In der Föhrde

W. Hess

Es kam ein Nachen gefahren,

drin saß eine süße Dirn.

Die Flut von goldenen Haaren

fiel über die weiße Stirn.

Es stand am einsamen Strande

ein einsames Fischerhaus.

O, lande, du Schifferin, lande

und wirf deinen Anker aus.

Es sang so hold eine Weise,

es lockte im Sonnenschein.

Da lachte das Dirnlein leise

und holte die Ruder ein.

Der Anker von schimmerndem Erze

sank nieder in silberner Flut

und in des Dirnleins Herze

ein anderer Anker ruht.

Ich falte betend meine Hände,

ich, der Gebete kaum gekannt,

daß meine Seele Frieden fände

in deiner reinen Mädchenhand.

Nicht fordern darf ich deine Gnade

und weigern kannst du mir mein Glück.

Dann geht auf ewig dunkle Pfade

mein ruheloser Geist zurück.

In einem nur kann nichts mich zwingen,

ein Recht ist mein, von Gott geweiht:

ins blonde Goldhaar dir zu schlingen

den Lorbeer der Unsterblichkeit!