Euryanthe
Weber, Carl Maria von
KÖNIG LUDWIG VI. (Bass)
ADOLAR, Graf von Nevers (Tenor)
EURYANTHE VON SAVOYEN, Adolars Braut (Sopran)
RUDOLF, ein Ritter (Tenor)
LYSIART, Graf von Forest (Bariton)
EGLANTINE VON PUISET, Gefangene, Tochter eines Empörers (Mezzosopran)
BERTHA, ein Landmädchen (Sopran)
CHORRitter, Edeldamen, Pagen, Herolde, Landleute, Soldaten, Jäger
SYSTEMOuvertüre
SYSTEMERSTER AUFZUG
Säulenhalle des Königsschlosses mit einem grossen Mittelportal, zu dem einige Stufen hinaufführen. An den Säulen sind Waffen, Schilde und Lanzen befestigt
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Der König. Die Herzogin von Burgund. Adolar. Lysiart. Fürsten. Fürstinnen. Grafen. Ritter und Damen. Pagen. Herolde. Trabanten. Soldaten. Tänzer und Tänzerinnen
CHORDer König sitzt rechts vorn auf dem Thron. Zu seiner Linken stehen die älteren Ehrendamen, zu seiner Rechten die Fürsten. Hinter dem Sitz des Königs stehen zwei Herolde mit goldenen Stäben. In nächster Nähe des Königs sechs Pagen; je zwei stehen zur Rechten und Linken des Thrones, zwei sitzen auf den Stufen desselben; der links Sitzende hält ein rotes Kissen, auf welchem Adolar später kniet; der rechts Sitzende trägt auf einem roten Kissen die goldene Zither, die er später Adolar überreicht. Die Herzogin von Burgund sitzt links vorn auf dem Thron. Hinter ihrem Sitz stehen die Grafen; links von ihrem Thron die Ehrendamen. Zu jeder Seite des Thrones steht ein Page: der rechts Stehende hält auf rotem Kissen einen goldenen Lorbeerkranz; der links Stehende ebenso einen roten Rosenkranz. Adolar steht zur Linken des Königlichen Thrones. Lysiart ebenso zur Linken des Thrones der Herzogin von Burgund. Alle Männer mit bedecktem Haupte. Es ist Tag
SYSTEMNr. 1 - Introduktion und Reigen
CHOR DER FRAUENDem Frieden Heil! dem Frieden Heil!
CHOR DER FRAUENDem Frieden Heil nach Sturmestagen!
CHOR DER FRAUENHeil dieser Feier reiner Lust!
CHOR DER FRAUENDes Helden Herz in starker Brust
CHOR DER FRAUENDarf nun für sanfte Freuden schlagen.
CHOR DER FRAUENDem Frieden Heil! dem Frieden Heil!
Die Hofdamen wenden sich den hinter ihnen stehenden Rittern zu.
Die Ritter überreichen mit einer Verbeugung den Damen die Blumensträusse.
Die Hofdamen danken mit tiefer Verneigung.
Die Herren und Damen vom Ballett verfahren in derselben Weise.
Die Ehrendamen, Fürsten und Grafen, Adolar und Lysiart sind an dieser Ceremonie nicht beteiligt
CHOR DER RITTERDen Frauen Heil! den Frauen Heil!
CHOR DER RITTERDen Frauen Heil! den zarten Schönen,
CHOR DER RITTERDen Blumen in des Lebens Kranz!
CHOR DER RITTERWohl ringt der Mut nach Siegesglanz,
CHOR DER RITTERDoch Liebe muss das Leben krönen.
ALLEDer Liebe Preis erfchall' in süssen Tönen,
ALLEDoch Treue reicht den schönsten Lebenskranz.
ALLEDem Frieden Heil! dem Frieden Heil!
Die vier Herolde in der Mitte hinten öffnen die Reihe. Die Herren und Damen vom Ballett treten in den Vordergrund, führen einen ernsten Tanz aus und treten nach dessen Beendigung in ihre frühere Stellung zurück
SYSTEMRecitativ
KÖNIGMein Adolar, so fern dem heitern Reigen,
KÖNIGSo trübe bei des Festes Lust?
tritt etwas nach der Mitte vor
ADOLARNur Sehnsucht herrscht in meiner Brust,
ADOLARIhr muss sich selbst die Freude neigen.
KÖNIGErheitre dich!
für sich
LYSIARTO Sorg' um einen Knaben!
KÖNIGBeglückend Wiedersehn ist nah!
KÖNIGWeilt deine Braut in Nevers?
ADOLARJa, mein König.
KÖNIGHeut' noch soll sie Kunde haben,
KÖNIGBald soll ihr Anblick dich erfreun,
KÖNIGSie wird der Schmuck des Hofes sein.
ADOLARLiebreichster König!
König winkt dem auf den Stufen des Thrones rechts sitzenden Pagen. Der vordere Königspage erhebt sich und tritt zu Adolar vor
KÖNIGTreuer Adolar!
KÖNIGDer froh zur Seite mir im Kampfe war,
KÖNIGSei hier auch froh, es töne diesem Kreise
KÖNIGEin Minnelied zu Euryanthes Preise.
Adolar zieht die Handschuhe ab, legt sie auf das Kissen des Pagen und ergreift die Zither; dann nimmt er die Mitte. Der vordere Königspage setzt sich wieder auf die Stufen
SYSTEMNr. 2 - Romanze
ADOLARUnter blüh'nden Mandelbäumen,
ADOLARAn der Loire grünem Strand,
ADOLARO wie selig ist's zu träumen,
ADOLARWo ich meine Liebe fand.
ADOLARSie, die Reine, Eine, Meine!
ADOLARKeusch wie Schnee, wie Rosen mild;
ADOLARUnter blühn'den Mandelbäumen
ADOLARSchwebt um mich ihr süsses Bild.
ADOLARBei dem goldnen Licht der Sterne,
ADOLARAn der Loire Blütenstrand,
ADOLARGab der reinsten Liebe gerne
ADOLARAugenstern ein Himmelspfand.
ADOLARSelig, minnig, hold und innig,
ADOLARAug' in Auge, Mund an Mund;
ADOLARBei dem Leuchten ew'ger Sterne
ADOLARGab sich Herz dem Herzen kund!
ADOLARHeil'ger Treue schönste Rose
ADOLARAn der Loire Blumenrand,
ADOLAROb auch Sturm und Welle tose,
ADOLARBlühest du, des Lenzes Pfand!
ADOLARZarte, Reine, Süsse, Meine!
ADOLARDu mit mir ganz Ein und Mein:
ADOLARHeil'ger Treue schönste Rose
ADOLARBlüht in deiner Brust allein!
Der König und die Herzogin von Burgundg geben nach Beendigung der Romanze Adolar ihren Beifall zu erkennen.
Die Herzogin von Burgund winkt nach hinten.
Eine Solotänzerin tritt mit den drei andern aus der Mitte zu Adolar vor.
Die beiden Burgunderpagen treten nach der Mitte zu Adolar.
Die beiden Königspagen erheben sich und nähern sich Adolar ebenso.
Die drei Tänzerinnen stehen im Halbkreis um die Mittelgruppe.
Die Solotänzerin nimmt den goldenen Lorbeerkranz von dem Kissen des hintern Burgunderpagen und schmückt Adolars Zither damit, indem sie den Kranz auf den Hals des Instrumentes hängt.
Der hintere Burgunderpage tritt nach links zum Thron zurück.
