Der Fährmann
W. Dörr
Jungfriedel wallte am Rheinesstrand,
Ein junger Fährmann am Ufer stand:
"Komm her, wir fahren wohl über die Fluth,
Bei Mondenschimmer, da fährt sich's gut!"
Wie die Wellen flüstern im Strome!
Jungfriedel springt in den schaukelnden Kahn
Und hebt zu singen und spielen an.
Er setzt sich zum Rand, und der Fährmann lauscht
Da Lied und Fiedel so seltsam gerauscht,
Wie die Wellen flüstern im Strome!
"O Spielmann, lieber Spielmann mein,
Laß du dein Singen und Fiedeln sein!
Mein Herz wird mir schwer in erwachendem Gram,
Ich denk' an mein Lieb, das den Andern nahm!"
Wie die Wellen flüstern im Strome!
"O Spielmann, lieber Spielmann mein,
Laß du dein Singen und Fiedeln sein!
Die Nixen locket der süße Ton, --
O Spielmann, sieh' da, sie kommen schon!"
Wie die Wellen flüstern im Strome!
"O Spielmann, lieber Spielmann mein,
O laß doch dein Singen und Fiedeln sein!
Das Herz im Leibe zerspringt mir schier --
O Spielmann, die Nixen greifen nach mir!"
Wie die Wellen flüstern im Strome!
Jungfriedel spielt und die Nixe winkt!
Jungfriedel spielt, und der Fährmann sinkt.
Allein sitzt Friedel auf Schiffleins Rand,
Das treiben die Fluthen hinüber zum Strand. --
Wie die Wellen flüstern im Strome!