.
MOROSUSAber du warst verschwunden von der Universität Pavia; niemand konnte mir Nachricht geben.
HENRYAch, Ohm, verzeiht mir's. Mich langweilten die Bücher, mich ekelte die Jurisprudenz, mich widerte der ganze papierene Kram. So lief ich davon.
breit lachend
MOROSUSHa! Liefst davon? Einfach davon? Bravo, bravo! Ein Morosus, ein echter Morosus, mein wahrer BruderSohn! So sind wir, nicht zu halten, nicht zu binden, immer dem Abenteuer nach. Genau so entlief ich vor vierzig Jahren vom Gut meines Vaters zur Flotte, mich herumzuschlagen mit Tod und Teufel. Ein echter Morosus! Unser Blut, unser Sinn! Aber nun bleibst du hier?
HENRYWenn Ihr's verstattet, mein gütigster Ohm. Doch ...
zum Barbier
MOROSUSEr bleibt hier. Habt ihr's gehört? Ihm dies Haus, ihm mein Erbe! Alles ihm! jetzt brauch' ich keine Braut, keine Frau, keine Mädchen, keine stummen und schweigsamen ' sie sollen einen Schuster heiraten oder einen Krämer und ich geb' meinen Segen, jetzt ist er da, mein Erbe, mein Sohn. Du wirst ihn rasieren.
zur Haushälterin
MOROSUSDu wirst ihn betreuen! Die oberen Zimmer für ihn! Alles für ihn! Ab, mein Henry, jetzt weiss ich wieder, wozu inan lebt. Komm, leg' ab, setz' dich her, komm in meine Arme, wackrer junge, komm, ich bin hundeneugierig, von dir zu hören.
HENRYJa, gerne, gerne… doch möcht' ich erst …
MOROSUSGanz - was dir beliebt! Du bist bei dir zu Hause! Soll man dir ein Bad rüsten? Willst du essen? Willst du trinken ? Nur setz' dich, setz' dich her, mein junge, lass mich freuen an dir!
unruhig
HENRYJa, es ist nur ... wie soll ich's Euch erklären ... ich bin nicht allein.
MOROSUSNicht allein?
HENRYIch bin mit ihnen ... sie sind mit mir ... sie warten unten ... nämlich ... nämlich
zögernd
HENRYmeine Truppe ...
falsch verstehend, begeistert
MOROSUSDeine Truppen? Du hast sie mitgebracht, deine Soldaten? Ha, ich dacht' es gleich, ein Morosus klebt nicht bei Büchern, den lockt's ins Abenteuer. Wacker, wacker! Ein echter Morosus, das gute, feurige Blut! Wer mit einem Morosus gefochten, ist mein Freund, mein Gast! Her mit deinen Soldaten! Alle herauf!
Zum Fenster hinunterrufend
MOROSUSHerauf! alle herauf! Ihr seid alle geladen.
Wieder zu Henry
MOROSUSIch will sie sehen, deine jungen, sie sollen mir er-zählen von deinen Heldentaten, ein alter Seemann hört nichts lieber als von Schlachten und Kriegen!
Zur Haushälterin
MOROSUSWein her! Krüge und Becher! Ah, wie freu' ich mich, mein Henry, deine Kameraden zu bewirten, es sind doch des Herrgotts beste Söhne, die Soldaten, und ich war auch einer von ihnen.
Kleiner humoristischer Marsch. Es tritt auf die Operntruppe Cesare Vanuzzis: zuerst Cesare Vanuzzi, schlecht angezogen, aber pathetisch und gravitätisch. Carlo Morbio, Giuseppe Farfallo, drei Sängerinnen: Aminta, Isotta und Carlotta, hinter ihnen zwei bis vier andere Sänger, die gewissermassen den kleinen Chor bilden. Sie treten gravitätisch ein, die Frauen machen devote Kratzfüsse
hat überrascht und sprachlos dem Aufzug zugesehen, dann indigniert, mit erwachendem Zorn
MOROSUSDas deine Truppen? Deine Soldaten?
ängstlich
HENRYAllerdings. . . jawohl ... unsere Truppe ... Die hoch- berühmte Compagnia Maestro Cesare Vanuzzis ...
sich fassend
HENRYgestattet, Ohm, Euch zu präsentieren: Cavaliere Cesare Vanuzzi, der Principal unserer Opera, Ritter des goldenen Sporens, der Apoll Italiens ... hochbeliebt bei Seiner Heiligkeit, Gast der illustresten Höfe ...
sich verbeugend
VANUZZIund Euer Gnaden ergebenster servitore.
HENRYDies Carlo Morbio, gefeiert für seinen Orfeo, dies Giu-seppe Farfallo, der Liebling Bolognas, - dies Aminta, dies Isotta, dies Carlotta, dies die andern Kameraden.
misstrauisch
MOROSUSDu willst doch nicht sagen, dass du gleichfalls singst ?
HENRYIch habe mich nicht ohne Erfolg darum bemüht.
VANUZZINicht so bescheiden! Ein junger Meister, Euer Gnaden! Parola d'onore, das Entzücken von San Carlo und Santa Capella.
MOROSUSDoch nicht in publico singst?
HENRYAllerdings. Seit einigen Monden.
MOROSUSFür Geld? Ein Morosus? Du lässt dich bezahlen?
HENRYIch darf zu meinen Gunsten vorbringen, dass ich bisher sehr schlecht bezahlt wurde.
MOROSUSUnd wozu ... wozu schleppst du all die mit nach England? Was soll das da?
HENRYCavaliere Vanuzzis Ruhm ist bis in unser Vaterland gedrungen. Ein Impresario hat ihn gewonnen, im Haymarket-Theater einige seiner berühmten Operas zu produzieren, wir hoffen auf den geneigten Beifall Ihrer Majestäten und die Gunst des Publikums.
MOROSUSUnd wenn dazu im Chorus die himmlischen Heerscharen singen wollten, ich hör' mir's nicht an. Eher auf die Galeeren als zu diesem neumodischen Ohrengeschinde, das man Operas nennt! Mögen sie trillern und brüllen, bis ihnen der Kehlkopf platzt. Ich hoffe nur, du, ein Morosus, machst mir nicht die Schande, dich hierzulanden mit ihnen zu zeigen.
HENRYCavaliere Vanuzzi hat mir den Part des Primo Tenore zugedacht. Ich werde den Orlando singen in der Opera des göttlichen ...
MOROSUSDu wirst nicht singen!
HENRYIch werde singen!
MOROSUSDu wirst nicht singen!
HENRYIch werde singen!
MOROSUSIch verbiete es. Ich dulde die Schande nicht. Unser ehrlicher Name! Unser angeseh'nes Haus! Ein Morosus neben Kastraten und Gauklern! Ein -Morosus! Ich verbiete es! Ich verbiete es!
HENRYHört mich an, gütigster Ohm!
MOROSUSIch will nichts hören. Ruhe will ich, Ruhe! Ein Morosus, der singt, ist kein Morosus! Sofort verlässt du diese Truppe!
HENRYIch kann sie nicht verlassen. Ich bin gebunden an sie! Mit meinem Wort, mit meiner Ehre, mit -
er zieht die zögernde Aminta heran
HENRYmeiner Liebe. Ich wagt' es Euch nicht gleich zu gestehen, Ohm. Diese, Aminta, ist meine Frau.
MOROSUSDeine Frau? Eine Sängerin? Und sie soll in mein Haus? Eine Lärmmacherin, eine Ohrenschinderin, eine Komödiantin, eine Gauklerin, eine ...
HENRYGenug und zu viel! Wenn sie Euch nicht willkommen ist, dann gehe ich mit ihr.
MOROSUSDrei Komödianten! Sechs Komödianten! Eine ganze Opera in meinem Haus? Bist du toll? Fort mit denen allen, oder - ich enterbe dich!
HENRYMein gütigster Ohm!
immer wilder
MOROSUSIch enterbe dich! Kein Pfund und keinen Schilling! Lieber vor die Ratten! Lieber ins Wasser! Oh diese Schande! Ein Morosus mit solchen Kujonen, solchem Galgenholz, mit solchen Strassenläufern, Bettelsängern ...
ausbrechend
VANUZZIAh! C'è troppo! Das mir! Einem Ritter vom goldenen Sporn!
Alle durcheinander zusammen und auf die einzelnen Invektiven Morosus' einsetzend, immer stärker, erbitterter, schliess-lich zum Tumult werdend
MOROSUSSolchen ausgestäupten Halunken! Solchen Weissnichtwohers!
MORBIOImpertinenza! Was erlaubt er sich!
FARFALLOChe arroganza! Mich, der vor dem Papst gesungen!
HENRYOhm, ich beschwöre Euch, moderier Er sich!
MOROSUSMit Dirnen und Hübschlerinnen ...
ISOTTAWas erlaubt Er sich!
CARLOTTAWas erfrecht Er sich!
MOROSUSMit solchem zusammengelesenen Pack, das für zehn Soldi Speichel frisst, das für jedes Bravo buckelt, das für ein Goldstück heult und hurt ... Fort mit denen allen, oder ich enterbe dich!
HENRYDas ist zuviel! Das duld' ich nicht. Ihr beleidigt meine Frau!
VANUZZIMeinen Degen! Meinen Degen! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Ich muss ihm die Ohren abschneiden!
MORBIOVor die Justiz! Vor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat uns beschimpft! Soddisfazione!
FARFALLOVor die Justiz! Er hat uns beleidigt! Er hat mich beschimpft! Soddisfazione!
ISOTTAMeine Ehre! Meine Ehre! Ich klage ihn an! Vor die Justiz!
CARLOTTAEin Saufbold! Ein Weinfass! Er weiss nicht, was er spricht! Was erlaubt er sich!
CHORUS DER ANDERNSoddisfazione! Er hat uns beleidigt. Soddisfazione! Vor die Justiz!
hat den Stock ergriffen, schlägt damit schmetternd auf denTisch. Alles flieht auseinander und schweigt
MOROSUSRuhe! Ruhe in meinem Haus! Hier bin ich der Herr und ich allein.
Zu Henry
MOROSUSIch kenne dich nicht mehr. Du bist gestorben für mich. Ein Morosus, der singt, ist kein Morosus. jetzt wird reiner Tisch gemacht.
Zum Barbier
MOROSUSMorgen bringst du mir eine Frau, eine stille, schweig-
MOROSUSsame Frau, und gleich auch Pfarrer und Notar! Sofort
MOROSUSwird geheiratet, morgen noch, sofort, alles soll ihr ge-
MOROSUShören, alles! Morgen, verstanden ?
HENRYAber gütigster Ohm! Hört mich an!
beiseite
FARFALLOChe arroganza! Impertinenza!
VANUZZIMich, einen Ritter vom goldenen Sporn!
MORBIOMich, der vorm Papst gesungen!
wütend
MOROSUSIch bin nicht gütig! Ich bin nicht mehr dein Ohm! Kein Schritt mehr über die Schwelle! Fort mit deinem Pack!
Zum Barbier
MOROSUSUnd morgen die Frau her, und käm' sie aus dem Armenhaus! Nur still muss sie sein, nur still, nicht singen darf sie, verstanden! Endlich jemand, der nicht schreit und nicht zetert, der einem nicht Lärm in die Ohren schmettert. Meine Ruhe will ich, meine Ruhe! Endlich einmal Ruhe!
brüsk zu den andern
MOROSUSHol' euch alle der Henker!
läuft hinaus und schmettert die Tür hinter sich zu
SYSTEMLETZTE SZENE
ganz konsterniert
HENRYOh Gott, war das ein saurer Empfang!
AMINTAAch, Liebster, ich hatte es immer geahnt, er wird mich nicht mögen, er stösst uns von sich! jetzt hast du alles durch mich verloren, alles durch meine Schuld: die Heimat, das Haus, das Erbe, den Ohm!
FARFALLOGrosser Verlust! Ein solcher Grobian! Ein solcher Banause! Ein solcher Sack voll Gift und Galle!
MORBIOEin solcher Grobian! Ein solcher Sack voll Gift und Galle! Ein solcher Banause!
VANUZZIMich einen Bettelmusikanten! Mich, Cesare Vanuzzi! Oh, canaglia!
ISOTTAEin solcher Sack voll Gift und Galle! Ein solcher Banause!
CARLOTTAEin solcher Banause! Eine Dirne mich! Mich, die mit dem Prinzen von Guastalla nicht schlafen wollte für dreihundert Dukaten und eine diamantene Uhr!
MORBIOEin solcher Banause! Die Ohren sollte man ihm abschneiden und an die Tür nageln!
FARFALLOChe sono io? Die Zähne ausreissen, dass er nicht mehr schimpfieren kann, dieser Schreihals!
ISOTTAIhm das Haus anzünden!
VANUZZIAber die Kunst hat er gelästert, unsere Kunst hat er geschmäht, das soll er büssen. Ein Katzenkonzert jeden Abend vor seiner Tür. Grossi Timpani e Tromboni jeden Abend, jeden Abend, bis er revoziert.
CHORUSEin Katzenkonzert! ja, ja! jeden Abend. Bis er revoziert!
dazwischentretend
BARBIERSachte, sachte, illustre Herren! Es gibt hierzulande Gesetze, welche die Nachtruhe jedes ehrsamen Bürgers beschirmen. Und dann, mit Verlaub, ihr tut Sir Morosus unrecht.
HENRYUnrecht? Er hat mich enterbt!
AMINTAUnrecht? Er hat mich verstossen!
MORBIOUnrecht? Er hat uns beschimpft!
CARLOTTAEr hat mich beleidigt.
ISOTTAEr hat mich gekränkt!
CHORUSUnrecht? Zum Henker hat er uns geschickt! Zum Henker!
BARBIERPiano, piano! Und ich sage euch, er ist ein kreuzbraver Kerl, der Beste in der ganzen Grafschaft, er ist leutselig und freigebig, eine Seele aus Wachs, ein Herz von Gold. Nur mit den Ohren hapert's bei ihm, der Arme kann Lärm partout nicht vertragen, an den Ohren ist er so kitzlig wie andere unter der Sohle. Er ist einmal mit der Pulverkammer seiner Galione in die Luft geflogen, den Krach hat man vierzig Meilen weit gehört, ein Kirchturm ist drüber eingestürzt ' halbgeröstet haben sie ihn aus dem Wasser gefischt, er war - ein Wunder - lebendig. Nur das Trommelfell ist in tausend Winde gegangen. Seitdem, versteht ihr's, kann er keine Art von Lärm ertragen, ausser den er selber macht.
AMINTAAch der Arme! Hätten wir das doch geahnt!
zu Henry
BARBIERUnd was Euch anbelangt, junger Herr - nicht so hitzig! Ich würde mir den Handel doch noch überlegen, eh' ich solche Erbschaft fahren liesse. Bares Geld wächst nicht so flink wie die Disteln, und der alte Herr da hat mehr davon als England Trunkenbolde. Er hat zwei spanische Silberschiffe gekapert und auch sonst fleissig Prisen heimgebracht.
BARBIERDa unten im Keller stehen allerhand Kisten, wenn man die anstösst, dann klirrt's und klimpert's und klingt's von goldener Musik, ich hab' eine Nase dafür, ich rieche Gold durch Holz und Eisen auf hundert Schritt wie die Biene den Honig. jedesmal, wenn ich hier über die Schwelle trete, muss ich niesen, so kitzelt's mich in der Nase, und meine Nase weiss warum: es mögen da im Keller allein ihre sechzigtausend Pfund liegen oder siebzigtausend in guten Barren und runden Dukaten.
in ehrfurchtsvollem Staunen wiederholend
ALLESechzig, sechzig ... siebzig . . . siebzig ... sechzig-tausend ... tausend ... tausend ... tausend Pfund.
BARBIEREin fürstliches Erbe und genug jedenfalls, junger Herr, Euch privatissime eine Opera zu halten und (bei allem Respekt) Signor Vanuzzi als Hofmusikus dazu. Darum nicht so voreilig, nicht so stolz, junger Mann, sonst setzt morgen schon in Eurer Wolle ein fremdes Kätzchen sich fest.
