An den Schlaf
Kienzl, Wilhelm
Schlaf, du Allerbarmer,
wiege sanft dein Kind;
tränenheiße Lider
kühle trosteslind!
Wandermüdem Fuße
gönne karge Rast,
von gebeugten Schultern
nimm die Erdenlast!
Wunden, die das Leben
mir am Tage schlug,
Schmerzen, die verborgen
ich im Busen trug,
quälender Gedanken
wehrhaft grimme Macht
tauch' ins Allvergessen
einer Friedensnacht!
Leise Zauberworte
flüst're mir ins Ohr,
gaukle Wahn und Wonne
mir im Traume vor!
Heut' an meinem Lager
halte treue Wacht,
Schlaf, du Allerbarmer,
eine, eine Nacht!