Adolar legt die bekränzte Zither auf das Kissen des vordern Königspagen, indem er gleichzeitig von dem Kissen seine Handschuhe nimmt.
Der vordere Königspage tritt nach rechts an seinen Platz zurück.
Der hintere Königspage hat inzwischen sein Kissen vor Adolar niedergelegt.
Adolar kniet darauf nieder und entblösst sein Haupt.
Die Solotänzerin nimmt vom Kissen des vordern Burgunderpagen den Rosenkranz, setzt ihn Adolar auf und tritt nach einer Verbeugung gegen die Herzogin von Burgund mit den drei Tänzerinnen an ihren Platz Mitte hinten zurück.
Der vordere Burgunderpage tritt nach links zum Thron zurück.
Adolar erhebt sich.
Der hintere Königspage nimmt das Kissen, auf welchem Adolar kniete, auf.
Adolar verneigt sich ehrfurchtsvoll zuerst vor der Herzogin von Burgund, dann vor dem König, nimmt den Kranz von seinem Haupt und legt ihn auf das Kissen des hintern Königspagen.
Der hintere Königspage tritt nach rechts an seinen Platz zurück.
Adolar bedeckt sich wieder und nimmt seinen frühern Platz in der Nähe des Königlichen Thrones wieder ein.
Lysiart verfolgt den Vorgang mit neidischen Blicken
SYSTEMNr. 3 - Chor und Recitativ
ADOLARHeil Euryanth'! der Lieblichsten der Schönen,
ADOLARDer Liebe Heil, in reiner Unschuld Glanz!
ADOLARDich, Held und Sänger, müsse Ruhm bekrönen,
ADOLARDoch Treue reicht den schönsten Lebenskranz.
SYSTEMRecitativ
für sich
LYSIARTIch trag' es nicht!
Laut, indem er nach der Mitte etwas vor tritt
LYSIARTHör' an, Graf Adolar,
LYSIARTDu hast uns hoch ergötzt mit dem Gesang,
LYSIARTWo alle danken, nimm auch meinen Dank!
LYSIARTKein Sänger ringt den Preis dir ab, fürwahr,
LYSIARTVergeuden könntest du getrost dein Erbe,
LYSIARTDie Zither sorgt, dass nicht ihr Held verderbe!
ADOLARGern, Lysiart, üb' ich mich in sanften Weisen,
ADOLARFür Misslaut taugt mein gut gestimmtes Eisen.
Der König und die Herzogin von Burgund erheben sich
LYSIARTWas zürnst du gleich? Die Weise tadl' ich nicht,
LYSIARTDoch wohl die Worte vom Gedicht!
LYSIARTHör' auf, der Frauen Treu' so hoch zu preisen;
LYSIARTDes Meeres Grund hegt Perlen, makelrein,
Des Weibes Brust schliesst keine Treue ein.
Die Herzogin, die Ehrendamen, die Hofdamen, die Burgunderpagen, die Tänzer und die Tänzerinnen, die Figurantenpaare verlassen erzürnt durch das Mittelportal den Saal.
Die Königsherolde nehmen hinten Mitte Aufstellung.
Die Königspagen verharren in ihrer Stellung.
Die Fürsten, Grafen und Ritter füllen in erregten Gruppen den Mittelgrund
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Die Vorigen ohne die Frauen und ihre Begleitung
für sich
LYSIARTSchon atm' ich freier!
Laut
LYSIARTWas entgegnest du?
zu seiner Rechten
ADOLARDies acht ich keiner Antwort wert.
ADOLARKomm in den Wald, dort schliesset dir mein Schwert,
ADOLARMit Gott! die gift'gen Lippen zu.
LYSIARTUm schnöden Anlass kämpfen? Nie!
LYSIARTDie Warnung gab ich, nütze sie!
LYSIARTMein junger Freund, wärst du der Preis der Ritter,
LYSIARTWär ich der Niedrigste, ich schwör es dir,
LYSIARTDie Liebe deiner Braut gewänn' ich mir
LYSIARTTrotz deiner Rosenwang' und goldnen Zither!
wirft Lysiart seinen Handschuh vor die Füsse
ADOLARErbärmlich eitler Prahler nenn' ich dich,
ADOLARDen Handschuh nimm! dich lehr' ich Frauen ehren!
LYSIARTIch nehm' ihn nicht. Besiegtest du gleich mich,
LYSIARTDoch unbesiegt noch meine Gründe wären.
LYSIARTWag' es getrost, bekämpfe die!
LYSIARTDu prüftest wohl die Teure nie?
ADOLARFür Euryanthe bürgt der Glaube
ADOLARIn meiner Brust!
LYSIARTDu fromme Turteltaube,
LYSIARTDein Glück zu stören trüg' ich Scheu!
KÖNIGMein Adolar, lass ab von diesem Streite!
LYSIARTDu hörst, die Weisheit ist auf meiner Seite!
ADOLARMein Gut und Blut an Euryanthes Treu'!
SYSTEMNr. 4 - Terzett mit Chor
LYSIARTWohlan, du kennst mein herrlich Eigentum?
LYSIARTDas Erbteil meiner Väter, reich an Ruhm!
LYSIARTZum Pfande setz' ich's, es sei dein,
LYSIARTNenn' ich nicht die Gepries'ne mein!
ADOLAREs gilt! Es gilt!
CHORVermessenes Beginnen!
ADOLARKannst Euryanthes Liebe du gewinnen,
ADOLARSo nimm mein Gold, mein Gut, mein Land!
ADOLARZerrissen sei dann jedes süsse Band,
ADOLARDie Heimat meid' ich!
LYSIARTAlles nach Gefallen!
LYSIARTWie schön wirst du mit Kranz und Zither wallen!
ADOLARVermessener! Frohlocke nicht!
ADOLARSchlägt es dir fehl, ruf' ich zum Gottgericht,
ADOLARDich Frevler, alsobald -
LYSIARTWohl! des sind alle Zeugen!
BEIDEEs gilt, wohlan!
CHORVermessenes Beginnen!
CHORKann nichts den starren Sinn euch beugen?
CHORO geht zurück! Zu viel habt ihr gewagt!
KÖNIGO geh zurück!
LYSIARTKehrst du zurück?
ADOLARIch gab mein Wort!
CHORO geht zurück!
KÖNIGIch mach' es ungesagt.
LYSIARTDu gabst dein Wort!
CHORZu viel habt ihr gewagt!
ADOLARDes Edlen Wort kann nicht Gewalt vernichten!
CHORO geht zurück! zu viel habt ihr gewagt!
KÖNIGMein Adolar!
CHORO geht zurück!
ADOLARIch gab mein Wort!
CHORO geht zurück!
steigt vom Thron herab und nimmt zwischen Adolar und Lysiart die Mitte
KÖNIGDu trotzest kühn der schleichenden Gefahr.
ADOLARMein König, Frauenehre schirmen, war
ADOLARDie höchste stets von allen Ritterpflichten!
ADOLARIn Demut fleh' ich, nimm der Wette Pfand.
Er überreicht dem König seinen Ring
überreicht dem König ebenso den seinigen
LYSIARTHier diesen Ring in deine Königshand! -
LYSIARTJetzt schleunig rüst' ich mich zur Reise,
LYSIARTUnd siegreich kehr' ich heim!
steckt beide Ringe an seinen Finger
KÖNIGDoch die Beweise?
LYSIARTEin Zeugnis ihrer Huld dir darzubringen,
LYSIARTVerpflicht' ich mich.
