Die Geliebte des Kriegers

W. Braunfels

Er ist von den Erlesenen der stärkste,

Er ist der tapferste von allen Kriegern,

Der Vielgeliebte, dem mein Herz gehört!

Wie stolz trägt er die Lanze, hoch zu Pferde

In seines Königs Vorhut! Aber wehe!

Er mußte fern gen Osten in den Krieg.

Ich lasse meine Haare niederhängen,

Es macht mir keine Freude, sie zu pflegen,

Ich gebe sie dem Spiel des Windes preis.

Ich habe viele köstliche Essenzen

Und Edelsteine und gestickte Bänder, --

Doch mich zu schmücken, trag ich keine Lust.

Denn Er ist fern! Ha! Wie die goldne Sonne

Mir weh tut, samt den purpurfarbnen Wolken,

Die so voll Glanz am hellen Himmel steht!

Ich möchte lieber, daß ein rauher Regen

Herniederrauscht, indessen meine Seele

Sich ganz versenket in ihren dumpfen Schmerz.

Ich weiß es wohl, wo man die Blume findet,

Die wundertätige, die Vergessen spendet. --

Sie wächst nach Norden hin bei unserm Haus.

Von meinem Händen wird sie nicht gebrochen,

Denn ich will nimmer-, nimmermehr vergessen,

Tobt auch Verzweiflung wild durch mein Gemüt.

Ich liebe die Verzweiflung, die mich tötet,

Denn sie verbindet mich dem strahlend Schönen,

Dem Vielgeliebten, dem mein Herz gehört!