Auf Schreckenburg soll Hochzeit sein
V. Becker
Fanfaren schmettern's laut hinein
In's weite, grüne Thal;
Auf Schreckenburg soll Hochzeit sein,
Des Schreckenburgers Töchterlein
Verfällt heut' dem Gemahl.
Des Schreckenburgers Töchterlein
Erglänzt im Brautgewand
Voll gold'ner Pracht, in Demantschein --
Doch sagt, wo mag der Bräut'gam sein,
Herr Wolf von Eichenbrandt?
Des Schreckenburgers Töchterlein
Harrt ängstlich Stund' um Stund';
Die Hochzeit gäste treten ein --
O sagt, wo mag der Vater sein
Des Bräutchens Rosamund?
Aus ihren braunen Äugelein
Manch' heißes Thränlein rann;
Da fragt Herr Kurt von Felsenstein:
Wo mag wohl Theobaldus sein,
Des Schlosses Kapellan?
O weh, o weh! Hold Fräuelein,
Weinst dir die Äuglein roth!
Es eilen schon die Mägde dein
In flücht'ger Hast Saal aus, Saal ein,
Zu enden deine Noth.
Es eilt im Flug Saal aus, Saal ein
Der Knappen bunter Troß.
Schön Bräutschen weint im Kämmerlein --
Auf Schreckenburg soll Hochzeit sein,
Ist Jammer viel und groß!
Da tritt ein kleiner Bote ein
Und kündet froh es an:
Im Keller prüft der Vater Dein
Seit heller Früh' den Hochzeitswein
Mit Eidam und Kaplan.
Und als man drang in den Keller hinein,
Da lagen scharchend die Drei
Bei einem Faß vom alten Rhein,
Der Vater und der Eidam sein,
Sammt dem Kaplan dabei. --
Fanfaren schmettern's laut hinein
In's weite, grüne Thal:
Auf Schreckenburg soll Hochzeit sein,
Des Schreckenburgers Töchterlein
Freit morgen der Gemahl.