Intermezzo
Strauss, Richard
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Intermezzo Libretto
SYSTEMERSTER AUFZUG
Im Ankleidezimmer. Vor der Abreise des Mannes, offene Reisetaschen, grosse Unordnung. 7 Uhr früh
DIE FRAUAnna, Anna! Wo bleibt denn nur die dumme Gans?
im Einpacken begriffen, die Frau hilft ihm dabei
DER MANNSchimpf doch nicht wieder!
DER MANNBis sie dir alle davonlaufen!
DIE FRAUDann gibt es andere!
DER MANNSo gute Mädels findest du nicht so bald wieder!
DIE FRAUIch schon!
DER MANNDu hast ein Zutrauen zu dir, einen Leichtsinn, bei den Zeiten!
DIE FRAU's gibt immer welche!
DER MANNAber die Schererei, das Suchen, das Anlernen! Einen Sommer hattest du
DER MANNso viel Köchinnen wie Doktoren, ich glaube 15 Stück!
triumphierend
DIE FRAUUnd habe doch endlich dann die richtige gefunden.
DER MANNJa, auf wie lange!
DIE FRAUStreitest du schon wieder?
DER MANNIch streite nicht, ich warne nur.
DIE FRAUBrauch' deine Warnungen nicht!
DER MANNMehr als du glaubst - ohne meine Bremse ginge dein Temperament in jeden Graben.
DIE FRAUMach lieber, dass du fortkommst!
DER MANNNoch eine halbe Stunde, eh der Schlitten kommt!
DIE FRAUAber du hast ja noch nicht gefrühstückt!
DER MANNDauert fünf Minuten!
DIE FRAUIch will, dass du ordentlich frühstückst! Deine Nerven
DER MANNsind vortrefflich!
DIE FRAUAch, bin ich froh, wenn du endlich fort bist - Anna - Anna - schnell!
von aussen
DIE JUNGFERGleich, gnä' Frau, ich sperre nur die Koffer zu.
ruft hinaus
DIE FRAUVergessen Sie nicht, dem Herrn die Schlüssel zu geben!
DER MANNSie vergisst es nicht.
DIE FRAUNa! Und damals in Campiglio, wo wir drei Tage ohne Schlüssel vor unsern
DIE FRAUKoffern sassen -
DER MANNDa bist du mitgefahren; und bei dem Durcheinander, wenn du mitreisest -
DIE FRAUFang nicht wieder an! Ich sehne mich wahrhaftig nach der Ruhe des Alleinseins.
DER MANNAls wenn ich dich je belästigte!
DIE FRAUSchon deine ewige Anwesenheit - du bist immer zu Hause - andere Männer
DIE FRAUgehn in ihr Bureau -
stöhnend
DIE FRAUdie vermehrte Arbeit
DER MANNtrifft dich doch nicht!
DIE FRAUNa, wen denn?
DER MANNDoch die Dienstboten,
DIE FRAUdenen ich alles befehlen muss, immer und überall nachsehen, ob auch alles
DIE FRAUrichtig geschieht - schon allein dieses fortwährende Telephonieren
DER MANNkönnen doch auch die Mädchen besorgen.
DIE FRAUUnd wer macht denn die Hausarbeit?
DER MANNHerrgott, ich weiss schon: 's liegt alles auf dir!
DIE FRAUNa, auf wessen Schultern denn? Der Speisezettel?
DER MANNEin Vergnügen, keine Arbeit!
DIE FRAUDas Saubermachen von Küche und Keller und Speicher, ist das vielleicht nichts?
DER MANNChronischer Unfug!
DIE FRAUDen Garten -
DER MANNbesorgt der Gärtner besser ohne dich.
DIE FRAUBezahlungen der Rechnungen -
DER MANNübernehme ich gerne -
DIE FRAUund bezahlst alle doppelt! Kommissionen, Bestellungen -
trocken
DER MANNNa, etwas kannst du ja schliesslich auch tun, das ist alles keine ernste Arbeit.
DIE FRAUJedenfalls keine, die von euch Männern anerkannt wird!
DER MANNAnerkannt schon, wenn auch nicht überschätzt.
seufzend
DIE FRAUDas Denken den ganzen Tag
DER MANNSoll das wohl auch eine anstrengende Arbeit sein?
DIE FRAUDie grösste doch, mich wenigstens ermüdet's!
DER MANNJa, dann - aber das bestreite icheben! Nur produzierendes Denken beim Künst-
DER MANNler, beim Gelehrten, bei einem Erfinder, das ist Kopfarbeit: und die sollte eigentlich ein
DER MANNVergnügen sein: für mich ist sie es wirklich.
DIE FRAUArbeit ist nie ein Vergnügen.
DER MANNDann lass' sie doch! Du hast es doch nicht nötig!
DIE FRAUUnd das Haus -
DER MANNging auch nicht zugrund, nur ein bisschen einfacher wird vieles
DIE FRAUund alles würde verkommen und im Dreck ersticken.
DER MANNNa, na, alter Putzteufel! Es leben doch tausend Familien nicht so genau und
DER MANNpeinlich und wahrscheinlich vergnügter als wir.
heftig
DIE FRAUDa sterbe ich lieber!
parodierend
DER MANNDa lebte ich lieber!
höhnisch
DIE FRAUNatürlich du bei deiner Herkunft bist es nicht besser gewöhnt!
DER MANNDu tust, als wenn du in einem Schlosse geboren wärst!
wütend
DIE FRAUDu wirst doch deine Familie nicht der Vornehmheit der mein' gen vergleichen wollen!
auf seinen Kopf deutend
DER MANNDa sitzt die Vornehmheit!
DIE FRAUMach, dass du fortkommst, du Plebejer.
DER MANNSchau, warum bleibst du nicht lieber zu Bett, statt einen mit deiner schlechten
DER MANNMorgenlaune unnötig aufzuregen und über die alten langweil'gen Dinge zu streiten, wo man
DER MANNgut daran täte, seinen Kopf zusammenzunehmen, dass man nichts Wicht'ges vergisst!
DIE FRAUDafür sorge ich schon!
DER MANNNein, du störst nur mich und Anna.
DIE FRAUHast du dein Reisekissen?
DER MANNIch denke -
sieht nach
DER MANNja -
DIE FRAUSchuhlöffel, Handschuhe, Reisemütze?
DER MANNAnna hat noch nie was vergessen!
mit höhnischem Triumph
DIE FRAUBloss alle Schlüssel zu sechs Koffern in Campiglio!
schon ungeduldig
DER MANNNun lass michendlich in Ruhe - frühstücken!
Schnell ab ins Nebenzimmer
stürzt herein, über die Handtasche sich eifrigst hermachend
DIE FRAUHaben Sie alles für den Herrn? Die Brötchen, den Schinken, die Milchflasche
DIE FRAUfür zehn Uhr? Ist die Torte gut verpackt? Kann der Himbeersaft nicht auslaufen? Zehn
DIE FRAUharte Eier: sehr nahrhaft. Bei der anstrengenden Tätigkeit muss er sich kräftig
DIE FRAUnähren. Anna, finden Sie nicht, der Herr ist wieder sehr nervös?
DIE JUNGFERNein, gnä' Frau, das find' ich nicht.
DIE FRAUHoffentlich passiert ihm nichts aufder Reise!
DIE FRAUHaben Sie die Pillen? das Gurgelwasser? den Umschlag?
DIE JUNGFERAlles, gnä' Frau.
DIE FRAUEigentlich bin ich recht froh, wenn er glücklich fort ist!
DIE JUNGFERUnd dann weinen gnäd'ge Frau wieder jeden Morgen und Abend und sind unter Tags traurig.
DIE FRAUNun ja, mit dem Kind allein in dem grossen Haus und dem langweiligen Bauernnest!
DIE JUNGFERWollen gnä' Frau, es ist heut sehr schönes Wetter, nicht ein bisschen rodeln gehn?
DIE FRAUIst auch langweilig. Nun ja - wie Sie meinen! Sie haben sicher das Kopfkissen vergessen?
DIE JUNGFERGewiss nicht.
Ab ins Nebenzimmer
tritt wieder ein und sucht sich schweigend die letzten Reiseeffekten zusammen
herausfordernd
DIE FRAUWarum redest du nicht?
DER MANNWeil du doch nur streitest.
auffahrend
DIE FRAUIch denke, wenn man auf zwei Monate fortgeht, hätte man mitseiner Frau
DIE FRAUdoch manches Wicht'ge zu besprechen.
DER MANNJa, wenn sie bei Vernunft ist.
DIE FRAUDu bist ein Flegel.
DER MANNDu auch nicht gerade sehr liebenswürdig.
DIE FRAUIch verbitte mir diesen Ton!
DER MANNNa, und ich? Was soll denn ich dann sagen?
DIE FRAUDu - du - du bist
geringschätzig
DIE FRAUein Musikant.
DER MANNWeiss schon, also in deinen Augen so etwas Minderwert'ges.
DIE FRAUDas nicht - aber: mir passt das ganze Milieu nicht, die Öffentlichkeit und was
DIE FRAUsich so alles an den Künstler herandrängt: diese schamlosen Dichter, die all ihre Er-
DIE FRAUlebnisse auf die Strasse tragen, so ein Kapellmeister, der den Vollgefress'nen unten im
DIE FRAUParkett den Hampelmann macht und seine brünstigen Gefühle im Viervierteltakt preis-
DIE FRAUgibt! Pfui Teufel!
DER MANNJa, das hättest du dir früher überlegen sollen! Ich habe nichts andres gelernt.
DER MANNUmsatteln kann ich nicht mehr.
ungeduldig
DIE FRAUAber endlich abreisen!
DER MANNAlso, leb wohl! Hast du dich nun auch genügend ausgetobt für die nächsten zwei Monate?
DIE FRAUNoch lange nicht, denn du kannst mich doch nie verstehn.
DER MANNNa, na, ich kenne dich, glaub' ich, besser als du dich selbst. Geh, sei gut, ich
DER MANNhabe nur mehr fünf Minuten, dann kommt -
kommt herein und meldet
DIE JUNGFERDer Schlitten ist da.
DER MANNSchon? Adieu also! Bekomme ich keinen Kuss zum Abschied? Was habe ich dir denn getan?
DIE FRAUNichts. Ekelhaft bist du mir!
DER MANNAch geh, das ist ja doch nicht dein Ernst.
DIE FRAUIch bin froh, wenn ich dich los bin!
DER MANNWenn mir auf der Reise was passsiert, es gereut dich doch.
DIE FRAUUm Gottes Willen, was?
DER MANNEine Ohnmacht, Herzschlag - eine Lungenentzündung - ein Raubmord - ein Eisenbahnunglück -
DIE FRAUIch bitte dich, nimm dich in acht, steig nicht in die vorderen, nicht in die letzten
DIE FRAUWaggons!
DER MANNWenn möglich - nicht.
DIE FRAUKühl dich immer gut ab, bevor du in die Kälte gehst, schlag deinen Pelzkragen hoch,
DIE FRAUden Mund zu, geh früh zu Bett, der Schlaf vor Mitternacht -
DER MANNJa, ja ich weiss schon - also leb' wohl
fällt ihm stürmisch um den Hals
DIE FRAUAdieu! Bleib mir gesund!
DER MANNGleichfalls. Und schreib hie und da.
Schon wieder unliebenswürdig
DIE FRAUZum Schreiben hab' ich keine Zeit -
DER MANNNa, aber.....
DIE FRAUund ausserdem wenig Lust, du kannst es dir auch ersparen!
eifrig
DER MANNDoch, doch ich -
DIE FRAUUnd schick keine Zeitungen,
DER MANNauch das nicht?
DIE FRAUIch lese sie doch nicht, sie liegen mir nur im Wege herum.
