Die Drei Pintos

Weber, Carl Maria von

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Die Drei Pintos Libretto

SYSTEMAct 1

SYSTEMErster Aufzug

PINTOOrt der Handlung: In der Dorfschänke zu Penaranda (halbwegs zwischen Salamanca und Madrid).

PINTOVeranda vor der Dorfschänke zu Penaranda. Dieselbe stößt an das Haus, welches die linke Hälfte des Prospektes ausmacht.

PINTOTüren führen in dasselbe. Man sieht aus der Veranda

RÜCKWÄRTS INS FREIEStudenten aus Salamanca sind beim Gelage versammelt. Unter ihnen Don Gaston Viratos, sein Diener Ambrosio und der Wirt.

CHORLeeret die Becher, mutige Zecher,

CHORbis auf den Grund!

CHORTagen der Freude folgen nun heute

CHORTrennung und Leid.

CHORNie zu vergessen...

GASTONReicht mir den größten Becher her,

GASTONdie euren nehmt zu Händen,

GASTONauf Salamanca trinkt sie leer

GASTONund seine Herr’ n Studenten!

SYSTEMChor

GASTON... Was wir besessen,

GASTONnie zu vergessen!

GASTONAuf ewig bleib’ sie frisch und grün,

GASTONdie Jugendkraft, die Jugendkraft,

GASTONdie alles kühne Streben

GASTONzum höchsten Ziel muss heben.

GASTONmit

SYSTEMChor

GASTONAuf ewig bleib’ sie frisch und grün,

GASTONdie Jugendkraft, die Jugendkraft,

GASTONdes Herzens kühnstes Streben!

GASTONAuf zum höchsten Ziel!

GASTONLa, la, la...

GASTONund Ambrosio mit

SYSTEMChor

GASTONDie Jugendkraft...

GASTONLasset die Becher erklingen.

GASTONHurra! Sie lebe! Hoch!

tanzend

AMBROSIOLa, la, la, es lebe der Wein!

AMBROSIOLa, la, la, es lebe das Glück!

AMBROSIOEs lebe das Glück!

SYSTEMChor

AMBROSIOLeeret die Becher, mutige Zecher!

SYSTEMChor

AMBROSIOBis auf den Grund!

AMBROSIOBruder, dir weihe

AMBROSIOheut’ ich aufs Neue

AMBROSIOFreundschaft und Lieb’!

AMBROSIOInnig verbunden

AMBROSIOhaben uns Stunden,

AMBROSIOhaben uns Stunden

AMBROSIOseligster, seligster Lust.

AMBROSIOFreundschaft

AMBROSIOund Liebe.

GASTONIhr Freunde,

GASTONreicht mir eure Hand

GASTONzum letzten Abschiedsgruße;

GASTONich ziehe meinen Weg durchs Land,

GASTONihr kehrt zurück zur Muse.

GASTONDoch rufen wir voll Hoffnung aus:

GASTONAuf Wiedersehn, auf Wiedersehn

GASTONmit Gottes reichstem Segen!

GASTONHeil! Heil! Heil!

GASTONAuf allen Wegen.

GASTONAuf Wiedersehn!

SYSTEMChor

GASTONDoch rufen wir voll Hoffnung aus...

GASTONund

SYSTEMChor

GASTONAuf Wiedersehn, auf Wiedersehn

GASTONmit Gottes reichstem Segen.

GASTONHeil!... auf allen Wegen.

GASTONAuf Wiedersehn!

SYSTEMChor

GASTONSelbst in der Trennung Schmerz

GASTONtönet drum lauter Scherz,

sie brechen geräuschvoll auf, ordnen sich zum Zuge und ziehen durch die offene Seite der Veranda ab.

GASTONjubelt aus voller Brust...

GASTONund

SYSTEMChor

GASTONJubelt, la, la,

GASTONAuf Wiedersehn, auf Wiedersehn, auf Wiedersehn

GASTONnochmals zum Scheidegruß

GASTONtönet es laut: Auf Wiedersehn.

aus der Ferne

GASTONAuf Wiedersehn...

GASTONmit Gottes reichstem Segen

GASTONHeil! Heil! Heil! auf allen Wegen.

GASTONAuf Wiedersehn!

GASTONAlso vorbei — fröhliche, selige Studentenzeit

GASTONUnd — auch vorbei die Jugend? He, Ambrosio,

GASTONsag, hast du nicht einen guten Einfall, der

GASTONmir über diesen Abschied hinweghilft?

AMBROSIOHier in diesem Wirtshaus gute Einfalle!

AMBROSIOHerr, wollen wir nicht weiter?

GASTONHast recht, Ambrosio, weiter nach Madrid!

AMBROSIOAch, in Madrid, Herr, das schwör ich Euch,

AMBROSIOda sollen mir mehr tolle Streiche einfallen,

AMBROSIOals Ihr ausführen könnt.

GASTONIn Madrid, mein Junge, da wirst du die Akten

GASTONhinter mir dreintragen, und ich werde den

GASTONCorregidor-Stab führen - und nun ruf den

GASTONWirt mit seiner Rechnung her!

GASTONWas ich dann tu’, das frag’ ich mich,

GASTONfrag’ ich denn nicht recht wunderlich?

GASTONSuch’ ein Mädchen, das mich liebt,

GASTONdas mir sein holdes Herzlein gibt...

GASTONDoch wenn sie meine Hand verschmäht?

GASTONWenn ihr Herz nach ‘nem anderen steht?

GASTONWenn sie nach spröder Weiber Art

GASTONfest auf ihrem Sinn beharrt?

GASTON2 Was ich dann tu’, das frag’ ich mich,

GASTONfrag’ ich denn nicht recht wunderlich?

GASTONSprech’ ich bei einer andern vor,

GASTONdie leiht mir geneigtes Ohr!

GASTONWahrlich, wahrlich,

GASTONja, das tu ich,

GASTONMädchen ei, ganz sicherlich!

GASTONSeid ihr nur hübsch und jung und reich,

GASTONseid ihr vor mir alle gleich.

GASTONJa, ja, alle gleich,

GASTONdrum schöne Mädchen hütet euch!

AMBROSIOHier ist der Mann mit der Rechnung, Herr,

AMBROSIOoder vielmehr die Rechnung mit dem Manne,

AMBROSIOdenn sie ist zehnmal so lang wie er!

WIRTIch hab’ bei meiner Seel’ die allerniedrigsten

WIRTPreise angesetzt —

GASTONUnd doch ist die Summe so hoch wie ein Haus,

GASTONdu verflixter Rechenkünstler! Das soll ich

GASTONbezahlen? Ambrosio, mein letzter Heller!

AMBROSIOEi, ei, ei, ei, ei, ei, ei!

WIRTEi, ei!

GASTONEi, ei, ei... Wer hätte das gedacht,

GASTONhab’ ich an einem Tage

GASTONmein Geld total verpufft!

GASTONEi, ei, ei... Was liegt denn viel daran,

GASTONhab’ ich nur gute Laune,

GASTONwas kränkt mich dann das Geld, ei, ei, ei...

AMBROSIOEi! Wer hätte das gedacht,

AMBROSIOhat er an einem Tage

AMBROSIOsein Geld total verpufft!

AMBROSIOEi, ei, ei... Was liegt denn viel daran,

AMBROSIOhat er nur gute Laune,

AMBROSIOwas kränkt ihn da das Geld. Ei, ei, ei...

WIRTEi, ei, ei! Wer hätte das gedacht,

WIRTdass ich an frühem Tage

WIRTsein Geld im Sacke hätt’!

WIRTEi, ei, ei!... Da liegt viel daran,

WIRTist er bei guter Laune,

WIRTwas kränkt ihn da das Geld. Ei, ei, ei...

GASTONHier, du Straßenräuber, hast du deinen Sündenlohn!

Er zahlt

WIRTSauer verdient, Herr!

GASTONJa, mit saurem Weine und saurer Miene.

pfiffig

WIRTO gnädige Herrn, ich habe auch gar süße Weine —

WIRTwollt ihr’ s versuchen?

GASTONNun bei Gott, ein guter Gedanke!

er greift in die Tasche und bringt einige Goldstücke hervor

GASTONDafür eine Flasche deines Besten, du Jammerwirt.

GASTONHer damit! — Und dann die Pferde gesattelt, Ambrosio.

AMBROSIOHerr, wir sollten aber doch nicht so eilig fortgehen — der Wirt hat eine schöne Tochter —

GASTONUnd warum hab’ ich sie noch nicht gesehen?

GASTONWie heißt der Engel, Ambrosio?

AMBROSIOInez, Euer Gnaden!

GASTONInez? Schon dieser Name entzündet mich!

GASTONHerbei mit ihr!

als Ambrosio gehen will, hört man die Klänge einer Gitarre

parodierend

INEZLeise weht’ es, leise wallte

INEZrings der Tau herab,

INEZals im nächt’ gen Grau der Kater Mansor

INEZhin den Pfad der Liebe schlich,

INEZden Pfad der Liebe schlich der Kater Mansor.

INEZEinzeln recht nach seinem Herzen

INEZstand das Häuschen da,

INEZdas Zaiden, sein geliebtes

INEZbestes Katzen-Mädchen, barg.

Inez tritt in die Veranda herein

INEZLeise weht’ es, leise wallte

INEZrings der Tau herab,

INEZals der falsche, harte Kater Mansor

INEZglühend ew’ ge Treue schwur.

INEZDer falsche Mansor, der harte Mansor.

INEZDoch beim Morgenstrahle flieht er,

INEZflieht auf immer er.

INEZAch, Zaiden, Zaiden, und ihr Herz

INEZvoll Lieb’ und Katzenjammer bricht.

GASTONPfui über den abscheulichen, treulosen Kater!

INEZDer seid doch Ihr, Herr Ritter!

GASTONIch? Hahaha, du Schelmin!

GASTONDir war’ ich sicher treu!

GASTONIch biete dir mich selbst zum Pfand.

INEZUnd was soll ich dagegen geben, Don Mansor?

GASTONNun, nichts als dich selbst und tausend Küsse!

INEZHm, da müsst’ ich doch erst wissen,

INEZob Ihr so viel wert seid,

INEZund was Ihr seid, Herr!

GASTONNun, ich war und — ich bin noch — Student,

GASTONdenn ein Student bleibt ewig Student.

GASTONWeißt du, was das heißt, holde Inez?

INEZNun, so ziemlich! Lustig, durstig,

INEZverliebt und beutelarm!

GASTONWir, die den Musen dienen,

GASTONsind auch den Grazien hold.

GASTONWir stehen wohl bei jenen,

GASTONdoch die bei uns im Sold.

GASTONUnd unser ganzes Leben

GASTONist ihnen hingegeben

GASTONmit heißer Leidenschaft.

INEZDoch nie, dass es Euch Leiden schafft!

GASTONWenn’ s gilt, mit Männern streiten wir,

GASTONschlagen rasch darein,

GASTONdoch sind wir gegen Frauen

GASTONallzeit galant und fein.

GASTONDrum lieben uns die Mädchen

GASTONin jedem Dorf und Städtchen,

GASTONwo wir uns lassen sehn.

INEZJa, wenn sie schleunigst wieder gehn!

GASTONZwar leben wir in Freuden

GASTONbei Sang und Rebensaft,

GASTONdoch wirkt in uns die Weisheit

GASTONauch mit besondrer Kraft!

GASTONIn aller Musen Tempel

GASTONwir nennen uns Exempel

GASTONder höchsten Wissenschaft!

