In meiner Seele dunklem Spiegel

W. Nening

In meiner Seele dunklem Spiegel

Sind Bilder niegeseh'ner Meere,

Verlass'ner, tragisch phantastischer Länder,

Zerfließend ins Blaue, Ungefähre.

Meine Seele gebar blut-purpurne Himmel

Durchglüht von gigantischen, prasselnden Sonnen,

Und seltsam belebte, schimmernde Gärten,

Die dampften von schwülen, tödlichen Wonnen.

Und meiner Seele dunkler Bronnen

Schuf Bilder ungeheurer Nächte,

Bewegt von namenlosen Gesängen

Und Atemwehen ewiger Mächte.

Meine Seele schauert erinnerungsdunkel,

Als ob sie in allem sich wiederfände -

In unergründlichen Meeren und Nächten,

Und tiefen Gesängen, ohn' Anfang und Ende.