Hoffnung und Erinnerung
V. Righini
Schön und köstlich ist das Leben,
Fasse nur des Lebens Sinn,
Wer ihn kennt und übt, dem schweben
Nestor's Jahre sanft dahin;
Jede neuerwachte Stunde
Wird die Mutter neuer Lust,
Und der beß'ren Zukunft Kunde
Legt ein Gott in uns're Brust.
Daß uns nie der Born versiege,
Dem des Dasein's Wonn' entrinnt,
Nah'n sich schon des Kindes Wiege,
Holde Feen, mild gesinnt,
Und ihr Weihgeschenk ertheilet
Unsern Tagen Glanz und Schwung,
Und es bleibt, wie Zeit auch eilet,
Hoffnung und Erinnerung.
Schöne Frühlingsblumen windet
Hoffnung uns zu einem Kranz,
In der Gluth des Mittags schwindet
Oft zwar ihrer Blüthen Glanz;
Doch auch diese werden Früchte,
Pflegt sie treu der Weisheit Hand,
Daß kein Leichtsinn sie vernichte,
Trifft sie nicht des Neides Brand.
Kindlich fromme Herzen täuschet
Nie die süße Huldgöttin,
Denn nur kleine Wünsche heischet
Des Zufriednen reiner Sinn.
Dir, dem stilles Glück genüget,
Hält sie gern, was sie verspricht,
Und doch, Glücklicher, versieget
Ihre Freudenquelle nicht.
Die Erinn'rung ruft die Tage
Längst entfloh'ner Lust zurück,
Selbst aus der verhallten Klage
Schafft sie uns ein neues Glück,
Sanft, von Dämmerung umgeben,
Tritt Vergangenheit hervor,
Jugend, Liebe, Freundschaft schweben
Aus der Schattenwelt empor.
O ihr süßen Feen, weichet
Nie von meinem Pilgerpfad,
Bis mein Haar das Alter bleichet,
Und die letzte Stunde naht;
Dann, Erinn'rung, ruf' die Tage
Der vergang'nen Lust zurück,
Und du, Hoffnung, komm und sage:
"Jenseits blüht ein höh'res Glück."