GASTONDrum leben die Studenten,

GASTONes leben die Studenten,

GASTONes lebe, was sie lieben...

INEZEi wie gewissenhaft!

INEZDas einmal denn muss sein!

INEZDas geb’ ich auch noch drein...

GASTONDrum Mädchen sollst du leben,

GASTONdir ist mein Herz ergeben,

GASTONdich oder keine lieb’ ich mehr!

GASTONDich oder keine lieb’ ich mehr!

GASTONDrum Mädchen sollst du leben,

GASTONdich oder keine lieb’ ich,

GASTONlieb’ ich mehr!

INEZMein Herr Student, ich danke sehr!

INEZMein Herr Student, ich danke, danke sehr.

INEZJa, ich danke, danke sehr!

AMBROSIOHerr, um Himmels willen, schauen Sie her!

GASTONWie sich der Kerl vom Pferde wälzt!

GASTONSeiner Kleidung nach ein Landedelmann!

AMBROSIOEr scheint auf einem Gutshof auf Fett

AMBROSIOgezüchtet zu sein!

AMBROSIOHerr, wenn der uns nicht Spaß

AMBROSIOfür den ganzen Tag schafft!

AMBROSIOWie der pustet nach dieser Arbeit!

im Eintreten

PINTOIch habe einen Riesenappetit

PINTOund zahle, was Ihr wollt! Uff!

er grüßt Gaston wegwerfend und setzt sich auf einen Stuhl

PINTOBei allen Heiligen, das ist eine Reise!

PINTOVon Castrilla hierher in einem Tage!

PINTOWenn nicht unterwegs ein paar Gasthäuser

PINTOwären — uff!

PINTODie Hitze, der Hunger und der Durst!

er schlägt auf den Tisch

PINTOHe, Wein her! Wein her!

GASTONAmbrosio! Wein vom besten!

dummstolz

PINTOSeid Ihr der Wirt?

GASTONLeider nein. Ich bin ein Ritter — wie Ihr!

GASTONIch heiße Don Gaston de Viratos.

PINTODon Gaston de Viratos? Nun denn,

PINTOich heiße Don Pinto de Fonseca.

GASTONEin edler Name!

PINTOWas werdet Ihr aber dazu sagen,

PINTODon Gaston, dass ich diesem uralten Namen,

PINTOdessen letzter Träger ich bin,

PINTOeinen noch urälteren hinzuzufügen gedenke?

PINTOIch werde ein Mädchen heiraten.

GASTONOh, ein Mädchen?

PINTODie letzte aus dem Stamme der Pachecos zu Madrid.

PINTODann nennen wir uns Fonseca y Pacheco!

GASTONMeinen Glückwunsch!

PINTOJa, Glück könnt’ Ihr mir wünschen!

PINTODonna Clarissa ist schön, reich und liebenswürdig —

PINTOdas heißt, ich habe sie noch nie gesehen,

PINTOaber mein Vater sagt es,

PINTOder mir befohlen hat, sie zu heiraten.

GASTONBefohlen?

PINTOJa, die Sache ist zwischen beiden Vätern abgemacht.

PINTOSie sind Jugendfreunde, und mein Vater

PINTOhat meinem zukünftigen Schwiegervater einmal...

er sagt Don Gaston etwas ins Ohr

erstaunt

GASTONAh!

PINTOJa! Und nun soll ich zum Dank

PINTOseine Tochter Clarissa zum Weibe erhalten,

PINTOund nun reise ich mit dem Brief meines Vaters

PINTOnach Madrid. Der alte Pacheco wird Augen machen,

PINTOwenn er ihn liest und mich sieht.

GASTONWie, Euer zukünftiger Schwiegervater

GASTONhat Euch noch nie gesehen?

PINTONein, niemals — seht Ihr, das ist so lustig,

PINTOdass es eine allgemeine Überraschung gibt:

PINTOIch kenne sie nicht, sie kennen mich nicht:

PINTOsie kennt mich nicht, ich kenne sie nicht —

PINTOhahaha!

PINTOWisst Ihr, Don Gaston, wie man bei solcher

PINTOGelegenheit mit einer Dame umzugehen hat?

PINTOWenn man so auf dem Lande lebt,

PINTOda fehlt’ s gar sehr an Übung!

GASTONOh, das wird Euch doch nicht schwerfallen,

GASTONdas Richtige zu treffen, Don Pinto —

GASTONbei Eurem ritterlichen Takt und feinem Anstande!

PINTOJa, aber die Übung fehlt, die Übung!

GASTONAch, für die soll schnell gesorgt sein!

GASTONIst’ s Euch recht, Don Pinto,

GASTONso gehen wir die Werbung einmal durch.

GASTONIch habe einige Erfahrungen in solchen Dingen.

GASTONHier, mein Diener Ambrosio soll die Braut sein —

GASTONwenn Ihr’ s gestattet. —

GASTONUnd ich zeig’ Euch, wie Ihr’ s zu machen habt!

GASTON6 Also frisch,

GASTONalso frisch das Werk begonnen

GASTONliebender Instruktion!

PINTOJa, es sei das Werk begonnen

PINTOliebender Instruktion!

AMBROSIOAlso frisch —

AMBROSIOGaston, Ambrosio, Pinto

AMBROSIOAlso frisch, also frisch

AMBROSIOdas Werk begonnen —

AMBROSIOGaston, Pinto

AMBROSIOliebender Instruktion,

AMBROSIOliebender Instruktion!

AMBROSIOWas da wird für Spaß ersonnen,

AMBROSIOdarauf freue ich mich schon.

PINTOAlso frisch!

zu Ambrosio

GASTONSetz dich dorthin,

GASTONsittsam, züchtig,

GASTONund blick grade vor dich hin!

AMBROSIONun, da sitz’ ich,

AMBROSIOist’ s so richtig?

GASTONGrade recht nach meinem Sinn!

PINTOO für mich welch ein Gewinn!

zu Pinto

GASTONNun komm’ ich an Ihrer Stelle,

GASTONtrete über diese Schwelle

GASTONflüchtig schwebend leise ein.

PINTOHerrlich, das scheint leicht zu sein!

GASTONNun probieren Sie!

PINTOIch eile!

macht es tölpisch nach

PINTOFlüchtig, schwebend —

GASTONLeiser, mild!

macht es nochmals

PINTOIst’ s so recht?

GASTONNoch eine Weile stehn Sie dann,

GASTONals ob das Bild

GASTONhoher Schönheit Sie betäube,

GASTONwonnezitternd ganz am Leibe.

PINTOJa, das will ich herrlich machen!

ahmt es nach

GASTONGanz vortrefflich gehn die Sachen,

GASTONganz vortrefflich gehn die Sachen...

GASTONganz vortrefflich, ganz vortrefflich!

PINTOGelt, das kann ich herrlich machen,

PINTOganz vortrefflich gehn die Sachen,

PINTOgelt, das kann ich herrlich machen...

PINTOganz vortrefflich, ganz vortrefflich!

AMBROSIOHalten kann ich kaum das Lachen,

AMBROSIOhalten kann ich kaum das Lachen...

AMBROSIOganz vortrefflich, ganz vortrefflich!

GASTONNun gestürzet zu den Füßen

GASTONder Geliebten, Holden, Süßen,

GASTONdann ergreifen Sie die Hand,

GASTONheiß von Liebesglut entbrannt!

tut es

PINTOAch, wie ritterlich galant!

PINTOWohl, ich stürze hin und küsse!

er tut es

aufspringend

AMBROSIOSie zertrampeln mir die Füße!

GASTONSitzen bleiben, Fräulein Braut.

GASTONNoch einmal!

PINTONun aufgeschaut!

macht es noch einmal

GASTONJetzo springt sie auf erschrocken,

GASTONrede nur, kennst ja die Brocken!

AMBROSIOWelche Kühnheit!

zu Ambrosios Füßen

GASTONO ich kann diesem Reiz nicht wiederstehn,

GASTONhier zu Ihren Füßen flehn!

AMBROSIOStehn Sie auf, Sie loser Mann...

GASTONEher nicht, als bis ich weiß,

GASTONob Verzeihung ich gewann!

AMBROSIOGott, man ist ja nicht von Eis!

reicht Gaston die Hand zum Kusse, Gaston steht auf

AMBROSIOMan ist ja nicht von Eis!

PINTOSchön, vortrefflich, will’ s probieren...

wirft sich Ambrosio zu Füßen

AMBROSIOWelche Kühnheit!

PINTOSapperlot, Ihr seid

PINTOzum Verstandverlieren,

PINTOvor Entzücken bin ich tot —

AMBROSIOStehen Sie auf, Sie loser,

AMBROSIOloser Mann!

PINTOSoll mich gleich der Teufel holen,

PINTOmache ich mich auf die Sohlen,

PINTOeh’ ich einen Schmatz gewann!

GASTONNein, noch nicht, kommt später dran!

Pinto steht auf

GASTONJetzo weiter! Holde Schöne,

GASTONbin ich von dem Glück erlesen,

GASTONdaß Ihr himmlisch süßes Wesen

GASTONall mein Leben kröne?

PINTOAch, das klingt ja gar zu herrlich,

PINTOaber o das lern’ ich schwerlich!

GASTONNur versucht, es wird schon gehn,

GASTONes wird schon gehn!

sehr drängend

PINTOHolde Schöne, die sehr schön,

PINTOich bin toll, ganz voll Entzücken,

PINTOdass Sie, zuckersüßes Wesen,

PINTOmich zu Ihrem Mann erlesen,

PINTOund mich krönen —

GASTONBlicken Sie ins Aug’ ihr glühend heiß!

er macht es ihm vor, Pinto macht es ihm nach

GASTONWie er das zu machen weiß!

GASTONUnd nun schlingen Sie den Arm

GASTONum den Leib ihr so ganz leise —

AMBROSIOAch, wie wird mir doch so warm.

GASTONUnd nun

GASTONrasch die süße Speise

GASTONvon den Lippen sich genascht,

GASTONdie allein der Liebe eigen!

AMBROSIOAch, wie wird mir doch so warm,

AMBROSIOwird mir so warm!

mit natürlicher Stimme

AMBROSIOSoll ich jetzt bereit mich zeigen?

GASTONFreilich, freilich!

PINTOFrisch drauflos, frisch drauflos!

er gibt Ambrosio einen tüchtigen Kuß

in Pintos Arme sinkend

AMBROSIOAch, der Liebe Macht ist groß!

mit natürlicher Stimme

AMBROSIOBravo, brav, ich muss gestehen,

AMBROSIObesser kann es gar nicht gehen,

AMBROSIOwenn er vor die Braut so tritt,

nimmt er ihr die Füße mit...

GASTONBravo, bravo, so wird’ s gehen,

GASTONherrlich werden Sie’ s verstehen,

GASTONwie nach allerneustem Schnitt

GASTONzu der Braut der Bräut’ gam tritt...

PINTOBravo, bravo, so wird’ s gehen,

PINTOkinderleicht ist’ s zu verstehen,

PINTOwie nach allerneustem Schnitt

PINTOzu der Braut der Bräut’ gam tritt...

zu Gaston

PINTOSchönen Dank!

GASTONGar nicht nötig!

zu Ambrosio

PINTOGroße Schuld!

AMBROSIOGern erbötig!

PINTOSo die Blicke?

GASTONZum Ergeben!

PINTOSüße Schöne!