CHORMög' es ihm nie gelingen!
König giebt nach rechts dem einen der Pagen einen Wink. Page tritt vor, hebt den Handschuh Adolars auf und geht auf seinen Platz zurück
ADOLARIch bau' auf Gott und meine Euryanth'!
LYSIARTIch bringe dir ein sich'res Unterpfand.
CHORDie Unschuld schütz', o Gott, mit starker Hand!
Alle wenden sich zum Abgang nach dem Mittelportal
Burggarten zu Revers; Umfriedung mit Mittelthor. Aus dem Wäldchen im Hintergrund sieht man die Turmspitzen der alten Burg hervorragen. Rechts vorn eine Rasenbank. Links hinten ein Gruftgewölbe, aus dessen Fenstern die ewige Lampe dämmert. Es ist Abend
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Euryanthe allein
SYSTEMNr. 5a - Kavatine
tritt von rechts vorn auf
EURYANTHEGlöcklein im Thale, Rieseln im Bach,
EURYANTHESäuseln in Lüften, schmelzendes Ach!
EURYANTHESterne in Wipfeln äugelnd durch Laub,
EURYANTHEAch, und die Seele der Sehnsucht Raub.
EURYANTHEWeilst du so ferne? Bangst wohl nach mir?
EURYANTHEBringen die Sterne Grüsse von dir?
EURYANTHEAlle so golden, selig und klar,
EURYANTHEAch, doch dein Blick nicht, mein Adolar!
Eglantine nähert sich von rechts vorn
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Eglantine. Euryanthe zu ihrer Linken
SYSTEMNr. 5b - Recitativ
EGLANTINESo einsam bangend find' ich dich?
EURYANTHEO nenne Bangen nicht mein einzig Glück'
EURYANTHEDies Sehnen ist der Himmel unter Klagen.
EGLANTINEDein Hoffen und dein Sehnen
Zeigt dir als höchstes Glück nur Thränen -
EURYANTHEMir bot das Leben Leid und Liebe nur.
EURYANTHEVerwaiset lebt ich in des Klosters Stille, wie Veilchen blühn.
EURYANTHEDa drang der Liebe Blick, ein Pfeil, in meine unbewehrte Brust,
EURYANTHEUnd mein ward Adolar!
für sich
EGLANTINEWeh ihm! Weh dir!
EURYANTHENach Nevers führt er mich, zog in den Kampf;
EURYANTHEHier blieb ich einsam, sehnsuchtsvoll zurück.
EURYANTHEDa fand ich dich, dein schmeichelnd holdes Kosen
EURYANTHEGab Lind'rung mir.
EGLANTINEDu wandeltest den Kerker
EGLANTINEZur Freistatt um, warst mild der Heimatlosen,
EGLANTINEDie ihrer Ahnen Burg in Staub gesehn,
EGLANTINEDen Vater als Rebell geächtet, flüchten!
EGLANTINEMich tötet die Erinnerung!
EURYANTHEO Geliebte!
EURYANTHEGetrost blick' in die Zukunft! Mir vertraue!
EGLANTINEDir? Nimmer hast du mir Vertraun gewährt!
EGLANTINEDich drückt ein bang Geheimnis -
EGLANTINELeg es nieder in diese Brust,
EGLANTINEDann kann ich ruhig sein,
EGLANTINENur dann, sonst nie!
EURYANTHEVerschone, lass mich schweigen!
EGLANTINEDes Unglücks Blick ist scharf! Um Mitternacht
EGLANTINEIn dunkler Gruft, wo du dich einsam wähnst,
EGLANTINEWacht Liebe dir zur Seite.
EURYANTHEO verschweig' es dir selbst, was du gesehn.
EGLANTINENichts sagst du mir?
SYSTEMNr. 6a - Arie
EGLANTINEO mein Leid ist unermessen,
EGLANTINEDu kannst mir dein Herz entziehn!
EGLANTINELass mich einsam und vergessen
EGLANTINEIn die fernste Wildnis fliehn!
EGLANTINELass mich fort, vom Sturm getrieben,
EGLANTINEIrren, schwanken, untergehn!
EGLANTINENein, dein Mitleid ist kein Lieben,
EGLANTINENie sollst du mich wiedersehn.
EGLANTINEDoch wie könnt' ich je dich meiden?
EGLANTINEO verstoss mich nicht von hier!
EGLANTINEDulden will ich, lächelnd leiden,
EGLANTINESterben süss am Busen dir!
SYSTEMNr. 6b - Recitativ
EURYANTHEFreundin! Geliebte! an meine Brust!
EURYANTHEWie konnt' ich solche Lieb' ermessen!
EURYANTHEVergieb!
Sie umarmen
EGLANTINEDu liebst mich? Alles ist vergessen!
EURYANTHESo treu hast du mit mir gewacht,
EURYANTHEIn dunkler Gruft, in stiller Nacht?
EGLANTINEWas störest du der Toten Ruh'?
EURYANTHEO nein! Ich flehe dort für Emmas Frieden.
EURYANTHEDie Schwester Adolars, durch schnellen Tod
EURYANTHEEntrissen seiner Brudertreu'; ihr Leid
EURYANTHETrug sie verschwiegen in die Gruft hinab.
EGLANTINEWer that es kund?
EURYANTHEIhr Geist!
EGLANTINEEntsetzen! Wie?!
schauernd in Erinnerung vor sich hinstarrend
EURYANTHEAm letzten Mai, in banger Trennung Stunde,
EURYANTHEBei Mondenlicht sah'n wir von Duft umwallt
EURYANTHEDer holden Emma Luftgestalt,
EURYANTHEUnd säuselnd tönt's von ihrem bleichen Munde:
EURYANTHEªDie ihr der Liebe Thränen Herz an Herz so selig weinet,
EURYANTHEHört mich an! Auch mir
EURYANTHEStrahlt' einst dies goldne Licht, mein Udo
EURYANTHELiebte mich zart und treu! Er fiel in blut'ger Schlacht!
EURYANTHEDa war mein Leben mir kein Leben mehr,
EURYANTHEAus gifterfülltem Ring sog ich den Tod!
EURYANTHEWeh dieser That, die mich vom Heil geschieden!
EURYANTHEGetrennt von Udo irr ich durch die Nächte!
EURYANTHEO weint um mich! Nicht eh' kann Ruh' mir werden,
EURYANTHEBis diesen Ring, aus dem ich Tod getrunken,
EURYANTHEDer Unschuld Thräne netzt im höchsten Leid
EURYANTHEUnd Treu' dem Mörder Rettung beut für Mord!´
triumphierend
EGLANTINEGewicht'ge Kunde!
EURYANTHEentsetzt auffahrend
EURYANTHEWas hab' ich gethan?
EURYANTHEVerraten Adolars Geheimnis! Gott!
EURYANTHEGebrochen meinen Eid!
EGLANTINEBefürchte nichts!
SYSTEMNr. 7 - Duett
EURYANTHEUnter ist mein Stern gegangen,
EURYANTHEBange Ahnung sagt es laut!
EGLANTINEKannst du zagen, kannst du bangen,
EGLANTINEHolde, da du mir vertraut?
EURYANTHEWeh! ich brach des Schweigens Treue!
EURYANTHEUnter ist mein Stern gegangen,
EURYANTHEBange Ahnung sagt es laut!
