Vogelfang

V. Herbert

Man fängt die Vögel gross und klein

Am besten an der Tränke;

Mich fing der Wirthin Töchterlein

Beim Weinkrug in der Schenke.

Es war das Netz, das mich bedroht,

Gezwirnt aus blonden Strähnen,

Lockspeise war ein Mündlein roth

Mit schimmernd weissen Zähnen.

Sie hält mich fest, lässt mich nicht heim;

Ich lass' es gern geschehen. --

Es giebt auch Vögel, die auf den Leim

Aus freien Stücken gehen.

Manch einer ist auch unverhofft

Dem Käfig wieder entgangen. --

Zu halten ist weit schwerer oft

Der Vogel als zu fangen.