PINTOBravo, bravo, so wird’ s gehen,

PINTOherrlich —

AMBROSIOO mein Leben!

AMBROSIOBravo, brav, ich muß gestehen,

AMBROSIObesser kann es gar nicht gehen,

AMBROSIOwenn er vor die Braut so tritt,

nimmt er ihr die Füße mit,

AMBROSIObesser...

AMBROSIOHerrlich, herrlich wird das gehn,

AMBROSIOganz herrlich wird das gehn!

AMBROSIOHalten kann ich kaum das Lachen.

AMBROSIOHerrlich, herrlich wird es gehn!

GASTONBravo, bravo, so wird’ s gehen,

GASTONherrlich werden Sie’ s verstehen,

GASTONwie nach allerneustem Schnitt

GASTONvor die Braut der Bräut’ gam tritt.

GASTONGanz vortrefflich, wunderschön,

GASTONherrlich, herrlich wird es gehn!

PINTOBravo, bravo, so wird’ s gehen,

PINTOkinderleicht ist’ s zu verstehen,

PINTOwie nach allerneustem Schnitt

PINTOvor die Braut der Bräut’ gam tritt.

PINTOGanz vortrefflich, wunderschön,

PINTOherrlich, herrlich wird es gehn!

PINTOHa, endlich das Essen!

PINTOMein Himmel, dieser Hunger!

GASTONIhr gestattet doch, Don Pinto,

GASTONdass unsere liebenswürdige Wirtstochter

GASTONsich zu uns setzt?

PINTOMeinetwegen, es scheint ja genug

PINTOzu essen da zu sein.

GASTONEin schönes Mädchen bei Tisch

GASTONist die beste Labung für Herz und Auge —

PINTODas merk’ ich mir: Ein schönes Mädchen

PINTOist die beste Speise — hahaha!

GASTONHahaha! Bravo, bravo, Don Pinto!

GASTONIhr lernt schnell!

INEZAuf das Wohlergehn der Gäste!

sie stößt mit Gaston an, wendet sich dann an Pinto

GASTONSchön bedankt!

kauend

PINTOIst schon gut!

GASTONDu bewirtest uns aufs Beste!

INEZGut wird, was man gerne tut!

GASTONAuf das Wohl der schönen Inez!

INEZSchön bedankt!

kauend

PINTOIst schon gut!

zu Inez

GASTONWelche öde Menschenseele!

zu Gaston

INEZDie kommt nicht so leicht in Glut.

aufspringend beiseite

GASTONNein, das werd’ ich nimmer leiden,

GASTONdass ein solches Kalbsgesicht

GASTONzum Altare sollt’ geleiten

GASTONeinen Engel hold und licht,

GASTONnein, das werd’ ich nimmer leiden,

GASTONnein...

PINTOJa, das Weinchen lässt sich trinken,

PINTOwelche Würze, welche Macht!

PINTOUnd der Alte zahlt die Schulden,

PINTOdie das Söhnchen heiter macht,

PINTOund der Alte zahlt die Schulden,

PINTOja, ja, ja!

INEZGott bewahr’ vor solchem Freier

INEZmich mein ganzes Leben lang!

INEZAm Altar zur Hochzeitsfeier!

INEZAch, da wird mir angst und bang,

INEZja, ja, ja, da wird mir angst und bang!

AMBROSIOSolch ein Tölpel geht auf Freite

AMBROSIOnach der schönen Donna aus,

den Pinto parodierend

AMBROSIOgeb’ der Teufel ihm’ s Geleite!

AMBROSIOHoffentlich wird nichts daraus!

AMBROSIOHa, solch ein Tölpel geht auf Freite!

AMBROSIOEi, so geb’ der Teufel ihm’ s Geleit!

GASTONNein, das werd’ ich nimmer leiden,

GASTONnein, nein, nein...

GASTONdas werd’ ich nimmer leiden, nein!

PINTOGuter Alter, zahlst die Schulden,

PINTOdie das Söhnchen heute macht!

er gibt Ambrosio leise eine Weisung

GASTONDarum als ein echter Ritter

GASTONrett’ ich die bedrängte Maid!

PINTODieses Hähnchen schmeckt nicht bitter,

PINTOund das Weinchen tut kein Leid,

PINTOdieses Hähnchen ist nicht bitter,

PINTOund das Weinchen tut kein Leid!

INEZLieber hinterm Klostergitter,

INEZals solch einen Mann gefreit!

GASTONDarum als ein echter Ritter

GASTONrett’ ich die bedrohte Maid!

AMBROSIOSolch ein Tölpel, solch ein Tölpel

AMBROSIOauf Freit,

AMBROSIOgeb’ der Teufel ihm’ s Geleit!

tritt an die Tafel zurück, höchst heiter

GASTONSchenkt ein, schenkt ein!

GASTONHeut soll der Wein

GASTONin vollen Strömen fließen,

GASTONsollt alle mit genießen.

GASTONAlle herbei,

GASTONtrinket nun frei,

GASTONheut soll der Wein

GASTONin vollen Strömen fließen!

PINTOEi, ei! Er muss ein Narr wohl sein!

PINTOTrink’ lieber für mich allein!

INEZWas fällt Ihnen ein!

INEZWas fällt Ihnen ein, laden alle ein?

AMBROSIOEr muss ein Narr wohl sein,

AMBROSIOhat nichts im Sack und lädt andre ein!

PINTOund

SYSTEMChor

PINTOEs lebe der Wein;

PINTOes lebe der Wein...

GASTONGetrunken, Herr Ritter, getrunken!

GASTONDann springet der geistige Funken

GASTONaus Seele und Herz und Gemüt!

mit schwerer Zunge

PINTOIch habe schon tüchtig geladen,

PINTOund mehr noch (lallend) könnte mir schaden,

PINTOes ist mir, wie wenn doppelt man sieht!

zu Inez

GASTONEs lebe die Schönheit!

SYSTEMChor

GASTONDie Schönheit!

GASTONEs lebe die Liebe!

SYSTEMChor

GASTONDie Liebe!

zu den Herren

INEZEs lebe die Weisheit!

SYSTEMChor

INEZDie Weisheit!

INEZDie Stärke!

SYSTEMChor

INEZEs lebe die Stärke, sie lebe,

INEZes lebe die Schönheit,

INEZes lebe die Liebe,

INEZdie Weisheit, die Stärke,

INEZes lebe der Wein, es lebe der Wein,

INEZes lebe die Schönheit, die Liebe,

INEZes lebe die Weisheit, die Stärke,

INEZsie leben!

sie stoßen an

er will anstoßen und taumelt

PINTOSie le — (lallend) Es ist mir — ich merke —

GASTONDon Pinto, die Reih’ ist an Ihnen!

parodierend beiseite

AMBROSIOIst schon gut,

AMBROSIOist schon gut.

PINTOIch kann gar damit nicht dienen!

neckend

INEZWas wird Ihr Herr Vater denn sagen!

erschreckend

PINTOJa so, der Papa!

PINTONun, es lebe, es lebe der Magen!

SYSTEMChor

PINTOHahaha...

PINTODer Magen, der Magen...

GASTONDer Geber so herrlicher Freuden

GASTONzieht stets sich zurück so bescheiden!

GASTONund

AMBROSIOHeut sei ihm ein Vivat gebracht,

AMBROSIOihm sei heut ein Vivat gebracht!

PINTOEin Vivat, ja, ja, gute Nacht!

will einschlafen

ihn rüttelnd

GASTONFein munter und lustig geblieben!

zu Pinto

AMBROSIOGute Nacht, gute Nacht!

PINTOJa, munter —

fällt um

GASTONFrisch auf!

GASTONWas wir lieben, was wir lieben,

GASTONwas uns hold und treu geblieben!

SYSTEMChor

GASTONWas wir lieben, was wir lieben,

GASTONwas uns hold und treu geblieben,

GASTONwas wir lieben...

GASTONDer da schickt sich nicht zum Lieben,

GASTONnein, nein, nein...

GASTONWas wir lieben,

GASTONwas uns hold und treu geblieben,

GASTONder da schickt sich nicht zum Lieben...

GASTON(hat sich unterdessen an Pinto gemacht

GASTONund ihm den Brief aus dem Wams gezogen)

GASTONDiesen Brief hier sich zu rauben,

GASTONist kein Diebstahl, sollt’ ich glauben.

GASTONDenn was auch Papa geschrieben,

GASTONdieser schickt sich nicht zum Lieben.

GASTONJa, ja, ja, was auch Papa geschrieben,

GASTONder da schickt sich nicht dazu!

zum Chor

GASTONSeht, da ist er eingeschlafen!

GASTONTragt ihn in des Bettes Hafen,

GASTONbis ihm nach des Rausches Nacht

GASTONheller Morgen wieder lacht!

SYSTEMChor

GASTONSteif und fest schlief er hier ein!

GASTONEi, der mag betrunken sein!

GASTONMunter, munter, munter.

zurückhaltend

GASTONLasst ihn schlafen, lasst ihn schlafen!

beiseite

GASTONSeinen Brief hab’ ich geborgen,

GASTONnoch zur Stunde reis’ ich fort!

zum Chor

GASTONIn die Kammer tragt ihn dort!

SYSTEMChor

GASTONAber tragt ihn leis und sacht,

GASTONdass der Schläfer nicht erwacht!

GASTONDort soll er zur Ruhe gehn.

GASTONLeise, leise, leise, sacht —

SYSTEMChor

GASTONDort soll er zur Ruhe gehn —

GASTONLeise, leise, leise, sacht —

SYSTEMChor

GASTONMorgen mag er selber sehn,

GASTONob er weiterreisen will,

GASTONdarum leise, leise, sacht,

GASTONdass der Schläfer nicht erwacht,

GASTONstill, still, ruhig,

GASTONdarum tragt ihn leise, sacht,

GASTONdass der Schläfer nicht erwacht.

GASTONTragt ihn leise, darum leise,

GASTONleise, sacht...

GASTONFreunde, tragt ihn leis und sacht,

GASTONdaß der Schläfer nicht erwacht!

GASTONDort soll er zur Ruhe gehn,

GASTONwissen nicht, wie ihm geschehn.

GASTONRuhig! Ruhig!

SYSTEMChor

GASTONLeise, leise, ruhig...

GASTONDarum tragt ihn leis und sacht,

GASTONdass der Schläfer nicht erwacht

GASTONstill...

sie tragen Pinto vorsichtig durch die Tür ins Innere des Hauses

GASTONTragt ihn leis und sacht,

GASTONdass der Schläfer nicht erwacht!

GASTONLeise, still...

SYSTEMAct 2

SYSTEM1 Entr’ acte

SYSTEMZweiter Aufzug

GASTONOrt der Handlung: Im Hause Don Pantaleones zu Madrid

CHORWisst ihr nicht, was wir hier sollen,

CHORweiß es keiner? Du nicht? Nein!

CHORWas mag nur der Herr heut wollen,

CHORwas doch hier die Absicht sein.

CHORIn den Ahnensaal entboten

CHORhat er alle uns hierher,

CHORum vor seinen großen Toten

CHORzu verkünden neue Mär.

CHORWicht’ ges kann doch nur bedeuten,

CHORwas man sagt vor solchen Leuten.

CHORDoch er kommt, seid alle still,

CHORbald erfahrt ihr, was er will.

CHORDoch er kommt, seid alle still,

CHORhöret, was er sagen will.

LAURANur herein, Gebieterin.