EGLANTINEKannst du zagen, kannst du bangen,
EGLANTINEHolde, da du mir vertraut? -
EGLANTINESuch' an meinem Busen Ruh!
BEIDETrost der Liebe, süss bist (findest) du!
EURYANTHEJa, es wallt mein Herz aufs neue
EURYANTHESelig deinem Herzen zu;
EURYANTHENie bezweifl' ich deine Treue,
EURYANTHEDu nur bist mein alles, du!
EGLANTINEJa, es wallt dein Herz aufs neue
EGLANTINESelig meinem Herzen zu;
EGLANTINEZweifle nie an meiner Treue,
EGLANTINEDu nur bist mein alles, du!
Euryanthe ab in das Gruftgewölbe links hinten. Eglantine begleitet sie
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Eglantine zurückkehrend; allein
SYSTEMNr. 8 - Recitativ und Arie
mit ausbrechender Heftigkeit
EGLANTINEBethörte, die an meine Liebe glaubt,
EGLANTINEDu bist umgarnt, nicht entrinnst du mehr!
EGLANTINEVor allem nun durchsuch' ich Emmas Gruft,
EGLANTINEFür meinen Plan soll die Entdeckung nützen.
EGLANTINEVielleicht sinkt Adolar
EGLANTINENoch reuevoll an diese glüh'nde Brust.
EGLANTINEO der Gedanke löst mich auf in Wonne
EGLANTINEUnd vor Entzücken ist die Seele trunken.
EGLANTINEFänd ich den Tod, an seine Brust gesunken
EGLANTINENur einen, einen Augenblick,
EGLANTINEIch wollt' ihn mit Vernichtung zahlen.
EGLANTINENur einen Augenblick an seiner Brust!
EGLANTINEHinweg, wahnsinn'ge Hoffnung! Gauklerin!
EGLANTINEErwecke nicht dies Herz zu neuen Qualen,
EGLANTINEIch weiss, dass ich ganz elend bin!
SYSTEMArie
EGLANTINEEr konnte mich um sie verschmähn,
EGLANTINEUnd ich sollt' es ertragen?
EGLANTINEIn herbem Leid soll ich vergehn
EGLANTINEIn meinen Blütentagen!
EGLANTINEEr hörte kalt der Liebe Flehn,
EGLANTINEMein Herz, so bang, so todeswund. Weh'! weh'!
EGLANTINEDrum stürz' auch all' sein Glück zu Grund!
EGLANTINEEr konnte mich um sie verschmähn,
EGLANTINEUnd ich sollt' es ertragen?
EGLANTINEVerschmähen konnt' er mich um sie, ja!
EGLANTINEDrum stürz' auch all sein Glück zu Grund!
Im Abgehen nach rechts hört sie von links Lysiarts Trompete, sie sieht erwartend nach dort, wendet sich und eilt in das Grabgewölbe links hinten ab
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Bauern und Bäuerinnen von rechts hinten, um Lysiart und die Ritter zu begrüssen. Gleichzeitig von links vorn acht Trompeter, die sich auf der linken Seite aufstellen; ihnen folgen achtzehn Ritter, die vor ihnen Aufstellung nehmen; endlich Lysiart und Rudolf, die Mitte nehmend
SYSTEMNr. 9 - Finale
CHOR DER LANDLEUTEJubeltöne, Heldensöhne,
CHOR DER LANDLEUTEFröhlich jauchzend euch empfangen;
CHOR DER LANDLEUTEKühlt von Streites Glut die Wangen
CHOR DER LANDLEUTEMit den Rosen dieser Flur.
CHOR DER RITTERMut erfrischt das Herz des Kriegers,
CHOR DER RITTERKühnes Wagen ist ihm Wonne;
CHOR DER RITTERSelig, wen des Friedens Sonne
CHOR DER RITTERUnter diesen Blüten grüsst.
CHOR DER LANDLEUTESeht, entgegen lacht euch Segen!
CHOR DER LANDLEUTESchöner blühen die Gefilde,
CHOR DER LANDLEUTESel'gen Friedens Himmelsmilde
CHOR DER LANDLEUTEGabt, ihr Tapfern, uns zurück!
CHOR DER LANDLEUTEHirtenweisen froh euch preisen,
CHOR DER LANDLEUTEBerg und Thal von Lust ertönen,
CHOR DER LANDLEUTELasst euch Dank und Liebe krönen
CHOR DER LANDLEUTEIn der Treue Heiligtum.
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Eglantine, Euryanthe aus dem Gruftgewölbe
Lysiart eilt Euryanthe entgegen. Alle begrüssen Euryanthe
CHOR DER LANDLEUTEHirtenweisen froh euch preisen,
CHOR DER LANDLEUTEBerg und Thal von Lust ertönen
CHOR DER LANDLEUTEIn der Treue Heiligtum!
CHOR DER RITTERHeil der lieblichsten der Schönen,
CHOR DER RITTEREuryanthe Preis und Ruhm!
EURYANTHEGraf Lysiart, edle Ritter, seid willkommen.
für sich
EGLANTINEO möchte meiner Schmach ein Rächer kommen.
leise untereinander
CHOR DER RITTERWie schön ist sie! wie schön!
LYSIARTErhab'ne Euryanth',
LYSIARTReicht mir zum Dank die zarte Hand,
LYSIARTIch bringe Freude!
für sich
EURYANTHEWie bin ich beklommen!
Laut
EURYANTHEMein tapfrer Graf, wer hat Euch hergesandt?
LYSIARTMich hat des Königs Huld erwählt,
LYSIARTDass ich Euch zum Begleiter diene,
LYSIARTDa noch dem Fest die Krone fehlt.
EURYANTHEMit Wonnebeben ehr' ich dies Gebot -
EURYANTHEO Wiedersehen! Eglantine!
EGLANTINEWillkomm'ne Kunde!
Für sich
EGLANTINEMeinem Herzen Tod!
verbindlich zu Lysiart
EURYANTHEVerschmähet nicht die ländlich stille Zelle
EURYANTHEIn Nevers' Burg zu kurzer Rast.
freudig
LYSIARTWo du erscheinst, da wird die Wildnis helle,
LYSIARTWie selig wäre deines Herzens Gast.
LYSIARTBeneidenswerter Freund!
unter sich
CHOR DER RITTERO schwarzer Plan!
unbefangen
EURYANTHEWie sagt Ihr?
mit ritterlicher Courtoisie
LYSIARTEhrfurcht Euch nur stammelnd nannte
LYSIARTDie süsseste der Erde, Euryanthe!
in heiterer Geschäftigkeit
EURYANTHEFröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
EURYANTHEEuch den Tag, wo Ihr hoch uns erfreut!
Lysiart stellt Euryanthe den Rittern vor. Die Ritter begrüssen sie ehrfurchtsvoll. Rudolf macht sich mit Eglantine bekannt
CHORFröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
CHOREuch den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
CHORRuhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
CHORSchmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!
EURYANTHESehnen, Verlangen, schmachten und Bangen
EURYANTHEWandelt nun Hoffnung in himmlische Lust!
EURYANTHEWieder ihn sehen! Wonnen und Wehen
EURYANTHESchwellen die Seele, durchwogen die Brust!
RUDOLFSehnen, Verlangen, Schmachten und Bangen
RUDOLFWandelt ihr Hoffen in himmlische Lust!
RUDOLFSie wird ihn sehen! Wonnen und Wehen
RUDOLFSchwellen die Seele, durchwogen die Brust!