DER MANNSchreiben muss ich, mir ist's ein Bedürfnis, mit dir aus der Ferne wenigstens
DER MANNzu plaudern.
DIE FRAUMir gar nicht.
wütend
DER MANNDann also, zum Teufel! Lass es bleiben, du unaustehliche Kratzbürste
DER MANNdu! Adieu!
rasch ab
DIE FRAUMit Gott! Versäume den ZUg nicht!
am Toilettentisch
DIE FRAUNun wollenn wir frisieren
beginnt mit der Frisur
DIE FRAUHaben Sie gestern für Bubi die Hemden besorgt?
DIE JUNGFERJawohl, gnä' Frau.
DIE FRAUMeine Taille - die Knöpfe?
DIE JUNGFERFertig.
springt auf, rennt mit der Lorgnette ans Fenster
DIE FRAUGrüsst mein Mann herauf?
DIE JUNGFEREr grüsst mit der Hand.
versteckt sich hinter der Gardine
DIE FRAUWarum er nur immer reist!
Langsam an den Toilettentisch zurückkehrend
DIE JUNGFERIch glaube, der Herr ist nicht gerne allzulange an einem Ort.
höhnisch
DIE FRAUEr hat, glaube ich, doch jüdisches Blut in den Adern!
beginnt wieder zu frisieren
DIE JUNGFERUnd dann sein schöner Beruf.
DIE FRAUSchöner Beruf. Ha, ha, fangen Sie auch noch an?
DIE JUNGFERDie Berühmtheit!
DIE FRAUNa, ich danke für die Ehre! Dass nachdem Tode noch wildfremde Leute aus purer
DIE FRAUNeugier urteilen, ob sich die Gemahlin ihrerandren besseren Hälfte würdig erwiesen hat.
DIE FRAUMein Mann hat seinem Herrn Biographenausdrücklich verbieten müssen, meiner zu erwähnen,
DIE FRAUman muss doch noch das Recht haben, Privatperson bleiben zu dürfen - Au! aber -
DIE FRAUso passen Sie doch auf, sie reissen mir ja alle Haare aus! Sie lernen's auch nie!
DIE FRAUUnd was bin ich und was war ich als "Tondichtersgattin"? Ha, ha, ha, ha! Nicht mal hoffähig.
schnippisch
DIE JUNGFERDas wäre gerade nach des Herrn Geschmack!
DIE FRAUHalten Sie Ihr freches Maul!
Anna frisiert gekränkt - schweigend weiter
steckt den Kopf zur Tür herein
DER JUNGEMama, soll ich die genagelten Stiefel anziehen?
DIE FRAUFreilich, mein Herzchen, bei dem Schnee.
Zur Jungfer
DIE FRAUIch verbitte mir Ihr freches Benehmen.
DIE JUNGFERIch sage ja gar nichts.
DIE FRAUAber Sie schneiden ein Gesicht. Ich seh's im Spiegel.
stürzt herein
DAS HAUSMÄDCHENGnä'Frau, der Steuerbote ist da, hier ist die Quittung.
DIE FRAUNatürlich, fünf Minuten, nachdem der Herr aus dem Hause!
Erschöpft
DIE FRAUSie
sehen, alles Unangenehme kommt an mich. Er salviert sich, spielt Skat in Wien: Sagen Sie
DIE FRAUdem Boten, ich dürfe nicht bezahlen, er möchte die Quittung an den Herrn schicken.
DAS HAUSMÄDCHENSchön.
Ab
DIE FRAUHalt - da fällt mir ein -
springt auf, ans Telephon, klingelt wütend, schreiend
DIE FRAUich klingle, wie es mir beliebt, bitte 178.
Pause
DIE FRAUHier Frau Hofkapellmeister Robert
DIE FRAUStorch. Bitte, liebe Frau Pritek, wann bekomme ich nun endlich das Hagebuttenmark -
DIE FRAUnatürlich zum Einmachen, die einzige Marmelade, die mein Mann gerne isst - wissen Sie,
DIE FRAUwo er doch so angestrengt arbeitet, wenn er seine Hagebutten nicht hat, ist er unglücklich,
DIE FRAUaber bitte, nicht vergessen! Danke, danke.
tritt ein, bleibt in der halbgeöffneten Tür stehen
DIE FRAUWenn man gut zu den Leuten ist, kann man sie um den Finger wickeln.
nickt ironisch
DIE JUNGFERJawohl, gnä'Frau!
DIE KÖCHINGnä' Frau, wegen des Speisezettels?
fährt wütend auf
DIE FRAUWie oft habe ich Ihnen schon gesagt, Sie sollen ganz ins Zimmer
DIE FRAUkommen und die Türe schliessen.
beendet inzwischen die Frisur
DIE KÖCHINWas soll ich kochen?
wütend
DIE FRAU: Was Sie wollen, Sie wissen ja selbst. Sie sehen, wie alles auf mich
DIE FRAUeinstürmt - es gehört sich doch nicht, dass Sie mich da auch noch ärgern.
ab
entschuldigend
DIE JUNGFERAber gnä' Frau, wirklich -
DIE FRAUHalten Sie Ihren Schnabel! Wenn mein Mann fortreist
DIE JUNGFERWarum reisen gnä' Frau nicht mit?
DIE FRAUSie sehn doch, was ich zu tun habe! Sagen sie selbst, ob ich da fort kann - ich, eine
DIE FRAUbrave, treue, arbeitsame Frau - ich gehöre nicht zu diesen leichtsinnigen Weibern, die
DIE FRAUnur ihre Kleider und Hüte spazierentragen und zu Hause alles liegen und stehen lassen -
DIE FRAU"Den Krempel besorgt meine Babette" hat mir neulich mal so eine gesagt, - sehn sie
DIE FRAUnicht, wie notwendig ich zu Hause bin, ich komme nicht einmal zum Frisieren, zum Anziehn -
DIE FRAUund da soll ich in der Welt herumkutschieren und in den Hotels herumlungern? Es kommt
DIE FRAUsowieso alles Unangenehme auf mich,
verzweifelt
DIE FRAUwenn mein Mann fort ist auf zwei Monate!
DIE JUNGFERIch denk', gnä'Frau sind froh, ein bisschen allein zu sein?
DIE FRAUIch bin immer allein, entweder ist er auf Reisen oder, wenn er zu Hause - in Gedanken
seufzend
DIE FRAUund bei der Arbeit.
DIE JUNGFERAber der Herr ist doch immer so nett mit der gnädigen Frau.
auffahrend
DIE FRAUDas wäre noch schöner, das gehört sich doch! Aber sehen sie, so gemütlich
DIE FRAUbei mir sitzen, nichts tun, plaudern, das kann er nicht. Er ist eben so gar kein Damenmann.
DIE JUNGFERAch, so einen möcht gnä' Frau ja gar nicht! Gnä' Frau sind gar nicht so böse auf den Herrn.
heftig
DIE FRAUEr reizt mich fortwährend.
DIE JUNGFERAber er ist doch so gut und nachgiebig!
DIE FRAUDiese ew'ge Güte und Nachgiebigkeit - das ist es ja, was mich so rasend macht. Wenn er nur
DIE FRAUmal richtig grob und brutal wäre, wie ein richtiger Mann - aber dieser ewig "waiche
DIE FRAUGünstler" und dabei diese ruh'ge süffisante Ueberlegenheit, die er mir gegenüber stets
DIE FRAUmarkiert.
DIE JUNGFERAber nein, gnä'Frau irren sich -
eifrig und kindlich
DIE FRAUdich, doch, er sieht auf alle Frauen mächtig herab, hält uns mehr
DIE FRAUoder minder für dumme, eitle, ungebildete Gänse
DIE JUNGFERGnä' Frau, ich mein', der Herr gibt sehr viel gerade auf Ihr Urteil -
DIE FRAUJa, ja, bis zu einem gewissen Grade -
DIE JUNGFERWie oft fragt er Sie um Rat!
DIE FRAUJa,
eifrig
DIE FRAUweil er genau weiss, dass ich viel prakt'scher bin als er.
DIE JUNGFERDer Herr ist doch auch ganz praktisch!
DIE FRAUNur schlau! Diese Bauernpfiffigkeit, das fehlt mir eben.
DIE FRAUIch platze immer heraus mit allem; er heimtückisch, kann
DIE FRAUsich beherrschen, verstellen! Da werde ich immer wütender,
DIE FRAUfinde nicht die richtigen Worte - da gibt's dann diese
DIE FRAUscheusslichen Szenen.
DIE JUNGFERDer Herr weiss schon, wie's gemeint ist, dass gnä' Frau gut sind -
Aber man setzt sich dadurch ins Unrecht
seufzend
DIE FRAUund ist dann
DIE FRAUder schwächere Teil. - Seine Ruh' will er haben, darum gibt er
DIE FRAUimmer nach und ich, ich bin dann immer das Scheusal! Ach, Anna,
DIE FRAUich bin recht unglücklich!
DIE JUNGFERAber gnä' Frau, beruh'gen Sie sich doch!
Das Telephon läutet
steht auf und geht langsam hin. Am Telephon mit leidender Stimme
DIE FRAUWer ist da?
Plötzlich sehr heiter
DIE FRAUAch! Frau Huss! GrüssGott! Wie geht's Ihnen?
DIE FRAUUm 10 Uhr? Zum Schlittschuhlaufen? Sehr gerne! Ha, ha, ha!
DIE FRAUAlso Sie holen mich ab? Auf Wiedersehn!
Ganz verwandelt und vergnügt
DIE FRAUSehn Sie, das ist eine nette Frau,
DIE FRAUdie klingelt mich doch wenigstens an. Ich hasse es, dass ich immer
DIE FRAUdie Leute anrufen und auffordern soll!
DIE JUNGFERViele Damen getrau'n sich nicht, fürchten zu stören...
DIE FRAUSchweigen Sie! Faul sind sie, die Weiber! Ich kenne sie besser!
DIE FRAUNun aber schnell anziehn! Welche Bluse? Die blauseidene?
DIE FRAUJa, die gelbe ist besser! Aber nein! Halt! Anna! Anna!
Auf der Rodelbahn. Ein Schlitten nach dem anderen fährt herab und verschwindet in der Kulisse.
tritt auf, auf Skiern
Man hört von hinten die Stimme der Frau "Bahnfrei" rufen. Eine NEUE RODLERIN
fährt herab, nach ihr will der BARON rasch die Bahn überschreiten, da kommt DIE FRAU,
viel zu schnell hinter ihrem Vormann, etwas kreuz und quer rodelnd um die Ecke,
schreit noch schnell, aber zu spät: "Obacht" und fährt den Baron über den
Haufen. Als der Schneeknäuel sich entwirrt, schreit sie den Baron an:
DIE FRAUSie Esel! Sehn Sie denn nicht, dass hier gerodelt wird.
DER BARONDoch, aber Sie waren zu schnell!
DIE FRAUNein! Sie zu langsam! Ich habe mir furchtbar weh getan!
DER BARONIch bedaure unendlich, mein Fräulein!
DIE FRAUMein Mann würde Ihnen schöne Grobheiten machen - wenn er nämlich hier wäre!
DER BARONWo haben Sie Schmerzen?
weinerlich
DIE FRAUDas kann ich einem fremden Herrn doch nicht sagen!
DER BARONMein Name ist: Baron Lummer.
verändert, plötzlich freundlich
DIE FRAUAch! sind Sie verwandt mit dem Oberst
DIE FRAUBaron Lummer, der in Linz das Regiment hatte und eine geborene von Müller zur Frau?
DER BARONDas sind meine Eltern.
DIE FRAUAch! Das freut mich! Ich bin Frau Hofkapellmeister Storch, mein Mann der berühmte Tondichter.
DER BARONKann ich Ihnen behilflich sein?
DIE FRAUDanke nein: es geht schon besser, nur ein bisschen Prellung. Was treiben Sie hier?
