Euphrosine an ihr Bettchen

V. Righini

Ich liebe, kleines Bettchen, dich

In dieser ernsten Stille;

Dein weicher Arm umfasse mich,

O sanfte Schlummerhülle!

Ich bin ja von Geschäften los,

Drum will ich jetzt in deinen Schooß

Mit süßem Taumel sinken,

Bis Morgensterne blinken.

Hier soll mein Arm mit frischem Blut

Und junger Kraft sich füllen;

Und wieder froher heitrer Muth

In meinem Busen quillen;

Mir schließen lächelnd Nacht und Ruh

Die halbgetrügten Augen zu,

Und kein geheimer Kummer

Wird stören meinen Schlummer.

Wohl aber führt ein Zaubertraum,

Von der gemeinen Erde,

Mich hin in einen schönern Raum,

Wo glücklicher ich werde;

Wo noch die Blumen schöner blühn,

Und wo mit einem frischern Grün

Sich Wald und Wiese kleiden,

Das Auge süß zu weiden.

Dort seh' ich meinen Seladon,

Und Lieb' in seinem Blicke;

Und wandle im Gedanken schon

Mit ihm zum Bundesglücke;

Bald führt er mich der Flur entlang;

Bald ruhn wir auf der Rasenbank,

In brauner Abendröthe,

Beim zarten Laut der Flöte,

O, liebes Bettchen, nimm mich ein;

Sieh', wie mit rascher Freude,

Jetzt bei des Mondes düsterm Schein,

Ich hastig mich entkleide;

Komm, Schlaf, auf meines Auges Saum,

Komm, lieber holder Zaubertraum,

Kommt beide und verschwindet,

Wenn Tag der Hahn verkündet.