HENRYWas soll ich tun? Ich kann doch unsre Aminta nicht lassen um seiner Narrheit willen!
noch irnmer staunend leise durcheinander
CHORUSSechzig ... Siebzig ... tausend ... tausend ... tau-send ... sechzig ... siebzig ... soviel Geld ... gibt's nicht wieder auf der Welt ... sechzig, siebzig ... tausend . . . tausend ...
sich Henry nähernd
AMINTANicht an mich, Geliebter, denke,
AMINTANur an dich, an dich allein!
AMINTAGläubig mich dir hinzuschenken
AMINTAWar für mich schon Seligsein.
AMINTAImmer schien mir zu gering ich,
AMINTADass solch' Glück mir dauern mag.
AMINTAWie aus Gottes Hand empfing ich
AMINTADankbar jeden neuen Tag.
auf sie zu
HENRYDich verlassen ? Dich entbehren,
HENRYDie mir eins und alles ist?
HENRYNein, Geliebte, wären diese
HENRYKeller auch gefüllt mit Gold
HENRYGold die Türen, Gold die Schlösser,
HENRYGold das Dach und Gold die Speicher,
HENRYGold die Mauern, die sie tragen,
HENRYUnd ich sollt' nur eine Strähne,
HENRYEine dünne blonde Strähne,
HENRYDie dein liebes Antlitz ründet,
HENRYNur ein Haar von deinen Wimpern,
HENRYNur ein Lächeln deiner Lippen
HENRYUnd den Schatten dieses Lächelns
HENRYUnd den Schatten dieses Schattens
HENRYDafür tauschen - nie und nimmer!
AMINTAIst der Letzte nun gekommen,
AMINTAEndet wirklich so viel Glück
AMINTALiebend, wie du mich genommen,
AMINTAGeb' ich dich dir selbst zurück!
AMINTASei gesegnet! Keine Klage
AMINTASoll von meinen Lippen gehn,
AMINTAAlles will ich gern ertragen,
AMINTAKann ich dich nur glücklich sehn.
HENRYDich verlassen? Dich entbehren?
HENRYNein, solang' ich lebe,
HENRYImmer dein und immer mehr!
HENRYWo ich liebe, ist mein Leben,
HENRYWo du atmest, meine Welt!
Er umarmt sie, dann zu den andern
HENRYNein, ich werde euch nicht lassen,
HENRYMag er wettern, wie er will.
HENRYIhr habt mich zu euch genommen,
HENRYJung und töricht wie ich war,
HENRYHabt das Herz mir aufgeweitet
HENRYUnd gesegnet mit Musik!
HENRYGerne hätt' ich's euch entgolten, -
HENRYDoch nun bin ich arm wie damals,
HENRYHabe nichts als eure Freundschaft
HENRYUnd die Kunst, die uns beseligt,
HENRYDoch kein Geld, kein Gold der Erde
HENRYWiegt mir diese Schätze auf.
VANUZZIWackerer Junge!
MORBIOTeurer Bruder!
FARFALLOSei umfangen!
ISOTTALass dich küssen!
CARLOTTAHeut' und immer!
AMINTADank, Geliebter!
CHORUSImmer, immer wollen wir verbunden bleiben, immer Brüder, Freunde, Kameraden!
umarmen sich begeistert untereinander
hat sich unterdessen die Mütze aufgesetzt und sein Barbier-zeug zusammengerichtet
BARBIERSehr rechtschaffen gedacht, junger Herr, aber wie schade, dass alles Rechtschaffensein auf dieser Welt meist eine Dummheit ist, denn Ihr lasst ein schönes Stück Geld wegschwimmen! Wenn ich jetzt sechs-hundert Jahre lang täglich sechzig Leute balbiere, so schabte ich mir nicht die sechzigtausend Pfund zu-sammen, die Ihr da wegwischt, als wär's schmutziger Seifenschaum. Ach, das Leben ist schwer und die paar Groschen sauer verdient! jetzt soll ich noch bis morgen für den Herrn sein schweigsames Fräulein finden! Ist nicht so leicht, wie er meint. Ich kenn' ja allerhand Weibszeug und weiss meine Wege, aber bis morgen, bis morgen, wo find' ich da eine, die Rechte?
Zu Carlotta und Isotta
BARBIERNun, meine Schätzchen, hätte nicht eine von euch Lust, sechzigtausend Pfund zu sponsieren ? Überlegt's euch, meine Kinder, solche goldene Äpfel wachsen selten in England.
Zu Isotta
BARBIERWie wär's, mein Täubchen, würdest du bei Herrn Morosus auch schön bescheiden und vor allem still und schweigsam sein?
tanzhaft
ISOTTAIch würde lachen
ISOTTAVon früh bis spät.
ISOTTAImmer nur lachen,
ISOTTASchabernack machen,
ISOTTABis ihm die Lust
ISOTTAAm Schimpfieren vergeht.
ISOTTAIch würd' ihn lehren,
ISOTTADas Lachen mir wehren!
ISOTTAMit hundert Scherzen,
ISOTTAHurtig und heiter,
ISOTTAWürd' ich ihn necken,
ISOTTAPicken und packen,
ISOTTAZwicken und zwacken,
ISOTTADass er nicht weiter
ISOTTADen Tag mir vergällt!
ISOTTADarf ich nicht so sein,
ISOTTAWie's mir gefällt,
ISOTTADarf ich nicht froh sein
ISOTTANach meinem Herzen,
ISOTTAWas soll mir sein Geld ?
BARBIEROh, das wär' schon gar nichts für meinen Herrn Morosus!
zu Carlotta
BARBIERUnd du, mein Lämmchen?
tanzhaft
CARLOTTAIch würde singen,
CARLOTTAVon früh bis spät
CARLOTTAImmer nur singen,
CARLOTTADie Brust mir ausschwingen,
CARLOTTABis ihm die Lust
CARLOTTAAm Schimpfieren vergeht.
CARLOTTAUnd mag er versuchen,
CARLOTTAWas er auch will,
CARLOTTAZetern und wettern,
CARLOTTADie Scheiben zerschmettern,
CARLOTTAIch bleibe nicht still.
CARLOTTAMag er nur fluchen,
CARLOTTABrüllen und toben,
CARLOTTAWie's ihm gefällt! -
CARLOTTANur wenn ich singe,
CARLOTTASpür' ich mich leben,
CARLOTTANur wenn ich singe,
CARLOTTAFühl' ich mich schweben,
CARLOTTANur wenn ich singe,
CARLOTTAUmfass' ich die Welt!
AMINTAO herbe Schmach,
AMINTAO bittre Seligkeit!
AMINTAGeliebter mein,
AMINTAIch bleibe treu bei dir.
AMINTAWas auch die Zukunft bringen mag,
AMINTAIch halte fest zu dir.
AMINTASo lange du nicht lässt von mir,
AMINTABeseligt will ich immer sein!
BARBIERO weh, das wäre eine harte Kost für den Magen des Herrn Morosus! Da würde er, eh' noch die Tinte trocken ist auf dem Heiratsbrief, schon nach dem Scheidungskontrakt verlan - -
er stockt plötzlich und lacht laut
BARBIERHa!
besorgt um ihn herum
ALLEWas ist?
bedeutsam feierlich
BARBIERMir fällt etwas ein!
ehrfürchtig
ALLESilentium! Silentium! Herrn Schneidebart fällt etwas ein!
aufatmend
BARBIERMir ist etwas eingefallen!
ALLERuhe! Ruhe! Herrn Schneidebart ist etwas eingefallen!
BARBIERWie wär' es, wenn man Herrn Morosus verheiratete, aber so, dass er meint, dass er verheiratet sei, aber er gar nicht verheiratet wäre, und dann, wenn er verheiratet ist, das heisst, wenn er meint, verheiratet zu sein, während er gar nicht verheiratet ist, diese Heirat, die gar nicht giltig ist, ungiltig zu machen, so dass Ihr wiederum sein Erbe werdet?
ratlos
ALLEVerstehst du das? Verstehst du das? ... Er redet chinesisch ... ich verstehe kein Wort.
BARBIERNur Geduld! Die grossen Gedanken waren der Menschheit niemals sofort verständlich. Lasst mich nur machen, ich habe einen bedeutenden Plan.
Zu Vanuzzi
BARBIERIhr könnt notfalls einen Pfarrer glaubhaft darstellen ?
in seinem Künstlerstolz gekränkt
VANUZZIEinen Pfarrer? Fünfzig, hundert. Einen katholischen, einen lutheranischen, einen protestantischen, alles, was Er begehrt. Einen Bischof, einen Erzbischof, einen verhungerten Landpfarrer, einen - -
BARBIERGenug, genug!
Zu Morbio
BARBIERUnd Ihr einen Notar?
MORBIOEinen papiernen, einen feurigen? Einen mausigen oder demosthenischen, ganz wie Ihr wollt.
zu Farfallo
BARBIERUnd Ihr gleichfalls?
FARFALLODas will ich meinen!
zu Carlotta
BARBIERUnd du ein dummes, schlichtes Landmädchen, eine rechte Gans vom Misthaufen her?
imitatorisch in Haltung und Stimme
CARLOTTAWoll, woll, gnä Herr! Dös wer ma scho könna.
zu Isotta
BARBIERUnd du eine zierliche, kleine Kokette?
sofort in Pose, schmachtend mit Knix
ISOTTAGlücklich, einem so edlen Kavalier amorosest zu Diensten zu sein.
zu Aminta
BARBIERUnd Ihr ein rührendes Mädchen voll Anmut und Bescheidenheit....
sich unterbrechend
BARBIERNein, Ihr braucht nicht zu spielen, Ihr seid es ja. Ihr müsst nur sein, wie Ihr seid und werdet vortrefflich sein!
zu allen
BARBIERNun kostümiert euch, wie ich es euch sage, tut alles, was ich verlange. Und ich müsste mich kuriosest irren, wenn wir nicht Herrn Morosus den Geschmack an der Ehe schleunigst abgewöhnten und Euch Euer Erbe wieder zubrächten, wobei ich allerdings auch auf ein Scherflein rechne, denn es wird allerhand Mühe kosten, ihn gründlich einzuseifen und ihm den Schopf seiner Narrheit ein für allemal abzuschneiden. Seid ihr bereit?
HENRYJa, das wollen wir probieren,
HENRYJeder stelle seinen Mann!
HENRYMein Herr Oheim soll verspüren,
HENRYWas Geschick und Laune kann.
HENRYEr hat unsere Kunst gescholten,
HENRYScharf auf scharf jetzt, hart auf hart!
HENRYGleiches sei mit Gleich vergolten,
HENRYUnd wer Narr ist, sei genarrt!
BARBIERAlso fort, Euch kostümieren,
BARBIERGut geplant, ist halb getan.
BARBIERHerr Morosus soll verspüren,
BARBIERWas Geschick und Laune kann.
Zu Vanuzzi
BARBIERDu den Pfarrer!
mit illustrativer Geste
VANUZZIIch den Pfarrer!
zu Morbio
BARBIERDen Notarius!
ebenso
MORBIODen Notarius!
zu Aminta
BARBIERIhr die Stille!
AMINTAIch die Stille!
zu Carlotta
BARBIERDu die Grobe'
CARLOTTAIch die Grobe!
zu Isotta
BARBIERIhr die Scharfe!
ISOTTAIch die Scharfe!
BARBIERUnd ihr andern, was ich sage,
BARBIERTut nur, was ich euch souffliere!
BARBIERNicht viel schwätzen, nicht parlieren,
BARBIERNicht lang zaudern, nicht viel plaudern,
BARBIERUnd wir werden reüssieren!
BARBIERAlle Lust dem Spiel gespart!
ALLEUnd wir werden reüssieren,
ALLEVivat, Meister Schneidebart!
zu Henry
CHORUSJa, er muss es revozieren,
CHORUSDass er dir dein Erbe raubt.
FARFALLOUnd ich werde ihn kurieren,
FARFALLODass er nicht mehr Galle spuckt.
breit, voll, lustig
MORBIOUnd ich werd' ihn balbieren,
MORBIODass der Bart ihn nicht mehr juckt.
VANUZZIIch werd' ihn kopulieren,
VANUZZIDass er Stroh für Hafer frisst,
VANUZZIEine Hochzeit zelebrieren,
VANUZZIdie er lebens nicht vergisst.
MORBIODieser Rüpel soll es spüren,
MORBIOWas ein wahrer Künstler ist.
MORBIOJa, er muss es revozieren,
MORBIOdass er dir dein Erbe raubt.
HENRYJa, er muss es revozieren,
HENRYDass er mir die Ehre raubt.
zart
AMINTAAch, ich möcht' ihn lieber rühren,
AMINTADass er unser Glück erlaubt.
tanzend
CARLOTTAEinen Narren riaszuführen,
CARLOTTADas fällt keinem Mädchen schwer,
CARLOTTADas braucht keine erst studieren,
CARLOTTAJede kann's von Anfang her.
ebenfalls
ISOTTAFest sich spreizen, keusch sich zieren,
ISOTTASachte wickelt man ihn um,
ISOTTAWill ein Mädchen sie verführen,
ISOTTAWerden alle Männer dumm.
im ganzen also zehn oder zwölf Stimmen, übermütig und ganz laut werdend
CHORUSDiesen Narren zu kurieren,
CHORUSWird ein Spass besonderer Art,
CHORUSIhn vollendet durchzuführen,
CHORUSSei nicht Kunst und List gespart.
CHORUSJa, wir wollen es probieren,
CHORUSVivat, Meister Schneidebart!
den Tumult beschwichtigend
BARBIERSachte, sachte! Leise, leise!
BARBIERNur nicht hitzig! Fein und zart
BARBIERMüssen wir ihn erst umkreisen,
BARBIERDass er nicht den Spass gewahrt!
BARBIERGut verhüllt, auf leisen Zehen
BARBIERPürschen wir uns still heran,
BARBIERIhn ins Netz hineinzunähen
BARBIERUnd zu narren, aber dann ...
losbrechend
ALLEWollen wir ihn gut balbieren,
ALLEIhn von der Narrheit auskurieren,
ALLEScharmuzieren, intrigieren,
ALLEDrangsalieren und vexieren,
ALLEKopulieren und sponsieren,
ALLEWacker an der Nase führen,
ALLEKujonieren, intrigieren.
gleichzeitig
BARBIERAlso vorwärts, nicht gezaudert,
BARBIERNicht geflunkert, nicht geplaudert,
BARBIERJeder spiele seinen Part,
BARBIERUnd er wird kapitulieren!
ALLEVivat, Meister Schneidebart!
Alle umarmen den Barbier, dann sich untereinander
SYSTEMZWEITER AUFZUG
SYSTEMERSTE SZENE
Gleiches Zimmer. Nachmittag des nächsten Tages
in silberseidenen Hosen, noch ohne Rock, richtet sich unter Hilfe der Haushälterin in grossen Staat zusammen
MOROSUSDen Paraderock mit den vergoldeten Schnüren!
ihm hineinhelfend
HAUSHÄLTERINHier, Euer Gnaden! Doch lasst Euch nur raten ...
über sie hinweg
MOROSUSDen Dreispitz mit den Knüpfen!
HAUSHÄLTERINEr ist schon bereit. Ach, wollt' mich nur hören ...
wie vordem
MOROSUSDen Ehrendegen Seiner Königlichen Majestät!
eifrig
HAUSHÄLTERINZur Stelle, zur Stelle, frisch, blank und gescheuert ... Oh, es drückt mir die Seele, gnädigster Herr! Wie könnt Ihr so eilen, nur weil dieser Bader,
grimmig
HAUSHÄLTERINdieser verfluchte, vermaledeite Pinselhalter des Teufels Euch zuschwatzt ...
MOROSUSDen Stock mit dem goldenen Knauf!
HAUSHÄLTERINHier, hier, Euer Gnaden . . . Oft wollt doch bedenken, oh, lasst Euch warnen ... Sie spielen mit Euch ein tückisches Spiel!
noch immer über sie hinweg
MOROSUSBin ich nun ordentlich angetan? Keinen Fehler? Keine Falten? Sehe ich stattlich aus?
HAUSHÄLTERINOh Jesus, wie könnten Euer Gnaden anders aussehn denn vortrefflich! Madonna Maria, dass so ein vornehmer, so ein gütiger, edler Mann zum Spott wird für einen Schaumschläger, oh, - es zerreisst mir die Seele!