LYSIARTStillt dies Verlangen süsses Umfangen,
LYSIARTSchwelg' ich in Wonnen an Lippe und Brust!
LYSIARTWerd' ich ihn sehen wütend vergehen,
LYSIARTMarter des Feindes ist Krone der Lust!
EGLANTINENun nicht mehr bangen! Was sie begangen,
EGLANTINEStürzet zu Trümmern ihr Glück, ihre Lust!
EGLANTINENicht mehr verschmähen wird er mein Flehen,
EGLANTINETrunken vom Siege schon klopft meine Brust!
CHORFröhliche Klänge, Tänze, Gesänge feiern, verschönen
CHOREuch den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
CHORRuhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
CHORSchmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!
EURYANTHESehnend Verlangen durchwogt die Brust,
EURYANTHEWieder ihn sehen, Wonnen und Wehen
EURYANTHEDurchwogen die Brust!
CHORFröhliche Klänge, Tänze, Gesänge
CHORFeiern den Tag, wo ihr hoch uns erfreut!
CHORRuhet nach Stürmen bei ländlichen Tönen,
CHORSchmückt euch mit Blumen, die Treue euch streut!
EURYANTHESehnend Verlangen durchwogt die Brust!
EURYANTHESehnend Verlangen, Schmachten und Bangen
EURYANTHEDurchwoget die Brust.
EURYANTHEWieder ihn sehen, o himmlische Lust!
EURYANTHESehnend Verlangen durchwoget die Brust,
EURYANTHEWieder ihn sehen, o himmlische Lust!
Euryanthe reicht Lysiart freundlich die Hand. Lysiart führt sie nach rechts hinten ab. Eglantine von Rudolf geführt, folgt. Die Ritter und Trompeter schliessen sich an. Die Bauern geben den Abgehenden Raum
SYSTEMZWEITER AUFZUG
Burggarten zu Nevers wie vorher; die Gruftfenster erscheinen im matten Dämmerlicht. Gewitterhimmel, Nacht, Donner und Blitz
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Lysiart erregt von rechts hinten herbeieilend, allein
SYSTEMNr. 10 - Recitativ und Arie
SYSTEMRecitativ
LYSIARTWo berg' ich mich? Wo fänd' ich Fassung wieder?
LYSIARTHa! toller Frevelwahn, du warst es ja,
LYSIARTDer sie als leichte Beute sah!
LYSIARTIhr Felsen, stürzt auf mich hernieder!
LYSIARTDu Wiederhall, ruf' nicht das Ach
LYSIARTDes hoffnungslosen Strebens nach!
LYSIARTNie wird sie mein! O ew'ger Qualen Hyder!
LYSIARTSchweigt, glüh'nden Sehnens wilde Triebe,
LYSIARTIhr Auge sucht den Himmel nur;
LYSIARTIn ihr wohnt Unschuld, Anmut, Liebe,
LYSIARTGanz Wahrheit ist sie, ganz Natur.
LYSIARTSchweigt, wilde Triebe! schweigt, wilde Triebe!
LYSIARTIhr Auge sucht den Himmel nur;
LYSIARTIn ihr wohnt Unschuld, Anmut, Liebe,
LYSIARTGanz ist sie Wahrheit, ganz Natur! Ganz Natur! -
LYSIARTSchweigt, glühnden Sehnens wilde Triebe,
LYSIARTIhr Auge sucht den Himmel nur!
LYSIARTWas soll mir ferner Gut und Land?
LYSIARTDie Welt ist arm und öde ohne sie!
LYSIARTMein ihre Huld?! - Mein wird sie nie!
LYSIARTVergiss, Unseliger! Entflieh'!
LYSIARTSie liebt ihn! - Und er sollte leben?
LYSIARTIch schmachtend beben?
LYSIARTIm Staube Sieg ihm zugestehn?
LYSIARTO nein! Er darf nicht leben,
LYSIARTIch mord' ihn unter tausend Wehn!
LYSIARTDoch, Hölle! Du kannst sie mir auch nicht geben;
LYSIARTSie liebt ihn! - Ich muss untergehn!
SYSTEMArie
LYSIARTSo weih' ich mich den Rach'gewalten,
LYSIARTSie locken mich zu schwarzer That!
LYSIARTGeworfen ist des Unheils Saat,
LYSIARTDer Todeskeim muss sich entfalten!
LYSIARTZertrümm're, schönes Bild!
LYSIARTFort, letzter, süsser Schmerz!
LYSIARTNur sein Verderben füllt die Brust!
LYSIARTZertrümmre, schönes Bild!
LYSIARTFort, letzter, süsser Schmerz!
LYSIARTNur sein Verderben füllt
LYSIARTDie sturmbewegte Brust!
Er zieht sich beobachtend nach rechts vorn zurück. Eglantine atemlos mit dem Ring aus dem Gruftgewölbe links hinten stürzend, dessen Thür hinter ihr zuschlägt
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Lysiart rechts vorn beobachtend. Eglantine
SYSTEMNr. 11 - Recitativ und Duett
SYSTEMRecitativ
EGLANTINEDer Gruft entronnen, atm' ich wieder!
EGLANTINEIch halte dich, du unter Todesschauern,
EGLANTINEErrungnes Unterpfand der süssen Rache!
EGLANTINEVerhängnisvoller Ring, bezeuge du,
EGLANTINEDass Euryanthe Lieb' und Treu' verraten,
EGLANTINEUnd grässlich büsse, der mein Herz verwarf!
für sich
LYSIARTWas hör' ich? Glück! Willkommne Höllenkunde!
EGLANTINESie dürfen nie sich wiedersehn!
EGLANTINEDer Schlag muss fallen wie aus heitrer Luft,
EGLANTINEZermalmen Liebe, Hoffnung, Glück,
EGLANTINEIn Ewigkeit von Adolar sie trennen!
EGLANTINEWie führ' ich diesen Schlag?
Blitz
rasch hervortretend
LYSIARTDurch meine Hand!
Donner, tiefstes Dunkel
zu seiner Linken
EGLANTINEIch bin verloren!
LYSIARTRuhig, ruhig, Bundgenossin;
EGLANTINEWas willst du mir?
LYSIARTDein finstres Werk vollziehn.
LYSIARTNoch heut' sollst du die Feindin elend sehn,
LYSIARTUnd Adolar gestraft, der dich gekränkt.
EGLANTINEDu hast mir mein Geheimnis abgelauscht!
sich vor ihr beugend
LYSIARTZur Sühne beut dir Forest seine Hand,
LYSIARTDie Fesseln wandl' ich in ein Rosenband.
LYSIARTBeherrschen sollst du diese reichen Gauen,
LYSIARTHeil, Ehre, Leben darfst du mir vertrauen!
EGLANTINEUnd sprichst du wahr?
LYSIARTBei Rache, Wut und Glut
LYSIARTDes ew'gen Hasses, ja!
EGLANTINEIch glaube dir!
SYSTEMDuett
EGLANTINEKomm denn, unser Leid zu rächen,
EGLANTINEEnden soll der Seele Qual!
LYSIARTNimm mein feierlich Versprechen,
LYSIARTRächer werd' ich und Gemahl!
EGLANTINETrostlos muss sie untergehn,
EGLANTINEDie mein Leben mir geraubt!
LYSIARTIn dem Staub muss ich ihn sehn,
LYSIARTDer zu Sternen hob sein Haupt!
EGLANTINETrostlos muss sie untergehn,
EGLANTINEDie mein Leben mir geraubt!