CLARISSAAch, mich fasst ein banges Ahnen.

LAURAFester Mut und froher Sinn

LAURAwerden unsern Weg uns bahnen.

CLARISSASeine Reden, seine Blicke,

CLARISSAdunkel spricht er mir von Glücke,

CLARISSAach, ich kenne doch nur eins,

CLARISSAund von diesem ferne keins.

CLARISSADunkel spricht er mir von Glücke.

CLARISSAAch, ich kenne doch nur eins,

CLARISSAund von diesem ferne keins.

LAURATrotz der Reden, trotz der Blicke

LAURAzweifelt nicht an Eurem Glücke.

LAURAIst der Grund fest des Vereins,

LAURAsteht auch fest der Bau des Seins.

LAURAund

SYSTEMChor

LAURADarum wollen wir erwarten,

LAURAwas der alte Herr wird karten.

CLARISSAAch, mich fasst ein banges Ahnen.

SYSTEMChor

CLARISSABald wird nun der Neugier Lohn,

CLARISSAaber seht, da naht er schon!

CLARISSADarum wollen wir erwarten,

CLARISSAwas der alte Herr wird karten.

CLARISSABald wird nun der Neugier Lohn …

hervortretend

CLARISSASeine Reden, seine Blicke,

CLARISSAdunkel spricht er mir von Glücke.

CLARISSAAch, ich kenne doch nur eins,

CLARISSAund von diesem ferne keins...

LAURASeine Reden, seine Blicke,

LAURAdunkel spricht er ihr von Glücke.

LAURAIst der Grund fest des Vereins,

LAURAsteht auch fest der Bau des Seins …

SYSTEMChor

LAURAAber seht, da naht er schon!

LAURABald wird nun der Neugier Lohn.

LAURADa naht er schon...

PANTALEONEBerufen hab’ ich dich hierher, mein Kind,

PANTALEONEund euch als Zeugen, lieben Vielgetreuen,

PANTALEONEdass ihr vernehmt, was wir gesonnen sind

PANTALEONEzu tun, und jeder sich darob erfreue.

SYSTEMChor

PANTALEONEWir sind dazu bereit.

PANTALEONEIm voraus schon erfreut!

PANTALEONEDon Roiz de Pachecos altem Stamme

PANTALEONEentsprosst nur eine einz’ ge Blüte noch.

PANTALEONEDa seht ihr sie. Da ist es nötig doch,

PANTALEONEdass man das Feuer wiederum entflamme.

SYSTEMChor

PANTALEONEDas scheint uns ganz gerecht,

PANTALEONEdoch sprecht nun weiter, sprecht.

PANTALEONEDa hab’ ich mir den Bräutigam erlesen.

PANTALEONEJa, ja, mein Kind, ja, ja — Clarissa, du bist Braut –

PANTALEONEund ein Fonseca, dessen Vater einst gewesen

PANTALEONEein Retter mir, Don Pinto, wird dir angetraut,

PANTALEONEja, angetraut. Don Pinto wird dir angetraut.

CLARISSADon Pinto, Vater, nein!

PANTALEONEDa schlägt der Blitz schon ein!

SYSTEMChor

PANTALEONEDas nenn’ ich Vater sein,

PANTALEONEwelch glücklicher Verein!

Und heute schon, so zeigt des Briefes Datum,

PANTALEONEtrifft er hier ein und fordert deine Hand.

PANTALEONEDrum preist mit mir das wunderbare Faktum,

PANTALEONEdass heut Don Pinto uns hierher gesandt.

SYSTEMChor

PANTALEONEWelche Wonne, welch Entzücken.

PANTALEONEHa, bald strahlt aus ihren Blicken

PANTALEONEder Verlobten sel’ ge Lust!

PANTALEONEHoher Herr, wir wünschen Segen!

CLARISSAGott, auf welche Schicksalstücken

CLARISSAmuss ich in die Zukunft blicken.

hervortretend

CLARISSAWie beklommen ist mein Herz,

CLARISSAwie beklommen ist meine Brust.

CLARISSASoll den Vater ich bewegen,

CLARISSAwird in ihm sich Mitleid regen,

CLARISSAdass nicht sterbe jede Lust.

SYSTEMChor

CLARISSAHolde Braut, dir winkt entgegen

CLARISSAschon der Quell der reinsten Lust.

LAURAWie beklommen ist das arme, arme Herz,

LAURAwie beklommen ist das Herz.

LAURASoll den Vater sie bewegen,

LAURAwird in ihm sich Mitleid regen,

LAURAdass nicht sterbe jede Lust.

PANTALEONEJetzt entfernt euch, zuzuschicken,

PANTALEONEwas das Fest vermag zu schmücken,

PANTALEONEfort, hinweg ohn’ Zeitverlust.

PANTALEONEAlles weg ohn’ Zeitverlust.

PANTALEONEAlles soll die Hände regen,

PANTALEONEdoch auch dann sich weidlich pflegen.

PANTALEONEAlles fort, das Fest zu schmücken,

PANTALEONEalles fort ohn’ Zeitverlust.

SYSTEMChor

PANTALEONEWelche Wonne, welch Entzücken,

PANTALEONEwelche Wonne, welch Entzücken,

PANTALEONEwelche Wonne, welche Lust.

PANTALEONEHoher Herr, wir wünschen Segen,

PANTALEONEschöne Braut, Euch strömt entgegen,

PANTALEONEsel’ ge Lust...

PANTALEONEHolde Braut, Euch strömt entgegen

PANTALEONEschon der Quell der reinsten Lust!

PANTALEONEJetzt entfernt euch, zuzuschicken,

PANTALEONEwas das Fest vermag zu schmücken,

PANTALEONEalles soll die Hände regen,

PANTALEONEdoch auch dann sich weidlich pflegen.

PANTALEONEAlle fort ohn’ Zeitverlust!

CLARISSALass den Vater mich bewegen,

CLARISSAdass nicht sterbe jede Lust!

LAURAO lass sie ihn bewegen,

LAURAdass nicht sterbe jede Lust!

CLARISSALaura! Laura! Hast du’ s vernommen?

CLARISSAIch Unglückselige!

LAURANur Mut, Herrin!

CLARISSAMut in dieser verzweifelten Lage!

CLARISSASo oft mein Vater auf meine Verheiratung anspielte,

CLARISSAsann ich auf ein Mittel, diesem Schicksal zu entrinnen —

CLARISSAdenn Laura, nur Gomez soll mein Gatte

CLARISSAwerden, das schwöre ich!

LAURAO Herrin, wenn Ihr Euch selbst so sicher seid,

LAURAso muss es ja gelingen, diesem Don Pinto zu

LAURAentgehen. Die Hauptsache ist, dass Ihr Don Gomez

LAURAtreu und unwandelbar liebt und dass er Euch

LAURAwiederliebt.

CLARISSAEher ließe er sein Leben als seine Liebe!

LAURAHöchste Lust ist treues Lieben,

LAURAruft es rings mit tausend Stimmen.

LAURAIn den Sternen siehst du’ s flimmen,

LAURAhöchste Lust ist treues Lieben.

LAURAIn den Lüften rauscht’ s, den Linden,

LAURAalle Blumen wollen’ s künden,

LAURAan dem Himmel steht’ s geschrieben,

LAURAhöchste Lust ist treues Lieben.

LAURAJa, dort steht’ s geschrieben.

LAURADrum, Gebieterin,

LAURAweg den trüben Sinn,

LAURASorgen weg, Tränen weg,

bald lacht das höchste Glück,

LAURAfroh vollendet sich,

LAURAfröhlich endet sich’ s,

LAURAbald kehrt das Glück

LAURAwieder zurück

LAURAin Euer Herz.

LAURAReinstes Glück ist treues Lieben,

LAURAlächelt dir’ s im Morgenstrahle,

LAURAblinkt dir’ s aus der vollen Schale.

LAURAReinstes Glück ist treues Lieben,

LAURAsprudelnd ruft es aus dem Quelle,

LAURAschimmernd leise auf der Welle,

LAURAgrünend sprosst aus allen Trieben,

LAURAreinstes Glück ist treues Lieben,

LAURAreinstes Glück ist Lieben.

LAURADrum Gebieterin,

LAURAweg den trüben Sinn,

LAURASorgen weg, Tränen weg,

bald lacht das höchste Glück,

LAURAfroh vollendet sich,

LAURAfröhlich endet sich’ s,

LAURAbald kehrt das Glück

LAURAwieder zurück

LAURAin Euer Herz.

CLARISSAAber welchen Weg einschlagen?

LAURASagt, habt Ihr je Eurem Vater von Don Gomez

LAURAgesprochen, von seiner edlen Gesinnung,

LAURAseinem Geist, von seiner Familie, seinem Vermögen?

CLARISSADas tat ich. Aber Gomez ihm vorstellen

CLARISSAdurfte ich nicht, da er sich wegen seines unseligen

CLARISSADuells verborgen halten muss!

CLARISSANein, es ist zu spät! Besinne dich nur, wie er

CLARISSAvon diesen Fonsecas schwärmt, und nun sollte er

CLARISSAvon der Erfüllung seines Lieblingswunsches abstehen, einen Fonseca seinen Schwiegersohn zu

CLARISSAnennen? — Niemals!

LAURAUnd was verbindet ihn so fest mit dem alten Fonseca?

CLARISSAFonseca hat meinem Vater einst einen großen

CLARISSADienst erwiesen!

LAURAAber sagt mir dann doch, was wohl den alten

LAURAFonseca bewegen mag, auf diese Heirat einzugehen?

CLARISSASind die Fonsecas nicht verarmt,

CLARISSAund bin ich nicht eine reiche Erbin?

LAURAO Himmel, Ihr habt recht!

LAURAAber Ihr sollt nicht verkauft werden!

LAURAIch eile zu Don Gomez —

LAURAer muss Rat schaffen.

CLARISSAAch, wenn das du doch vermöchtest,

CLARISSAwenn du mir durch deinen Scherz

CLARISSAHoffnung trügst ins bange Herz

CLARISSAund den Schmerz zum Weichen brächtest,

CLARISSAaber ach, ich fürchte nur zu sehr,

CLARISSALiebesfreude blüht für mich nicht mehr.

CLARISSAWonnesüßes Hoffnungsträumen,

CLARISSAwie durchströmest du mein Herz,

CLARISSAwillst die Wolken rosig säumen,

CLARISSARuhe geben meinem Schmerz,

CLARISSARuhe meinem Schmerz.

CLARISSASelig möcht’ ich weiterträumen,

CLARISSAschwelgen in der holden Lust,

CLARISSAdie nur blüht in deinen Schäumen,

CLARISSAdoch das Herz zersprengt die Brust.

CLARISSAAch, wie so bange ist dein Klopfen,

CLARISSAauf der Wange rinnen Tropfen

CLARISSAheißer Tränen, heißer Tränen.

CLARISSAAch, all mein Sehnen

CLARISSAkennt nur einen Gegenstand.

CLARISSANie verstand ich, nie empfand ich

CLARISSAsolch Entzücken, solche Schmerzen

CLARISSAtief im Herzen.

CLARISSAEin solch Beglücken und Bedrücken,

CLARISSAals ich in der Liebe fand,

CLARISSAich in der Liebe nur empfand.

CLARISSANein, nie empfand ich solch Entzücken,

CLARISSAnie verstand ich solch Beglücken,

CLARISSAals durch ihn ich jetzt empfand.