MOROSUSLass sie flicken beim nächsten Schuster und dir gleichPechdraht durch den Mund ziehn! Kannst du nicht schweigen einen Atemzug lang? Gott sei Dank, bald werd' ich erlöst sein von diesem Gesabber ...
HAUSHÄLTERINErlöst? Nein, geschmort und gebraten, gerupft und gepfeffert von diesem Erzkoch des Teufels!
In die Knie fallend
HAUSHÄLTERINOh Herr, glaubt einer treuen Dienerin, sie treiben ein Narrenspiel mit Euch, sie führen Euch wie einen Bären am Halfter. Ich habe allerlei gehört an den Türen, ich ...
wütend
MOROSUSWas, an den Türen klebst du? Dass ich dir dort einmal die Nase einklemmen könnte! Fort jetzt und am Tore gewartet, bis der Bader kommt mit dem Mädchen!
HAUSHÄLTERINHa, das wird gut gebadert sein und mit allen Wassern gewaschen, was dieser Preiskuppler Euch als Jungfer zuschwätzt ...
MOROSUSHinaus, Kanaille!
Es pocht
MOROSUSAch, - da ist er schon!
Zur Haushälterin
MOROSUSBin ich stattlich? Ist alles in Ordnung?
HAUSHÄLTERINDas Kleid schon, aber der Kopf, Euer Gnaden …
stürzt auf sie zu - die Haushälterin flüchtet hinaus - allein, tritt vor den Spiegel, sieht sich an, macht einige feste Schritte
SYSTEMZWEITE SZENE
Der Barbier tritt ein, gleichfalls feierlich angetan, wie ein Brautwerber
BARBIEREuer Gnaden gehorsamster Diener!
MOROSUSNun, hast du sie gefunden? Hast du das Mädchen gebracht?
BARBIERNicht nur eine, sondern drei, mein gnädigster Herr.
MOROSUSDrei ? Bin ich ein Türke? Schon eine ist vielleicht zu viel. Aber werden sie keinen Lärm machen, mir schmerzen die Ohren noch von gestern. Sind sie schweigsam und still?
BARBIERDas Stillste, das Schweigsamste der ganzen Grafschaft, jede auf ihre Art. Ihr könnt wählen unter ihnen wie weiland Paris unter den Göttinnen, und den Consensus der Eltern und des Vormunds hab' ich bereits in der Tasche. Ach, was für Mädchen, was für knusprige, keusche Dinger! Wäre ich nicht vermählt, Gott sei's geklagt, vermählt seit neunzehn Jahren, ich hätte mir selber eine ausgesucht, so still sind sie, so sanft und taubenhaft!
MOROSUSUnd den Pfarrer, den Notarius?
BARBIERVerständigt, verständigt und die Pergamente sauber ausgeschrieben. Nur der Name fehlt noch und Euer Gnaden giltiges Signum.
MOROSUSVortrefflich! Ich will meinem Neveu einen Pfropf in die Kehle stecken, dass er das Singen verlernt. Führ' sie herein!
BARBIERSogleich, Euer Liebden!
Er geht zur Tür, wendet sich noch einmal um und kommt zurück
schon ungeduldig
MOROSUSWas soll's? Keine Federlesen!
tritt an ihn heran, leise, vertraulich, mit gespielter Besorgnis
BARBIERNur das eine lasst Euch bitten,
BARBIERFasst sie nicht zu stürmisch an!
BARBIERMädchen sind's von feinen Sitten,
BARBIERKinder fast noch nach den Jahren,
BARBIERZart und scheu und unerfahren -
BARBIERKeiner nahte je ein Mann.
BARBIERWenn sie stocken, wenn sie schaudern,
BARBIERSpröde tun beim ersten Wort,
BARBIERNicht vermögen frei zu plaudern,
BARBIERLächelt nicht der Scham in Nöten,
BARBIERDenn ein Scherz macht sie erröten
BARBIERUnd ein Spott scheuchte sie fort.
BARBIERZart muss man mit Zartem handeln.
BARBIERAch, ein Mädchenherz ist scheu,
BARBIERNur Vertrauen kann es wandeln,
BARBIERDass es sacht beginnt zu spriessen,
BARBIERSich zu öffnen, zu erschliessen
BARBIERUnd der Liebe offen sei.
BARBIERDarum lasst Euch nochmals bitten,
BARBIERFasst sie nicht zu stürmisch an.
BARBIERMädchen sind's von feinen Sitten,
BARBIERKinder fast noch nach den Jahren,
BARBIERZart und scheu und unerfahren -
BARBIERUnd voll Angst vor jedem Mann.
MOROSUSZum Teufel, ich werde sie nicht fressen! Ich wusste schon mit Weibern umzugehn, als du noch einen Bart nicht unterscheiden konntest von einem Flederwisch! Presto jetzt, ich habe keine Zeit.
SYSTEMDRITTE SZENE
Der Barbier geht zur Türe und führt Carlotta, Isotta und Aminta herein, die alle verkleidet sind, durch veränderte Haartracht nicht leicht erkennbar. Carlotta kommt als Landmädchen mit grellen Strümpfen, buntem Mieder, einem Strohhut, den sie verlegen in der Hand hält, Isotta ist als junge Edeldame etwas affektiert angezogen, Aminta ganz einfach wie ein armes Bürgermädchen. Alle verneigen sich tief und demütig
pathetisch zu ihnen
BARBIERWohl tut ihr, das Haupt zu neigen,
BARBIERDenn ihr weilt in edlem Haus,
BARBIERGross ist der Herr, der euch erwartet,
BARBIERGross die Ehre, die euch teil wird,
BARBIERGross das Schicksal, das euch ruft.
Auf Morosus deutend
BARBIERDieses ist der hochgeborne,
BARBIERHochberühmte, unbesiegte
BARBIERSir Morosus, Admiral
BARBIERSeiner Majestät des Königs,
BARBIERWohlbekannt auf allen Meeren,
BARBIERHochgeehrt an allen Höfen!
BARBIERSchämt euch nicht, vor ihm zu zagen,
BARBIERDenn auch unerschrockne Männer,
BARBIERTürken, Spanier und Piraten
BARBIERSchauerten vor seiner Flagge,
BARBIERZitterten vor seinem Schwert.
BARBIERNeigt nur, neigt das Haupt zur Erde:
BARBIERDieser Mann ist Ehrfurcht wert.
galant
MOROSUSWerte Damen, seid willkommen!
MOROSUSMein die Ehre, mein die Ehrfurcht!
MOROSUSJugend hat das höh're Anrecht,
MOROSUSSchönheit adelt jedes Haus.
BARBIERGestattet, hochedler Herr, Euch die Damen zu präsentieren und das Wort für ihre Schüchternheit zu nehmen.
Er führt Carlotta heran
bäuerisches Entsetzen heuchelnd
CARLOTTAUi je, i hab' an Angst! I fürcht' mi tamisch vor so an noblen Herrn!
BARBIERDies Mädchen reiner Unschuld
BARBIERStammt vom Lande,
BARBIERSchlichter Bauern einzig Kind,
BARBIERUnbelehrt in allen Künsten,
BARBIERFremd der Lüge, der Verstellung,
BARBIERWuchs sie zwischen sanften Lämmern
BARBIERAuf den Wiesen, auf den Weiden
BARBIERSelbst wie eine Blume auf.
MOROSUSUnd wie heisst du?
für sie antwortend
BARBIERKatharina
grob
CARLOTTAKa Spur! Was lügst denn, Bazi! Kathi rufen's mich alleweil.
zum Barbier, der ihr Zeichen macht, still zu sein
CARLOTTANo, weil's wahr is! I wer doch net mogeln vor so ein aufputzten Herrn!
MOROSUSTritt nur näher!
CARLOTTAOh mei! Was will er denn von mir? Wie der mi anglurt genau wie bei uns der Jud die trächtige Sau. Was wiil er denn von mir? Ah mei, da geh i net zu!
ärgerlich zum Barbier
MOROSUSDie ist bei ihren Kälbern selbst zum Kalb geworden. Schaff' sie weg!
schiebt Carlotta mit dem Ellenbogen an
blöd
CARLOTTADerf i scho wieder gehn?
zornig
MOROSUSJa, du derfst!
Isotta heranführend
BARBIERDieses ist ein junges Fräulein,
BARBIERArm, doch edel ihre Eltern.
BARBIERTag und Nacht in ihrer Kammer,
BARBIERAbgewandt von allen Spielen
BARBIERernte sie die hohen Künste,
BARBIERDie dem Geiste Macht verleihn.
Wie eine Litanei, rasch
BARBIERSie kann Latein, Griechisch, Hebräisch, Aramäisch wie ihre Muttersprache, sie macht Verse, Charaden, sie zeichnet und stickt Tapisserien, sie liest auswendig von vorn und rückwärts die Kommentare zur Heiligen Schrift und die Pandekten der Kirchenväter, sie versteht Astronomie, Astrologie, Trigonometrie, Chiromantie, sie spielt Schach wie ein Perser und schlägt die Laute ...
aufschreckend
MOROSUSSchlägt die Laute??
BARBIERNein, nein, ich meine, sie liest die Tabulatur, beherrscht den Generalbass und den Kontrapunkt, aber nur in der Theorie, nie in der practica. Sie weiss ferners ...
MOROSUSSchon gut und genug!
Zu Isotta
MOROSUSTretet nur näher, edles Fräulein, habt keine Angst!
leicht und geschwind
ISOTTAWie soll ich Scheu haben, da meine Kenntnis der Physiognomia mir Eure Sternenbeschattung kenntlich macht. Ihr seid, ich ersehe es aus Eurer Komplexion, im Zeichen des Mars geboren, sanguinischen Bluts, gefährlich den Männern im Zorn, doch wohlgeneigt den Frauen und gerne von ihnen gelitten. Eure Leibes-haltung zeigt Grossmut, der Bogen der Stirne Festig-keit des Entschlusses, die dunkle Pupille männische Kraft, eine sympathische Aura strahlt von ihr aus, wie sollte man da nicht Zutrauen haben, die Hand ... erlaubt mir Eure Hand ...
sie fasst nach seiner Hand
ganz betroffen, kann sich nicht wehren
MOROSUSMein Fräulein!
ISOTTAWelch glücksel'ge Formation! Der Fortuna Linie ungebrochen, die Rune des Herzens, die Mensalis, frei überschnitten von der Linie der Sonne, das besagt nach Coclenius glücksel'ge Signatur in allen Abenteuern der Venus! Ihr braucht nur wollen und Ihr habt, was Ihr begehrt, so deutet's Agrippa von Nettesheim in seiner Chirosophia. Die Lebenslinie weist starken Ast, ah, vortrefflich, vortrefflich, kein Spalt, keine Abzweigung. Ihr habt keine Nachfahren und werdet lange leben! In klarer Quadrangel die Wurzeln der Temperamente, ach, was für eine treffliche Hand Ihr habt, Sir Morosus, was für eine edle, sprechende Hand ...
ängstlich verärgert die Hand zurückziehend, sich den Schweiss abwischend
MOROSUSSehr erkenntlich für Eure gute Meinung, mein Fräulein.
zum Barbier
MOROSUSSchaff sie mir vom Hals, sonst schwätzt sie mich tot.
Zu lsotta
BARBIERSir Morosus wird Euch dankbar sein, wenn Ihr ihm später Eure Kenntnisse ausführlich erläutert.
Zu Morosus
BARBIERGestattet, dass ich Euch noch dieses edle Fräulein präsentiere!
zu Aminta, mit Wohlgefallen
MOROSUSTretet näher, edles Fräulein!
natürlich scheu
AMINTAWenn's erlaubt ist ...
MOROSUSEuer Name?
AMINTATimida.
leise dazwischen
BARBIERDas kommt nicht von Timotheus, sondern ist Latein, . . heisst die Schüchterne, so nannten die frommen Schwestern sie um ihrer Bescheidenheit willen.
MOROSUSEin schöner Name! Er macht Eurer Anmut Ehre! Wollt Ihr Euch nicht an meine Seite setzen?
AMINTAAch Herr, dass ich es offen sag',
AMINTAIch tät' es nur zu gern.
AMINTAAber ich möchte nicht, dass es Euch später gereut
AMINTAUnd Ihr Euch ärgert über die verlorene Zeit;
AMINTANicht dass mir's an Ehrfurcht vor Euch gebricht,
AMINTAAber versteht, ich fühl' mich recht ungeschickt,
AMINTADie Worte zu setzen,
AMINTAUnd hör' ich andere plaudern und schwätzen,
AMINTASo spür' ich bedrückt,
AMINTAWie wenig ich weiss und die andern wie viel.
Zutraulich
AMINTAFreilich, ich war immer allein,
AMINTAWuchs auf ohne Eltern und ohne Gespiel,
AMINTAHatt' niemand, mit ihm vertraulich zu reden,
AMINTASo blieb nun die Scheu vor allem und jedem,
AMINTAWerd' allemal töricht und roten Gesichts,
AMINTAWenn ein Fremder gütig die Red' an mich richt'.
zum Barbier
MOROSUSWie offen! Wie rein! - Ein liebliches Kind!
Zu Aminta
MOROSUSUnd so seid Ihr tagsüber immer allein?
AMINTAAch Herr, wie sollt' es denn anders sein,
AMINTALeb' doch bei den frommen Schwestern im Haus,
AMINTASeh' oft wochenlang nicht auf die Strasse hinaus,
AMINTAAber ich trag' es schon so.
AMINTAMich erschreckt der Gassen Geschrei und Gesumm,
AMINTAAm liebsten sitze ich still und stumm
AMINTAAn meinem Nähtisch den ganzen Tag,
AMINTASticke mir all' meine Träumerei'n
AMINTAIn den runden weissen Rahmen hinein.
AMINTAUnd plötzlich hebt es dort an zu blühn
AMINTAVon Blumen, von Sternen, von zartem Grün,
AMINTAUnd ich freu' mich, wie das neue Gebild'
AMINTAMit buntem Geleucht mir entgegenquillt.
AMINTADa wird mir plötzlich die Seele weit.
AMINTAIch spür' nicht die Welt, ich spür' nicht die Zeit,
AMINTAUnd mir ist,
AMINTAAls ging ich über blüh'nde Wiesen hin
AMINTAUnd hörte aussen die Vögel singen
AMINTAUnd das Blau des Himmels sich niederschwingen
plötzlich sich unterbrechend
AMINTADoch verzeiht,
AMINTAIch spreche zuviel von mir törichtem Ding,
AMINTASolch kindischer Schwatz ist für Euch zu gering.
zum Barbier
MOROSUSWie bescheiden! Bezaubernd ist sie, bezaubernd!
Zu Aminta
MOROSUSDoch Sonntags wenigstens verlasst Ihr Eure enge Stube!
AMINTAAch Herr, da Ihr mich so offen fragt,
AMINTAFühl' ich mich schuldig und arg verzagt,
AMINTADenn am Ende mag's grosse Sünde sein,
AMINTAWas ich tu, und Hochmut vor Gott dem Herrn.
AMINTAAber ich will's Euch offen gestehn:
AMINTAch lieb's nicht, mit den andern zur Kirche zu gehn.
AMINTANicht, dass ich je meine Pflicht vergesse,
AMINTADie Beichte versäum' und die heilige Messe.
AMINTAAm liebsten bin ich mit Gott allein.
AMINTAHat erst die Glocke sich ausgeschwungen,
AMINTASind die andern fort und die Stimmen verklungen,
AMINTADann erst schleich' ich in die Kirche mich ein,
AMINTASetz' still mich auf eine einsame Bank
AMINTAUnd sag' meinem Herrgott Liebe und Dank
AMINTAUnd hoffe, der alles verzeiht und ermisst,
AMINTAWird mir verzeihn,
AMINTAWenn dies Hochmut von mir oder Sünde ist.
ganz wild zum Barbier
MOROSUSSie ist die Rechte! Diese, diese und nur sie allein!
sich erschrocken stellend
AMINTAOh Gott, ich habe wohl töricht gesprochen, ich sehe, der gnädige Herr ist erregt. Verzeiht mir, Sir, wenn ich gefehlt habe.
zum Barbier
MOROSUSSag es ihr! Dich habe ich zum Werber bestellt. Tu deine Pflicht!
behutsam zu Aminta
BARBIERMitnichten hast du Sir Morosus missfallen,
BARBIERIm Gegenteil, Kind,
BARBIERVon allen Frauen, die hier sind,
BARBIERIst seine Wahl auf dich gefallen.
