Gling glang Gloria
T. Müller-Reuter
Das Schlimmste, was ich vom Leben weiß,
Ist, daß es einmal muß enden,
Sonst wollt' ich als tausendjähriger Greis
Mein Krüglein noch drehen und wenden.
Und krähte der nüchterne Morgenhahn,
Mich sollt' er vom Schemel nicht bringen,
Ich wollt' auf den wackligen Schenktisch schla'n
Und trommeln und pauken und singen:
Gling glang gloria!
Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!
Und käm' mir Magister und Doctor ins Haus,
Ich wollte vor Keinem mich ducken,
Ich streckte dem Teufel die Zunge heraus
Und ließ' ihn durchs Schlüsselloch gucken.
Doch ein Brüderchen links und ein Brüderchen rechts,
Das ließ' ich mir gerne gefallen,
Da sollt' in der Hitze des Bechergefechts
Mein Stimmlein gar lieblich erschallen:
Gling glang gloria!
Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!
Noch seh' ich das Ende der Dinge nicht ein
Und das Wenn und Warum hier im Leben,
Noch bin ich so jung wie der älteste Wein,
Will Alles noch nehmen und geben.
Ist die hübscheste Maid doch, der treu'ste Kumpan
Und der stattlichste Humpen mein eigen,
Und was ich so recht mit dem Herzen gethan,
Das kann ich nun mal nicht verschweigen.
Gling glang gloria!
Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!
Beim vorletzten Glas und beim letztletzten Kuß
Da will ich vielleicht mich besinnen
Und denken: meinswegen! was sein muß, das muß!
Die köstlichsten Tropfen verrinnen.
Dem Trinker der Sieg und dem Sänger der Ruhm!
Dafür in der Hölle zu braten,
Das nenn' ich, ihr Nipper, ein Märtyrerthum,
Stoßt an! auf die künftigen Thaten!
Gling glang gloria!
Potori est victoria!
Bring' Einer es dem Andern rum,
Daß es von Eim zum Andern kumm!