CLARISSADoch was auch das Schicksal wolle,

CLARISSAob es lächle, ob es grolle,

CLARISSAsei es finster, sei es licht,

CLARISSAwas auch das Schicksal wolle,

CLARISSAeins nur weiß ich festzuhalten,

CLARISSAwie sich alles mag gestalten,

CLARISSAden Geliebten lass ich nicht!

CLARISSAWas auch das Schicksal wolle...

steckt den Kopf durch die Tür

LAURAHerrin, hier ist jemand, der Sie sprechen muss!

CLARISSAUm Himmels willen, doch nicht?

eintretend

GOMEZIch selbst, teure Clarissa!

CLARISSAGomez! Was wagt Ihr? — Dies Haus zu betreten!

GOMEZJetzt gilt es unser Lebensglück!

CLARISSAO Gomez! Habt Ihr vernommen, was heute

CLARISSAsich zwischen uns stellt?

GOMEZLaura hat mir alles berichtet — aber es

GOMEZsoll anders kommen, und sollt’ ich diesen

GOMEZDon Pinto mit dem Degen aus dem Hause

GOMEZjagen!

GOMEZ5 Ja, das Wort, ich will es sprechen,

GOMEZdas das Ungemach bezwingt,

GOMEZmeine Lieb’ hält ihr Versprechen,

GOMEZwas sie hoffend wagt, gelingt.

CLARISSAAch, ich seh’ mit trüben Blicken

CLARISSAdie Zukunft kummervoll,

CLARISSAsage, wie dem Missgeschicke

CLARISSAunsre Liebe wehren soll.

GOMEZRiesenkräfte schafft die Liebe,

wenn ihr Gegenliebe lacht,

GOMEZin das irdische Getriebe

GOMEZgreift sie ein mit Himmelsmacht.

CLARISSADarf ich bauen auf die Liebe,

diesem Stern, der tröstend lacht,

CLARISSAder, ob alles dunkel bliebe,

CLARISSAdoch den Himmel heiter macht.

GOMEZJa, vertrau ihm —

CLARISSAglänzt er immer —

GOMEZniemals unter geht sein Schimmer,

GOMEZlass uns folgen seinem Licht,

GOMEZsei das Dunkel noch so dicht.

CLARISSADoch Gefahren —

GOMEZlass sie drohen,

GOMEZtraue mir nur —

CLARISSAdeinem Herzen —

GOMEZhege Hoffnung —

CLARISSAunter Schmerzen.

CLARISSASo, wie Blumen —

GOMEZso, wie Blüten —

CLARISSAsprießen trotz der Stürme Wüten,

CLARISSAwächst aus dieser Stunde Grau’ n

CLARISSALieben, Hoffen und Vertrau’ n.

CLARISSASo, wie Blumen —

GOMEZso, wie Blüten —

CLARISSAund

GOMEZwollen in der Stürme Wüten

GOMEZwir nur schöne Tage schau’ n.

GOMEZLieben, Hoffen und Vertrau’ n...

LAURAGeschwind nur von hinnen,

LAURAder Vater naht;

LAURAgeschwind, geschwind,

LAURAgeschwind nur von hinnen,

LAURAder Vater naht!

CLARISSAO, was nun beginnen?

LAURANur Zeit gewinnen

LAURAzu gutem Rat.

GOMEZDu Laura wirst helfen,

GOMEZwir kämpfen zu dritt.

LAURAIst man unter Wölfen,

LAURAso heulet man mit.

LAURADrum listig verschlagen —

CLARISSAwie soll ich’ s nur tragen —

GOMEZsei stark und vertraue.

LAURAZwar schielt jetzt der Himmel ins Graue,

LAURAdoch steiget die Sonne

LAURAund scheuchet die Nebel bald fort.

LAURAUnd nun auch fort.

LAURAEs wird sich schon geben,

LAURAdies Trennen, dies Brennen,

LAURAdoch jetzo nur fort.

LAURAMinuten vergehen,

LAURAhier länger zu stehen,

LAURAist gegen Akkord.

LAURAEs wird sich schon geben,

LAURAdies Brennen, dies Beben,

LAURAund jetzo nur fort.

LAURAMinuten vergehen,

LAURAhier länger zu stehen,

LAURAund jetzo nur fort,

LAURAund sagt euch Lebwohl!

LAURAMinuten vergehen...

GOMEZVertrau meinem Wort!

GOMEZVon dir mich zu trennen,

GOMEZzerreißt mir das Leben.

GOMEZLeb wohl denn, du teure,

GOMEZden Schwur ich erneu’ re,

GOMEZdu trau meinem Wort.

GOMEZLeb wohl, du Teure,

GOMEZden Schwur ich erneu’ re,

GOMEZich halte mein Wort.

GOMEZVon dir mich zu trennen,

GOMEZzerreißt mir das Leben!

GOMEZLeb wohl, du Teure,

GOMEZden Eid ich erneu’ re,

GOMEZleb wohl!

CLARISSAMein Herz und mein Hort.

CLARISSAIch kann es nicht nennen,

CLARISSAdies ängstliche Beben.

CLARISSALeb wohl, o du mein Lieber,

CLARISSAwie bliebe ich lieber

CLARISSAbei dir hier am Ort.

CLARISSAIch kann es nicht nennen,

CLARISSAdies ängstliche Beben,

CLARISSAleb wohl denn, mein Leben,

CLARISSAleb wohl!

SYSTEMDritter Aufzug

CLARISSAOrt der Handlung: Im Hause Don Pantaleones zu Madrid.

CLARISSAGroßer Festsaal in Don Pantaleones Palast. (Laura und die

CLARISSADienerinnen des Hauses sind beschäftigt, den Saal mit

CLARISSABlumen und Girlanden zu schmücken)

LAURASchmücket die Halle mit Blüten und Zweigen,

LAURARosen und Myrten in sinnigen Reih’ n.

SYSTEMChor

LAURASchmücket die Halle mit Blüten und Zweigen,

LAURARosen und Myrten in sinnigen Reih’ n.

CHORLaßt aus dem Lorbeer Granaten sich neigen,

CHORflechtet auch wehende Palmen darein.

LAURAWonnig begrüßen von Bogen und Wänden

LAURAschweb ende Ranken das bräutliche Paar.

CHORDuftende Blumen mit liebenden Händen

CHORstreut auf den Pfad ihm zum Hochzeitsaltar.

LAURAStreut auf den Pfad ihm zum Hochzeitsaltar.

CHORSchmücket die Halle, die blühenden Spenden

CHORbringen wir freudig den Glücklichen dar.

CHORNun seht, es ist gelungen,

CHORwie lustig, herrlich, prächtig!

CHOREi seht, wie wunderschön!

Gaston und Ambrosio treten auf. Sie betrachten die festliche Halle

GASTONNun, da sind wir, hier nur eben

GASTONscheint man Mühe sich zu geben,

GASTONgroße Ehr’ uns anzutun!

GASTONFrohe Anstalt allerwegen,

GASTONdoch kam niemand uns entgegen,

GASTONalles scheint im Schlaf zu ruh’ n.

AMBROSIOAuch der Alte, der vom Tore

AMBROSIOuns so höflich hierher führte,

AMBROSIOlag wohl just auf einem Ohre,

AMBROSIOdoch in seinem Lächeln spürte

AMBROSIOich ein freundliches Vergnügen.

GASTONEi, es wird sich alles fügen,

GASTONharren wir getrost der Dinge,

GASTONdie sich bergen hier im Hause,

GASTONdaß das Werk gelinge.

AMBROSIOKommt es nur zum Hochzeitsschmause,

AMBROSIOda will ich recht lustig springen!

AMBROSIOKastagnetten hör’ ich klingen,

dum trrr um trrr um trrr um turn,

AMBROSIOFlöt’ und Klarinetten singen,

AMBROSIOdi del du del, dia di del du del...

AMBROSIOdum.

GASTONDoch alsdann!

AMBROSIODoch alsdann!

GASTONWenn!

AMBROSIOWenn!

GASTONJa, wenn!

GASTONEi, was hilft das Überlegen,

GASTONfrischen Mutes vorwärts nun!

GASTONJeder Schwank kommt ja gelegen

GASTONunsrer fröhlichen Natur.

GASTONNur ein Tor der Zukunft harrt.

GASTONWeisen lacht die Gegenwart!

sich umblickend

AMBROSIORecht feierlich und festlich sieht’ s hier aus!

AMBROSIOAlle Achtung!

AMBROSIO(er geht umher, findet hinter dem

AMBROSIOBouquet Laura und zieht

AMBROSIOsie hervor)

AMBROSIOOh, bei Amor! Wen haben wir denn hier?

GASTONWer bist du, schönes Kind?

LAURASeid Ihr Don Pinto, schöner Herr?

LAURAIch bin Donna Clarissas und bald

LAURAauch Eure ergebenste Dienerin!

AMBROSIODoch ich bin ganz entzückt von

AMBROSIOEurem Liebreiz — Eurer Schönheit,

AMBROSIOholde Inez!

LAURAEi seht doch! Inez hieß wohl die Letzte,

LAURAdie Ihr liebtet?

AMBROSIOBeim Himmel! Ihr sollt die Letzte sein!

GASTONAmbrosio, schwöre nicht —

GASTONMädchen, trau ihm nicht!

AMBROSIOMädchen, ich leide heiße Liebespein,

AMBROSIOdein schelmisches Auge, Mädchen,

AMBROSIOflößt sie mir ein.

AMBROSIONicht nur süße Schmeicheleien

AMBROSIOwill dies weiche Herz dir weihen,

AMBROSIOglaube, Mädchen, meinen Worten,

AMBROSIOniemals wird es dich gereuen:

AMBROSIOLiebes Mädchen, ich leide

AMBROSIOheiße Liebespein,

AMBROSIOdein schelmisches Auge, Mädchen,

AMBROSIOflößt sie mir ein.

GASTONMädchen, ach meide Männerschmeichelei’ n,

GASTONdie kosenden Worte, Mädchen, schläfern,

GASTONschläfern dich ein;

GASTONstatt der süßen Schmeicheleien

GASTONhörst du Papa, Mama schreien,

GASTONglaube, Mädchen, meinen Worten,

GASTONsicher wird es dich gereuen:

GASTONLiebes Mädchen, ach meide, Männerschmeicheleien!

LAURAMädchen erleiden Männerschmeichelei’ n

LAURAwie Rosen die Schwüre bunter Käferlein.

LAURAAll die süßen Schmeicheleien

LAURAkönnen kein Vertrauen leihen,

LAURAMädchen lachen solcher Worte,

LAURAwenn sie sich auch dran erfreu’ n!

AMBROSIOMädchen, ich leide heiße Liebespein,

AMBROSIOdein schelmisches Auge, Mädchen,

AMBROSIOflößt sie mir ein.

AMBROSIONicht nur süße Schmeicheleien

AMBROSIOwill dies weiche Herz dir weihen,

AMBROSIOglaube, Mädchen, meinen Worten,

AMBROSIOnimmer wird es dich gereuen.

AMBROSIOLiebes Mädchen, ich leide heiße Liebespein,

AMBROSIOdein schelmisches Auge, Mädchen,

AMBROSIOflößt sie mir ein.

GASTONMädchen, ach meide Männerschmeichelei’ n,

GASTONdie kosenden Worte, Mädchen,

GASTONschläfern dich ein.

