Aus dem III. Strauss:Entfremdet

Kienzl, Wilhelm

Komm, verhüllte Schöne!

Komm, aus deinem Haus

Locken stille Töne

Dich zur Nacht heraus.

Komm und schlag' den Schleier

Dir vom Angesicht,

Zeige dich nur freier,

Süßes Mondenlicht!

Unter ist die Sonne,

Deren Blick, so scharf,

Deine milde Wonne

Nicht verletzen darf.

Abendglutumrötet

Starb der Lerche Schall;

Und aus Büschen flötet

Nun die Nachtigall.

Tag mit seinem Tosen

Ist zur Ruhe hier,

Liebchen! alle Rosen

Schlafen außer dir.

Alle kecken Lüfte

Sind zur Ruh' im Laub;

Nachtviolendüfte

Fürchten keinen Raub.

Lüstern keine Biene

Trägt mehr Honig ein;

Und an deiner Miene

Saugt mein Blick allein.

Laß dich's nicht verdrießen,

Küsse mich in Ruh'.

Alle Knospen schließen

Ihre Augen zu.

Und vor'm Abendsterne

Wirst du nicht dich scheu'n,

Dessen Blick sich gerne

Mag an Küssen freu'n.