DIE FRAUBleiben Sie lange?
DER BARONZur Erholung, etwas Sport drei bis vier Wochen.
DIE FRAUMeine Eltern haben Ihre Eltern gut gekannt, als in Linz Frau
DIE FRAUvon Ref- ha, ha, ha, ha, Gouverneurin war, von der man sagt: "kommandiert hoffentlich nur ihren Mann" ha, ha, ha - Woll'n Sie mich besuchen?
DER BARONMit grösstem Vergnügen! Bitte nur nochmals zu entschuldigen!
DIE FRAUMacht nichts. Sein Sie nur das nächste Mal etwas flinker! Auf Wiedersehn!
DER BARONEmpfehle mich, gnäd'ge Frau
er küsst ihr die Hand
DER BARONVerwandlung. Orchesterzwischenspiel (Walzer).
Ball beim Grundlseewirt
kommt mit dem Baron nach vorn, erschöpft auf einen Stuhl sinkend
DIE FRAUIch kann nicht mehr! So toll hab' ich aber schon lange nicht mehr getanzt.
DIE FRAUÜbrigens eine Luft zum Ersticken! Gar nichts für Sie, für Ihre Gesundheit!
DER BARONEinmal, eine Ausnahme!
DIE FRAUWenn Sie schon hier zur Kur sind, müssen Sie sich doch pflegen!
DER BARONMorgen fange ich strenge an.
DIE FRAUGut, unter meiner Aufsicht! Mein Mann sagt immer, ich sei der beste
DIE FRAUArzt! Sie wollten mir auch von Ihrem Leben, Ihrer Familie erzählen!
DER BARONAlles morgen, wenn Sie gestatten. Aber ich fürchte, der Walzer geht
DER BARONzu Ende. Darf ich bitten? Gnäd'ge Frau tanzen wie eine Feder!
DIE FRAUNun denken Sie sich: mein Mann tanzt gar nicht mehr. Er behauptet,
DIE FRAUSchwindel zu bekommen. Und ich tanze so gern!
DER BARONUnd so vorzüglich!
Beide mischen sich wieder unter die Tanzenden
Möbliertes Zimmer im Hause des Notars
mit der Notarin schnell eintretend
DIE FRAUWissen Sie, mein Mann,
DIE FRAUder immer an der Arbeit sitzt - er ist so furchtbar fleissig - sagte
DIE FRAUmir schon immer: wenn du nette Gesellschaft findest zum Spazierengehn,
DIE FRAUzum Sport - dieser Baron Lummer ist der Sohn alter Freunde meiner Eltern
DIE FRAUin Linz, wissen Sie! Also dies ist das Zimmer? Aber sehr hübsch: Gerade
DIE FRAUdas richtige für meinen Schützling. Denken Sie: der Arme kann seine Studien
DIE FRAUnicht beginnen - starke Migräne - in der hohen Luft hier schon viel besser!
DIE FRAUIn seiner Verwandtschaft grosser Widerstand! Er hat grosses Talent zum
DIE FRAUNaturforscher. Der Schreibtisch steht nicht gut im Licht. Der junge Baron
DIE FRAUwill doch ab und zu auch einmal ein bisschen arbeiten
richtet den Schreibtisch
DIE FRAUSo, haben Sie keinen Lehnstuhl?
DIE NOTARINIch müsste den von meinem Mann?
DIE FRAUGewiss, gewiss, Therese, Sie bringen ihn sofort herauf. Das Bett steht gut.
DIE FRAUWegen der Zugluft - Sie wissen ja, bei Migräne muss man bei offnen Fenstern
DIE FRAUschlafen!
DIE NOTARINSo jung?!
DIE FRAUZweiundzwanzig, glaube ich!
DIE NOTARINDoch schon?! Immerhin - Migräne!
DIE FRAUErblich, wie es scheint.
DIE NOTARINWas Sie sagen!
DIE FRAUEin Onkel starb im Irrsinn! Therese! Die Schubfächer müssen Sie alle feucht auswischen!
DIE NOTARINBitte, es ist alles sauber.
förmlich
DIE FRAUVerzeihen Sie, da bin ich eigen. Sie glauben nicht, wie es hier staubt!
DIE FRAUDie vielen Fremden, Zentralheizungen - ich seh' es an meinen Fensterbrettern!
DIE FRAUFrühstück kann er haben?
DIE NOTARINGewiss!
DIE FRAUVielleicht auch ab und zu kaltes Abendbrot - er sollte nicht
DIE FRAUsoviel ins Wirtshaus! Die jungen Leute gewöhnen sich zu schnell
DIE FRAUans Bummeln. Also, all right. Ich bezahle - wöchentlich. Mein Mann
DIE FRAUgibt mir plein pouvoir. Also ich schicke Ihnen jetzt den Jüngling.
DIE FRAUSie sorgen gut für ihn. Vor dem Einheizen gut lüften! Ich schaue
DIE FRAUdann schon wieder her. Grüssen Sie Ihren Mann!
DIE NOTARINDanke sehr. Es wird alles nach Ihren Wünschen sein.
zu Therese
DIE FRAUAlle Schränke feucht wischen: für die Hygiene das Wichtigste.
DIE FRAUDas verstehe ich. Mein Mann sagt immer, ich wäre der leibhaftigste Arzt.
DIE FRAUSie sehen ja, wie er blüht. Adieu! Auf Wiedersehen.
Wohnung der Frau Storch. Esszimmer. Die Frau sitzt bei der Lampe und
überliest noch einmal einen beinahe beendigten Brief an ihren Mann
DIE FRAU"Es ist wirklich ein sehr netter, ungeheuer bescheidener Mensch. Da er vor
DIE FRAUBeginn seines Studiums wegen starker Migräne ganz der Erholung leben muss,
DIE FRAUhat er immer Zeit, ist bei gleicher Neigung mit mir für Sport, Spazieren-
DIE FRAUrennen, frische Luft und Naturgenuss ein selten geeigneter Begleiter für
DIE FRAUdeine arme, verlassene, von dir stets so vernachlässigte Frau“ - Das ist gut,
DIE FRAUdas soll er nur hören! "stets vernachlässigte Frau" - Was soll er denn dagegen haben?!
DIE FRAUdagegen, dass ich den Baron, der sehr gute Manieren hat, auch öfters einmal zum
DIE FRAUEssen einlade. "Neulich haben wir sehr fidel beim Grundlseewirt getanzt. Nur die Luft
DIE FRAUwar miserabel. Ich muss dem Baron, der, glaube ich, nicht in den besten Verhältnissen
DIE FRAUlebt und der in seiner Familie nicht das nötige Verständnis für seine geistigen
DIE FRAUZiele findet, versprechen, dass du dich seiner etwas annehmen wirst. Nicht wahr, du
DIE FRAUtust es. Er verdient es, da er mir hier sehr gefällig ist. Ich muss schliessen für
DIE FRAUheute. Das Kind ist wohl. Bleibe gesund, rauche nicht zu viel, überanstrenge dich nicht....
DIE FRAU"Ich glaube, der Brief ist gut. Mitteilen muss ich es ihm doch. Er ist sicher
DIE FRAUeinverstanden. Er kann doch nicht verlangen, dass ich mich hier zu Tode mopse...
DIE FRAUEndlich einmal ein junger, frischer Mensch. - Die alten Häuser, die Robert mir
DIE FRAUins Haus bringt, sehen so eine harmlose Frau als lustige Bagatelle an. Nicht einer
DIE FRAUkommt meinetwegen zu uns! Alle zum berühmten Mann! Alles erstirbt immer in Ehrfurcht!
DIE FRAUPfui Teufel! Ich will mit meinesgleichen fröhlich plaudern, rüstig wandern! Wenn es
DIE FRAUihm nicht recht ist, ich werde ihm schon zeigen, wer der Herr im Hause ist!" Die
DIE FRAUbessere Hälfte" hat mich der berühmte Kritiker, der ihn nicht leiden kann, genannt,
DIE FRAUdas hat ihn doch geärgert. Ha, ha, ha, ha!
DIE FRAUDIE KöCHIN
tritt ein
DIE FRAUFanny, was wollen Sie?
DIE KÖCHINRechnen, gnä' Frau!
DIE FRAUTür zu, sag' ich!
DIE KÖCHINDer Speisezettel für morgen!
DIE FRAUWas Sie wollen! Was gibt's heute abend? Der Baron kommt.
DIE KÖCHINSchon wieder?
DIE FRAUIch verbitt' mir Ihre Glossen! Ich weiss nicht, ob er zu Tisch bleibt.
DIE FRAUJedenfalls richten Sie sich ein!
DIE KÖCHINIch hab' schon was.
meldet
DIE FRAUAch schön! Soll hereinkommen!
tritt ein
DIE FRAUGuten Tag! Entschuld'gen Sie: Ich bin gerade beim Rechnen
seufzend
DIE FRAUdes
DIE FRAUKüchenbuchs. Sie erlauben doch?
DER BARONBitte, bitte, gnäd'ge Frau - kann ich helfen?
DIE FRAUSehr willkommen! Wenn man bei so lästiger Kopfarbeit ein bisschen
DIE FRAUangenehme Gesellschaft hat, geht's doppelt leicht: Rechnen und
DIE FRAUBriefschreiben ist so das Allerschlimmste. Ich hasse die Schreibtische.
Rechnet
DIE FRAUFünf und sechs
DER BARONelf.
DIE FRAUUnd siebene ist achtzehn und fünf ist -
DER BARONdreiundzwanzig
DIE FRAUund acht ist -
DER BARONeinunddreissig -
DIE FRAUeinunddreissig, bleibt drei im Sinn, drei und neun ist zwölf und
DIE FRAUneun ... und neun... na, wieviel ist denn zwölf und neun -
DER BARONeinundzwanzig -
DIE FRAUdanke! Das wäre wieder überstanden! Wie geht es Ihnen?
DIE FRAUBleiben Sie zu Tisch?
DER BARONNein, danke vielmals. Ich bin mit einem Freunde verabrede
DIE FRAUFreunde? Die Freunde kennt man!
DER BARONAber ich bitte! Nein wirklich - gnäd'ge Frau!
DIE FRAUWill gar nichts wissen! Ich mische mich nie in fremder Leute Dinge.
Verlegenheitspause
DIE FRAUWas haben Sie heute getan?
DER BARONNicht viel.
spöttisch
DIE FRAUWie gewöhnlich.
DER BARONEin bisschen Ski - ein bisschen Rodeln...
Pause
DIE FRAUSind Sie mit Ihrer Wohnung zufrieden?
DER BARONGeradezu ideal!
Neue Pause
DIE FRAUSie gestatten, dass ich ein wenig Zeitung lese, vor lauter Arbeit
DIE FRAUkomme ich nicht einmal dazu... Wollen Sie auch?
DER BARONBitte!
Beide lesen Zeitung
DIE FRAUHaben Sie gehört? Frau von Hupp lässt sich scheiden! Er flirtet mit
DIE FRAUeiner Schauspielerin. Ein Skandal! Wann gedenken Sie eigentlich Ihre Studien zu beginnen?
DER BARONja, das ist es eben
DIE FRAUIhr Bruder, sagen Sie, tut gar nichts für Sie?
schüttelt mit dem Kopf
DIE FRAUAber er könnte doch?
DER BARONFreilich könnte er, aber er will, dass ich Jura büffle.
DIE FRAUUnd warum nicht?
DER BARONAber ich bitte, gnäd'ge Frau, dies trockene Studium!
DIE FRAUGott, ich meine, arbeiten müssen Sie doch überall!
entschlossen
DER BARONNein, zu den Pandekten bringt mich niemand!
tritt ein
ruft ihr zu
DIE FRAUMarie, ist Bubi mit seiner Klavierstunde fertig?
MARIEIch glaube ja, gnä' Frau.