EGLANTINEKomm denn, unser Leid zu rächen,
EGLANTINEEnden soll der Seele Qual!
LYSIARTIn dem Staub muss ich ihn sehn,
LYSIARTDer zu Sternen hob sein Haupt!
LYSIARTNimm mein feierlich Versprechen,
LYSIARTEnden soll der Seele Qual!
BEIDEDunkle Nacht, du hörst den Schwur!
BEIDESei mit unsrer That im Bunde!
BEIDEDunkle Nacht, du hörst den Schwur!
BEIDEJa, es schlägt der Rache Stunde,
BEIDERache, Rache atm' ich nur!
BEIDEJa, es schlägt der Rache Stunde,
BEIDESei mit unsrer That im Bunde,
BEIDEDunkle Nacht! dunkle Nacht!
BEIDENacht, du hörst den Schwur?
BEIDERache atm' ich nur!
Beide ab rechts hinten
Festlich erleuchtete Säulenhalle des Königsschlosses. In der Mitte ein offener Altan mit der Aussicht auf eine Mondlandschaft; Mitte rechts (offen) zum Innern des Schlosses; Mitte links (offen) allgemeiner Eingang. Vor den Eingängen eine Estrade, zu der einige Stufen führen, in der ganzen Breite des Saales. Vor der Estrade zwei Kandelaber mit brennenden Lichtern. Ein Kronleuchter mit brennenden Lichtern
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Adolar im Festgewande von Mitte links; allein
SYSTEMNr. 12 - Arie
ADOLARWehen mir Lüfte Ruh',
ADOLARStrömen mir Düfte zu
ADOLARSeliger Zeit?
ADOLARFüllst du nach bangem Schmerz
ADOLARWieder mein ganzes Herz,
ADOLARSüssestes Leid?
ADOLARLiebe, wie lebst du neu,
ADOLARHoffen, wie webst du treu
SYSTEMBilder der Lust!
ADOLARGlaube, wie wankst du nicht,
ADOLARHerz, wie erbangst du nicht
ADOLARIn meiner Brust!
ADOLARHerz, wie erbangst du nicht?
ADOLARGlaube, du wankest nicht!
ADOLARSie ist mir nah! Sie ist mir nah!
ADOLARMein Bangen war ein Traum!
ADOLARO Seligkeit, dich fass' ich kaum!
ADOLARIhr Auge wird mir strahlen,
ADOLARIhr Himmelsreiz mir blüh'n.
ADOLARO wie Erwartungsqualen
ADOLARDies trunk'ne Herz durchglüh'n!
ADOLARSie ist mir nah! Sie ist mir nah!
Euryanthe von rechts hinten vor der Estrade, in Adolars Arme eilend
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Euryanthe. Adolar zu ihrer Linken
SYSTEMNr. 13 - Duett
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHEAtme mein Leben ein!
EURYANTHELass mich ganz du nur sein!
EURYANTHEGanz bin ich dein!
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHEAtme mein Leben ein!
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHELass mich ganz du nur sein!
EURYANTHESeufzer, wie Flammen weh'n,
EURYANTHESelig um Lind'rung fleh'n,
EURYANTHELass mich in Lust und Weh'n
EURYANTHEAn deiner Brust vergeh'n.
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHEAtme mein Leben ein!
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHELass mich ganz du nur sein!
EURYANTHEAtme mein Leben ein,
EURYANTHEGanz bin ich dein!
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHELass mich ganz du nur sein!
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHEMein Leben atme ein!
EURYANTHELass mich in Lust und Weh'n,
EURYANTHEAn deiner Brust vergeh'n!
Sie verweilen in Umarmung
EURYANTHEZwei Trabanten mit Lanzen, kommen von ausserhalb der Thür Mitte rechts und nehmen draussen Stellung als Wachen. Acht Trabanten mit Lanzen, marschieren von Mitte links herein und nehmen, indem sie die drei Mittelöffnungen gangbar lassen, auf der Estrade Stellung. Zwei Trabanten mit Lanzen, bleiben ausserhalb Mitte links als Wachen sichtbar. Die Edlen und Ritter kommen vor der Estrade von rechts und links und nehmen auf der rechten und linken Seite Aufstellung; sie begrüssen Euryanthe und Adolar. Adolar führt Euryanthe bei den Edlen und Rittern umher
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Adolar. Euryanthe. Edle. Ritter. Trabanten
SYSTEMNr. 14 - Finale
CHORLeuchtend füllt die Königshallen
CHOREuryanthes Wunderpracht.
CHORStern der Anmut, hold vor allen,
CHORStrahle rein durch jede Nacht!
Sechs Königspagen erscheinen von Mitte rechts und bilden auf den Stufen Spalier. Der König erscheint mit vier Fürsten von ebenda
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der König tritt vor und nimmt die Mitte. Adolar und Euryanthe zu seiner Rechten. Die vier Fürsten nehmen hinter dem König Aufstellung. Die sechs Königspagen treten zwischen die beiden Kandelaber und bleiben dort bis zum Schluss des Aufzugs. Die Trabanten salutieren. Die Edlen und Ritter stehen zur Rechten und Linken
CHORLeuchtend füllt die Königshallen
CHOREuryanthes Wunderpracht.
CHORStern der Anmut, hold vor allen,
CHORStrahle rein durch jede Nacht!
KÖNIGIch grüss' Euch, edles Fräulein!
EURYANTHEO mein König,
EURYANTHEWie mild und väterlich blickt Ihr auf mich!
KÖNIGDu holdes Kind, nichts trübe deine Ruh'!
EURYANTHEEs schützen mich die Strahlen Eurer Huld!
EURYANTHEDoch, mein Gebieter, Frankreichs hohe Frauen
EURYANTHEVermiss' ich hier.
KÖNIGBald heissen sie Euch alle
KÖNIGWillkommen, freudig hoff' ich's, hoff' es fest.
Acht Pagen Lysiarts kommen von Mitte links und bilden auf den Stufen Spalier. Zwei Herolde von Mitte links, jeder mit einem Banner mit dem Wappen von Nevers und Rethel, treten bis an den Rand der Stufen vor. Lysiart tritt von Mitte links zwischen den Herolden durch bis an den Rand der Stufen. Zwei Ritter Lysiarts von Mitte links, hinter ihm
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Die Vorigen. Lysiart. Zwei Ritter, zwei Herolde und acht Pagen Lysiarts. Alle Anwesenden wenden sich erstaunt nach hinten und geben Raum
LYSIARTMein König!
Er tritt vor, dem König zur Linken
CHORJetzt schlägt der Entscheidung Stunde;
CHORAllwissender, verleih' der Wahrheit Sieg!
EURYANTHEMich fasst ein Grauen!
KÖNIGMut und Vertrauen!
LYSIARTVernimm, es muss ja sein, von meinem Munde
LYSIARTEin Glück, das ich so gern verschwieg:
LYSIARTDie Lande Adolars sind mein!
ADOLARDies Engelsantlitz straft dich Lügen. Nein!
KÖNIGEs ist unmöglich!
EURYANTHEWie, mein Adolar,
EURYANTHEWas ist geschehn? O löse dieses Bangen?
ADOLARKomm an mein Herz! Von deinem Arm umfangen,
ADOLARDer Hölle Trotz!
ADOLARDies Engelsantlitz kann nicht lügen,
ADOLARNein, nein, nein! es ist unmöglich, nein!
LYSIARTBeweise bring ich dar.