BARBIERTu auf dein Herz und öffne dein Ohr,
BARBIERGrosse Ehre steht dir bevor:
BARBIERSir Morosus, obzwar von adligem Stand,
BARBIERWirbt durch mich bei dir um dein Herz und deine Hand.
Erschrecken heuchelnd
AMINTAOh Herr, was hab' ich denn Böses getan, dass Ihr meiner spottet und Scherz treibt mit einem armen Mädchen ?
MOROSUSNein, er hat die Wahrheit gesprochen. Ich frage dich, Timida, willst meine Gattin werden vor Gott und den Menschen ?
wie vor Ehrfurcht schauernd, in die Knie sinkend
AMINTAOh hohe Ehr!
AMINTAWollte Gott, dass ich ihrer auch würdig wär!
CARLOTTAAh, da schaugts her. So a Luder 1 Wie die ihn umkriegt hat. Heiraten tut ers. Dös wann i gewusst hätt.
ISOTTAEine so ungebildete Person. Aber sie kriegt einen Rüpel, der nach Tran stinkt und Branntwein. Mich hätt' er nicht bekommen.
CARLOTTASchau ma, dass ma weiter kommen. I geh ham.
ISOTTAJa, in einem solchen Hause habe ich nichts zu schaffen.
Beide scheinbar zornig ab
zum Barbier
MOROSUSUnd jetzt den Pfarrer, den Notar.
BARBIERGleich, gleich, und die Jungfer und mich als Zeugen. Alles geht wie am Schnürchen. Seht, ein Barbier hat den besten Blick und die sicherste Hand.
Ab
Morosus führt Aminta zum Tisch, sie setzt sich nieder und bleibt dort bescheiden und wortlos sitzen, Morosus betrachtet sie lang und bewegt
SYSTEMVIERTE SZENE
nähert sich ihr langsam
MOROSUSSo stumm, mein Kind,
MOROSUSUnd noch immer so scheu?
MOROSUSIn dieser Stunde, die uns verbindet,
MOROSUSHätte ich dich lieber froh gesehn,
in ihrer Rolle
AMINTAVerzeiht mir, Herr, meine törichte Art,
AMINTABin noch bestürzt und ganz benommen,
AMINTAHätte nie gewagt, nur im Traum zu denken
AMINTAGott wolle mich mit soviel Ehre beschenken.
MOROSUSKind, gib dich keiner Täuschung hin,
MOROSUSDich ruft keine Ehr',
MOROSUSVor ein grosses Opfer bist du gestellt!
MOROSUSSieh, Kind,
MOROSUSErst sah ich's selbst so leicht wie du.
MOROSUSIch dacht': nimmst dir ein junges Weib,
MOROSUSAls gält's bloss Spiel und Zeitvertreib,
MOROSUSUnd meint, eine jede müsst' glücklich sich preisen,
MOROSUSMeine Ehefrau und Gemahlin zu heissen.
MOROSUSDoch blick' ich dich jetzt, du Liebliche, an,
MOROSUSDu halb erst erschlossne, du Gottesblüte,
MOROSUSSo bebt mir die Seele, so bebt mir die Hand:
MOROSUSWie darf ich alter grämlicher Mann
MOROSUSUm soviel sorglose Jugend werben?
MOROSUSJa, immer schwerer drückt es mich, mein Kind,
MOROSUSOb wir beide nicht doch zu ungleich sind.
mit gespielter Treuherzigkeit
AMINTAAch Herr, ich weiss es nur selbst zu sehr:
AMINTAWär besser für Euch, wenn ich älter wär
AMINTAUnd mehr schon verständ' von adliger Art.
AMINTADoch ich will mich von Herzen zusammennehmen,
AMINTAEuer Ansehn nicht vor der Welt zu beschämen.
MOROSUSDu Kind! Wie sehr du mich missverstehst.
MOROSUSIch zweifle doch nicht, ich zweifle nicht, nein,
MOROSUSWie leicht es wär, mit dir glücklich zu sein,
MOROSUSAber du, aber du,
MOROSUSWird es dich nicht gereu'n?
MOROSUSBedenk, ich bin ein alter Mann.
noch immer in der Rolle
AMINTADas macht doch nichts,
AMINTADas ist doch schön:
AMINTAAlter bringt Ansehn, Ruhm und Ehr'!
MOROSUSWie Jugend doch vom Alter spricht,
MOROSUSAls war's nicht Not und schwer Gewicht!
MOROSUSKind, hör mich an!
MOROSUSEin alter Mann ist nur ein halber Mann,
MOROSUSDenn halb bloss steht er in der Zeit,
MOROSUSSein best' Teil ist Vergangenheit.
MOROSUSSein Aug' hat längst sich satt geschaut,
MOROSUSSein Herz geht müd' und schlägt nicht laut.
MOROSUSEin Frost sitzt ihm zutiefst im Blut
MOROSUSUnd lähmt den rechten Lebensmut,
MOROSUSUnd weil er selber starr und kalt,
MOROSUSMacht er die ganze Umwelt alt.
MOROSUSEr kann nicht munter sein, nicht lachen,
MOROSUSNicht andre froh und freudig machen -
MOROSUSNur eins hat er der Jugend vor
MOROSUSNur eins, mein Kind, kann er allein:
MOROSUSEin alter Mann kann besser dankbar sein.
Er fasst sie an der Hand und sieht sie zärtlich an. Aminta wird wider ihren Willen beschämt und bewegt unter seinem Blick
MOROSUSDenn denk,
MOROSUSWie wenig braucht ein alter Mann,
MOROSUSUm seines Lebens sich zu freu'n!
MOROSUSEin stiller Tag ist ihm schon Glück,
MOROSUSEin Wort, ein Lächeln macht ihn froh,
MOROSUSUnd blickt ihn einer milde an,
MOROSUSSo hat er ihm schon wohlgetan.
MOROSUSNein, Kind, nichts Grosses will ich mehr,
MOROSUSNicht Liebe, Glut und Leidenschaft,
MOROSUSWär glücklich schon,
MOROSUSWenn du mich nicht als Last empfändst
MOROSUSUnd mir ein wenig gut sein könntst! -Wär das zuviel von dir begehrt?
ehrlich ergriffen
AMINTAOh Herr, ich schwöre beim heil'gen Sakrament:
AMINTAIch fühl', dass ich Euch redlich liebhaben könnt…
beglückt
MOROSUSOh Timida!
merkend, dass sie aus ihrer Rolle gefallen und rasch sich fassend
AMINTA…So wie man einen Vater fromm liebt und verehrt,
AMINTADer einem das Liebste im Leben geschenkt.
AMINTAWas ich auch tu,
AMINTAMag's auch Euch erst fremd und feindlich anmuten,
AMINTAIch schwör' Euch zu:
AMINTAIch mein' es einzig zu Eurem Guten,
AMINTAUnd kann ich Euch von Missmut befrein,
AMINTASo werd' ich die glücklichste Frau auf Erden sein.
MOROSUSOh Kind, wie tief du mich beglückst!
MOROSUSWas Liebe doch für Wunder wirkt -
MOROSUSWar eben noch erbost und schwach,
MOROSUSEin alter Mann, ein kalter Mann,
MOROSUSUnd nun blüht's selig auf in mir
MOROSUSUnd all dies Glück verdank' ich dir!
Er nähert sich ihr zärtlich und ergriffen und küsst sie auf die Stirn
SYSTEMFÜNFTE SZENE
Der Barbier tritt leise ein
BARBIEREi, ei, wie rasch das Arkanum wirkt! Ich sehe, sie hat Euch das Blut flink gemacht und die Augen hell, ich erkenne den düsteren Sir Morosus von gestern kaum und kann beinah' nicht mehr redlich Zeugenschaft ablegen vor Pfarrer und Notar, dass Ihr derselbe seid wie allesonst. Aber sie sind schon auf der Treppe, die ehrwürdigen Herren, haltet also um des Respektes willen ante copulationem zurück mit aller Zärtlichkeit, die post copulationem ein wohlerlaubtes Vergnügen und sogar Pflicht frommer Ehegatten ist und jede Ehe besser würzt als Rosinen den Kuchen.
SYSTEMSECHSTE SZENE
Es treten ein: Vanuzzi als Priester verkleidet, Morbio mit Brillen als Notar kostümiert, mit ihnen die Haushälterin. Barbier empfängt sie an der Tür
BARBIERAnhiero gestatte ich mir, hochverehrliche Herren, Ihnen die beiden Brautwilligen zu präsentieren, den hochberühmten Sir Morosus, Lord Seiner Majestät und weiland Kommandeur seines Flaggenschiffs, und die tugendhafte Jungfrau Timida, beide ledigen Standes, doch gewillt, mit Eurer und des Himmels Hilfe in den heiligen Ehestand zu treten. Ich bitte Euch, hochedle Herren, waltet Eures Amtes.
als Pfarrer, feierlich
VANUZZIKein schöner Amt der Priester kennt
VANUZZIIn dieser Welt voll Zwist und Streit
VANUZZIAls zwei, die sich in Liebe finden,
VANUZZIVor Gottes Antlitz zu verbinden.
als Notar
MORBIOZwar Todesfall und Testament
MORBIODem Anwalt mehr an Sporteln rafft,
MORBIOEr lebt vom Streit, doch gerne stellt
MORBIOEr auch für Liebe Zeugenschaft.
MORBIOFreilich muss sie geregelt sein,
MORBIONicht freche Wollust ohne Zucht.
MORBIODie Liebe nur im Ehestand
MORBIOWird von ihm als giltig anerkannt,
MORBIODenn Ordnung ist des Anwalts Welt,
MORBIODass allerorts sie innehält,
MORBIOIst er vom hohen Amt bestellt.
Zu beiden
MORBIOSo frag' nach Ordnung ich zuvor!
Sehr rasch
MORBIOSind alle die verschiedenen Conditiones erfüllt, die nach den Gesetzen der Kirche und den Gesetzen der königlichen Majestät notwendig sind zu einer giltigen und feierlichen Eheschliessung der hier im Pakt bezeichneten Personen? Sind ferners ehrenwerte Zeugen zur Stelle, die Identitas oben genannter Personen mit ihrem Signum zu bezeugen? Bestehen keine obstacula matrimonii, zu deutsch, keine ekklesiastischen oder profanen Hindernisse der Eheschliessung, als da sind, primo ...
als Pfarrer unterbrechend
VANUZZIIch glaube, Herr Kollega, wir kürzen die Formali-täten. Die Fama des Sir Morosus ist zu weltbekannt, und für Jungfer Timida bürgen Meister Schneidebart und die ehrsame Wittib Zimmerlein. Wollen die Braut willigen und die Zeugen vorerst noch den Pactus signieren, damit der Regula Genüge geschehen.
tritt vor und unterschreibt
mitlesend
BARBIERSir Morosus, Kommandeur. .
unterschreibt
ebenso
BARBIERTimida ...
unterschreibt
BARBIERTheodosia Zimmerlein, Wittib. Und nun ich selber: Pankrazius Schneidebart.
unterschreibt
als Pfarrer, sehr pathetisch
VANUZZISo walt' ich meines beil'gen Amtes, das Sacramentum matrimonii zu vollziehen. Seid ihr beide entschlossen, vor Gottes Antlitz und in irdischer Zeugenschaft dieser beiden in den heiligen Ehestand zu treten ?
rasch
MOROSUSIch bin's.
zögert, verwirrt sich, schweigt
MOROSUSTimida - du schweigst?
MORBIOEhrt des Mädchens edle Scheu! Ihre Scham verheisst Euch unberührte Tugend.
gibt Aminta einen Stoss, leise
BARBIERAvanti !
schwach
AMINTAIch bin's.
VANUZZISo verbinde ich euch, und möge der Tod nur lösen, was ich sterblicher Mensch vereine!
Sehr undeutlich und rasch
VANUZZISponseo vos in nomine patris, filii et sancti spiriti ...
zurücktretend, mit aufgelockerter Stimme
VANUZZIUnd nun lasst mich den Ersten sein, der euch beiden Glück wünscht für immerdar.
MOROSUSIch dank' Euch, ehrwürdiger, und Euch, hochgelehrter Herr, und den ehrenwerten Zeugen, und ich danke Gott, dass er mir so viel unverdientes Glück im Herbst meiner Jahre noch zugeteilt hat.
Macht eine Geste zur Haushälterin
MOROSUSDarf ich die ehrenwerten Herren nun bitten, einen kleinen Imbiss mit uns zu nehmen?
Die Haushälterin bringt gefüllte Gläser; alle abwechselnd
als Pfarrer
VANUZZINur ein wenig will ich weilen,
VANUZZIUm Euch nicht zur Last zu sein,
VANUZZILiebe liebt ja nicht zu teilen,
VANUZZIGlückliche sind gern allein.
als Notar
MORBIONur ein Gläschen will ich munden,
MORBIOJunge Eh' ist leicht gestört,
MORBIOEndlos scheint da jede Stunde,
MORBIODie ihr nicht allein gehört.
Aminta anblickend
MOROSUSWunderbar, sie anzuschauen,
MOROSUSWie sie scheu und zaghaft blickt-.
MOROSUSStillste, süsseste der Frauen,
MOROSUSDie mir Gott ans Herz gedrückt!
AMINTAAch, wenn sie nur länger blieben,
AMINTADenn kaum sind wir allein,
AMINTADrängt er mich mit seiner Liebe,
AMINTAUnd ich muss zu ihm hässlich sein.
BARBIERNun heisst's, baldigst sich verkrümeln
BARBIEREh' die Bombe explodiert.
BARBIERNoch schwimmt er in allen Himmeln,
BARBIERMorgen ist er auskuriert.
HAUSHÄLTERINKann mir keinen Reim da machen,
HAUSHÄLTERINKeiner zeigt sein wahr' Gesicht.
HAUSHÄLTERINHalber Ernst und halbes Lachen
HAUSHÄLTERINIrgend etwas stimmt da nicht.
als Pfarrer
VANUZZIDa wir so guter Art versammelt sind, lasst uns Glück wünschen, denen wir dieses Glück danken. Es lebe das junge Paar, vivat, floreat, crescat!
Alle stossen an, die Gläser klingen, sie trinken aus. Stille
MOROSUSMir ist, als hörte ich einen Engel schweben durch diese Stille ...
SYSTEMSIEBENTE SZENE
Furchtbares Gepolter vom Eingang her. Die Treppe stürmen laute Schritte herauf, die Tür wird aufgerissen, herein bricht eine Schar ordinärer Seemänner, die alle von Vanuzzis Truppe dargestellt werden, mit Enterhaken, Kolben, Fanfaren, Trommeln, Dudelsäcken, als erster einrotgeschminkter trun-kener alter Matrose, den Farfallo spielt, der eine Harpune in der Hand schwingt
als alter Matrose
FARFALLOPotz Deubel, so hat die alte Hur' diesmal doch nicht geflunkert; er hat sich ein Mädel geentert, der alte Kaptän Morosus! Aber so still, wie du denkst, wirst du deine Prise doch nicht in den Hafen hineinbugsieren! Wär eine Schmach für das ganze Seemannsvolk, sollt' ohne Salut der Kommandant von unserer Flotte Hochzeit halten. Ehre, dem Ehre gebührt!
MOROSUSIhr irrt Euch wohl! Ich kenne Euch nicht. Seid keiner von meiner Mannschaft gewesen.
FARFALLOMach keinen Stunk! Hast wohl Nebel im Oberdeck, dass du Tom Fexer nicht kennst und den dicken Jonny und die ganze Schwefelbande von deiner Fregatte! Aber wir kennen unsern alten Morosus, und ungeteert sollst du heute nicht in deine Kombüse kriechen.
Zu den andern
FARFALLOVorwärts, brave Kameraden,
FARFALLOUnser alter Admiral
FARFALLOHat uns zwar nicht eingeladen
FARFALLOZu dem Fest und Hochzeitsmahl,
FARFALLOKann's uns aber nicht verwehren,
FARFALLODass wir ihm ein Ständchen bringen!
