Nachtlied

W. Mayer

Die Nacht kommt still gezogen

Mit ihrem dunkeln Haar,

Es kommt ihr nachgeflogen

Der Träume bunte Schaar.

Ich steure mit meiner Süßen

In die stille Fluth hinein,

Die Abendwinde grüßen

Stillflüsternd im blauen Rhein;

Die Weidenbäume schwanken

Am Strand in stiller Ruh',

Und raunen duft'ge Gedanken

Der spielenden Woge zu;

Am Himmel die Sternlein gaukeln,

Wie glänzendes Edelgestein,

Die träumenden Wellen schaukeln

Den leuchtenden Wiederschein.

Da steigt in seinem Glanze

Der bleiche Mond herauf

Hinter dem Bergeskranze

In heimlich stillem Lauf.

Hei! wie er schwelgt und leuchtet

In seinem Zauberschein

Und glühende Liebe beichtet

Dem frischen, blauen Rhein!

Ein treuer Buhle, grüßt er

So recht aus vollem Muth,

Und sanfterröthend küßt er

Die spiegelhelle Fluth.

[Wir aber, von Lust durchdrungen,

Schaukeln im Wellenschaum,

Und halten uns liebumschlungen,

Und träumen seligen Traum.]