DIE FRAUEr soll dann gleich ins Bad, damit er vor dem Abendessen richtig fertig ist.
ab
macht sich am Schreibtisch zu schaffen, dann nimmt sie wieder dieZeitung auf
DER BARONDürfte ich Ihnen ein kleines Anliegen unterbreiten?
liest eifrig, ohne hinzuhören
DER BARONIch hätte eine kleine Bitte.
DIE FRAUWas haben Sie?
DER BARONEine grosse Bitte -
DIE FRAUAn mich?
Wirft ab und zu wieder einen Blick in die Zeitung
DER BARONDa Sie sich so freundlich für meine Zukunft interessieren
eifrig
DIE FRAUFreilich, freilich!
DER BARONes ist für mich so schwer, ich habe nun einmal die Passion für
DER BARONden Beruf des Naturforschers!
DIE FRAUDas ist ja auch recht schön: Reisen nach Afrika, China, Spanien,
DIE FRAUSerbien, Australien ist zwar nicht mein Geschmack! Aber ein Onkel
DIE FRAUvon mir war in Alaska, aber ich glaube, dazu muss man vermögend sein.
DER BARONLeider ja.
DIE FRAUHaben Sie denn die Mittel zum Universitätsstudium? Verzeihen Sie, wenn ich etwas indiskret!
DER BARONNicht einmal die.
DIE FRAUJa, dann verstehe ich aber nicht -
schaut wieder in die Zeitung
DIE FRAUHa, ha, ha, ha.
DIE FRAUDer Hauptmann Sturtz hat seinen Abschied eingereicht.
DIE FRAUGesundheitsrücksichten, die kennt man, wahrscheinlich blamiert. War ein Tänzer von mir,
DIE FRAUals Fähnrich sehr nett später ein ziemlicher Grobian - gönn' ich ihm! Was sagten Sie vorhin?
DER BARONDass mir leider die Mittel zum geliebten Studium fehlen -
DIE FRAUJa, da weiss ich halt auch keinen Rat.
DER BARONEs gibt Stipendien, ein bisschen Protektion, wenn ich nur -
DIE FRAUStipendien, das müsste sich doch machen lassen.
DER BARONIch habe so gar keine Beziehungen,
DIE FRAUaber Protektion, Protektion, da könnte doch mein Mann?
DER BARONWie wäre das wohl möglich?
sehr lebhaft
DIE FRAUO sicher, mein Mann! Ich hab' ihm schon etwas
DIE FRAUim Briefe angedeutet - er hat schon vielen geholfen - Sie glauben
DIE FRAUnicht, wie gut er ist: er ist aus vornehmer Familie, altes Patrizierhaus,
DIE FRAUgute Beziehungen -
immer eifriger
DIE FRAUund praktisch ist er, er weiss immer
DIE FRAUdie richtigen Wege. Man sagt oft, geniale Menschen seien in Dingen
DIE FRAUdes Lebens so unerfahren - im Gegenteil: wenn ich oft gar nicht mehr
DIE FRAUweiss, wo aus und ein, mit einem Schlage hat er das Richtige.
DIE FRAUEin so weiches Gemüt, mein Mann - man sieht es ihm nicht an - oft scheint
DIE FRAUer abweisend - o, er wird sehr verkannt, nicht als Künstler: da kann er
DIE FRAUsich nicht beklagen, seine glänzende Laufbahn, diese Masse Orden und üb'rall
DIE FRAUErfolg, dabei ist er nicht mal eitel, nein, eigentlich bescheiden, ja
DIE FRAUwirklich bescheiden: zu Hause spricht er nie von sich, von seiner
DIE FRAUArbeit - und was ist der Mann fleissig, zu fleissig! Das ist ja oft mein Kummer,
DIE FRAUdass er mich vernachlässigt, nicht aus Lieblosigkeit - aber immer in Ge-
DIE FRAUdanken, den Kopf voller Projekte - wirklich ein seltner Mensch! Sie kennen
DIE FRAUmeinen Mann nicht?
witzig, dreist
DER BARONIch bin vorläufig mit der Bekanntschaft seiner Frau Gemahlin
DER BARONzufrieden.
DIE FRAUPfui, Baron, sagen Sie nichts über meinen Mann! Wenn Ihnen jemand helfen kann, ist er es!
DER BARONSie meinen, gnäd'ge Frau?
Kläglich
DER BARONIhr Gemahl kennt mich ja noch gar nicht.
DIE FRAUAber ich kenne und schätze Sie, das genügt. Sie sind mir ein lieber
DIE FRAUBegleiter, ich hab' eine wirkliche Sympathie für Sie.
DER BARONJa, aber -
ungeduldig
DIE FRAUWas aber?
Sehr warm und betont
DIE FRAUIch sage Ihnen: mein
DIE FRAUMann ist der beste Mensch von der Welt. Glauben Sie mir, dass er mir
DIE FRAUnoch nie eine Bitte abgeschlagen hat? Hie und da streiten wir ein bisschen,
DIE FRAUwir sind nie eigentlich derselben Meinung, aber das tut nichts: ein
DIE FRAUbisschen Zank würzt die Unterhaltung, schliesslich behalte ich dann doch
DIE FRAUimmer recht. Er gibt oft nach, wenn ich sogar mal im Unrecht bin - aus reiner Güte!
DIE FRAUKurz, er erfüllt mir eben jeden Wunsch.
DER BARONJa, ich möchte nur -
DIE FRAUJa?
DER BARONIch möchte nur -
DIE FRAUNa, na rasch ein bisschen! Sie drucksen ja heute herum!
DIE FRAUTempo, tempo, sagt mein Mann immer, tempo ist alles!
mit Entschluss
DER BARONIch möchte doch nicht warten, bis Ihr Herr Gemahl -
DIE FRAUWieso? Ich tue nichts ohne seine Zustimmung!
DER BARONAber gnäd'ge Frau sagten doch?
DIE FRAUNatürlich. Ich bin vollkommen frei in meinen Entschlüssen!
DER BARONDa möchte ich schon lieber -
ungeduldig
DIE FRAUWas möchten Sie schon lieber?
mutiger
DER BARONJa, sehn Sie, gnäd'ge Frau, es ist so schwer für
DER BARONmich - meine Familie versteht mich gar nicht - ich habe eigentlich niemand,
DER BARONder mir ein wenig freundlich gesinnt ist; gnäd'ge Frau haben mir schon
DER BARONso viel Gutes erwiesen - die Sympathie einer schönen Frau - Ja, wie soll
DER BARONich mich ausdrücken? - ich bin Ihnen schon so verpflichtet -
herzlich
DIE FRAUNun ja, wir wollen recht gute Freunde bleiben, an meinem Mann
DIE FRAUwerden Sie eine wahre Stütze finden - Ach! Es ist so traurig,
DIE FRAUwieviel ich allein bin! Sie glauben nicht für eine Frau -
DER BARONJa, gnäd'ge Frau, wenn ich -
nicht auf ihn hörend
DIE FRAUin dieser Einsamkeit --
DER BARONwenn ich dürfte -
DIE FRAUWas nützt mir der berühmte Mann, den ich habe?
Naiv und harmlos
DIE FRAUFür
DIE FRAUmich genügt ein einfacher, gemütlicher Mann, wie Sie!
DER BARONIch würde ja ganz gern - dürft' ich noch einmal auf meine Bitte zurückkommen?
DIE FRAUIch habe Robert heute von Ihnen geschrieben: sehr schöne Dinge!
DIE FRAUWelch ein guter Sportler Sie sind! Nur in der Unterhaltung ein wenig zäh.
lachend
DIE FRAUDas habe ich ihm natürlich nicht geschrieben.
scherzend
DIE FRAUIch hätte
DIE FRAUnun einen wirklichen Galan! Vielleicht wird er einmal ein bisschen eifersüchtig.
Sich korrigierend
DIE FRAUNein, nein, ich musste ihm doch mitteilen, dass Sie
DIE FRAUhier sind! Hoffentlich können Sie so lange bleiben, bis er zurückkommt.
DER BARONIch fürchte, nein! Ich muss mich doch umsehn, wenn nicht Sie selbst, gnäd'ge Frau -
DIE FRAUIch sagte Ihnen ja schon, ich kann gar nichts tun, ausser mit Ihnen bummeln,
DIE FRAUplaudern, rodeln!
DER BARONAber Sie sagten doch? -
DIE FRAUWas? -
DER BARONDass wir recht gute Freunde sein sollen!
DIE FRAUWill ich auch! Aber wenn Sie nicht zu Tische bleiben -
weich
DIE FRAUmüssen Sie
DIE FRAUjetzt gehn, lieber Freund. Wann sehn wir uns wieder? Wollen wir morgen nach
DIE FRAUAussee gehen?
DER BARONSehr gerne!
DIE FRAUWann Rendezvous? Zehn Uhr? Holen Sie mich ab? Aber morgen sind Sie
DIE FRAUhoffentlich etwas fröhlicher! Lassen Sie Ihre Sorgen zu Hause! Ich kann
DIE FRAUnur heitere Menschen um mich sehn!
Der Baron verabschiedet sich
DIE FRAUAuf Wiedersehn!
in Träumerei versunken
DIE FRAUEin hübscher Mensch! Und jung ist er halt - Nun sitz' ich wieder allein!
DIE FRAUMein lieber Mann! Er ist so gut, so treu. - Diese langen, einsamen
DIE FRAUAbende - man wird ganz traurig -
sie versinkt in immer tieferes Sinnieren
Zimmer des Barons im Hause des Notars
Der Baron liegt auf dem Sofa und raucht eine Zigarette
springt auf und ruft zur Tür hinaus
DER BARONFrau Notar! Können Sie mir meinen
DER BARONKoffer heraufschicken?
von aussen
DIE NOTARINSie wollen doch nicht schon abreisen
DER BARONIch muss vielleicht.
Pfeift
DER BARONWas fällt ihr denn ein? Glaubt sie,
DER BARONich setze mich jeden Abend so hin, einfach zum Zeitvertreib?
DER BARON"Die Freunde kennt man!"
Trällernd
DER BARON"Theresulein, Theresulein, du bist
DER BARONmein süsses Madulein !" Na, heute abend soll es mal lustig werden!
DER BARONDieses Zeitunglesen zu zwein scheint ihr Hauptvergnügen zu sein!
DER BARONSchöne Langeweile! Und immer fängt sie wieder von meinen Studien an!
DER BARONDer reine Pastor! Dabei ist sie eigentlich recht hübsch und pikant!
DER BARONAber an die Migräne glaubt sie fest! Ob ich eine richt'ge Liebeserklärung
DER BARONmache? Sie ist imstande und antwortet mit einem Lobeshymnus auf ihren
DER BARONalten Ehekrüppel.
Pfeift
Ein junges Mädchen im Vorstadtsportanzug steckt den Kopf zur Tür herein
RESIBist du fertig, Schatz?
DER BARONHerrgott, diese Frechheit! Mach, dass du rauskommst! Wenn die Notarin dich
DER BARONsieht und alles meiner freigebigen Patronin klatscht!
RESIIch gehe ja schon. Wollte nur deine Bude mal sehn!
Ab
ruft ihr nach
DER BARONIn fünfzehn Minuten bin ich bei dir! Einmal probier'
DER BARONich's noch; auf dem Spaziergang übergeb' ich ihr den Brief,
DER BARONda ist sie immer am besten gelaunt.
Setzt sich an den Schreibtisch
DER BARONAlso - erster und letzter Versuch!
Beginnt zu schreiben
DER BARON"Verehrte,
DER BARONgnädige Frau! So freundlich Sie heute zu mir waren, so brachte ich
DER BARONes doch nicht über die Lippen, Ihnen mein ganzes Herz auszuschütten...
DER BARONVerzeihen Sie, wenn ich es nun schriftlich wage. . .