CHORWeh, Euryanthe, was hast du begangen?
LYSIARTBewundernswürdig ist's gelungen,
LYSIARTDies stolze Herz im Sturm errungen!
EURYANTHEWas hör' ich! Lysiart! Errungen! Ihr!
EURYANTHEMein Herz? - Den Blick erhobt Ihr nicht zu mir.
LYSIARTSo schnöde nun, so liebreich noch zur Stunde?
ADOLARZur Fehde! zur Fehde!
CHORZur Fehde! zur Fehde! zur Fehde!
KÖNIGNein, gebt klare Kunde,
KÖNIGZeigt den Beweis!
zieht einen Ring vom Finger
LYSIARTDies Unterpfand
LYSIARTDer Liebe reichte mir die schönste Hand,
LYSIARTMit Trauer muss ich wiedergeben,
LYSIARTWas ich empfangen ohne Widerstand!
Er giebt Euryanthe den Ring
den Ring emporhebend und auf die Kniee stürzend
EURYANTHEDer du die Unschuld kennst, beschütz' mein Leben!
EURYANTHEUnd wollte mich ein Höllennetz umweben,
EURYANTHEDu rettest mich, wirst aus der Nacht mich heben!
zu Lysiart
ADOLARNein, du errangst den Ring durch List!
Indem er Euryanthe aufhebt
ADOLARMein reiner Engel, kannst du zagen?
LYSIARTWer sonst als Euryanth' und du kann sagen,
LYSIARTWas dieses Rings Bedeutung ist?
LYSIARTDie Gruft nur kannte Emmas Thaten!
ADOLARSprich, Euryanthe! hast du mich verraten?
EURYANTHEO Unglücksel'ge!
ADOLARBrachst du deinen Eid?
EURYANTHEIch that es.
ADOLARSchlange!
EURYANTHEUnermesslich Leid!
EURYANTHEDoch treulos bin ich nicht.
ADOLARVerworfne du,
ADOLARVerstumme!
LYSIARTHöre mir mit Fassung zu.
LYSIARTDie Wahrheit sprech' ich kühn und frei:
LYSIARTIn heller Mondennacht, am letzten Mai -
ADOLARVollende nicht, nimm alles, alles hin,
ADOLARMein Leben mit!
wendet sich, an Adolar vorüber, auf die rechte Ecke
EURYANTHEAch!
CHORHa, die Verräterin!
CHORO Unthat, grässlichste von allen,
CHORDie jemals auf der Welt erhört!
CHORDer Treue Bündnis frech zerstört,
CHORVon Himmelshöh'n in Staub gefallen!
EURYANTHELass mich empor zum Lichte wallen,
EURYANTHEDu, der die inn're Stimme hört!
KÖNIGMein Glaub' an Tugend ist zerstört,
KÖNIGDenn dieser Engel konnte fallen.
EURYANTHELass mich empor zum Lichte wallen,
EURYANTHEDu, der die inn're Stimme hört!
LYSIARTTriumph! mein Flehen ist erhört
LYSIARTUnd meinen Sieg sehn diese Hallen!
ADOLARFern in das Elend will ich wallen,
ADOLARWo niemand meinen Namen hört.
CHORO Unthat, grässlichste von allen,
CHORDer Treue Bündnis frech zerstört,
CHORVon Himmelshöh'n in Staub gefallen!
CHORHa, die Verräterin!
CHORO Unthat, grässlichste von allen,
CHORDie jemals auf der Welt erhört!
CHORDer Treue Bündnis frech zerstört,
CHORVon Himmelshöh'n in Staub gefallen,
CHORDer Treue Bund zerstört!
kniet nieder
LYSIARTVerleih mein Recht mir, grosser König, nun!
LYSIARTAls Graf zu Nevers huldigt dir dein Knecht!
Die zwei Herolde Lysiarts mit ihren Bannern treten von der Estrade herunter und nehmen hinter dem König Aufstellung. Die zwei Ritter Lysiarts nähern sich ihrem Herrn und treten ihm zur Linken
nimmt das Banner des ihm zur Linken stehenden Herolds, schwenkt es über Lysiart und giebt es dem Herold zurück
KÖNIGNimm hin das neue Leh'n, üb' Treu und Recht!
KÖNIGDir möge Gott nach deinen Werken thun.
Er ergreift das Banner des ihm zur Rechten stehenden Herolds, schwenkt es über Lysiart und giebt es dem Herold zurück. Die Versammelten Adolar, Pagen, Herolde und Wachen ausgenommen, ziehen die Schwerter und halten sie mit beiden Händen vor die Brust, die Spitze nach oben gerichtet. Nach Beendigung der Belehnung werden die Schwerter eingesteckt. Lysiart erhebt sich. Die links stehenden Edlen des Königs ziehen sich nach rechts hinüber zu den andern. Das Gefolge Lysiarts nimmt die linke Seite. Die Pagen Lysiarts treten vor und nehmen hinter den Rittern links Aufstellung
ergreift Euryanthe bei der linken Hand und will sie mit sich fortziehen
ADOLARKomm Euryanth'?
EURYANTHEWillkommenes Gebot!
EURYANTHEIch folge dir in Not und Tod!
CHORWir alle wollen mit dir gehn,
CHORWir all' sind dein mit Gut und Blut.
ADOLARO lasst, kein Auge soll mich sehn!
LYSIARTKönnt ich nun ganz ihn elend sehn!
CHORWir alle wollen mit dir gehn,
CHORWir all' sind dein mit Gut und Blut!
KÖNIGMein Jüngling, du willst von mir gehn?
CHORWir alle wollen mit dir gehn,
CHORWir all' sind dein mit Gut und Blut!
ADOLARO lasst, kein Auge soll mich sehn!
LYSIARTKönnt ich nun ganz ihn elend sehn!
LYSIARTWie schwelgt' in seiner Qual die Wut!
EURYANTHEVernimm, o Gott, der Unschuld Flehn,
EURYANTHEEs wallt dein Kind in deiner Hut.
ADOLARFern in das Elend will ich wallen,
ADOLARWo niemand meinen Namen hört!
KÖNIGMein Jüngling, du willst von mir gehn?
LYSIARTKönnt ich nun ganz ihn elend sehn,
LYSIARTWie schwelgt in seiner Qual die Wut!
EURYANTHEVernimm, o Gott, der Unschuld Flehn!
EURYANTHEEs wallt dein Kind in seiner Hut!
CHORWir alle wollen mit dir gehn,
CHORWir all' sind dein mit Gut und Blut!
CHORHa, die Verräterin! O Unthat!
KÖNIGMein Jüngling, du willst von mir gehn?
ADOLARO lasst! kein Auge soll mich sehn!
LYSIARTKönnt ich nun ganz ihn elend sehn!
CHORO Unthat, grässlichste von allen,
CHORDie jemals auf der Welt erhört!
CHORDer Treue Bündnis frech zerstört,
CHORVon Himmelshöh'n in Staub gefallen!
ALLEDu gleissend Bild, du bist enthüllt.
ALLESchnell folgte Strafe deinen Thaten!
ALLEDu bist enthüllt, du gleissend Bild!
EURYANTHEHört niemand denn der Unschuld Flehn?
Sie wendet sich flehend und ihre Unschuld beteuernd zu den Rittern. Alle weisen sie barsch zurück und sie wirft sich dem König zu Füssen. Der König wendet sich kurz von ihr ab. Euryanthe wankt nach vorn, sinkt auf die Knie und hebt die gefalteten Hände empor
ALLEWeh! das Mass des Frevels ist gefüllt!