GASTONStatt der süßen Schmeichelei’ n,

GASTONhörst du Papa, Mama schreien,

GASTONglaube, Mädchen, meinen Worten,

GASTONsicher wird es dich gereuen:

GASTONLiebes Mädchen, ach meide Männerschmeichelei’ n!

Gaston parodierend

LAURAMädchen, ach meide Männerschmeichelei’ n,

LAURAdie kosenden Worte, Mädchen,

LAURAschläfern dich ein!

zu Ambrosio, ihn verspottend

LAURATa ta ta...

läuft fort

Ambrosio geht zornig auf und nieder

AMBROSIOEin Mädchen verloren,

AMBROSIOwas macht man sich draus?

AMBROSIOMan sucht sich in Spanien

AMBROSIOein’ andere aus!

AMBROSIOUnd täuscht uns auch diese,

AMBROSIOwas liegt denn daran?

AMBROSIOEs kommt heuzutage

AMBROSIOein Schock auf den Mann!

er tanzt

AMBROSIOLa la la...

AMBROSIOEin Schock auf den Mann!

AMBROSIOMan muß in der Liebe

AMBROSIOnicht einseitig sein.

AMBROSIOMan hält es am besten

AMBROSIOmit zwei’ n und drei’ n.

AMBROSIODenn kränkt uns die eine,

AMBROSIOwie leicht hat man’ s dann,

AMBROSIOman wartet ganz ruhig,

AMBROSIObis sie kommt heran!

er tanzt

AMBROSIOLa la la...

AMBROSIOBis sie kommt heran!

AMBROSIOIch rat’ euch, ihr Männer,

AMBROSIOschwört nie einen Eid!

AMBROSIOIch rat’ euch als Kenner,

AMBROSIOsonst fängt euch die Maid!

AMBROSIODenn wird sie euch lästig,

AMBROSIOso sitzet ihr dran,

AMBROSIOes läßt euch kein Mädchen

AMBROSIOleicht los einen Mann!

er tanzt

AMBROSIOLa la la...

AMBROSIOLeicht los ihren Mann!

LAURADa sind sie!

GOMEZIch werde ihm hier entgegentreten!

GOMEZDu harre hier und berichte dann deiner Herrin!

tritt mit einer höflichen Verbeugung an Gaston heran

GOMEZDon Pinto de Fonseca?

erst befremdet, dann sich besinnend

GASTONJa, der bin ich!

GOMEZIch heiße Don Gomez Freiros —

GOMEZmeine Familie gehört dem ältesten Adel

GOMEZvon Madrid an. Ich trete Euch gegenüber,

GOMEZedler Don Pinto, wie ein Edelmann dem

GOMEZanderen: mit vollster Offenheit und dem

GOMEZunbedingtesten Vertrauen auf Eure

GOMEZritterliche Gesinnung.

GASTONVerlaßt Euch darauf, Don Gomez,

GASTONdaß ich Eurer Offenheit ebenso

GASTONaufrichtig begegnen werde.

GOMEZDon Pinto, Ihr kommt hierher in

GOMEZDon Pantaleones Haus mit mächtigen

GOMEZMitteln ausgerüstet, um ein Glück

GOMEZzu gewinnen, das Ihr noch nicht

GOMEZermessen könnt, da Ihr Donna Clarissa

GOMEZnoch nicht gesehen!

GASTONWas soll Donna Clarissa hier?

GOMEZIch liebe Clarissa und werde wieder geliebt!

GASTONIhr seid sehr kühn, Don Gomez, und auf Eure

GASTONBeleidigung kann ich nur mit meinem

GASTONDegen antworten.

GOMEZIch will Euch nicht beleidigen, Don Pinto,

GOMEZund tat ich’ s doch durch mein Geständnis,

GOMEZso biete ich Euch jede Genugtuung.

GASTONAber was verlangt Ihr?

GOMEZIhr, der so edel als wahrer Ritter

GOMEZtreu bewahret Ehr’ und hohen Sinn,

GOMEZIhr wolltet trennen zwei treue Herzen,

GOMEZreinste Liebe opfern dahin?

GOMEZVermocht’ mein heißes Fleh’ n Euch zu bewegen,

GOMEZIhr trügt in Euch den schönsten Lohn!

GOMEZO gebt Gehör den bessern Trieben,

GOMEZgönnt mir, was sich zu mir gewandt,

GOMEZdas höchste Gut, das mir geblieben:

GOMEZClarissens Liebe, ihre Hand!

GASTONWas fällt Euch ein, mein Herr Rittersmann?

GASTONIch sollte Euch weichen auf freier Bahn?

GASTONGebt acht, daß Ihr Euch nicht übel verseht!

GASTONMan könne Euch zeigen, wie man Spaß versteht!

GASTONIch halte Clarissa, ich halte sie fest!

beiseite

AMBROSIOJa, alle tausend Donnerwetter,

AMBROSIOwie der prahlen kann!

AMBROSIOHalt sie nur fest, halt sie nur fest,

AMBROSIOdaß sie dich nicht losläßt!

GOMEZWard je ein zartes holdes Regen

GOMEZseligster Lieb’ Euch bewußt,

GOMEZhat je in heißen mächt’ gen Schlägen

GOMEZdas Herz Euch geklopft in der Brust,

GOMEZso müßt Ihr meines Innern Drang verstehen,

GOMEZerkennen meine höchste Not,

GOMEZbei jeder Hoffnung Eures Lebens,

GOMEZbei Eurer Ahnen Wappenschild,

GOMEZbeim Siege Eures kühnsten Strebens

GOMEZbeschwör’ ich Euch, bezeigt Euch mild!

GASTONNun denn wohlan,

GASTONmein Herr Rittersmann!

GASTONIch trete zurück,

GASTONEuch begünstigt das Glück!

GASTONIch wünsche zur Hochzeit

GASTONEuch viel Vergnügen!

GASTONClarissa wird selig

GASTONam Herzen Euch liegen,

GASTONwird jauchzend vor Glück

GASTONsich an Euren Busen schmiegen!

GASTONNun denn wohlan,

GASTONmein Herr Rittersmann!

GASTONWas habt Ihr für Glück,

GASTONich trete zurück!

hervortretend

GASTONIch wünsche zur Hochzeit

GASTONEuch viel Vergnügen,

GASTONClarissa wird selig

GASTONam Herzen Euch liegen,

GASTONwie wird sie sich selig

GASTONan Euren Busen schmiegen!

GASTONDann halte Clarissen,

GASTONdann haltet sie fest!

beiseite

AMBROSIOMeinetwegen

AMBROSIOGlück und Segen,

AMBROSIOglücklicher Mann,

AMBROSIOder sie gewann!

AMBROSIOHalt sie nur fest,

AMBROSIOja, halt sie nur fest,

AMBROSIOob Gaston, ob Gomez,

AMBROSIOwas kann daran liegen?

AMBROSIOEs kann doch nur einer

AMBROSIOvon beiden sie kriegen,

AMBROSIOdas eine steht fest,

AMBROSIOes kann doch nur einer

AMBROSIOvon beiden sie kriegen,

AMBROSIOdies eine steht fest!

Er tritt zurück,

GOMEZüberschwenglich Glück,

GOMEZwelch Glück, er tritt zurück!

GOMEZClarissa ist mein,

GOMEZClarissa, Clarissa wird selig

GOMEZam Herzen mir liegen,

GOMEZja, selig an mich sich schmiegen!

GOMEZIch halte Clarissen,

GOMEZich halte sie fest!

GASTONSagt, Don Gomez, seid Ihr sicher, daß Clarissens Vater

GASTONgrad Euch als Eidam annimmt, wenn ich zurücktrete?

GOMEZIhr habt recht, das ist die zweite große Schwierigkeit.

GOMEZEr kennt mich nicht, er hat mich nie gesehen —

GOMEZund Clarissa schildert ihn als einen Eisenkopf!

GASTONSeid Ihr bereit, den alten Herrn zu überlisten?

GOMEZIch scheue kein Mittel, Clarissa zu gewinnen,

GOMEZwenn es kein schlechtes ist!

GASTONHört selbst. Hier ist der Brief meines Vaters,

GASTONder mich bei Don Pantaleone einführt — hier nehmt ihn.

GASTONIhr seid Don Pinto de Fonseca!

GOMEZWie — ich Don Pinto?

GASTONJa, Ihr seid Don Pinto und werdet so Clarissens Gatte.

GASTONIst sie erst Euer Weib, so kann Euch keine Macht der Welt

GASTONmehr trennen. Dann nennt Ihr Euren wahren Namen,

GASTONund Don Pantaleone muß sich wohl oder übel fügen!

GOMEZOh, Dank, tausend Dank!

GASTONNun schnell, zieht Donna Clarissa ins Geheimnis!

GOMEZSo geh denn, Laura, und melde deiner Herrin...

spricht leise mit ihr weiter

GASTONEs ist sehr gut so, Ambrosio!

GASTONUnsern Spaß haben wir ja doch dabei,

GASTONwenn der kalbsgesichtige Don Pinto

GASTONum die holde Clarissa geprellt wird!

zu Gaston zurückkehrend

GOMEZEdler Don Pinto —

GASTONDon Gaston, wenn ich bitten darf —

GOMEZEdler Don Gaston, ich hoffe freudig, es wird gelingen!

Die Dienerschaft Don Pantaleones tritt einzeln herein

einige

CHORHabt ihr es denn schon vernommen?

einige

CHOREben ist er angekommen!

einige, auf Gomez und Gaston blickend

CHORWelcher ist es?

einige

CHORJener? - Ja!

andere

CHORNein, der andre!

andere

CHORFreilich, ja!

CHORJa. Still doch, still,

CHORda naht sie schon!

alle

CHORWelch ein schöner, junger Ritter,

CHORwelche Haltung, welcher Blick!

CHORWas wird wohl Clarissa sagen,

CHORwenn sie den Verlobten schaut.

CHOREinen solchen Mann gewinnen

CHORist ein selt’ nes großes Glück,

CHORkann ein Mädchen sich besinnen,

CHORihn zu nehmen vom Geschick?

die Tür öffnet sich wieder

CHORSegen diesem schönen Bunde,

CHORSegen über diese Stunde!

CHORHeil diesem Haus!

CHORHeut wird ihr der schönste Lohn!

CHORGlück, Segen und Heil auf dieses Haus!

CHORStill, doch still, da naht sie schon!

CHORGlück, Segen und Heil auf dieses Haus!

CHOR(Don Pantaleone führt die festlich geschmückte Clarissa

CHORherein)

CHORSeht, sie naht, seht, sie naht! Heil!

CHOR(Don Pantaleone und Clarissa bleiben inmitten der

CHORDienerschaft stehen)

CHORHeil und höchstes Glück!

CHORHeil Clarissa Pantaleone,

CHORHeil dem edlen Schwiegersohne,

CHORder Euch diese Stunde schenkt.

CHORSeid gegrüßt, seid gegrüßt!

CHORWillkommen, Willkommen!

auf Gomez zugehend

PANTALEONESeid mir willkommen, Don Pinto!

PANTALEONEAn Eurer edlen Haltung sehe ich,

PANTALEONEdaß Ihr ein Fonseca seid.

GOMEZIch grüße Euch, edler Herr!

GOMEZHier der Brief meines Vaters,

GOMEZder mich in Euer Vertrauen

GOMEZund in Euer Haus einführt.

den Brief betrachtend

PANTALEONESie sind’ s, die wohlbekannten Schriftzüge —

PANTALEONEund hier das stolze Wappen der Fonsecas.

er erbricht den Brief und liest

PANTALEONEAlles so, wie mir Euer edler Vater

PANTALEONEes im voraus schon gemeldet.