Während er weiter-
schreibt, fällt der Vorhang
Esszimmer der Frau. Draussen starkes Schneegestöber
in der Hand den Brief des Barons
DIE FRAUTausend Mark will er haben!
DIE FRAUDer ist wohl verrückt? Was glaubt er denn? Tausend Mark! Was würde Robert
DIE FRAUdenken? Solch ein dummer Brief! Mündlich getraut er sich nicht - Darum
DIE FRAUdruckste er neulich immer so herum! Das ist nun auch wieder vorbei.
DIE FRAUUnd ich habe geglaubt - schade. Der dumme Kerl! Tut mir ja leid. Aber das
DIE FRAUgeht wirklich nicht.
eintretend)
DER BARONIch habe mir erlaubt...
DIE FRAUAber nicht in diesem Zustande! Erst ordentlich abputzen, bitte.
wieder hinaus
ruft ihm nach
DIE FRAUDa sieht man wieder den Junggesellen.
tritt wieder ein
DIE FRAUAlso dass ich es Ihnen nur gleich heraussage: Das ist ein für allemal
DIE FRAUausgeschlossen! Wollen Sie unsre guten Beziehungen stören, auf die ich
DIE FRAUso viel Wert gelegt hatte? Ich habe eine ehrliche Sympathie für Sie.
DIE FRAUWir wollen doch gute Freunde bleiben - wirklich, es war nicht hübsch
DIE FRAUvon Ihnen - in dieser Weise -
warm
DIE FRAUmein Mann wird Ihnen jede Förderung
DIE FRAUangedeihen lassen, er wird sich fur Sie verwenden... Mein Vater sagte immer,
DIE FRAUGeld leihen verdirbt die beste Freundschaft.
DER BARONIch würde alles mit Zins zurückerstatten.
DIE FRAULieber etwas schenken, dass nie mehr davon gesprochen wird, sagt
DIE FRAURobert - Können Sie denn nicht Stunden geben, wie so viele -
mit Emphase
DER BARONNeben dem anstrengenden Studium, unmöglich!
trocken
DIE FRAUNun, da weiss ich wirklich keinen Rat.
bringt einen Brief
freudig
DIE FRAUVon meinem Mann? Sie erlauben?
Liest die Adresse
DIE FRAUHerrn Hofkapellmeister
DIE FRAURobert Storch. Wieder ein Bettelbrief oder Ankündigung eines Operntextes. Doch nein!
DIE FRAUDie Schrift kenne ich.
Sie öffnet und liest, entsetzt aufschreiend
DIE FRAUWas ist das?
erschrocken
DER BARONWas ist Ihnen?
DIE FRAUDas ist ja unerhört!
DER BARONWas denn?
DIE FRAUAch! Ach! Ach! Ach!
Liest den Brief vor
DIE FRAU"Lieber Schatz! Schicke mir doch
DIE FRAUwieder zwei Billette morgen zur Oper! Nachher in der Bar wie immer!
DIE FRAUDeine Mieze Maier."
DIE FRAUMieze Maier! Eine Dirne! In der Bar wie immer - mein Mann! Das ist das Ende!
DIE FRAUIch hab' es längst geahnt.
Sie fasst sich mit beiden Händen an den Kopf
DER BARONUm Gottes willen, gnäd'ge Frau!
blickt wie versteinert in den Brief
DIE FRAULieber Schatz! Deine Mieze Maier!
DER BARONKann ich Ihnen in irgend etwas beistehn?
DIE FRAUNein, ich danke, Herr Baron! Sollte ich Ihrer bedürfen, werde ich so frei sein,
DIE FRAUSie zu mir zu bitten.
eilt, sichtlich erleichtert, ab
nach langer Pause, an dem Schreibtisch, ein Telegrammformular abreissend,
schreibt
DIE FRAUDu kennst Mieze Maier! Deine Untreue erwiesen! Wir sind auf immer
DIE FRAUgeschieden!
Klingelt. Anna tritt ein
DIE FRAUSchicken Sie diese Depesche sofort
DIE FRAUauf die Post. Augenblicklich die Koffer packen! Alle!
ANNAWarum denn?
DIE FRAUWir reisen -
ANNAHeute?
DIE FRAUFür immer -
ANNAAber gnä' Frau!
DIE FRAURuhig! Später! Sofort packen - alles! Wir reisen, sobald Sie fertig.
ANNAUm Gottes willen, was ist geschehn?
ausser sich
DIE FRAUSo machen Sie doch, dass Sie hinauskommen!
Sie sinkt erschöpft
in den Lehnstuhl
Das Schlafzimmer des Kindes, nur mit einer Kerze erleuchtet
am Bett des Kindes sitzend
DIE FRAUMein lieber, lieber Bubi! Ich bin so furchtbar
DIE FRAUunglücklich!
DAS KINDWarum weinst du?
DIE FRAUDein Papa ist ganz furchtbar schlecht und böse.
DAS KINDDas ist nicht wahr! Papa ist gut.
DIE FRAUNein, nein. Mein armes Kind! Er hat mich unerhört betrogen!
DIE FRAUWir gehen fort, wir zwei ganz allein.
DAS KINDIch will aber nicht fort!
DIE FRAUDu gehst mit mir und wirst Papa nie wiedersehn.
fängt zu heulen an
DAS KINDIch will nicht weg von Papa!
DIE FRAUWas? Du willst bei dem bösen Manne bleiben, der so schlecht
DIE FRAUgegen deine liebe Mutter war?
DAS KINDPapa ist immer gut zu dir, du bist böse mit Papa, zankst ihn, bist garstig.
DIE FRAUO, ich war viel zu gut mit ihm!
Sie weint
DIE FRAUEr hat das nicht verdient!
DIE FRAUOh, Bubi! Alles ist vorbei für ewig. Schlaf nur wieder! Ich bleibe,
DIE FRAUbis du eingeschlafen, mein Liebling! Ich will für dich beten, du armes,
DIE FRAUverlassenes Kind! Ich arme, verlassene Frau!
Sie kniet betend am Bett des Kindes nieder.
Der Vorhang fällt.
SYSTEMZWEITER AUFZUG
Die Skatpartie
Komfortables Wohnzimmer mit guten modernen Bildern und Bronzen im Hause des Kommerzienrats. Am Skattisch in der Mitte des Zimmers unter einem grossen Luster sitzen der JUSTIZRAT, der KOMMERZIENRAT, der KAMMERSÄNGER und KAPELLMEISTER STROH beim Skatspiel
Der Justizrat mischt die Karten und gibt aus
DER KOMMERZIENRATAch! Sie kennen sie nicht, Herr Justizrat! Ein Ekel! Er ist ein
DER KOMMERZIENRATreizender Mensch. Aber die Frau: einfach fürchterlich!
DER KAMMERSÄNGERSie haben etwas gegen die Frau.
DER KOMMERZIENRATKunststück, bei die Behandlung!
STROHAber es ist doch eine sehr tüchtige Frau!
DER KOMMERZIENRATFür ihn vielleicht.
DER KAMMERSÄNGERGucki
DER JUSTIZRATWer spielt aus?
STROHIch! Bei Grand die Asse auf den Tisch.
Sie spielen
DER JUSTIZRATEr soll die Frau riesig gern haben -
DER KOMMERZIENRATWie sie ihn auch oft behandelt, sogar vor Leuten!
STROHIch finde, die Frau wird schwer verkannt. Sie ist sehr temperamentvoll,
STROHvielleicht zu hitzig -
ruft
DER KAMMERSÄNGERSchneider! Neunundzwanzig haben Sie! Sechzig Gute für mich!
fortfahrend
STROHein bisschen wild und rücksichtslos
sie spielen immer weiter
STROHaber
STROHich glaube, sie hat ein gutes Herz und sie sorgt sehr gut für ihn.
DER KOMMERZIENRATNa ja, irgendeinen Vorzug muss sie wohl haben.
Zum Justizrat
DER KOMMERZIENRATSie haben ja das
DER KOMMERZIENRATVergnügen, sie nicht zu kennen, aber wen sie näherer Bekanntschaft würdigt - schlaf-
DER KOMMERZIENRATlose Nächte, sag' ich Ihnen. Achtzehn! Achtzehn! Herr Kammersänger!
DER KAMMERSÄNGEREinen Moment, ich bin noch nicht auf dem Kontor, halte ich -
DER KOMMERZIENRATVierundzwanzig!
DER JUSTIZRATFür Sie, mein Herr!
tritt ein
ROBERTGuten Abend, meine Herren! Entschuldigen Sie, aber die Probe
ROBERTwar nicht abzukürzen -
spottend
DER KAMMERSÄNGERAm Anfang jeder Spielzeit haben Sie immer einen kolossalen
DER KAMMERSÄNGERProbeneifer, so gegen den März zu legt er sich.
ROBERTNaja, einmal im Jahr. Wenn ihr euch das alles merken würdet, was ich euch
ROBERTda sage, für drei Jahre müsst' es genügen.
STROHSie können gleich eintreten, verehrter Meister, noch dieses Spiel!
dröhnend
DER KAMMERSÄNGER"Hast du schon zur Nacht gebetet, Desdemona!"
ruft
STROHNeunundfünfzig. Haben Sie denn keinen König mehr zum Reinschmeissen?
STROHNeunundfünfzig ohne vier! kostet ein Vermögen!
zum Kammersänger
DER JUSTIZRATSehr fein gespielt, dass Sie Pique nicht brachten!
zu Stroh
DER JUSTIZRATDu hättest dieses Spiel nicht gewonnen!
behaglich
ROBERTAch, so ein Skätchen ist ein Genuss, die einzige Erholung nach Musik!
spottend
DER KOMMERZIENRATBesonders, wenn die Frau recht weit weg ist!
gutmütig
ROBERTNa ja, Sie wissen: ich habe meine Frau sehr gerne, nur beim Skat
ROBERTist es angenehm, wenn keine Damen im Nebenzimmer.
DER KOMMERZIENRATAlle Augenblicke steckt eine den Kopf zur Tür herein: "Sind die Herren schon
DER KOMMERZIENRATbald fertig?" "Gleich, mein Engel," sagt er, hol dich der Satan, denkt
DER KOMMERZIENRATer. Oder: "Gewinnen die Herren?" Nur ein Vorwand, um schnell nachzusehn, ob der
DER KOMMERZIENRATGatte verliert oder gewinnt, und zu Hause dann, au wei!
ROBERTNa, so schlimm ist's nicht. Null auf dem Pferde!
DER JUSTIZRATIch gebe Kontra.
DER KAMMERSÄNGERBei Null ouvert?
ROBERTRekontra. Nicht zu fassen!
Legt die Karten au
DER KOMMERZIENRATDas ist aber doch kein Kontra, ich bitte Sie!
DER JUSTIZRATMit zwei Sieben?
DER KOMMERZIENRATTrotzdem, Sie sehen ja!
ROBERTKeine Leichenreden! Aufschreiben! Zweihundert Gute für mich! Sie geben!
DER KAMMERSÄNGERWie lange bleiben Sie diesmal, Meister?
ROBERTVier Wochen. Noch zwei Konzerte ohne das übrige.
Zum Kommerzienrat
ROBERTSie
ROBERTreizen.
DER KOMMERZIENRATGleich, ich habe noch nicht ausgepackt. Zehn!
DER KAMMERSÄNGERGibt's nicht. Nur Solo.
DER KOMMERZIENRATSeit wann denn?
DER KAMMERSÄNGERSchon immer bei uns.
DER KOMMERZIENRATNa, also achtzehn.
DER KAMMERSÄNGERPassen!
DER JUSTIZRATPassen!
DER KOMMERZIENRATNein! Diese Maurer! Einen auf achtzehn hängen zu lassen!
DER JUSTIZRATJa, das einzige, was heute billig ist!
nimmt auf
DER KOMMERZIENRATZwei Wenzel!