FARFALLOVorwärts! Tusch zu seinen Ehren!
FARFALLOLasset die Trommeln frisch erklingen
FARFALLOUnd im Reigen, hell und laut:
FARFALLOVivat, vivat, Sir Morosus!
FARFALLOVivat, vivat, seine Braut!
Sie trommeln, spielen auf Dudelsäcken, trompeten und brüllen
wie ein Rasender aufspringend
MOROSUSDass euch die Gicht in die Beine fahr', ihr Lügenbrut! Ruhe, oder ich karbatsche euch hinaus mit der neunschwänzigen Katze! Schert euch zum Teufel und seiner Grossmutter!
Die andern haben sich ihm entgegengeworfen
AMINTAO teurer Mann,
AMINTASie meinen's doch nur gut.
als Pfarrer, wie erschreckt
VANUZZIAber Sir, in solcher Stunde
VANUZZISolch' unheil'ger Fluch aus Eurem Munde!
als Notar
MORBIOVorsicht, Vorsicht, nur keine Injurias, es könnt' ein Prozessus daraus resultieren!
als Matrose, sich wütend stellend
FARFALLOWas? So empfängst du deine alten Kameraden, du ausgemästete Landratte? Schämst dich wohl ihrer vor deinem Püppchen, sind dir wohl zu roh, zu ungeschlacht? Oder schämst dich, dass du mit deinem grauen Haar dir noch den Wanst wärmen willst an jungem Blut statt an altem Rum? Aber alle sollen's wissen, die ganze Stadt!
Er reisst die Fenster auf und schreit hinaus
FARFALLOHeda Nachbarn, heda Leute,
FARFALLOAlle her; alle herauf:
FARFALLOSir Morosus heuert heute,
FARFALLOHat euch alle eingeladen.
FARFALLOVorwärts, lasst die Glocken läuten,
FARFALLOVorwärts, lasst die Böller krachen,
FARFALLOVorwärts her und kommt und schaut!
FARFALLOKommt ihm alle Willkomm' sagen,
FARFALLOIhm und seiner jungen Braut!
wutschnaubend und von den andern festgehalten
MOROSUSMeine Pistolen, dass ich diesem Gaukler ein Loch in den Pelz brenne! An den höchsten Mastbaum gehörst du, an die oberste Raa, du Schurke du ... du ... du ...
ihn festhaltend
DIE ANDERNO schont Euch ... o beruhigt Euch ... Es ist Euer Hochzeitstag ... zähmt doch Eure Nerven ...
SYSTEMACHTE SZENE
Die Leute und Nachbarn sind hereingeströmt. Abwechselnde Chöre. Frauen und Männer
MÄNNERIst es möglich, Sir Morosus?
MÄNNERSeht euch nur den Heuchler an.
FRAUENEr der tausendmal geschworen,
FRAUENDass er Frau'n nicht leiden kann.
MÄNNERDer, wenn andere sich vergnügten,
MÄNNERGrimmig Gift und Galle speit.
FRAUENUnd derweilen grauen Haares
FRAUENSich ein junges Kätzchen freit.
durcheinander
ALLESo ein Heuchler! So ein Schlauer!
ALLEAlter Fuchs! Duckmäuserich!
ALLEHeimlich holst du dir die Frauen!
ALLEAlter Fuchs, wir haben dich!
noch immer umringt und festgehalten
MOROSUSLasst mich los! Hinaus, Gesindel, hinaus aus meinem Haus!
verkleidet als Führer des Chors
HENRYWillst uns wohl den Spass verwehren,
HENRYDich als Freiersmann zu schau'n?
HENRYNein, das soll dir nicht gelingen!
HENRYDu sollst eine Fastnacht haben,
HENRYDie du nicht so schnell vergisst.
HENRYVorwärts, lasst die Glocken schwingen!
HENRYLos die Salven, die Fanfaren,
HENRYUnd ein Vivat angestimmt:
HENRYHolla hoh der alte Knabe!
HENRYHolla hoh die junge Braut!
tumultuarisch durcheinander
ALLEHolla hoh der alte Knabe!
ALLEHolla hoh die junge Braut!
Sie brüllen, schreien, lachen, trompeten, trommeln, spektakulieren. Von draussen hört man die Glocken und eine Artilleriesalve. Furchtbarster Lärm
blau im Gesicht vor Zorn, wird ganz vernichtet zu einem Sessel hingeführt
MOROSUSWasser! Luft! Atem! Sie haben mich hingemacht!
Zum Barbier
MOROSUSIch ersticke! Lass mir zur Ader! Und schaff' sie mir aus dem Haus um Gottes Gnade willen!
zu den anderen, sich höflich verneigend
BARBIERHochansehnliche Brautgesellschaft, illustre Damen und respektable Herrn, Sir Morosus dankt euch tiefgerührt . . .
EINE STIMMESchlaggerührt. Haha!
BARBIER...für die unschätzbar gütige Teilnahme an seinem Hochzeitsfest. Da er vor freudiger Erregung das Wort nicht findet, bittet er euch durch mich, im Wirtshause rechts um die Ecke auf seine Kosten drei Fässer vlämisches Bier anschlagen zu lassen und auf sein Wohl zu leeren.
als Matrose
FARFALLODas ist eine bess're Rede,
FARFALLOSo ist's recht, du alter Knabe,
FARFALLOUnd merk dir's für alle Zeit:
FARFALLOWo sich einer will erlaben,
FARFALLOSollen alle Freude haben,
FARFALLOSonst ist's halbe Seligkeit.
FARFALLOVorwärts jetzt zum Ehrentrunke!
FARFALLODoch zuvor noch hell und laut,
FARFALLOEinmal noch in voller Runde:
FARFALLOHoch Morosus, hoch die Braut!
aber nicht mehr so lärmhaft
ALLEHoch Morosus, hoch die Braut!
Verziehen sich jetzt mit Bücklingen und Gelächter, auch die Seeleute
aufatmend
MOROSUSSind sie jetzt weg? Meine Ohren, meine Schläfen, alles ist wund. Oh, mir war wie Sankt Laurentius am Rost. Wasser! Gib mir Wasser!
bringt ein Glas
als Pfarrer, nähert sich Morosus mit Morbio-Notar
VANUZZINehmt's nicht so streng, als es erscheint,
VANUZZIWar etwas laut, doch gutgemeint.
VANUZZIDas Volk, wenn es in Laune ist,
VANUZZILeicht alle Würdigkeit vergisst.
VANUZZIDoch nun gestattet, Sir, mich zu empfehlen, mich ruft mein Amt und auch Ihr seid wohl lieber mit Eurer Frau allein.
matt
MOROSUSEhrwürd'ge Herrn, nehmt meinen Dank!
VANUZZIIst gern geschehn.
VANUZZIHoff', bei der Kindstauf' Euch wiederzusehn.
als Notar
MORBIOEmpfehl' mich sehr,
MORBIOKam gern zu solchem Anlass her,
MORBIOUnd braucht Ihr jemals Hilf' und Rat,
MORBIOBin allzeit zu Eurem Dienste parat.
leise zu Aminta
BARBIERNun aber kräftig losgepfiffen, Aminta! Zeig, was eine schweigsame Frau zetern und posaunieren kann!
AMINTAAch, hättet Ihr doch lieber eine andre ausgesucht zu solchem Spiel! Er tut mir ja so leid, der arme, gute Mann!
BARBIEREben darum! Nur mit Essig und Salz ist seine Narrheit zu kurieren. Also bring ihn wacker in Saft, wir werden's dann schon auskochen.
als Pfarrer, sich ihr nähernd
VANUZZIHochedle Frau, wir wünschen gute Nacht.
Leise
VANUZZIRupf ihn, zupf ihn, dass alle Federn fliegen!
als Notar
MORBIOIch halte mich Euer Gnaden bestens empfohlen!
Leise
MORBIOMach' unsrer Kunst keine Schande! Zwick' ihn, zwack' ihn, bis er Blut schwitzt!
zu sich
AMINTAAch Gott, nie war mir was so schwer!
AMINTAWollt' schon, dass alles vorüber wär.
Vanuzzi, Morbio, der Barbier gehen, machen bei der Tür noch einmal ermunternde Zeichen zu Aminta
SYSTEMNEUNTE SZENE
Morosus und Aminta sind allein, man hört die Schritte der Fortgehenden auf der Treppe und dann das Tor zuschlagen. Tiefe Stille. Aminta hat sich ganz bedrückt an den Tisch gesetzt und seufzt laut auf. Morosus nähert sich der Schweigenden, die ihn nicht anblickt, zärtlich und besorgt
MOROSUSDu bist so still und scheinst bedrückt? Oh, ich versteh's! Dieser wüste infernalische Lärm hat dich wohl müd' gemacht?
AMINTAAch nein, das nicht.
Sie seufzt
sich ihr nähernd
MOROSUSDu seufzst? Drückt dich ein Gram?
ehrlich erregt
AMINTAAch güt'ger Herr, um aller Heil'gen willen, fragt mich nicht, fragt mich nicht!
zärtlich
MOROSUSIch muss dich aber fragen, Kind! Sind wir nicht eine Sache jetzt vor Gott, ein Herz, ein Leben? Muss deine Sorge nicht auch die meine sein? Vertrau mir's an: was drückt dich so ?
zur Seite
AMINTAWenn er nur grob wäre und hart, dann ging nur's leichter!
Laut
AMINTANichts, nichts, drängt nicht in mich!
MOROSUSNein, sag' es, Kind, vertrau' mir's an.
AMINTANoch einmal, Herr, flehentlich bitt' ich Euch: drängt nicht in mich!
MOROSUSAber es tut mir weh wie eig'ner Schmerz, dich umdüstert zu sehn, dich, die ich glücklich haben möchte ... meine Timida, was drückt dich so?
ganz blass und gespannt
AMINTAHerr, gnädigster Herr, um Euretwillen drängt jetzt nicht ... ich brauche noch ein wenig Ruhe ...
leise für sich
AMINTAEin Wort noch, wenn er spricht, und ich fange an ...
für sich
MOROSUSWie hold ist eines Mädchens Scham!
Zu ihr heran und sie anfassend
MOROSUSHör', meine Timida ...
aufstampfend und in geheucheltem Zorn schreiend
AMINTARuhe! Hab' ich dir gesagt!!!
vor Schreck auf den Rücken fallend
MOROSUSAaaaaah!
losbrechend
AMINTAMeine Ruh' will ich haben,
AMINTARuhe, Ruhe, Ruhe, Ruhe!
AMINTAWill nicht gefragt sein,
AMINTAWill nicht geplagt sein!
AMINTALass mich nicht quälen, nicht inquirieren,
AMINTAWeiss meine Sachen selber zu führen,
AMINTAWeiss am besten, was mir mundet und frommt,
AMINTAUnd verdammt, wer mir da in die Quere kommt!
ganz verblüfft über die Verwandlung, kleinlaut
MOROSUSAber Timida.... ich wollte doch nur ...
stampfend
AMINTAGar kein Aber! Ausgeabert!
AMINTANichts zu wünschen, nichts zu reden,
AMINTAHier geschieht nur, was ich will,
AMINTAIch und ich und ich und ich.
AMINTANiemand hat hier was zu fragen,
AMINTANiemand hat hier was zu wollen,
AMINTAAusser ich und ich und ich.
MOROSUSAber Timida … Wo ist deine Sanftmut… ich er-kenne dich gar nicht ... ich meinte ...
scheinbar wütend auf- und ablaufend
AMINTAHast gemeint, du kaufst dir eine,
AMINTADie still buckelt und pariert,
AMINTAEine stumme, dumme Kleine,
AMINTADie dir Herd und Haushalt führt.
AMINTAFehlgeraten! Fehlgeschossen!
AMINTAMerk's beizeiten, wer ich bin!
AMINTAGlaubst, ich habe dich genommen,
AMINTAHier mich schweigsam einzumauern
AMINTAUnd mein Leben zu vertrauern?
AMINTANein und nein und nein und nein!
AMINTANein, ich lass mich nicht verstören,
AMINTASelber will ich mir gehören!
AMINTAIch bin jung und ich will leben,
AMINTAIch bin jung und will mich freu'n!
AMINTAIch will spassen, ich will lachen,
AMINTAFreude haben, Freude machen,
AMINTAMunter unter Menschen sein,
AMINTAUnter jungen, frohen, frischen,
AMINTADie mir warm das Blut aufmischen -
AMINTASoll ich hier im Hause bleiben,
AMINTAMuss es laut und lustig sein!
ganz verzweifelt auf- und abrennend
MOROSUSOh, ich Narr, ich gottgeschlagener,
MOROSUSDer in seinem Wahn geglaubt,
MOROSUSEine Frau könnt' stille sein.
MOROSUSOh, ich Narr, ich Narr, ich Narr,
MOROSUSDer mit seinen grauen Haaren
MOROSUSNoch einmal zur Freite ging
MOROSUSUnd sich wie ein dummer Bube
MOROSUSIn dem eignen Netze fing!
MOROSUSOh, ich Narr, ich Narr, zu spät jetzt
MOROSUSSeh' ich meine Narrheit ein!
auf und ab
AMINTAAlles muss hier anders werden,
AMINTAJugend hat ihr eigen Recht!
AMINTAWagen will ich und drei Pferde,
AMINTAKleider, Perlen, Diamanten,
AMINTADiener, Pagen, Lakaien,
AMINTAPapagei und Kakadu,
AMINTAWie es einer Lady ziemt.
AMINTAIn die Messe, in die Bäder,
AMINTAImmer in den schönsten Kleidern
AMINTAUnd zu Hause stets Musik,
AMINTABläser, Geiger, Lautenschläger,
AMINTACembalo und Clavecin,
AMINTASänger, Tänzer und Kastraten.
AMINTAImmerdar Musik, Musik!
AMINTASelber will ich singen, lernen
AMINTAMusik, Musik, die grösste Lust!
AMINTADenn zu laut drängt mir die Freude
AMINTAIn der aufgespannten Brust!
gleichfalls auf- und abrennend
MOROSUSOh, ich Narr, ich ausgepichter!
MOROSUSWeh an welche Teufelin
MOROSUSBin ich Tölpel da geraten!
MOROSUSWie sie schreit , oh, wie sie zetert,
MOROSUSWie sie jubelt, wie sie schmettert!
MOROSUSMeine Ohren! Meine Ohren!
MOROSUSAch Gott, ich bin verloren,
MOROSUSWenn sie lang so weitertobt!
Beide sind im Hin- und Hergehen aneinandergeraten
herrisch
AMINTARenn' mir da nicht in die Quere!
AMINTAIch geh' hier und niemand andrer!
AMINTAIch red' hier und ich allein;
AMINTAIch und ich und ich und ich!
AMINTAIn den Winkel, in die Ecken
AMINTAGeh' dein graues Haar verstecken,
AMINTAIch bin jung und brauche Raum!
ist in die Ecke geflüchtet, schlägt mit den Fäusten an dieWand
MOROSUSOh, ich Tölpel, oh, ich Esel,
MOROSUSDer an eine Frau geglaubt!
MOROSUSNarr und Narr und Narr und Narr,
MOROSUSDer ich bin und der ich war!
MOROSUSDas ist ärger als die Hölle!
MOROSUSDas ist ärger als der Tod!
immer heftiger
AMINTAAlles muss hier anders werden:
AMINTABreit die Fenster, hell die Wände
AMINTAUnd erleuchtet von Brokat,
AMINTATisch und Tafel neu und üppig,
AMINTAViele Spiegel, viele Lichter,
AMINTABilder, Blumen und Gestühle,
AMINTARaum für Tanz, Raum für Musik!
Sie sieht sich um, reisst die Decken und Vorhänge, welche die Fenster verhängen, polternd herab, nimmt einen Stock und drischt in die Kostbarkeiten des Morosus hinein, seine Fisch-gerippe, Pfeifenständer, astronornischen Instrumente, dass alles zu Boden klirrt und fällt
AMINTAort mit diesem alten Plunder:
AMINTAKirchhofsdung und Mottenfrass!
AMINTAWeg die Waffen, die Pistolen,
AMINTADiese bleichen Fischgerippe,
AMINTAAlles, was an Tod erinnert,
AMINTAAlles, was an Furcht gemahnt!
