Stiasons Klagelied am Grabe der Geliebten

V. Tomášek

Es ist der schöne Stiason, doch ach, nun nimmer schön,

nun ist er nimmer heiter, nein, grausig anzuseh'n.

Verblichen ist die Wange, das Auge trüb und irr,

die Brauen sind gesunken, die dunklen Locken wirr.

Mit beiden Armen hält er ein Büschel Tannengrün,

dazwischen Blumenkränze in bunten Farben glüh'n.

Er eilt zum Erdenhügel, besteckt ihn mit dem Reis

und hängt die Kränze drüber und seufzt und singet leis':

„Ich war einmal ein Schäfer, der seine Herde trieb;

ein schneeweiß' Lämmlein hatt' ich, das war mir wunderlieb.

Ich hätte darum gegeben die Tasch' und den Hirtenstab,

ich wäre darum gestiegen ins dunkle, dunkle Grab.

Da kam die Wölfin gesprungen, zerriss das zarte Tier,

da war auch mein Kopf zerrissen, das Herz zerborst in mir.

Da taucht' ich ein Tuch behende ins liebe, warme Blut,

da grub ich ein Grab dem Holden und halte darüber Hut.“