DER KAMMERSÄNGERDa siehst du, ob wir gemauert haben.
DER KOMMERZIENRATCoeur solo. Die Herren können schenken!
zu Robert
DER JUSTIZRATWie geht es Ihrer Frau Gemahlin?
ROBERTIch danke, gut. Habe heut einen Brief von ihr, sie hat jetzt recht nette
ROBERTGesellschaft: ein junger Mann, der mit ihr spazierengeht und Sport treibt.
DER KAMMERSÄNGERNa, hör'n Sie, Meester?!
ROBERTWieso? Meine Frau, die kennen Sie nicht.
DER KOMMERZIENRATNa, ich kenne sie.
ROBERTAuch Sie nicht!
DER KOMMERZIENRATOho!
ROBERTWeil sie Ihnen einmal -
DER KOMMERZIENRATeinmal? Ein Dutzend reicht nicht -
ROBERTwie ich gerne zugebe, unangenehme Dinge und sehr mit Unrecht deswegen
ROBERTkennen Sie sie doch nicht genau.
DER KOMMERZIENRATDanke für noch nähere Berührung. Bin schon nervös genug.
DER KAMMERSÄNGERSind wir hier zum Unterhalten oder zum Skatspielen? Schieberamschrunde.
ROBERTSehr wohl! Wenn er auf meiner Frau herumhackt, muss ich sie doch verteidigen.
ROBERTIch nehme zu Grand auf.
DER JUSTIZRATEiner verdirbt's immer.
zu Robert
STROHSie sind wirklich ein rührender Ehemann!
ROBERTUnd ich fühle mich sehr wohl dabei.
DER KOMMERZIENRATDas wundert mich ja, Sie haben keine Nerven!
ROBERTGott sei Dank nicht! Alles Training!
DER KOMMERZIENRATDaran fehlt es Ihnen ja nicht.
ruft
DER KAMMERSÄNGERSchwarz, Ihr Ludersch!
STROHSo ein Glückspilz!
ROBERTDass ich gezwungen bin, ihr gegenüber, die hitzig, starker Phantasiemensch,
ROBERTvon etwas mangelnder Selbstdisziplin oft rührend hilflos-
DER KOMMERZIENRATHilflos? Davon hab'ich noch nichts gemerkt.
ROBERTDoch, oft rührend hilflos und kindlich dabei, das hat mir die Nerven gestählt.
ROBERTNervosität gibt's nicht: Mangel an Selbstzucht.
DER KOMMERZIENRATNa, hör'n Sie - das ist stark!
ROBERTBehaupte ich gegen jeden!
DER KAMMERSÄNGERRamsch!
DER KOMMERZIENRATSie selbst sind allerdings ein gutes Beispiel. Ich mit einer solchen
DER KOMMERZIENRATFrau sässe längst im Irrenhause!
DER JUSTIZRATIch habe fünfundsechzig.
zum Kommerzienrat
ROBERTTrotz Ihres schlechten Spiels.
DER KOMMERZIENRATNatürlich, wenn ich an die Frau nur denke, bekomme ich das Zittern.
mit Wärme
ROBERTUnd für mich ist sie grade das Richtige. Ich habe ein Talent zum
ROBERTVerdösen, Verbummeln; was aus mir geworden, danke ich ihr, besonders die Gesund-
ROBERTheit! Sie hat mich aufgepulvert.
DER KOMMERZIENRATAufpulvern, das kann sie! Dynamit!
ROBERTNur nicht übertreiben! Mir tut das gut, ich muss Leben und Temperament um
ROBERTmich haben. Jeder Mensch hat seine zwei Seiten, der Unterschied ist nur,
dass der eine nur das Gute zeigt, das sind die Menschen mit der an-
ROBERTgenehmen Fläche. Während sie, - sie ist eine von den ganz zarten, schamhaften
ROBERTNaturen mit rauher Schale, ich kenne manche - es sind die Besten! Ein Igel,
ROBERTnach aussen mit Stacheln gepanzert -
Das Dienstmädchen tritt ein und
gibt Robert ein Telegramm. Zum Kammersänger
ROBERTBitte, geben Sie für mich -
er hat das Telegramm geöffnet und starrt es fassungslos an
DER JUSTIZRATWas gibt's? Doch nichts Unangenehmes? Was ist Ihnen?
ROBERTWas soll denn das heissen?
DER JUSTIZRATDarf man wissen, von wem?
ROBERTJedenfalls von meiner Frau.
DER KOMMERZIENRATSticht der Igel?
ROBERTIch bitte, jetzt keinen Scherz!
DER JUSTIZRATDoch nicht wirklich was Ernsthaftes?
ROBERTIch bin sprachlos.
Zu Stroh
ROBERTLesen Sie!
liest
STROH"Du kennst Mieze Maier. Deine Untreue erwiesen. Wir sind auf immer
STROHgeschieden." Keine Unterschrift.
ROBERTMeine Frau unterschreibt nie eine Depesche. Ist sie verrückt?
DER JUSTIZRATSchon lang ein wenig.
ROBERTNun hören Sie auf! Das ist kein Scherz mehr. Mieze Maier!
STROHSie kennen die auch?
ROBERTWer ist denn das?
STROHNun, so etwas'- so, so, la la.
ROBERTSie kennen sie?
STROHFlüchtig
ROBERTAber ich habe keine Ahnung.
STROHDas sagt ein jeder, wenn's herauskommt.
ROBERTIch muss schon bitten!
STROHEntschuldigen Sie, aber ich begreife ja, dass es peinlich ist, wenn das
STROHFrauchen es erfährt.
ROBERTDa hört sich aber doch schon die Geschichte auf...
plötzlich ruhig
DIEHerren entschuldigen, wenn ich Sie verlasse, aber mir ist die Lust zum
DIESpielen vergangen. Ich muss die Sache erst überdenken - die Herren sind
DIEja zu vieren! Adieu!
Schnell ab
DER KOMMERZIENRATVerfluchte Chose! Frau Christine wird toben!
DER KAMMERSÄNGERIch möchte nicht in seiner Haut stecken!
DER JUSTIZRATIch habe es ihm eigentlich nicht zugetraut!
STROHDas Muster eines Ehemanns!
DER JUSTIZRATNun, er wird sich schon herauswinden!
DER KAMMERSÄNGER"Schwach auch er, schwach alle!"
DER KOMMERZIENRATWahrlich, ich sage euch: mit der Frau ist schon im Frieden nicht
DER KOMMERZIENRATzu spassen, nun ein solcher Kriegsanlass, oh je, oh je, er tut mir leid!
DER KAMMERSÄNGER"Ein Fehltritt, ist er solcher Büssung wert?"
STROHDass er die Mieze Maier auch kennt, das hätt' ich ihm allerdings nicht zugetraut!
DER JUSTIZRATNun, wie wär's, meine Herren, spielen wir noch ein bisschen, uns von dem
DER JUSTIZRATSchrecken zu erholen?
DER KOMMERZIENRATMeinen Sie nicht, man sollte sich nach dem Meister doch ein
DER KOMMERZIENRATbisschen umsehn, er schien wirklich aufs tiefste erschrocken? Ich werde ihn
DER KOMMERZIENRATmorgen anrufen, wenn er die Sache ein bisschen beschlafen hat.
Sie setzen sich wieder zum Spiel, STROH gibt die Karten aus
DER KOMMERZIENRATAchtzehn!
DER JUSTIZRATZwanzig!
DER KOMMERZIENRATVierundzwanzig!
DER JUSTIZRATIch passe!
DER KAMMERSÄNGERPasse.
DER KOMMERZIENRATIch spiele Treff solo!
Bureau des Notars
tritt ein, feierlich ernst
DIE FRAUGuten Tag, Herr Notar.
DER NOTARAh, guten Tag, gnädige Frau.
Sich vom Schreibtisch erhebend
DER NOTARWas verschafft mir die Ehre?
DIE FRAUIch will mich scheiden lassen.
DER NOTARAlso doch?
DIE FRAUAlso doch - wieso?
DER NOTARAch, entschuldigen Sie, meine Frau sagte mir -
DIE FRAUIhre Frau? Was weiss denn die?
verlegen
DER NOTARNun, er wohnt doch bei uns?
DIE FRAUWer? Mein Mann?
DER NOTARNein, nein, der Herr Baron!
DIE FRAUReden Sie doch keinen Unsinn, von dem will ich mich doch nicht scheiden lassen.
trocken
DER NOTARNatürlich nicht. Aber vielleicht wegen ihm.
DIE FRAUSie träumen wohl? Wegen meines Mannes!
DER NOTARJa - ach so? Wegen Ihres Mannes? Ja, da müssen Sie schon zu einem
DER NOTARandren Notar gehen: ich verehre Ihren Gemahl viel zu sehr -
DIE FRAUVerehren? Ha, ha, Ihr Männer seid alle ein Gesindel, das zusammenhält.
auffahrend
DER NOTARDa muss ich aber sehr bitten!
DIE FRAUIch muss bitten, dass Sie mich ruhig anhören! Ich stehe amtlich vor Ihnen!
halb lachend
DER NOTARGewiss, aber gerade deshalb kann ich verlangen, dass Sie mich nicht
DER NOTARbeschimpfen.
DIE FRAUWenn man euch die Wahrheit sagt, so ist das keine Beschimpfung.
DER NOTARGut also!
Lädt sie ein, sich zu setzen
DER NOTARFangen wir von vorne an. Sie wünschen
DER NOTARalso, von Ihrem Gatten geschieden zu werden?
DIE FRAUSie hören doch!
DER NOTARHaben Sie einen Scheidungsgrund?
hält triumphierend dem Brief hoch
DIE FRAUKennen Sie Mieze Maier?
DER NOTARWer ist das?
DIE FRAUDer Scheidungsgrund.
DER NOTARDas hier?
DIE FRAUDer Scheidungsgrund. Der von Ihnen so gerühmte Gatte ist ein Elender.
DIE FRAUIhr Männer taugt eben alle nichts!
DER NOTARIch bitte, bei der Sache zu bleiben! Sie scheinen also zu vermuten?
höhnisch
DIE FRAUVermuten? Können Sie nicht lesen? Sie duzt ihn.
DER NOTARJa, wer ist denn Mieze Maier?
DIE FRAUWill ich gar nicht wissen. Eine Frau'nsperson, das genügt..
DER NOTARJa aber, so ohne weitres -
DIE FRAUSo ohne weiteres will ich sofort geschieden sein! Ich behalte das Kind.
DIE FRAUIch behalte das Haus, da er im Unrecht.
DER NOTARDas ist noch keineswegs erwiesen.
DIE FRAUWie?
DER NOTARJa, sind Sie denn sicher, dass der Brief auch wirklich Ihrem Gatten gilt?
DIE FRAUNatürlich, hier die genaue Adresse.
DER NOTAREine Verwechslung ist ausgeschlossen?
DIE FRAUAusgeschlossen! Ich glaub's auch. Denn ich habe ihm nie getraut.
DIE FRAUIch kenne doch die Männer. Woll'n Sie mich nun scheiden oder nicht?
DER NOTARNein, verzeihen Sie, bevor ich Ihren Mann gesprochen, noch nicht.
DIE FRAUDann Adieu! Es gibt noch andere Notare.
Ab
kopfschüttelnd
DER NOTARSeltsam, sehr seltsam!
Im Prater. Gewitter und Sturm
im Hintergrunde verzweiflungsvoll herumirrend
ROBERTEs ist einfach zum Rasendwer-
ROBERTden! Ich schreibe - ich telegraphiere. Keine Antwort. Wie am Nordpol.
ROBERTUnd ich kenne das verfluchte Weibsbild nicht einmal. Der Irrtum muss sich
ROBERTdoch aufklären lassen. Wenn ich nur überhaupt wüsste, was vorliegt.