AMINTAWeg mit all dem Muff und Moder
AMINTAEiner abgelebten Zeit,
AMINTAWeg mit all' dem Stank von Toback,
AMINTADiesem Grind von Greisenheit!
AMINTAKrach und klirr und noch und nochmals
AMINTAWeg mit all dem toten Zeug!
ganz verzweifelt, um seine Habseligkeiten zu retten, ihr in den Weg gesprungen
MOROSUSMeine Pfeife! Mein Teleskop!
den Stock gegen ihn hebend
AMINTAWeg, sonst kriegst du auch noch Dresche!
AMINTAHüte dich! Ich bin im Schwung,
AMINTAEinmal gründlich auszuräumen,
AMINTAWas hier morsch und muffig ist.
Sie drischt weiter zu
AMINTAWeg mit dem da! Weg mit diesem!
AMINTAKrach und klirr und noch und nochmals!
AMINTAIch will diese Bude säubern,
AMINTADass kein Stück mehr übrigbleibt.
SYSTEMZEHNTE SZENE
Die Eingangstür wird aufgerissen. Es erscheint Henry Morosus in seinem gewöhnlichen Aufzug
HENRYWas geht hier vor? Sind die Türken im Haus?
auf ihn zu und vor ihm auf die Knie stürzend
MOROSUSHenry, Henry, um aller Heiligen willen, rette mich vor diesem Satanas, rette mich, rette mich! Sie macht mich krank, sie macht mich tot, sie macht mich wahnsinnig, sie zerreisst mir die Ohren, sie zertrampelt mir das Herz, Henry, Henry, errette mich vor ihr oder ich geh' vor die Hunde!
ihn aufhebend
HENRYMein gütiger Ohm, beruhigt Euch!
Zu Aminta
HENRYWas erlaubt Ihr Euch gegen meinen Oheim?
frech
AMINTABin Euch keine Auskunft schuldig. Und macht schleunigst wieder die Tür von aussen zu. Hier bin ich Herrin und niemand andrer. Brauch' keine Ehehelfer und Hausgucker. Expediert Euch hinaus!
HENRYEuch werd' ich hinausexpedieren und mit der flinkesten Post! Ich will dir, Weibsbild, Manieren lehren!
AMINTAHaha? Mich hinaus! Bin die Herrin hier mit Siegel und Pakt. Das ist Hausfriedensbruch! Den Sheriff! Dieser Lümmel stört meine Ehe.
HENRYRuhe und hinein in dein Zimmer!
AMINTAHier tu ich, was ich will.
HENRYIn dein Zimmer, oder ich prügle dich zusammen!
AMINTAMich schlagen? Eine Frau willst du schlagen?
HENRYEine Frau, die ihren Mann nicht ehrt, gehört zerdroschen wie Häcksel: ich scheu' diese Arbeit nicht. Vorwärts, hinein, in dein Zimmer und Ruhe gehalten!
AMINTAMich eine Frau -
aufstampfend
AMINTANein, nein, nein, nein!
HENRYMarsch!
Er packt sie am Handgelenk
AMINTAEr hat mir die Finger gequetscht,
aufschreiend
AMINTAer hat mir die Gelenke gebrochen ... Aber ich, ich geh' züm Sheriff, zum Sheriff ... Justiz ... Justiz!
HENRYWirst du jetzt gehen?
unter der Daumenschraube heulend
AMINTAJa, ja, ja.
sie loslassend
HENRYDas war meine erste Probe! Versuch's nicht weiter! Und jetzt vorwärts: hinein!
AMINTAOh ... oh ... oh.. er hat mir die Hand zerquetscht ...
heulend ins Zimmer gehend
AMINTAaber ich - ich geh zum Sheriff morgen ... oh ... oh ... oh.
Sie verschwindet heulend in dem Nebenzimmer
SYSTEMELFTE SZENE
sich umwendend
HENRYSiehst du, Ohrn, das ist die richtige Art, mit schweigsamen Frauen umzugehn, wenn sie nicht schweigsam sind.
MOROSUSHenry Henry, wie soll ich dir danken? O Gott, welch ein Weib hast du da erschaffen, o Gott! Henry, du weisst, ich war nie ein feiger Mann, in siebzehn Schlachten hab' ich gestanden und hab'im Orkan mir selber die Segel gerefft, aber gegen die komm' ich nicht auf. Die macht mich hin. Henry, wie soll ich's ertragen, mit solchem Teufel zu leben! Lieber ins Wasser! Lieber in die Themse!
HENRYKeine Not! Habt zwar eine Eselei begangen, höher als ein Mastbaum, aber sorgt Euch nicht, ich werde alles schon einrenken. Morgen bestell' ich den Richter und Advokaten, und Ihr löst die Ehe wieder auf.
ganz beglückt
MOROSUSOh, wenn das möglich wär: zwei silberne Kandelaber würd' ich stiften für die Kirche, zehn Betten fürs Armenhaus! Henry, Henry, wie hundsföttisch hab' ich gegen dich gehandelt, aber jetzt, wenn du mich rettest, soll alles dir gehören, was ich habe, alles, alles ich brauch' ja nichts mehr im Leben, meine Ruhe will ich haben, meine Ruhe, Rnhe!
HENRYLasst mich nur alles besorgen, morgen seid Ihr ein freier Mann.
Begütigend
HENRYAber nun geht zu Bette, Ohm, Ihr seht recht ermüdet aus.
MOROSUSJa, ganz zerbrochen fühl' ich mich, sie hat mich platt gedrückt wie einen Schellfisch, sie hat mich geschmort, geröstet, ach, nie hätt' ich gedacht, dass ein rechtschaffner Mann so ein armer Hund werden könnte, wie ich es bin.
HENRYÜberschlaft's nur, und morgen ist alles vorüber!
MOROSUSWie soll ich schlafen können mit der nebenan! Lieber mit der brennenden Pfeife auf einem Pulverfass - nein, ich fürchte mich ... ich fürchte mich.
HENRYFürchtet Euch nicht! Geht ruhig in Euer Zimmer, riegelt es ab, und vor der Tür halt' ich Wacht, dass sie nicht bei Euch einbricht: sie hat meine Faust schon gespürt, die kommt nicht mehr.
MOROSUSOh, wie gut du bist! ja, bleib da vor der Tür, viel-leicht kann ich schlafen. Oh, ich bin so müde, so zer-schlagen, mir schwindelt's vor den Augen, ganz leer ist mir im Leib, ja, ich muss ruhen, ich muss ruh'n.
ihn unterin Arme fassend und geleitend
HENRYGeht nun zur Ruhe und seid unbesorgt, ich halte treue Wacht vor Eurer Tür bis zum Morgen, dann geh' ich den Richter holen. Und jetzt: schlaft wohl!
bei der Tür hineinwankend
MOROSUSDank dir, mein Henry, ah ... schlafen ... schlafen ...schlafen ...
SYSTEMZWÖLFTE SZENE
Man hört den Riegel von innen zuschieben und den Schlüssel sich im Schlosse drehen. Henry lauscht - wartet, bis Sir Morosus zur Ruhe gegangen ist, dann mit drei Sprüngen leise hinüber zur andern Tür
leise
HENRYAminta, Amintal
kommt leise heraus, beide umarmen sich
HENRYDu süssester Engel, wie herrlich hast du geteufelt! Schon ist er weich wie Wachs, morgen wird der Braten gar.
AMINTAAch Gott, der arme alte Mann,
AMINTAWie ungern hab' ich ihm wehgetani
AMINTAHatt' mitten in meinen Teufelei'n
AMINTAImmer Lust, mit ihm recht gütig zu sein,
Seufzt
AMINTAWär alles nur schon beim rechten End',
AMINTADass ich ihn ehrlich und offen liebhaben könnt!
HENRYWie gut du bist und voll Gefühl.
HENRYWie ganz zum Zärtlichsein gemacht!
HENRYNein, sorg dich nicht! Nur diese Nacht noch
HENRYMusst du Frau Morosus sein,
HENRYDann immer mein, dann immer mein!
AMINTAWie hass' ich all' die Spiel' und Schlich',
AMINTADies Bösetun mit Spott und List -
AMINTAUnd doch, was tät' ich nicht für dich,
AMINTADer du mir eins und alles bist!
HENRYOh, Kind, wie glücklich machst du mich!
Sie halten einander urnschlungen. Tiefe Stille. Plötzlich die Stimme des Morosus aus dem Schlafgeniach, tief und dunkel
STIMME DES MOROSUSHenry, Henry! Hältst du noch Wacht?
HENRYJa, mein Ohm, die ganze Nacht!
STIMME DES MOROSUSUnd ist sie jetzt still?
Aminta, die er umfangen hält, über das Haar streifend
HENRYJa, sie ist still,
HENRYKein Wort, kein Hauch fliesst ihr von der Lippe,
HENRYStill ruht ihre Hand, still ruht ihre Brust,
HENRYIhr Atem ist kaum im Dunkel zu spuren,
HENRYSie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
HENRYStumm ruht sie wie ein schlafendes Kind.
STIMME DES MOROSUSSo kann ich nun schlafen? Hältst du sie fest?
Aminta noch enger an sich ziehend
HENRYIhr braucht nicht zu bangen!
HENRYWie mit eisernem Griff, wie mit brennenden Schnüren
HENRYHalt ich sie gefangen,
HENRYSie kann sich nicht regen, sie kann sich nicht rühren,
HENRYMit Willen und Wissen ihr ganzes Leben
HENRYMir nun für immer anheimgegeben!
tief, warm
STIMME DES MOROSUSAah ... aah ... So kann ich beruhigt schlafen. Dank dir für alles, Dank dir, o Dank!
HENRImmer dein, immer dein!
selig zu Henry aufschauend
AMINTADank dir für alles! Dank dir, Dank!
SYSTEMDRITTER AUFZUG
Schon ehe der Vorhang aufgeht, hört man kräftiges Gehärnmer und Gepolter hinter der Szene
Gleiches Zimmer, nur in grösster Unordnung. Eine Reihe Arbeiter, verkleidete Mitglieder der Schauspieltruppe, schlagen Nägel in die Wände, andere bringen mit viel Getöse Kisten, Spiegel und Geräte die Treppe herauf und stellen sie krachend nieder. Dazwischen immer das rhythmische Einschlagen der Nägel in die Wand
SYSTEMERSTE SZENE
AMINTAHier die Spiegel, die Konsolen,
AMINTAAber eilt euch, vorwärts, flink!
Zu andern
AMINTAHier die Florentiner Lüster
AMINTAUnd die fläm'schen Gobelins!
AMINTAWeggeräumt den alten Plunder,
AMINTAWeg die Läden, die Gardinen,
AMINTALicht und Sonne soll herein!
Ein Diener bringt in einem Käfig einen Papagei
AMINTADort vor Herrn Morosus' Zimmer
AMINTAStell den Papageien zu!
laut und schrill
DER PAPAGEIKora ... Kora ... Kakadu.
AMINTAAber rascher, rascher, rascher,
AMINTASputet euch, ich bin schon müde,
AMINTADiese Wände leer zu sehn.
Alle hämmern immer rascher
SYSTEMZWEITE SZENE
Die Haushälterin kommt dernütig aus dem Zimmer des Morosus geschlichen
HAUSHÄLTERINOh, gnädigste Frau, der Herr lässt Euch bitten ...
zu den andern
AMINTAFlink, hab' ich gesagt, ihr Burschen!
HAUSHÄLTERINIhr möchtet doch ein wenig Rücksicht nehmen ...
wie früher
AMINTANicht gezaudert, nicht geplaudert!
HAUSHÄLTERINDas Gehämmer macht ihm Kopfschmerzen.
wie früher
AMINTAMittags will ich's fertig sehn.
HAUSHÄLTERINEr hat schlecht geschlafen, er braucht seine Ruh'.
schrill
DER PAPAGEIKora ... Kakadu.
HAUSHÄLTERINWenn Ihr nur ein Viertelstündchen pausieren könntet...
ohne auf sie zu achten, auf zwei Packträger zu
AMINTAAh, da bringt ihr das Clavecin. Hierher in die Ecke! Und siehe, der Maestro in persona!
SYSTEMDRITTE SZENE
Die Haushälterin geht mit allen Zeichen der Verzweiflung ab. Aminta dem Henry und Farfallo entgegen, die als Gesangslehrer - mit einer Rolle in der Hand - und als Klavierbegleiter verkleidet sind
AMINTASalute, Maestro! Wir können gleich mit der Sing-stunde beginnen.
Zu den Arbeitern
AMINTAWeg, ihr Burschen, bis ich euch wieder holen lasse!
Die Arbeiter verschwinden mit Zwinkern und Lachen
als Gesangslehrer
HENRYDies mein Begleiter auf dem Cembalo. Ich hoffe, Ihr seid bei Stimme und wir können gleich beginnen. Hier Euer Part:
Überreicht ihr eine Rolle
HENRYDie Arie aus Monteverdis ,L'incoronazione di Poppea, I.
präludiert auf dem Cembalo
beginnt die italienische Arie
AMINTASento un certo non so che,
AMINTAChe mi pizzica e diletta,
AMINTADimmi tu che cosa egli è
AMINTADamigella amorosetta.
AMINTATi farei ti direi
AMINTATi direi ti farei,
AMINTAMa non so quel ch'io vorrei,
AMINTAMa non so quel ch'io vorrei.
bei einer Pause unterbrechend
HENRYBrava, brava! Ma piü mosso, piú passionato! Ich falle dann beim Duo ein.
singt lauter und kräftiger
AMINTASe sto teco il cor mi batte,
AMINTASe tu parti io sto melenso,
AMINTAAI tuo sen di vivo latte
AMINTAsempre aspiro e sempre penso.
kommt aus dem Nachbarzimmer herausgestürzt im losen Morgengewand, den Kopf und die Ohren mit einer Art Turban dick umwunden, hinter ihm die Haushälterin
MOROSUSHabt Erbarmen, macht ein Ende!
MOROSUSOh, ich kann, ich kann nicht mehr!
MOROSUSAuf den Knien lasst Euch bitten:
MOROSUSEine Pause, eine Pause!
singt weiter
Duett (Argia und Polinice) aus der Oper »Eteocle e Polinice» des Giovanni Legrenzi (Venedig 1675
AMINTADolce Amor!
HENRYBendato alato!
BEIDEDeh consola, deh consola il mio martir!
BEIDEE per far ch'io goda a pieno,
BEIDERendi pace a questo seno,
BEIDEChe ferito da te sol,
BEIDEDa te sol spero il gioir!
gleichzeitig
MOROSUSNein, das kann kein Mensch ertragen,
MOROSUSDas ist ärger als die Hölle,
MOROSUSDas ist ärger als der Tod.
MOROSUSWie sich flüchten, wie sich retten?
MOROSUSOh, wie find' ich meine Ruh!
DER PAPAGEIKora ... Kora ... Kakadu.
gleichzeitig
HAUSHÄLTERINAch vergebens war mein Warnen!
HAUSHÄLTERINAch, wie hab' ich ihn angefleht,
HAUSHÄLTERINDass sie ihn mit List umgarnen,
HAUSHÄLTERINJetzt kommt aller Rat zu spät!
applaudierend
FARFALLOBrava, Brava! Bravissima!
HENRYSono contentissimo! Nur mehr Schwung noch, da capo also!
verzweifelt
MOROSUSNein! Nein!
HAUSHÄLTERINWie sie ihn quälen. Es ist eine Schande!
AMINTAGerne da capo! Kümmert euch nicht um diesen Narren!
Alle zusammen
zu Farfallo
HENRYAlso avanti, comincia!
präludiert am Cernbalo
MOROSUSNein! Nein! Meine Ruhe, meine Ruhe!
MOROSUSWie sich flüchten, wie sich retten?
MOROSUSOh, wie find' ich meine Ruh?
schrill
DER PAPAGEIKora …Kora…Kakadu!
SYSTEMVIERTE SZENE
Die Tür öffnet sich. Der Barbier tritt breitspurig herein. Alles wird sofort still
spricht
BARBIERSeine illustre Lordschaft, der Chief-Justice, werden in wenigen Augenblicken hier erscheinen, begleitet von zwei Notaren der hohen Kammer.
