Als die Lampe an meinem Bette ausging
W. de Haan
Als die Lampe an meinem Bett ausging,
wachte ich auf mit den frühen Vögeln.
Ich saß am offenen Fenster,
einen frischen Kranz im losen Haar.
Der junge Wanderer kam die Straße entlang
im rosigen Nebel des Morgens.
Eine Perlenkette trug er um seinen Hals, und die Sonnenstrahlen
fielen auf seinen Scheitel. An meiner Tür blieb er stehn
und fragte ungestüm: „Wo ist sie?“
Vor lauter Scham vermochte ich nicht zu sagen:
„‚Sie' bin ich, junger Wanderer, ‚sie' bin ich.“
Es war Dämmerung, und die Lampe war nicht angezündet.
Gedankenlos flocht ich mein Haar.
Der junge Wanderer kam auf seinem Wagen,
im Glühen der untergehenden Sonne.
Seine Pferde schäumten,
und Staub lag auf seinem Kleid.
Er stieg ab an meiner Tür und fragte
mit müder Stimme: „Wo ist sie?“
Vor lauter Scham vermochte ich nicht zu sagen:
„‚Sie' bin ich, müder Wanderer, ‚sie' bin ich.“
Es ist eine Aprilnacht. Die Lampe brennt in meiner Kammer.
Von Süden schleicht leise die Brise herein.
Der lärmende Papagei schläft in seinem Käfig.
Mein Mieder ist von der Farbe der Pfauenkehle,
und mein Mantel ist grün wie junges Gras.
Ich sitze auf dem Boden am Fenster
und spähe hinaus in die verlassene Straße.
Durch die dunkle Nacht summe ich in einem fort:
„‚Sie' bin ich, verzweifelnder Wanderer, ‚sie' bin ich.“