ROBERTAber so! Wenn Christine nur eine Erklärung schickte! Der Teufel hol' diese
ROBERTWeiberkniffe! Wenn ich nur nach Hause könnte - aber wegen einer solchen
ROBERTDummheit alles absagen und im Stiche lassen: das geht doch nicht.
hereinstürzend
STROHMeister! Meister!
sich umwendend
ROBERTAch, Sie sind's? Was gibt's?
etwas stockend
STROHIch muss Ihnen ein Geständnis machen -
ROBERTMir?
STROHDer Mann, an den Mieze Maier geschrieben hat -
ROBERTsie hat geschrieben?
STROHJa, aber nicht an Sie, der Brief-!
ROBERTnicht an mich -
STROHgalt -
ROBERTgalt -
jämmerlich
STROHmir!
ROBERTIhnen?
STROHTrug aber Ihre Adresse.
in steigendem Zorn
ROBERTMeine Adresse? Da hört sich doch -
STROHIch komme soeben von ihr, mir schwante neulich schon so etwas. Die
STROHWeiber merken sich selten genau die Namen - sie hat geglaubt,
STROHich sei der berühmte. Eine Verwechslung -
ROBERTeine Verwechslung...
STROHsie suchte die Wohnung im Telephonbuch
ROBERTim Telephonbuch...
STROHfand
ROBERTfand?
zögernd
STROHIhre Adresse.
in ausbrechender Wut
ROBERTNun, da bin ich Ihnen aber schon ausserordentlich
ROBERTdankbar. Unerhört. Sie sind wohl auch nicht ganz schuldlos an der Verwechslung?
ROBERTSie haben diesen Irrtum vielleicht stillschweigend geduldet, wenn nicht gar
ROBERTgepflegt? Wenn sich da etwas herausstellen sollte -
brüllend
ROBERTHerr! Dann sollen Sie mich kennenlernen! Schlaflose Nächte! Meine arme
ROBERTFrau! Ich war dem Wahnsinn nahe. Meine gute Christine verflucht mich,
ROBERTwar schon beim Notar wegen Scheidung, er hat es mir heute mitgeteilt
ROBERT- und sie hat ganz recht!
Fasst sich plötzlich, sehr energisch
ROBERTMensch,
ROBERTSie haben dieses Unglück angerichtet, Sie müssen alles wieder gutmachen.
STROHMit tausend Freuden, ich tue alles, was Ihr befehlt, werde sofort telegraphieren.
ROBERTAuch das, genügt aber nicht, Sie müssen zu meiner Frau fahren mit genauesten
ROBERTBeweisen, genauster schriftlicher Bestät'gung Ihrer saub'ren Donna! Unerhört
ROBERTSo ein Mistvieh!
STROHJa, ich kann aber doch nicht fort...
ROBERTHerr, wollen Sie oder wollen nicht?
STROHNun ja, wenn möglich.
ROBERTSie müssen! Zum Teufel, nun reisst mir die Geduld! Sie reisen heute abend oder.
ROBERTSie sollen mich kennenlernen!
STROHIn Gottes Namen, es ist mir so schrecklich, dass mir das passiert!
ROBERTIch verdanke Ihnen die drei schlimmsten Tage meines Lebens; darauf können Sie
ROBERTsich was einbilden! Nun schnell aufs Telegraphenamt, dann in den Zug!
ROBERTAlles Weit're besorgen wir bis dahin. Den Urlaub verschaff'ich Ihnen. Schnell!
ROBERTFort, fort, Gott sei Dank! Ich war nah' dem Wahnsinn!
Beide schnell ab
Das Toilettenzimmer der Frau in wildester Unordnung, offene Schränke und
Schubladen, die von der Frau in ungeduldiger Hast geleert werden.
Dazwischen rast sie planlos durchs Zimmer. Anna über einer Unmasse
von Koffern beschäftigt
sinkt erschöpft in einen Sessel
DIE FRAUAnna! Ich hätte den Baron doch nicht
DIE FRAUdahin schicken sollen.
ANNAWohin, gnä' Frau?
DIE FRAUNa, zu der Person doch nach Wien!
ANNAJa, aber wie wollen Sie denn sonst völlige Gewissheit haben?
ANNAGnä' Frau können sie doch nicht persönlich fragen; das ginge doch nicht.
DIE FRAUNatürlich nicht.
Auffahrend
DIE FRAUZum Donnerwetter noch einmal.
Rufend
DIE FRAUTherese,
DIE FRAUTherese, wo bleiben Sie denn?
von aussen
THERESEIch finde die Decken nicht.
DIE FRAUSo machen Sie doch Ihre blöden Augen auf.
THERESESie sind nicht da.
ANNAWelche Decken?
DIE FRAUDie seidnen Tischdecken.
ANNAAber gnä' Frau, die sind doch mit dem Eilgut schon fort!
DIE FRAUSo? Therese, es ist gut, sind schon da - das hatte ich ganz vergessen -
DIE FRAUdie blöde Person müsste doch auch
immer mehr in Zorn geratend
DIE FRAUstatt da
DIE FRAUstundenlang - eilen Sie sich, bringen Sie mir die schwarzen Knopfstiefel. -
Sich wieder auf die Schubladen stürzend
DIE FRAUAlles ausräumen, nichts da lassen,
DIE FRAUwas mir gehört. Er wird ein recht wohnliches Heim vorfinden -
schreiend
DIE FRAUStehen Sie mir doch nicht immer im Weg! Wo sind denn meine Ringe? Meine Ringe!
Rast herum, suchend
DIE FRAUIch habe sie doch soeben gehabt.
suchend
ANNAHier sind sie nicht.
DIE FRAUSo suchen Sie doch!
ANNAIch suche ja.
DIE FRAUSie haben sie mir sicher heruntergeschmissen.
ANNADas hätte ich ja doch gemerkt.
gereizt
DIE FRAUSie merken nie etwas.
Immer ärgerlicher
DIE FRAUSie werden überhaupt so
DIE FRAUfaul in der letzten Zeit.
ANNAWenn ich gnä' Frau nicht mehr recht bin, so kann ich ja...
heftig
DIE FRAUSofort können Sie gehn, Sie widerspenstiges Ding, das mich nur
DIE FRAUärgert und alles mir entgegen tut. Sie sind von einer Ungezogenheit - ich weiss
DIE FRAUschon: Ihr seid alle gegen mich, haltet natürlich zu dem saubren Herrn! Gehn Sie
DIE FRAUnur, ich brauche niemand!
Sucht von neuem
DIE FRAUDa habe ich die Ringe. Eingesteckt
DIE FRAUhatt' ich sie.
Matt
DIE FRAUÜbrigens meinen Sie, dass der Baron die Sache heraus-
DIE FRAUbringen wird? Halten Sie ihn eigentlich für sehr helle?
weinend
ANNAEigentlich nicht.
DIE FRAUAber das wäre doch kein grosses Kunststück -
ANNAGewiss nicht.
DIE FRAUUnd er ist doch mit Begeistrung gereist, kommt mal umsonst, das heisst auf
DIE FRAUmeine Kosten, nach Wien.
ANNAHaben gnä' Frau ihm eine Photographie mitgegeben?
DIE FRAUZu was braucht der eine Photographie von mir?
ANNAVon dem Herrn doch!
DIE FRAUJa - nein -
ANNAWie soll denn da festgestellt werden,
begreifend
DIE FRAUEi ja!
ANNAob die Person den Herrn wirklich kennt?
DIE FRAUHerrgott, das ist wahr! Aber warum ha'm Sie das nicht früher gesagt?
ANNAGnä' Frau haben mich ja nicht gefragt.
DIE FRAUAber der Trottel...
ANNANatürlich -
DIE FRAU...hätte doch daran denken sollen.
ANNAWie kann er denn nun?
DIE FRAUKann ich nicht meinem Mann depeschieren? er soll selbst mit dem Baron hingehn?
entsetzt
ANNAAber gnä' Frau!
DIE FRAUUnd seine Identität feststellen lassen?
ANNAAber gnä' Frau, das können Sie doch dem Herrn nicht zumuten?
ausbrechend
DIE FRAUDiesem treulosen Betrüger, der immer depeschiert,
DIE FRAUer wisse von gar nichts,
schwächer
DIE FRAUso dass ich schon fast an-
DIE FRAUfange, es zu glauben.
Sich aufraffend
DIE FRAUWenn er unschuldig ist,
DIE FRAUmuss er doch froh sein, sein Alibi, oder wie man das Ding da nennt,
DIE FRAUbeweisen zu können!
tritt ein
THERESEEin Telegramm, gnädige Frau!
DIE FRAUSchon wieder. Das ist, glaube ich, das zehnte, ich mache sie schon gar
DIE FRAUnicht mehr auf.
Das Esszimmer, festlich geschmückt. ANNA noch am Esstisch beschäftigt.
stürzt herein
DIE FRAUEr kommt! Herrgott, wie ich mich freue.
Zu Anna
DIE FRAUIst
DIE FRAUder Frühstückstisch schon fertig? So? Schön! Hoffentlich ist der Kuchen
DIE FRAUnicht spintig?
Hinausrufend
DIE FRAUTherese! Wann kommt der Zug?
DIE FRAUSchon da? Da kann er jede Minute hier sein!
stürzt herein
THERESEDer gnädige Herr!
Ab
will ihm entgegeneilen, plötzlich fasst sie sich
DIE FRAUNein, nein! Nicht so
DIE FRAUentgegenkommend! Er soll nur hereintanzen! Ich habe mich genug geärgert!
stürzt herein
ROBERTChristinerl! Christinerl! Da bin ich!
Will sie umarmen, sie weicht
zurück und reicht ihm nur die Hand
abwehrend
DIE FRAUNur nicht so hitzig! Du denkst wohl, es sei alles in Ordnung?
ROBERTAber natürlich! Gott sei Lob und Dank! Was habe ich ausgestanden! Diese
ROBERTdrei Tage -
DIE FRAUDu ausgestanden? Von meinen Seelenschmerzen, meiner Kränkung redest du nicht?
ROBERTDoch ich begreife, dass du wütend warst!
DIE FRAUWütend? Ich war gar nicht wütend. Es war eben alles ausgestorben. Die Ehre,
DIE FRAUauf dich wütend zu sein, werde ich dir nicht antun.
ohne ihre Bemerkung zu beachten, vergnügt
ROBERTDas ist nun alles glücklich vorbei - da
ROBERThast du deinen verlor'nen Mann:
betont
ROBERTden Ungetreuen! Na, Christine? Was ist denn?
sehr betont
DIE FRAUDu scheinst das nicht sehr ernst genommen zu haben.
ROBERTDoch - drei Tage lang verflucht ernst. Aber nachdem sich die Tragödie in eine Bur-
ROBERTleske verwandelt hat -
komisch ernst
DIE FRAUIch finde gar nichts Spassiges dabei.
ROBERTErlaube -
immer feierlicher
DIE FRAUDu musst mir schon einige Zeit lassen, mich mit der bitt'ren
DIE FRAUEnttäuschung abzufinden.
ROBERTIch soll wohl um Verzeihung bitten?
DIE FRAUVerzeihung? Was ich gelitten, wird dadurch nicht ausgelöscht.
ROBERTAber doch nicht durch meine Schuld.
DIE FRAUVielleicht meine?
ROBERTNatürlich. Dieses unüberlegt hitzige Köpfchen -
DIE FRAUIch? Das ist unerhört!
ROBERTNa, ich keinesfalls!
DIE FRAUWer denn?
ROBERTDu weisst, dass ich ganz schuldlos bin.
DIE FRAUDas weiss ich nicht.
ROBERTDie Beweise genügen dir nicht?
Für diesen besonderen Fall vielleicht... aber man weiss doch nicht...
ROBERTDu könntest wissen!
