Juninacht
Nessler, Victor
Füllt die Becher, schwenkt die Hüte,
Weckt mit Jubelklang die Nacht,
Kränzt mit Ros' und Rebenblüte
Eure Stirne glutentfacht!
Denn die Blüte fällt,
Und das Glas zerschellt,
Eh' ihrs genossen und eh' ihrs gedacht!
Nur das flüss'ge Gold der Rebe,
Nimmer das Metall im Schacht,
Nur das Blut des Weines lebe,
Nicht das Blut, das schmeichelnd lacht:
Ach! die Münze rollt,
Ach! die Lippe grollt,
Eh' ihrs genossen und eh' ihrs gedacht!
Lernt den Augenblick erhaschen
Als den Geist, der schafft und wacht,
Und in Zügen, vollen, raschen,
Sei ihm höchste Huld gebracht:
Denn die Glut verraucht,
Denn der Geist verhaucht,
Eh' ihrs genossen und eh' ihrs gedacht.