Zu Henry und Farfallo
BARBIERMaestro, ihr begreift die Wichtigkeit. Zu anderer Stunde also!
Henry und Farfallo verabschieden sich mit bedeutungsvollen Gesichtern
MOROSUSBei Gottes Gnade, Ihr seid zur rechten Zeit gekommen, sonst hättet Ihr mich nach Bedlam führen müssen!
Leise
MOROSUSIst alles geordnet? Die Scheidung vorbereitet?
leise
BARBIERIch habe sie bombardiert mit allen Argumenten und auch ein paar klingende ihnen in die Taschen geschoben. Gleich beginnt die Verhandlung.
MOROSUSAber wird sie nicht schreien, wird sie nicht Spektakel machen? Meine Ohren sind ganz wund, ich ertrag's nicht mehr. Oh, Schneidebart, versuch's doch erst gütlich mit ihr, ich vertrag' kein Gezänk. Biet ihr alles, was sie will, nur Ruhe will ich, meine Ruhe!
leise
BARBIERIch will's probieren!
Er schreitet gravitätisch auf Aminta zu' die dem leisen Gespräch der beiden markiert misstrauisch zugeblickt hat
BARBIERMit Reverenz! Vieledle Dame!
ebenso
AMINTAVieledler Barbier!
pompös
BARBIERIch kann des Eindrucks
BARBIERMich nicht erwehren,
BARBIERAls ob Eure Ehe
BARBIERNicht die glücklichste sei.
spitz
AMINTADa irrt Ihr Euch mächtig,
AMINTADa irrt Ihr Euch sehr,
AMINTAIch fühle mich prächtig,
AMINTAUnd wünsch' mir nichts mehr.
BARBIERDoch meint' ich zu hören
BARBIERVorhin an der Türe,
BARBIERErbitterte Rede,
BARBIERGeharnischten Streit.
AMINTADas ist doch alltäglic
AMINTAIn jeglicher Ehe,
AMINTAMan zankt sich, erregt sich,
AMINTAUnd wird wieder gut.
BARBIERDoch klagt Herr Morosus,
BARBIERIhm ging es ans Leben,
BARBIEREr wollt Euch nicht länger,
BARBIEREr hält es nicht aus.
AMINTASo bin ich die Sanfte
AMINTAUnd will ihn erdulden,
AMINTAIch nehme das Kreuz
AMINTADemütig auf mich.
leise zu Morosus hinüber
BARBIEROh, die ist hartgesotten in allen Satansfeuern! Die Klette kriegt Ihr nicht so leicht los.
leise
MOROSUSBiet'ihr Geld! Mein halbes Vermögen! Nur Ruhe will ich, Ruhe!
jetzt in anderem Ton, leise, vertraulich zu Aminta
BARBIERLasst doch klüglich mit Euch reden,
BARBIERNehmet Euren Vorteil wahr.
AMINTAGerne, gerne.
BARBIERSeid vernünftig!
AMINTANur Morosus war der Narr!
BARBIERNun, so hört doch!
AMINTAJa, ich höre!
BARBIERHerr Morosus hat viel Geld.
mit einem Knix
AMINTANur um dieser Tugend willen
AMINTAHab' ich mich ihm beigesellt.
BARBIERUnd er bietet tausend Pfunde,
BARBIERWenn Ihr ihm die Freiheit lasst.
AMINTAHa, ich lache! Tausend Pfunde!
AMINTAHa, wie Ihr vergnüglich spasst!
von rückwärts
MOROSUSBiete doppelt, biete weiter!
MOROSUSAlles, alles,
MOROSUSZahle ich für meine Ruh!
BARBIERZwei ... dreitausend ... vier ... nein fünfe...
AMINTABietet, bietet immerzu!
BARBIERSeid vernünftig. . .
AMINTANein, ich lache
AMINTAMir die Seele frei.
AMINTAGlaubt Ihr, dass mir meine Ehre
AMINTAFür ein Brosam käuflich sei?
Ein Volkslied parodierend und psalmodierend mit pathetischironischer Geste
AMINTATreue hab' ich ihm geschworen,
AMINTATreue bis ins kühle Grab,
AMINTAUnd ich will die Treue halten,
AMINTADie ich ihm geschworen hab'.
MOROSUSOh, du Luder ...
vorbrechend
höhnisch
AMINTANur Eure edle Gattin!
MOROSUSGottlob nicht mehr lang.
parodistisch schwärmend
AMINTAOh, ewig, ewig. Ich lasse nicht von dir!
keuchend
MOROSUSOh,…oh, …sie höhnt mich noch! Sie macht mich rasend… oh, ich ersticke vor Wut …
SYSTEMFÜNFTE SZENE
Die Haushälterin stürzt herein
HAUSHÄLTERINGnädigster Herr ... zwei Karossen sind angefahren mit vornehmen Herren.
aufatmend
MOROSUSAll, ich fange wieder an zu leben.
beim Fenster hinaussehend
BARBIERViktoria! Ihr seid gerettet. Der Chief-Justice mit den Advokaten. Aber so, in diesem Morgenflaus, dürft Ihr nicht Seiner Lordschaft entgegen. Fort, fort, den Galarock an und die Orden, sie müssen sehen, mit wem sie hier zu schaffen haben.
MOROSUSJa, gleich komm' ich. Entschuldigt mich bei den hohen Herren, in zwei Minuten bin ich respektvollst zur Stelle.
Er verschwindet mit der Haushälterin ins Nebenzimmer
SYSTEMSECHSTE SZENE
Es treten ein Vanuzzi, Farfallo, Morbio, der erste als Chief-Justice mit riesiger weisser Perücke, Brille, der goldenen Kette und dem schwarzen Wams. Die beiden andern als Advokaten gekleidet. Vanuzzi als Chief-Justice pompös mit dem langen Goldknaufstock auf den Boden stossend
VANUZZIIm Namen Seiner Majestät, im Namen des Parla-ments! Sind die Appellanten zur Stelle: Sir Morosus und Lady Morosus?
AMINTASpar deinen Bass für später, Vanuzzi! Wir sind unter uns.
VANUZZIHaha, tapfere Aminta, wie wacker du teufeln kannst!
BARBIERO jemine, ich hab' selber Angst gekriegt, so hat sie den Armen gepfeffert, gesalzen, gesotten und getrüffelt, er kocht schon, er siedet im eigenen Fett: in einem Stündchen ist der Braten gar und wir könnenAtem holen.
BARBIERNur noch dieses letzte Spässchen,
BARBIERUnd dann ist er auskuriert.
BARBIERMunter also und vergnüglich,
BARBIERBis er selber munter wird.
rasch die Verkleidung wegwerfend und tanzend
VANUZZIAch, ich schwitze, ich ersticke,
VANUZZIDer Talar macht mich ganz schlapp,
VANUZZIFort das Amtszeug, die Perücke
VANUZZIUnd ein wenig Luft geschnappt.
MORBIONein, man kann nicht richtig lachen,
MORBIOWenn man so in Würden steckt.
MORBIOAuf den Mantel, los die Krause
MORBIOUnd die Beine grad gestreckt!
MORBIO(Sie tanzen beide zusammen)
Aminta fassend
FARFALLORasch ein Tänzchen noch, Aminta,
FARFALLODas beflügelt Witz und Blut,
FARFALLOHat man sich recht umgeschüttelt,
FARFALLOSchmeckt ein Spässchen doppelt gut.
mit ihm
AMINTAWürde, Würde, meine Herren,
AMINTAEhrt das Ansehn des Gerichts!
AMINTAWürd' er so uns überraschen,
AMINTAWär die ganze Müh' für nichts.
zusammen
VANUZZI, FARFALLO, MORBIONur noch diese letzte Runde,
VANUZZI, FARFALLO, MORBIORechtsherum und linksherum
VANUZZI, FARFALLO, MORBIOUnd wir tun schon wieder würdig
VANUZZI, FARFALLO, MORBIOUnd wir stehn schon wieder stumm.
Sie haben die Kostüme wieder angezogen, die Perücken aufgesetzt und stehen ernst und gravitätisch wie beim ersten Auftreten. Die ganze Szene muss wie im Flug blitzschnell und pantomimenhaft vorüberstreichen und genau die Position beim ersten Eintreten erreicht werden
SYSTEMSIEBENTE SZENE
im Staatskleid, erscheint, gefolgt von der Haushälterin, verbeugt sich tief
MOROSUSMeinen submissesten Respekt.
von oben herab
VANUZZIWir sind von Eurer causa verständigt.
Zu den Advokaten
VANUZZIBeliebt es, doctores, so beginnen wir.
Auf eine Geste des Morosus hin tragen die Haushälterin und der Barbier einen Tisch in die Mitte der Szene. Auf derMittelseite nimmt Vanuzzi als Chief- Justice Platz, rechts und links Morbio und Farfallo als Beisitzer
VANUZZIEs haben der hochgeborene Lord Morosus und die hochgeborene Lady Morosus das Ansuchen erhoben, ihre Ehe zu lösen ...
AMINTAIch protestiere. Ich hatte nie ein derartiges Ansuchen gestellt.
VANUZZIHem, hem, das schafft insoferne complicationes, als der Petent obligiert ist, die Gründe vorzubringen, welche ein divortium legitimum argumentieren.
leise übersetzend
BARBIEREine Scheidung zu begründen.
VANUZZIErklärt ihm, doctores, die impedimenta, welche das Gericht anerkennt per dirimere matrimonium.
leise
BARBIERSie werden Euch die Scheidungsgründe aufzählen.
pathetisch
FARFALLOImpedimenta sunt duodecim ...
übersetzend
MORBIOZwölf sind der Hindernisse.
FARFALLOQuae irritum rendant matrimoniurn,
MORBIOWelche eine, Ehe aufheben.
FARFALLOSunt:
MORBIOEs sind:
FARFALLOError conditio, voturn, cognatio, crimen, cultus dis-paritas, vis, ordo, ligamen, honestas, impotentia ...
MOROSUSWas will er? Was meint er? Ich habe nur das letzte Hindernis verstanden.
zu Farfallo
VANUZZIExpliziert ihm doch, doctissime! Seht ihr nicht, der Petent ist totaliter in statu ignorantiae.
FARFALLOAlso ich expliziere. Ad primum: error, wenn Ihr ge-meint habt, eine andere Person zu heiraten, als die Ihr geheiratet habt ...
begeistert
MOROSUSDas ist es Illustrissime! Ich meinte, um eine schweigsame Frau zu werben und habe einen Vulkan geheiratet, eine Xantippe, eine Satansschwester, ich schwöre es, Illustrissime, es war ein errort
aufklopfend
VANUZZIDiese Art des errors genügt nicht, sie ist zu gewöhnlich. Diesem Irrtum verfällt jeder Mann. Wir haben alle gemeint, sanfte Mädchen zu heiraten, und wer hat dann seine Frau je schweigsam und folgsam befunden! Erklärt ihm, doctissime, die Formen des error, welche das Gericht einzig anerkennt.
FARFALLODer error hat verschiedentliche Formen. Primum: error personae: wenn Euch eine fremde Frau unterschoben war. Secundum: error fortunae: wenn ihr sie reich glaubtet und sie war arm. Tertium: error qualitatis, wenn ihr sie virginem desponsam, als erklärte Jungfrau, heiratet und fandet sie corruptam ...
vortretend laut
BARBIEREcco ! Ich bezeuge, ich bezeuge, sie hat Umgang gehabt mit einem andern Mann.
AMINTAEr ist bestochen, er lügt! Ich habe mit niemand Umgang gehabt als mit meinem ehlichen Gatten. Ich beschwöre es.
VANUZZIDas wird sich weisen.
Zum Barbier
VANUZZIHabt Ihr Zeugen für Eure Anschuldigung?
BARBIERSehr wohl, Euer Gnaden, und sofort zur Stelle.
SYSTEMACHTE SZENE
geht zur Tür, öffnet sie. Herein treten Isotta und Carlotta in der gleichen Verkleidung wie vordem
BARBIERHier diese beiden ehrsamen Damen.
VANUZZIKönnt ihr bezeugen, dass Lady Morosus Umgang hatte mit einem anderen Mann als Sir Morosus?
CARLOTTADös man i. Da leist ichs Jurament darauf.
ISOTTAAuch ich will es beeiden.
BARBIERIhr seht, hohe Herren!
AMINTAIch lasse mich nicht verleumden, das sind gekaufteWeiber!
CARLOTTAWas? Du Gschnaufte, selber hast dich kaufen lassenvon dem alten Teppen!
ISOTTAIch verachte die Person zu sehr, um ihr zu erwidern!
AMINTALüge, Verleumdung! Meine Ehre, meine Ehre!
CARLOTTADie liegt auf'm Misthaufen!
MOROSUSO Gott, mein Kopf, mein armer Kopf!
beruhigend
BARBIERMeine Damen, meine Damen, bitte nicht alle zusammen zu sprechen!
auf Aminta zutretend
ISOTTAHast du die Stirne,
ISOTTAFrech es zu leugnen,
ISOTTADass du dem ander
ISOTTAZu eigen gewesen
ISOTTABei Tag und bei Nacht?
AMINTALüge, Verleumdung!
AMINTAErbärmliche Lüge!
AMINTANiemals, nein, niemals
AMINTAHab' ich die Ehre
AMINTADer Ehe entweiht.
vorn an der Seite der Bühne
HAUSHÄLTERINEndlich, endlich
HAUSHÄLTERINMuss es sich klären.
HAUSHÄLTERINLange schon, lange
HAUSHÄLTERINWittre ich Unrat,
HAUSHÄLTERINFühle ich Trug.
auf der andern Seite der Bühne, sich die Hände reibend
BARBIERJetzt geht der Wirbel
BARBIERGut durcheinander,
BARBIERWeiter, nur weiter
BARBIERWacker spektakelt !
BARBIERJetzt geht es famos.
ganz gebrochen
MOROSUSDieses Lärmen, dieses Brüllen,
MOROSUSDas die Ohren mir zerstückt!
MOROSUSWär nur alles schon zu Ende,
MOROSUSDenn sonst werd' ich noch verrückt.
VANUZZIMeine Herren, meine Damen! 0 keiner hört auf mich!
MORBIOMan müsste disziplinariter vorgehen.
FARFALLOOder die Sitzung aufheben.
mit dem Stock aufstossend
VANUZZISilentium!
sich auf den Knien vor den Tisch hinstürzend
AMINTARichter, schützet meine Ehre!
AMINTANur aus Hass, aus Neid und Galle,
AMINTADass mich Sir Morosus wählte,
AMINTALügen diese frechen Weiber!
AMINTABei den Sternen will ich's schwören,
AMINTAGott im Himmel soll mich hören:
AMINTANiemals hab' ich ihn betrogen,
AMINTATreulich hielt ich ihm die Treu.
BARBIERSchon möglich, schon möglich - aber das war insofern nicht schwierig, als Ihr mit ihm bloss zwölf Stunden verheiratet waret. So lange kann sogar ich meiner Alten treu bleiben. Aber vorher, Lady Morosus, vorher - das ist das punctum saliens, der Punkt, welcher springt und im vorliegenden Falle ein wenig stinkt ...
Zu Vanuzzi
BARBIERHohes Gericht, ich habe einen weiteren Zeugen bereit, der beeiden kann, die Gunst - dieser tugendhaften Dame in persona genossen zu haben.
zu den beiden andern hinüberfragend
VANUZZIDoctores?
MORBIOIch stimme bei.
FARFALLOIch stimme zu.
VANUZZISo führt ihn vor.
SYSTEMNEUNTE SZENE
Barbier öffnet abermals die Tür, herein tritt Henry, verkleidet und mit einem falschen Bart, der ihn unkenntlich macht
VANUZZIIhr kennt diese Dame?
HENRYSehr wohl, Eure Lordschaft.
VANUZZIIch meine, seid Ihr näher bekannt gewesen mit ihr ... habt Ihr ... habt Ihr mit ihr Umgang gepflogen?
HENRYGewiss, Eure Lordschaft!