PANTALEONEAus jedem seiner Worte erkenn’ ich ihn wieder.

PANTALEONEWie es mich freut, an dem Sohne das vergelten

PANTALEONEzu können, was mir der Vater getan.

er führt Clarissa Gomez feierlich zu

PANTALEONESo nehmt sie denn hin mit meinem Segen!

PANTALEONE(Laura und Mädchen aus dem Chor treten mit Blumenkörben

PANTALEONEund einem Myrtenkranze hervor, um Gomez und

PANTALEONEClarissa zu huldigen)

CHORMit lieblichen Blumen, mit duftenden Blüten.

CHORMit lieblichen Blumen und duftenden Blüten

CHORbegrüßt euch der Mädchen frohlockende Schar.

CHORSie winden der Holden die bräutlichen Zweige

CHORfrisch grünender Myrte ins lockige Haar!

CHOREs grüßt euch der Mädchen frohlockende Schar.

zu Pantaleone

HAUSHOFMEISTERHerr, draußen ist einer,

HAUSHOFMEISTERder sich auch Don Pinto nennt!

PANTALEONESchafskopf!

HAUSHOFMEISTERDas habe ich ihm auch schon gesagt.

HAUSHOFMEISTEREr läßt sich aber nicht zurückhalten!

HAUSHOFMEISTER(Pinto schreitet gewichtig und aufgeblasen durch den Haupteingang

HAUSHOFMEISTERherein. Pantaleone tritt ihm würdevoll entgegen)

PANTALEONEWas wollt Ihr? Wer seid Ihr? Was sucht Ihr?

PANTALEONEund

SYSTEMChor

PANTALEONEWas wollt Ihr? Wer seid Ihr? Was sucht Ihr?

beiseite

GASTONNun, ich wasche meine Hand’,

GASTONjetzo hat der Spaß ein End’.

etwas betreten

PINTOIch bin Don, Don Pinto,

PINTODon Pinto de Fonseca!

PINTOClarissa, Laura,, Gaston, Ambrosio

PINTOWie, Don Pinto de Fonseca?

SYSTEMChor

PINTOWie, Don Pinto de Fonseca?

PINTOUnd ich suche meine Braut,

PINTOja, ich suche meine Braut,

PINTOdenn ich bin Pinto,

PINTODon Pinto de Fonseca!

SYSTEMChor

flüsternd

PINTODies war’ Pinto de Fonseca!

PINTOEr ist toll! Hinaus, nur fort...

GOMEZDies war’ Pinto! Dies war’ Pinto de Fonseca!

GOMEZPinto! Pinto! Pinto!

LAURAund

CLARISSAWas will dieser dicke Mann?

CLARISSAWie? Dieser war’, ist’ s erhört:

CLARISSAPinto! Pinto! Pinto!

PANTALEONEDies ein Pinto de Fonseca?

PANTALEONEPinto! Pinto! Pinto!

schon etwas eingeschüchtert, doch noch sehr aufgeblasen

PINTOJa! Ich bin Pinto de Fonseca,

PINTOund ich suche meine Braut,

PINTOdenn ich bin Pinto de Fonseca

PINTOund Clarissens anverlobter Bräutigam!

SYSTEMChor

PINTODieser war’ Clarissens Bräutigam,

PINTOdies Clarissens Anverlobter,

PINTOdies Clarissens Bräutigam!

PINTOWas? Ihr Bräutigam?

PINTODieser war’, dieser war’ ihr Bräutigam!

GOMEZNa! Ein schöner Bräutigam.

GOMEZJa! Fürwahr!

PANTALEONEDieser Schurke! Dieser Schurke!

CLARISSADieser war’ mein Bräutigam!

LAURADies Clarissens Bräutigam!

SYSTEMChor

LAURADies Don Pinto de Fonseca

LAURAund Clarissens Bräutigam!

Pinto geht mit den erlernten Gebärden und plumper Haltung auf Clarissa zu

PINTO(liebäugelnd) Sapperlot! Sapperlot! Ihr seid zum Verstandverlieren,

PINTOvor Entzücken bin ich tot!

beiseite zu Ambrosio

GASTONSchau doch hin, was er gelernt!

beiseite zu Gaston im Fistelton wie im ersten Aufzug

AMBROSIOWelche Kühnheit!

GASTONGanz genau, wie wir’ s probiert!

kniet nieder, mit vor Aufregung überschlagender Stimme

PINTOSapperlot, ich bin tot!

PINTOVor Entzücken bin ich tot!

AMBROSIOStehn Sie auf, Sie loser Mann,

AMBROSIOSie loser Mann!

SYSTEMChor

AMBROSIOSoll man’ s wirklich glauben,

AMBROSIOvor Entzücken ist er tot!

AMBROSIOUnd gar den Verstand noch verlieren,

AMBROSIOvor Entzücken ist er tot!

AMBROSIODen Verstand will er verlieren,

AMBROSIOvor Entzücken ist er tot!

AMBROSIONun verliert er den Verstand!

AMBROSIOHabt ihr’ s gehört?

AMBROSIOUnd vor Entzücken ist er tot!

AMBROSIOArmer Pinto de Fonseca,

AMBROSIOArmer Pinto!

CLARISSAund

LAURAWas beginnt er?

LAURAWas ersinnt er?

LAURAWas verliert er?

LAURADen Verstand?

entrüstet

GOMEZNein, das werd’ ich nimmer dulden,

GOMEZdaß ein solcher frecher Wicht

GOMEZnahen dürfte sich der Holden!

GOMEZNein, das werd’ ich nimmer dulden,

GOMEZnein, nein, nein,

GOMEZdaß ein solcher frecher Wicht

GOMEZsich nahe meiner Dame hold und licht!

GOMEZNein, nicht länger will ich’ s tragen,

GOMEZo du Kalbsgesicht!

GOMEZDu frecher Wicht!

GOMEZIst erhört ein solch Betragen?

GOMEZPinto! Pinto! Frecher Wicht!

GOMEZFort, ist erhört ein solch Betragen,

GOMEZfort, hinaus, du frecher Wicht!

sich entrüstet stellend

GASTONNein, das darf kein Ritter dulden,

GASTONdaß ein solches Kalbsgesicht

GASTONnahen dürfte sich in Hulden

GASTONeiner Dame hold und licht!

GASTONNein, das darf kein Ritter dulden,

GASTONnein, nein, nein!

beiseite

GASTONDieser Spaß ist zum Entzücken,

GASTONniemals könnt’ es besser glücken,

GASTONo du Kalbsgesicht.

GASTONDir vergeß ich’ s nicht,

GASTONPinto, Pinto, Kalbsgesicht!

GASTONPinto, Pinto, meinen Dank,

GASTONdas vergesse ich dir nicht.

GASTONO teurer Pinto, meinen Dank,

GASTONnein, dir vergeß ich’ s nicht!

entrüstet

PANTALEONENein, das darf kein Vater dulden,

PANTALEONEnein, das duld’ ich nimmer.

PANTALEONENun hab’ ich satt die tollen Possen,

PANTALEONElängst schon hat es mich verdrossen!

PANTALEONEPossen, dumme Possen,

PANTALEONEhab’ sie satt, die tollen Possen!

PANTALEONENarr! fort, hinaus denn!

SYSTEMChor

kichernd

PANTALEONEWelch ein Pinto! Was ein Pinto!

PANTALEONEWelch ein dicker, lust’ ger Pinto!

PANTALEONEDen Verstand will er verlieren, ei!

PANTALEONEEi, wo mag er ihn nur spüren,

PANTALEONEseht das Kalbsgesicht!

PANTALEONEPinto, Pinto, Pinto!

PANTALEONEJetzt verliert er den Verstand...

PANTALEONEWas tut der arme Tropf?

PANTALEONEWas spukt in seinem Kopf?

PANTALEONEPinto!

GASTONPinto! Pinto! Pinto!

AMBROSIOPinto! Pinto! Pinto!

(ist langsam und verdutzt aufgestanden und blickt scheu

PINTOim Kreise umher)

mit bebender Stimme und am ganzen Leibe zitternd

PINTOHolde Schöne!

PINTOSoll mich gleich der Teufel holen,

PINTOmache ich mich auf die Sohlen,

PINTOehe mich der Teufel hole!

höhnend beiseite

AMBROSIOAch, das klingt doch gar zu herrlich!

sich den Schweiß abwischend

PINTOGott, das ist ja zu beschwerlich!

zornig

GOMEZNun ist’ s genug!

GOMEZJetzt mach ein End’ dem tollen Trug!

setzt sich wieder in Positur

PINTOHolde Schöne, die sehr schön,

PINTOich bin toll, ganz vor Entzücken,

PINTOdaß Sie zuckersüßes Wesen

PINTOmich zu ihrem Mann erlesen!

in größter Heiterkeit beiseite

GASTONImmer weiter, immer weiter,

GASTON‘s geht recht fein, ‘s geht recht heiter,

GASTONlieber kleiner lust’ ger Pinto.

GASTONPinto, armer Pinto, lust’ ger Pinto,

GASTONbald, Pinto, wird es doch zu kraus!

AMBROSIOSeht doch den dummen Tölpel da,

AMBROSIOer dauert mich beinah,

AMBROSIOer dauert wirklich mich beinah!

GOMEZJetzt ist’ s zu kraus,

GOMEZwerft ihn hinaus!

PANTALEONENein, jetzt wird’ s zu kraus,

PANTALEONEwerft ihn hinaus!

SYSTEMChor

PANTALEONENein, nun wird es doch zu kraus,

PANTALEONEwer hilft da hinaus?

PANTALEONEJetzt ist’ s zu kraus,

PANTALEONEwer hilft hinaus?

alle halten gespannt ein

mit Entschluß

PINTOBitt’ ich, bitt’ ich einen Schmatz!

PINTO(alle außer Gomez und Pantaleone brechen in schallendes

PINTOGelächter aus)

AMBROSIODieser Spaß ist zum Entzücken,

AMBROSIOdoch ist’ s Zeit, sich bald zu drücken,

AMBROSIOdenn ein Kluger denkt ans End’,

AMBROSIOehe sich die Sache wend’.

AMBROSIOFürwahr, ein Kluger denkt ans End’!

hervortretend

CLARISSAO welch ein seltsam Abenteuer,

CLARISSAwelch tolles Wesen treibt hier Spott,

CLARISSAkaum kann ich’ s tragen,

CLARISSAich erliege, großer Gott.

LAURAEi, das war’ mir ein netter Anverlobter,

LAURAkam’ zu mir ein solcher Freier schlank,

LAURAda würd’ ich sagen: Schöner Jüngling, vielen Dank!

SYSTEMChor

LAURANur fort, hinaus, du toller Narr!

LAURAFort, hinaus!

in höchster Angst

PINTOIch bin Pinto, ja Pinto, Don Pinto de Fonseca

PINTOund...

PINTOClarissa, Laura, Gaston, Gomez, Ambrosio,

PANTALEONENur fort, hinaus, nur fort, hinaus!

PINTO... suche meine Braut, ja, ich suche

PINTOmeine Braut,

er wird immer aufgeregter

PINTOdenn ich bin Pinto,

plötzlich bemerkt er Gaston

PINTOdieser hier kann es bezeugen...