DIE FRAUGar nichts weiss ich! Ich habe jetzt gesehn, was alles passieren kann!
heiter und behaglich
ROBERTAber es ist doch nichts geschehn.
DIE FRAUMeine Leiden, meine Seelenqualen
ROBERThättest du dir grösstenteils ersparen können, wenn du besonnener zu
ROBERTWerke gegangen wärst. Statt dessen zwei völlig unverständliche,
ROBERTunbeantwortbare Telegramme an mich, die mich dem Wahnsinn nah brachten.
ROBERTDu warst beim Notar wegen Scheidung?
DIE FRAUDu weisst?
ROBERTEr hat mir telegraphiert.
DIE FRAUGemeinheit. Kennt der Kerl kein Amtsgeheimnis? Schöner Notar!
ROBERTJa, der hat eine bessere Meinung von mir als meine eigene Frau.
wütend
DIE FRAUIhr steckt alle unter einer Decke!
ROBERTAlso kurz und gut: es war die schlimmste Zeit meines ganzen Lebens! Drei
ROBERTNächte kein Auge zu.
DIE FRAUIch auch nicht.
ROBERTMeine ganze Tätigkeit unterbrochen.
höhnisch
DIE FRAUDas schadet dir schon!
ROBERTHättest du lieber ordentliche Erkundigungen eingezogen!
triumphierend
DIE FRAUHabe ich! Sind noch gar nicht abgeschlossen!
ROBERTWas?
DIE FRAUDeinem saubren Kollegen traue ich nicht. Wer weiss, welches Komplott?
allmählich ärgerlich
ROBERTNun wird mir's aber zu dumm! Ich gutmüt'ger Narre
ROBERTreise eigens nach Hause, dir alles zu vergeben -
DIE FRAUDu mir?
ROBERTIch dir, jawohl! Und du machst mir noch eine Szene, anstatt mir reumütig um den
ROBERTHals zu fallen!
immer zorniger
DIE FRAUReumütig? Ich bedaure nur, dass ich dich geheiratet habe,
DIE FRAUdass ich
ausser sich
DIE FRAUüberhaupt geheiratet habe!
ROBERTZum Teufel! Da hört sich aber doch alles auf!
DIE FRAUEs hört auch auf. Ich lasse mich erst recht scheiden! Ich will nicht mehr hei
DIE FRAUdir bleiben! Ich will von den Männern überhaupt nichts wissen! Ich war an
DIE FRAUdeiner Seite immer unglücklich. Du hast mich nie gewürdigt, nie verstanden,
DIE FRAUimmer vernachlässigt! Ich mag nicht mehr deine Haushälterin sein! Du kannst
DIE FRAUsofort zu deinem Freunde Notar und die Scheidung beantragen!
wütend
ROBERTNun ist's genug! Das kannst du selber tun! Kreuzelement! Ich habe ge-
ROBERTnug von dieser Komödie!
läuft ab
ziemlich überrascht über diesen heftigen Wutausbruch
DIE FRAUIch hab's gewusst,
DIE FRAUdass es einmal so enden wird! Besser heut als morgen!
tritt schnell ein
DER BARONDa bin ich, gnäd'ge Frau!
sehr kühl
DIE FRAUNun? Was haben Sie ausgerichtet?
DER BARONNicht viel. Ich hatte keine Photographie Ihres Gatten.
DIE FRAUAllerdings. Die hatten Sie vergessen. Konnten Sie aber in jeder Buch-
DIE FRAUhandlung kaufen.
DER BARONDaran habe ich nicht gedacht.
DIE FRAUNun - und?
DER BARONAlso ich war bei der Dame.
spöttisch
DIE FRAUDame?
DER BARONNun ja, wie Sie es nennen wollen.. sie kennt den Herrn Hofkapellmeister
DER BARONStorch sehr gut.
DIE FRAUAch, sie kennt ihn? Was Sie sagen! Das weiss ich längst
verblüfft
DER BARONSie wissen?
DIE FRAUJa, aber Sie wissen nicht, ob der Herr Hofkapellmeister Storch wirklich mein
DIE FRAUMann war!
macht ein immer dümmeres Gesicht
DER BARONJa gibt's denn noch?
immer höhnischer
DIE FRAUJa, es gibt noch...
DER BARONeinen andern -
DIE FRAUeinen andern - aber der heisst Stroh!
DER BARONEine Verwechslung? Und der?
nickt stolz
DIE FRAUDer hat die Suppe eingebrockt.
sehr dämlich
DER BARONAch, ich verstehe.
DIE FRAUVerstehn Sie endlich, Herr Baron? Jedenfalls danke ich Ihnen für Ihre
DIE FRAUBemühungen;
spitzig
DIE FRAUwenn ich auch gestehen muss, dass Sie sich zum
DIE FRAUDetektiv nicht besonders eignen. Für heute so viel, dass alles
DIE FRAUaufgeklärt ist,
DER BARONaufgeklärt?
sehr betont
DIE FRAUdass alles aufgeklärt ist.
DER BARONAch so!
DIE FRAUDass mein Mann hier ist.
Baron zuckt zusammen
DIE FRAUSoeben noch wie Sie von der Reise
DER BARONzurückgekehrt?
DIE FRAUVielleicht kommen Sie zu geleg'ner Stunde wieder? Ich mache Sie
DIE FRAUmit meinem Mann bekannt, der, wie ich Sie versichern kann, vollkommen,
DIE FRAUvollkommen unschuldig ist, wie ich es ja auch gar nicht anders
DIE FRAUerwartet habe.
DER BARONJa, ja, dann empfehl' ich mich für heute.
DIE FRAUAuf Wiedersehen, mein lieber Herr Baron!
Baron nach flüchtigem Handkuss ab
eintretend
ROBERTWer war denn das?
etwas verlegen
DIE FRAUDas, das war der junge Herr Baron, von dem ich dir schrieb...
trocken
ROBERTJa, ja, der Notar schrieb mir auch: er ist eigentlich der
ROBERTHauptgrund, dass ich heimkam.
auffahrend
DIE FRAUDu glaubst doch nicht?
ROBERTNein, aber ich dachte, es ist nicht gut, dass die Frau allein sei, wenigstens
ROBERTnicht gar zu lang.
DIE FRAUDas ist schändlich von dir! Ich versichere dich.
ROBERTGar nicht nötig. Ich kenne meine liebe Frau viel zu gut,
ROBERTum nicht genau zu wissen... Aber es ist auch nicht nötig, dass
ROBERTdie Leute auch nur von so was reden, vermuten, Glossen machen,
ROBERTund du weisst, wie gerade in deinen Kreisen der Klatsch blüht.
DIE FRAUIch denke, ich wäre doch...
ROBERTDu bist's!
DIE FRAUDu weisst, ich war niemals...
ROBERTNiemals!
DIE FRAUSei versichert, ich werde immer
ROBERTImmer. Nun lass uns Frieden schliessen ein für allemal.
DIE FRAUWarst du sehr böse auf mich?
ROBERTDas glaube ich, und du?
DIE FRAUAlles war ausgelöscht, erstorben.
ROBERTDu hattest dir wohl die Trennung schon in allen Farben ausgemalt?
DIE FRAUDas eigentlich nicht. Ich war viel zu wütend auf dich!
ROBERTAber ich lebte bereits drei Tage in allen Schrecken des
ROBERTJunggesellendaseins, die meine Phantasie mir nur ersinnen konnte. Wer
ROBERTsollte das Kind behalten?
DIE FRAUIch, natürlich!
ROBERTWer das Landhaus?
DIE FRAUIch, natürlich!
ROBERTFür mich wäre da wohl nicht viel übriggeblieben?
DIE FRAUDu warst ja auch der schuldige Teil!
leichthin
ROBERTUnd der junge, schöne, flotte Edelmann?
DIE FRAUIch bitte dich, rede jetzt in diesem feierlichen Augenblick nicht von dem!
ROBERTDoch reden wir! Er war wohl sehr nett?
DIE FRAUAch Gott! Harmlos, gefällig...
stockt
ROBERTHatte immer Zeit!
DIE FRAUAllerdings!
ROBERTFamos in allen Dingen des Sports?
DIE FRAUSehr.
ROBERTVornehme Familie? Guter Gesellschafter?
DIE FRAUNa, eigentlich nicht -- ein bisschen langweilig.
ROBERTHattest du Sympathie für ihn?
DIE FRAUJa, ein wenig Sympathie, bis - bis -
ROBERTbis...?
DIE FRAUBis er mich um tausend Mark gebeten hat.
ROBERTWas?
Lacht
ROBERTHa ha ha ha, ha ha ha ha - Ich ahne... Armes Christinchen,
ROBERTdas nenn' ich ein Malheur!
sehr schüchtern
DIE FRAUEr ist sicher kein Gauner, nur vielleicht ein bisschen
DIE FRAUleichtsinnig und naiv ich hab's ihm auch gleich abgeschlagen.
ROBERTNun, dann ist ja alles gut! Da er nett zu dir war - er war doch nett?
mutiger
DIE FRAUSehr nett und liebenswürdig, bis...
ROBERTNun ja, bis... Also höre:
betont
ROBERTweil er zu meiner lieben Frau nett war,
ROBERTwerde ich für ihn sorgen, in jeder Form, die du wünschest, ihn unterstützen...
etwas weinerlich
DIE FRAUIch wünsche ja nichts!
ROBERTNun wir werden sehen - reden wir nun heute nicht mehr davon!
ROBERTGutmütig war er, sagst du? Da habt ihr euch wohl nie gestritten?
DIE FRAUNein, zum Streiten war er nicht zu gebrauchen, dazu war er zu blöd und
DIE FRAUschüchtern...
ROBERTSchüchtern? Na?
DIE FRAUDoch, er war eher schüchtern - sicher!
ROBERTZum Streiten taugen also wohl nur Ehemänner?
DIE FRAUNun ja, Menschen, die man genau kennt, sonst hat man ja keinen int'ressanten
DIE FRAUStoff: es macht auch gar keinen Spass!
ROBERTNa, für den Spass danke ich schon.
DIE FRAUAber ich kann doch nicht immer deiner Meinung sein. Wo bliebe mein Stolz,
DIE FRAUmeine Selbstachtung?
ROBERTDie sollst du immer behalten als schönste Zierde. Ich bin zufrieden,
ROBERTwenn du mir nur in ganz unzweifelhaften Streitpunkten hie und da -
einfallend
DIE FRAUIch werde dir nie mehr widersprechen, ich will dich auf Händen
DIE FRAUtragen, dir jeden Willen, jeden erfüllen! Ich habe jetzt erst gesehn,
DIE FRAUwie schrecklich es gewesen wäre, dich zu verlieren, ich glaube,
DIE FRAUich hätte nicht weiter leben können.
ROBERTDoch - doch - schon des Kindes wegen! Denk doch: das Kind!
DIE FRAUDas hättest doch du bekommen.
ROBERTWenn ich aber der schuld'ge Teil war?
DIE FRAUAuch dann! Wer konnte das Kind so erziehen wie du? Heute hab' ich es so recht
DIE FRAUerst erkannt! Wie du so böse warst, da zog ein Schauder mir durch den Leib;
DIE FRAUschön - schön direkt warst du in deinem Zorn.
ROBERTNa, na, nur nicht wieder übertreiben!
Umarmung
DIE FRAUDu bist mein schöner, reiner, prachtvoller Mann! Ich liebe dich allein
DIE FRAUund immer und ewig.
ROBERTUm das noch einmal so zuhören,
breit
ROBERTdafür hätte ich gerne noch mehr ausgestanden!
DIE FRAUVerzeihung für alles!
ROBERTFür gar nichts! Du hast mir ja so leid getan!
DIE FRAUGelt, mein lieber Robert, das nennt man doch wahrhaftig eine glückliche Ehe?