Mädchen kam vom Stelldichein vom Liebsten

W. Stenhammar

Mädchen kam vom Stelldichein vom Liebsten,

kam mit roten Händen. Fragt die Mutter:

„Wovon sind die Hände rot, du Mädchen?“

Sagt das Mädchen: „Eben pflückt' ich meine Rosen,

und die Dornen stachen meine Hände!“

Wieder kam vom Stelldichein das Mädchen,

kam mit roten Lippen. Fragt die Mutter:

„Wovon sind die Lippen rot, du Mädchen?“

Sagt das Mädchen: „Himbeer'n aß ich eben,

und der Saft, er färbte meine Lippen.“

Wieder kam vom Stelldichein das Mädchen,

kam mit bleichen Wangen. Fragt die Mutter:

„Wovon sind die Wangen blass, o Mädchen?“

Sagt das Mädchen: Richt' das Grab, o Mutter!

Leg' hinein mich, stell' ein Kreuz darüber;

auf das Kreuz schreib' dann, wie ich dir sage:

Einmal kam sie heim mit roten Händen,

rot sie waren von dem Druck des Liebsten.

Einmal kam sie heim mit roten Lippen,

und sie waren rot vom Kuss des Liebsten.

Später kam sie heim mit blassen Wangen;

seine Untreu' machten sie erbleichen!