SYSTEMChor

leise nachäffend

PINTOja, meine Braut, ja such,

PINTOsuche Pinto, such!

PINTODieser ist an allem schuld,

PINTOja, dieser ist an allem schuld!

er stürzt auf Gaston zu, ganz außer sich, schreiend

PINTOO du Räuber, Dieb, Betrüger,

PINTOo du schnöder Wegelagrer,

PINTOdu Räuber, Betrüger, du schnöder

PINTOWegelagrer, du Dieb!

SYSTEMChor

PINTOEi, was faßt den dummen Tölpel an?

PINTOAber Pinto, kleiner Pinto,

PINTOsag, wo hast du deine Braut?

stellt sich zornig, losbrechend, den Degen in der Hand

GASTONHerr, jetzt zieht Euern Degen,

GASTONdiese Schmach tilgt Euer Blut,

GASTONraus den Degen, seid auf der Hut,

GASTONsonst fällt Ihr sofort meiner Wut!

SYSTEMChor

GASTONHerr, jetzt zieht Euern Degen,

GASTONdiesen Schimpf sühnt Euer Blut,

GASTONfließ es hin in roten Strömen,

GASTONnehmt zusammen Euern Mut!

GASTONPantaleone, Ambrosio, Gaston, Gomez, Clarissa,

LAURAZieht den Degen, närrischer Wicht!

SYSTEMChor

LAURAHerr, jetzt zieht Euern Degen,

LAURAdiesen Schimpf sühnt Euer Blut!

CLARISSAund

LAURAJa, jetzt braucht er seinen Mut!

LAURAGaston, Gomez, Ambrosio, Pantaleone

LAURAJa, jetzt fließt Blut!

SYSTEMChor

LAURAJa, jetzt braucht Ihr Euern Mut!

LAURAJetzt fließt Blut!

ängstlich

PINTOIch, den Degen?

PINTONein doch, nein,

PINTOdas laßt sein!

herausfordernd

Zieht den Degen,

GASTONdiesen Schimpf sühnt Euer Blut!

SYSTEMChor

GASTONHerr, jetzt zieht Euern Degen,

GASTONdiesen Schimpf sühnt Euer Blut!

CLARISSASchorrt, Herr Ritter, schonet sein!

CLARISSASeht den Armen, wie er bebt!

SYSTEMChor

CLARISSAO seht den Armen, wie er bebt!

Zieht den Degen, zieht,

GASTONsonst stoße ich Euch nieder,

GASTONwie man einen Hasen spießt!

aufschreiend

PINTOHeil’ ger Gott, wie einen Hasen,

PINTOeinen Hasen, wehe, wehe!

flehend

PINTOSteckt den Degen ein, Herr Ritter,

PINTOsteckt doch Euren Degen ein,

PINTOguter Ritter, guter Ritter,

PINTOguter Ritter, tut mir nichts!

SYSTEMChor

PINTOSeht doch den Wicht!

PINTOSchämt er sich nicht?

PINTOJammergestalt!

PINTOWillst du nun bald

PINTOfort aus dem Staube dich machen,

PINTOdu Jammergestalt!

PINTOLaura, Gomez, Gaston, Ambrosio, Pantaleone

PINTOFort, hinaus, du feiger Wicht!

SYSTEMChor

PINTOFort, hinaus, du feiger Wicht!

PINTOLaura, Gomez, Gaston, Ambrosio, Pantaleone

PINTONiemals laß dich wieder sehn!

SYSTEMChor

PINTONiemals laß dich wieder sehn!

jämmerlich

PINTOAch, ich will ja gerne gehn,

PINTOnie sollt ihr mich wiedersehn!

PINTOLaura, Gomez, Gaston, Ambrosio, Pantaleone, Chor

PINTOFort, hinaus, du feiger Wicht!

SYSTEMChor

PINTOUnd niemals laß dich wieder sehn!

PINTOClarissa, Laura, Gomez, Gaston, Ambrosio,

PINTOPantaleone, Chor

PINTOGehe! Geh! Dieses ist der Ehre Haus!

SYSTEMChor

PINTO(umdrängt Don Pinto und zwingt diesen, sich immer mehr

PINTOzur Türe zurückzuziehen)

PINTOFort mit Pinto, fort mit Pinto!

PINTOClarissa, Laura, Gomez, Gaston, Ambrosio, Pantaleone

PINTONur fort, hinaus, dieses ist der Ehre Haus!

SYSTEMChor

PINTOFort mit Pinto, fort mit Pinto!

PINTOClarissa, Laura, Gomez, Gaston, Ambrosio, Pantaleone

PINTONur fort, hinaus, ja, nur fort, hinaus!

SYSTEMChor

PINTOFahre, du feiger Wicht,

PINTOnur fort, hinaus, du Kalbsgesicht!

PINTO(Ambrosio hat sich Don Pinto immer mehr genähert. Endlich

wirft er ihn hinaus)

PINTOClarissa, Laura, Gomez, Gaston, Ambrosio, Pantaleone, Chor

PINTOFort, Don Pinto!

PANTALEONESah man je einen so dreisten Burschen,

PANTALEONEein solch feiger Schuft will ein Fonseca sein!

PANTALEONEWas sagt Ihr, Don Pinto?

GASTONHahaha, aber ich wiederhole es Euch:

GASTONEr ist ein Fonseca!

GASTONEr ist Don Pinto de Fonseca.

GOMEZDon Gaston, so triebt Ihr Euer Spiel mit mir!

GOMEZIhr seid nicht Don Pinto?

GASTONAber nein!

GASTONIch bin Don Gaston de Viratos.

GOMEZDas sollt Ihr büßen.

GASTONAber, aber Don Gomez...

PANTALEONEWie? Don Gomez?

GOMEZJa, edler Herr, ich bin Don Gomez de Freiros.

PANTALEONEDon Gomez de Freiros! Schändlicher Betrug.

GASTONEdle Herren, welche Verblendung!

GASTONIhr, Don Pantaleone, gewannt statt eines

GASTONblöden Feiglings einen tapferen ritterlichen

GASTONEidam aus Spaniens edelstem Geschlecht,

GASTONfür Eure Tochter den Geliebten.

GASTONIhr Herr, gewannt Euer Lebensglück

GASTONund zürnt mir, daß ich nicht Don Pinto bin?

GASTONZieht den Vergleich und sagt noch „nein”,

GASTONDon Pantaleone!

PANTALEONEIhr Betrüger!

GASTONNichts als eine Laune!

GASTONBedenkt, wohin sie führen konnte.

GASTONEurer Tochter Unglück! Eure spätere Reue!

PANTALEONEHm... Nun denn, Don Gomez,

PANTALEONEEuer Geschlecht ist reich an Ehren,

PANTALEONEIhr seid von edlem Anstand,

PANTALEONEaus Euren Zügen spricht ein kühner,

PANTALEONEstolzer Geist. Seid mir dann als

PANTALEONEEidam an Pintos Statt willkommen.

SYSTEMChor

PANTALEONEHeil sei Euch, Don Pantaleone,

PANTALEONEHeil der Tochter, Heil dem Sohne,

PANTALEONEden die Liebe Euch geschenkt!

PANTALEONEPreis der Weisheit, Preis der Milde,

PANTALEONEdie dem alten Wappenschilde

PANTALEONEGlanz und Pracht aufs Neu’ verlieh’ n.

der mit Ambrosio abseits steht

GASTONNun, was sagst du, Don Ambrosio?

GASTONDacht’ st du dir die Sache auch so?

GASTONAlles scheint im besten Geleis!

AMBROSIONun, Herr Ritter, meinetwegen,

AMBROSIOda wir nichts gewinnen konnten,

AMBROSIOscheint mir wenig dran gelegen,

AMBROSIOwer die Braut von dannen führte.

AMBROSIODa wir nichts gewinnen konnten,

AMBROSIOscheint mir wenig dran gelegen!

SYSTEMChor

AMBROSIOMöcht’ es jeder doch gelingen,

AMBROSIOden Geliebten zu erringen

AMBROSIOdurch der Liebe heil’ ge Mächte.

AMBROSIOMög’ sie mit des Vaters Segen

AMBROSIOallem Schicksalsstolz entgegen

AMBROSIOein zum Glück der Ehe gehn!

zu Clarissa und Gomez

GASTONHeil und Segen, edles Paar!

SYSTEMChor

GASTONHeil, edles Paar!

zu Clarissa und Gomez

AMBROSIOHier an Eurem Hochzeitsschmause,

AMBROSIOda will ich recht lustig springen!

SYSTEMChor

AMBROSIOLustig springen, lustig springen.

LAURAund

GASTONHochzeit, Hochzeit!

PANTALEONEund

SYSTEMChor

PANTALEONEEi, wie lustig!

LAURAund

GASTONHochzeit, Hochzeit!

PANTALEONEund

SYSTEMChor

PANTALEONEEi, wie lustig!

AMBROSIOKastagnetten hör’ ich klingen,

AMBROSIOdum trrr um trrr um trrr um,

AMBROSIOFlöt’ und Klarinetten singen,

AMBROSIOdi del du del, du i di del,

AMBROSIOdu del du i, lustig, lustig!

LAURADas wird ein Spaß, das wird ein Spaß!

LAURAWie will ich da tanzen, springen!

GASTONEi, ist er toll, ei, ist er toll?

GASTONdi del du del, du i di del,

GASTONdu del du i, närrisch, närrisch!

CLARISSAWie sie lachen, seht doch, seht doch.

PANTALEONEEi, seht doch, ei, seht doch,

PANTALEONE‘s ist zum Lachen.

GOMEZJetzt halt’ ich,

GOMEZjetzt halt’ ich dich auf ewig!

SYSTEMChor

GOMEZdi del du del, di del du del dum!

CLARISSAIch die deine!

LAURATanzen, tanzen.

SYSTEMChor

LAURADi del du del, di del dum!

GOMEZDich auf ewig!

GASTONNärrisch, närrisch!

AMBROSIOLustig, lustig!

PANTALEONE‘s ist zum Lachen

SYSTEMChor

PANTALEONEdi del du del, di del du del dum

CLARISSAIch die deine!

LAURAHeißa, heißa!

SYSTEMChor

LAURAdi del du del, di del dum!

GOMEZDich auf ewig, auf ewig.

GOMEZUnd alsdann?

GASTONdi del di del, di del di del, dum dei,

GASTONheißa, heißa, heißa, hei!

AMBROSIOund

PANTALEONEdi del di del, di del di del,

PANTALEONEdum dum dum...

LAURATanzen will ich, tanzen, tanzen!

CLARISSASeligkeit!

SYSTEMChor

CLARISSAdi del...

CLARISSASel’ ge Liebe! Höchste Freude!

CLARISSAund

GOMEZDas dank’ ich nun Don Pinto!

LAURAund

GASTONDas dankt ihr nun Don Pinto!

AMBROSIOWelch ein Spaß!

PANTALEONEO schönster Tag!

PANTALEONEClarissa, Laura, Gomez, Gaston, Ambrosio,

PANTALEONEPantaleone, Chor

PANTALEONENun des Lebens Freud’ entgegen,

PANTALEONEjeder Tag bring’ neuen Segen,

PANTALEONEvorwärts, auf des Glückes Spur!

PANTALEONESeht euch...

CLARISSAund

GOMEZSieh, uns winken süße Wonnen,

GOMEZZukunft steht voll lichter Sonnen,

GOMEZselig lacht die Gegenwart?

GOMEZJa, selig lacht die Gegenwart!