VANUZZIIch meine . . . näheren Umgang, dies ist die Frage ... Habt Ihr sie näher gekannt ... ich meine: carnaliter.
mahnend fragend
MORBIOCarnaliter!
ebenso
FARFALLOCarnaliter!
leise zum Barbier
MOROSUSWas heisst das? Carnaliter?
ebenso leise
BARBIERFleischlich, Euer Gnaden, fleischlich.
sich verbeugend, leise
HENRYJawohl ... ich beeide es.
zu Aminta
VANUZZIWas habt Ihr zu antworten?
ausweichend
AMINTAIch habe nie einem andern Manne angehört als meinem Gatten. Ich beschwöre es.
VANUZZIUnd kennt Ihr diesen Zeugen?
erregt ausweichend
AMINTAIch kenne ihn nicht mehr! Ich will ihn nicht kennen.
auf sie zutretend
HENRYWillst du wirklich mich nicht kennen?
HENRYIst dein Sinn so wandelbar?
HENRYWillst du wirklich Lüge nennen,
HENRYDass dein Herz das meine war?
HENRYDeine Lippen, deine Wangen,
HENRYDie ich zärtlich oft umfangen,
HENRYDeine Hand, dein süsses Haar?
HENRYSind sie all, die sel'gen Stunden
HENRYUnserer Glut Lind Zärtlichkeit,
HENRYSo vollkommen dir entschwunden,
HENRYDass dein Blick den meinen scheut?
HENRYNein, Geliebte, o besinn dich,
HENRYNicht verleugne deinen Freund!
HENRYSieh mein Auge und sieh in dich,
HENRYDass uns Liebe neu vereint.
scheinbar zornig
AMINTAWeg, du Falscher! Weg, Verräter!
AMINTALüge blickt aus dir mich an!
AMINTAFrevIer, Heuchler, Missetäter!
AMINTAPrahlerischer, feiger Mann!
AMINTAWärst du mir doch fern geblieben!
AMINTAAch, wir unglücksel'gen Frau'n,
AMINTADie getäuscht sind, wo sie lieben,
AMINTAUnd verraten, wo sie trau'n!
VANUZZIHem, hem! So leugnet Ihr nicht mehr, diesen Mann zu kennen?
sie wendet sich ab und verhüllt ihr Gesicht
AMINTAAch ...
laut zu Morosus
BARBIERSie ist überführt! Viktoria!
MORBIOEure causa ist gewonnen! Ich gratuliere!
HAUSHÄLTERINAch, ich vergehe vor Freude!
CARLOTTAJetzt hat sie sich sauber eintunkt!
ISOTTASo etwas gibt eine verständige Frau niemals zu.
BARBIERVivat Morosus! Viktoria!
ALLEVivat Morosus! Viktoria!
Alle umringen den ganz beglückten Morosus
allen die Hände schüttelnd
MOROSUSAch, ihr Guten, wie euch danken!
MOROSUSEndlich bin ich ihrer ledig -
MOROSUSOh, die Seele blüht mir auf.
MOROSUSNiemand ahnt, was ich gelitten,
MOROSUSNiemand meine Seligkeit.
zu Vanuzzi
BARBIERDas Verdikt, Eure Lordschaft! Wir wollen's gesiegelt und geschrieben!
mit dem Stock aufstossend und sich erhebend
VANUZZIDa der Petent den Beweis erbracht hat, dass seine Gattin Lady Morosus nicht mehr als virgo desponsa in den Ehestand getreten, ist das impedimentum erroris qualitatis gegeben, und ich beantrage, Doctores, seine Ehe für nichtig zu erklären.
MORBIOIch stimme zu.
aufstehend
FARFALLOIch opponiere.
MORBIOIhr opponiert?
scheinbar erschreckt
BARBIEREr opponiert?
ebenso
CARLOTTAEr opponiert?
HAUSHÄLTERINEr opponiert?
ebenso
ISOTTAEr opponiert ?
MORBIOEr opponiert?
MOROSUSOh Gott, was ist das? Er opponiert?
FARFALLOIch opponiere. Der contractus matrimonii besagt mit keinem Worte, dass die Tugend ante nuptias der Lady Morosus eine conditio matrimoliii gewesen, ergo besteht kein error qualitatis.
ängstlich
MOROSUSWas will er? Was sagt er?
VANUZZIHem, hem! Rectissime! Der gelehrte Doktor findet nicht in dem contractus, dass Ihr vor der Eheschliessung die Bedingung der virginitas gestellt habt.
Zu Aminta
VANUZZIHat Sir Morosus vor der Hochzeit Euch befragt? -
AMINTAMit nichten.
VANUZZIDann liegt kein error vor. Und der Petent ist abgewiesen. Habe ich Eure approbatio, ihr Herrn?
MORBIOApprobatio absoluta.
FARFALLOApprobatio absoluta.
zum Barbier
MOROSUSWas sagen sie? Was wollen sie?
BARBIERMir tut's bitter leid, Euer Gnaden, aber sie geben Eurer Bitte nicht nach.
MOROSUSAber sie hat doch mit dem andern geschlafen? Es ist doch bezeugt.
BARBIERAber ante nuptias, Euer Gnaden, vor Euch, und daran haben wir im Kontrakt vergessen. Ihr müsst sie jetzt behalten.
MOROSUSBehalten? Ich sie behalten? Das Teufelsweib und noch die Schande dazu? Nein! Nein! Ich lass mich nicht entehren! Ein solches Weib, das noch dazu eine Dirne! Nein, das ist zuviel. Lieber krepieren! Lieber zugrundegehen. Wo sind meine Pistolen? Mein Degen? Einen Strick! Ich geh' ins Wasser! Ich stürz' mich vom Fenster! Nur keinen Tag mehr mit ihr, keinen Tag!
Alle um ihn herum und ihn von seinem Vorhaben abhaltend
VANUZZIBedenkt Euch doch! Herr! Ihr könnt noch appellieren.
MORBIOBeruhigt Euch, nichts ist unumstösslich!
HAUSHÄLTERINGnädigster Herr, schont Euer Leben!
BARBIERWir werden eben noch etwas finden.
CARLOTTANet so gach wegen so einem Weibsbild.
ISOTTAIhr werdet jederzeit Trost finden bei andern.
sich losreissend
MOROSUSLasst mich los! Zum Teufel mit euch allen' Ihr tötet mich mit eurem Geschrei! Nur Ruhe will ich! Ich ertrag's nicht mehr! Ich ertrag's nicht! Oh, nur niemanden mehr sehen! Nichts mehr hören! Tot sein, weg sein! Ruhe will ich, nichts mehr hören! Ruhe, Ruhe ...
Er wirft sich in seiner Verzweiflung auf eine Bettstatt, bohrt seinen Kopf unter die Decken und stopft sich die Ohren zu
hebt die Hand. Es wird plötzlich still. Henry und Aminta werfen die Verkleidung ab, gehen leise an die Bettstatt heran, wo Morosus stöhnend unter den Kissen liegt, und knien beide hin
kniend
HENRYeurer Ohm, nicht länger kann ich
HENRYEure Not und Sorge schau'n.
HENRYAuf! Ermannt Euch und erwachet
HENRYAus dem bösen Ehetraum!
HENRYBlickt um Euch! Nur Freunde seht Ihr!
HENRYAll die Schrecknis, die Marter ist entflohn,
HENRYUnd um Eure Liebe fleht hier
HENRYEuer Neffe, Euer Sohn!
langsam sich erhebend, wirr um sich starrend, aufatmend
MOROSUSHenryl Gott sei Dank, Henry, mein guter Henry! Wo kommst du her? Es war doch erst ein andrer da. Und wer ist die ... das ist ja
erschreckend
MOROSUSdas ist ja Timida.
HENRYNein, die wird Euch nimmer plagen,
HENRYDie ist fort für immerdar.
HENRYNur Aminta ist geblieben,
HENRYMilde, wie sie immer war.
kniend
AMINTAWollet gütigst mir verzeihen,
AMINTAWas Euch jene angetan.
AMINTAUnd wenn dann ein ganzes Leben
AMINTAHingegeb'ner Kindesliebe
AMINTAEuren Groll beschwichtigen kann,
AMINTANehmt als Wahre von den zweien,
AMINTANehmt Aminta, die getreue,
AMINTANun als Eure Tochter an!
MOROSUSWie? Was? Ich versteh' nichts. Aminta ist Timida und Timida ist Aminta? Und sie ist meine Frau und ist deine Frau? Bin ich in ein Rumfass gefallen? Hab' ich geträumt? Bin ich betrunken? Und die da, die Richter, die Doctores ...
HENRYSind meine Kameraden.
Vanuzzi, Morbio, Farfallo haben die Verkleidungen abgestreift und stehen in demütiger Haltung da
MOROSUSWie? Was? Kameraden ... am Ende gar von jener Schmierantenbande? Habt ihr ... habt ihr euch vielleicht gar einen Narren aus mir gemacht? Eine Posse mit mir aufgespielt, und ich bin gar nicht verheiratet, ich war gar nicht richtig verheiratet?
Er greift nach seinem Stock
MOROSUSWie? Was? Ihr erlaubt euch Spässe mit mir, Sir Morosus? Das werd' ich euch heimzahlen, ihr Banditen! Mich habt ihr wie einen Esel geschunden, mich an der Nase geführt, dass ich Blut schwitzte! Mich habt ihr gehetzt wie ein Wildschwein und so gehusst, dass ich mich aufhängen wollte ...
Plötzlich aus seiner Wut umschlagend und furchtbar zu lachen anfangend
MOROSUSHah, hah! Aber grossartig habt ihr das gemacht, ihr Burschen! Grossartig, grossartig! So mich altes Seekalb hineinzulegen, ihr frechen Landratten, ha, ha! Ganz recht habt ihr gehabt, Narren gehören gekämmt und Dummheit geprügelt. Ah, ihr Burschen, ihr Burschen, das hätt' ich nie gedacht, dass ihr so fixe Kerle seid.
Zu Vanuzzi
MOROSUSWarst du am Ende auch der Pfarrer, der mich getraut hat?
noch ganz ängstlich
VANUZZIAllerdings.
ihn umarmend
MOROSUSDann warst du der pfäffischeste Pfaff, den ich je gesehen.
Zu Morbio und Farfallo
MOROSUSUnd du der advokatischeste Advokat, und du der mauserigste Notar meiner sechzig Jahre.
Er umarmt sie. Zu Carlotta und Isotta
MOROSUSUnd ihr, Kinder, famos, famos, wie ihr einen Mann betrügen könnt, jede kriegt einen Kuss. Nein, so mir das Fell zu gerben, ausgezeichnet! Ich hab' euch bitter Unrecht getan, aber fortan will ich eure Kunst respektieren, in all' eure Operas will ich gehen, und wenn ihr so mich zum Lachen bringt, wie ich heute mich selber auslache, dann kriegt ihr fünfzig Guineen in blankem Golde.
Zu Aminta
MOROSUSAch, du Kalfakterin, wie entzückend du bist, seit du wieder süsse Augen machst. Fast hätt' ich Lust, dich noch einmal zu heiraten. Aber nein - keine Angst, ich bin kuriert, für immer kuriert und von allem! jetzt weiss ich erst: Es gibt nichts Besseres, als mit guten Menschen heiter zu sein.
Zur Haushälterin
MOROSUSHeda! Wein her, wir wollen eine Flasche trinken auf den dümmsten Narren von England und auf die frechsten Burschen und hübschesten Frauen des Königreichs!
Zu den Schauspielern
MOROSUSUnd ihr, wenn ihr dazu Musik machen wollt, mich ficht's nicht mehr an, spektakelt soviel ihr wollt ' Wer einmal eine schweigsame Frau gehabt, der kann allen Lärm auf der Welt vertragen. Also vorwärts und los!
Er setzt sich mit Aminta und Henry an den Tisch. Sein Platz ist derselbe, den früher Vanuzzi als Chief-Justice einnahm, rechts sitzt Aminta, links Henry. Die Schauspieler haben sich im Hintergrund aufgestellt und beginnen, mit gleichzeitigen Tanzfiguren, zu singen und Musik zu machen
VANUZZIDie Ihr feindlich aufgenommen,
VANUZZIUnsre Kunst, sie grüsst Euch jetzt,
VANUZZIDenn kein Mahl ist je vollkommen,
VANUZZIDem sie nicht die Becher netzt.
MORBIOOhne sie glänzt keine Freude,
MORBIOOhne sie erglüht kein Glück:
MORBIOEwig sind verschwistert beide,
MORBIOHolde Liebe und Musik!
ISOTTANur wo sie die Schwingen breitet,
ISOTTAWird Gemeinsamkeit zum Fest,
ISOTTATor drum jeder, der der sie meidet,
ISOTTASelig, wer sie walten lässt.
CARLOTTASelig, wer sich ihr verbindet
CARLOTTAUnd sein Herz den Tönen gibt.
CARLOTTASelig, wer sie in sich findet,
CARLOTTAUnd begnadet, den sie liebt.
FARFALLOJeden Gram kann sie bemeistern,
FARFALLOSchmerz und Schwermut lindert sie,
FARFALLOHellster Geist von allen Geistern:
FARFALLOGottes Hauch, du, Melodie!
BARBIERMach auch diesem, der dir grollte,
BARBIERWiederum die Seele weit,
BARBIERSchenk ihm endlich deine holde
BARBIERErdenschwester: Heiterkeit!
ALLE MITEINANDERAlles Frohe, alles Schöne
ALLE MITEINANDERSir Morosus immerdar!
ALLE MITEINANDERAlles Frohe, alles Schöne
ALLE MITEINANDERUnserm vielgeliebten Paar!
ALLE MITEINANDERFreude ihm, der Freude scheute,
ALLE MITEINANDERHeiterkeit, die er gehasst,
ALLE MITEINANDEREwig sei sie so wie heute
ALLE MITEINANDERHier in diesem Haus zu Gast.
Morosus, tiefgerührt, hat dem Gesange zugehört und dankt nach allen Seiten. Auf ein Zeichen Vanuzzis treten die Sänger an die Tür zurück
VANUZZIUnd nun Freunde: Ausgesungen!
VANUZZIJunges Glück bleibt gern allein.
VANUZZIIst uns dieses Spiel gelungen,
VANUZZISoll's nur neuer Ansporn sein,
VANUZZIAllen Danks, den wir errungen,
VANUZZIImmer wieder wert zu sein.
BARBIERUnd jetzt rasch und heimlich weiter,
BARBIERNicht gesäumt und nicht gestört!
BARBIERRechter Spass bleibt dann nur heiter,
BARBIERWenn er nicht zu lange währt.
Sie haben die Tür geöffnet und verschwinden ganz leise mit Knixen und Verbeugungen, einer nach dem andern
HAUSHÄLTERINNoch ein Wunsch für frohe Stunden ...
MORBIOEin paar Takte noch Musik ...
FARFALLOEine letzte leise Runde ...
VANUZZI.. Und schon ziehn wir uns zurück.
CARLOTTAEinen Knix noch ...
ISOTTA... Ein Verneigen ...
SYSTEMVANUZZI ...
ISOTTA…Einen Gruss …
FARFALLO. . . Ein letztes Wort . . .
VANUZZI. . . Und dann Stille nur und Schweigen. . .
BARBIER... Und jetzt sind wir endlich fort.
SYSTEMLETZTE SZENE
Der Barbier hat die Tür hinter sich geschlossen, es ist vollkommen still geworden. Morosus mit Aminta und Henry allein an dem Tische
strahlend beglückt sich in den Sessel zurücklehnend
MOROSUSWie schön ist doch die Musik - aber wie schön erst, wenn sie vorbei ist!
Er trinkt behaglich ein Glas Wein und blickt Aminta lange an
MOROSUSWie wunderbar ist doch eine junge, schweigsame Frau, - aber wie wunderbar erst, wenn sie die Frau eines andern bleibt! Wie schön ist doch das Leben, - aber wie schön erst, wenn man kein Narr ist und es zu leben weiss! Ah, meine Guten, grossartig habt ihr mich kuriert, noch nie hab ich so glücklich mich gefühlt. ..
Er zündet sich eine Pfeife an und bläst behaglich den Rauchvor sich hin
MOROSUSAch, ich fühle mich unbeschreiblich wohl. Nur Ruhe!
In den Sessel zurückgelehnt, fasst mit der Rechten undLinken dankbar die Hände Amintas und Henrys
MOROSUSNur Ruhe! Aaah - - - Aaah - - - Aaah! - - -