Das fünfte Sonett

W. Prokop

O Venus in den Himmeln, klare du,

hör meine Stimme; denn solang du dort

erscheinst, wird sie, ganz voll, dir immerfort

die lange Arbeit singen, die ich tu.

Mein Aug bleibt sanfter wach, wenn du es siehst,

und seine Flut wird strömender und fließt

viel leichter hin in meine Lagerstatt,

wenn seine Mühsal dich zum Zeugen hat

zur Zeit, da Schlaf und Ausruhn wohlgemeint

die Menschen hinnimmt, die sich müd gedacht.

Ich, ich ertrag, solang die Sonne scheint,

das, was mir weh tut, und wenn ich zum Schluß

zu Bette geh, fast wie entzwei: ich muß

das, was mir weh tut, schrein die ganze Nacht.