ALLEDu gleissend Bild, du bist enthüllt!
ALLEDas Mass des Frevels ist gefüllt!
ALLEWeh dir! die Lieb' und Treu' verraten!
ALLEDu gleissend Bild, du bist enthüllt!
Adolar nähert sich Euryanthe, ergreift sie bei der Hand und zieht sie nach Mitte links ab
SYSTEMDRITTER AUFZUG
Eine öde, von dichtem Gebüsch umwachsene Felsschlucht. Über eine kleine Anhöhe rechts führt ein steiler Pfad herein. Im Vordergrund links eine von Trauerweiden umgebene Quelle, in deren Nähe ein Moossitz. Vollmondnacht
SYSTEMERSTER AUFTRITT
Adolar schwarz gerüstet, das Schwert, mit dem er sich den Weg gebahnt, in der Hand, steigt langsam den Pfad von rechts nieder und bleibt, im Kampfe mit sich, sinnend stehen. Euryanthe in wallendem Haar und in einem einfachen weissen Kleide, folgt ihm matt und bebend
SYSTEMNr. 15 - Recitativ und Duett
SYSTEMRecitativ
EURYANTHEHier weilest du? Hier darf ich ruhn?
Sich rechts vorn an ein Felsstück lehnend
EURYANTHEO gönn' auch Frieden meiner Seele nun!
EURYANTHEBei Sonnenglut, bei Sternenschimmer
EURYANTHEDurchirrtest du den öden Hain,
Sie wendet sich mit einigen Schritten zu ihm
EURYANTHEVerschmähtest Rast und Labung immer,
EURYANTHEUnd neben dir, o Gott! war ich allein!
EURYANTHESei milde nun!
Adolar wendet sich und blickt sie durchbohrend an
flieht von ihm
EURYANTHEWeh! solch ein Blick ist Tod!
EURYANTHEWas ist's, dass mir dein Zürnen droht?
EURYANTHEDu wendest dich hinweg von meinen Leiden?
EURYANTHELass mich nicht ohne Trost verscheiden!
EURYANTHEEin lindernd Wort nur lass der Lipp' entbeben,
EURYANTHENur einen Blick, wie du mir sonst gegeben!
ADOLARDies ist der Ort,
ADOLARSo schaurig, öd' und still,
ADOLARWie meine That ihn will!
ADOLARIch führte dich zum Tode fort.
EURYANTHEBarmherzigkeit!
ADOLARVernimm mein letztes Wort!
ADOLAREs wecke meine Stimme
ADOLARDein schlummerndes Gewissen!
ADOLARDu sollst in meinem Grimme
ADOLARErbarmen nicht vermissen.
ADOLARBereu'!
EURYANTHEIch bin mir Liebe nur bewusst!
EURYANTHEFühlst du nicht meine Treu' in deiner Brust?
ADOLARDu, die entweiht das heiligste Vertrauen,
ADOLARDen Himmel log und barg des Abgrunds Grauen -
SYSTEMDuett
ADOLARWie liebt' ich dich! Du warst mein höchstes Gut!
ADOLARDu warst mein höchstes Gut! wie liebt' ich dich!
EURYANTHEO stille deines Zornes Glut!
EURYANTHEMein Herz ist rein, wie meine Thaten.
ADOLARDer höchsten Liebe sprachst du Hohn!
ADOLARSo grässlich ward noch nie die Treu verraten;
ADOLAREmpfange nun der Unthat Lohn!
EURYANTHEO höre mich.
ADOLARZu oft von deinen Lippen
ADOLARHört ich den holden Liebeton.
ADOLARSirenenlied an Todesklippen,
ADOLARVerstumm' auf ewig!
EURYANTHEKann nichts dich bewegen,
EURYANTHESo töte mich! Mein letzter Hauch ist Segen
EURYANTHEFür dich, mein letzter Herzschlag dir geweiht!
ADOLARVerworfene! Zum Tode sei bereit!
EURYANTHEDu klagst mich an!
ADOLARDer Tod macht dich -
EURYANTHEO herbe Pein!
ADOLARVon Makel rein!
EURYANTHEVertraun und Glauben sind geschwunden -
ADOLARDer Tod macht dich von Makel rein!
EURYANTHEDu klagst mich an -
ADOLARIm Sterben nur -
EURYANTHEO herbe Pein!
ADOLARKannst du gesunden!
EURYANTHEVertraun und Glauben sind verschwunden,
EURYANTHESo bittrer Tod war nie gefunden,
EURYANTHEMein Leben war in dir allein!
ADOLARMein Herzblut quillt aus deinen Wunden!
ADOLARWeh, dass ich muss dein Richter sein!
EURYANTHEDu klagst mich an!
ADOLARDer Tod macht dich -
EURYANTHEO herbe Pein!
ADOLARVon Makel rein!
EURYANTHEVertraun und Glauben sind verschwunden,
EURYANTHEMein Leben war in dir allein!
EURYANTHEDu klagst mich an, o herbe Pein,
EURYANTHEMein Leben war in dir allein!
ADOLARWeh, dass ich muss dein Richter sein!
ADOLARDer Tod macht dich von Makel rein,
ADOLARWeh, dass ich muss dein Richter sein!
scheint Grässliches zu gewahren und eilt zurück an Adolars Brust, als wolle sie ihn schützen
EURYANTHEEntsetzen! rette dich!
Nach links hineinsehend
EURYANTHESieh, eine Schlange, fürchterlich,
EURYANTHEWälzt sich herbei durch das Gestein!
EURYANTHEHinweg, lass mich das Opfer sein!
EURYANTHEFür dich zu sterben, o versage
EURYANTHEDies höchste Glück nicht meinem Fleh'n!
EURYANTHESchon naht die Schlange, flüchte!
sie von sich stossend
ADOLARNicht verzage!
ADOLARMit Gott will ich den Kampf bestehn!
Ab nach links vorn
SYSTEMZWEITER AUFTRITT
Euryanthe allein
SYSTEMNr. 16 - Arioso und Recitativ
in heftiger Angst
EURYANTHESchirmende Engel Schar,
EURYANTHEWachend allimmerdar,
EURYANTHEIn tiefster Mächte Schoss
EURYANTHEÜber der Menschen Los,
EURYANTHEBlicke herab!
EURYANTHESchirmende Engelschar, blicke herab!
EURYANTHESchäumend in Kampfes Wut,
EURYANTHEQualmend in Dampf und Glut
EURYANTHEDringet die Feindin ein!
EURYANTHEO wo wird Hilfe sein
EURYANTHEIn dieser Not?
EURYANTHEWie sie dichter ihn umzingelt,
EURYANTHESich nach seinem Herzen ringelt!
EURYANTHEWeh! er fällt! - Nein! mein Held
EURYANTHERingt sich auf und hochgeschwungen
EURYANTHEBlitzt sein Schwert! Es ist gelungen!
EURYANTHEHeil! der Sieg ist ihm gegeben!
EURYANTHESeele, fühle ganz dein Glück!
EURYANTHEO was ist mein Leben
EURYANTHEGegen diesen Augenblick! -
Sie eilt in höchster Freudigkeit dem zurückkehrenden Adolar entgegen
SYSTEMDRITTER AUFTRITT
Euryanthe. Adolar zu ihrer Linken
SYSTEMRecitativ
EURYANTHENun lass mich sterben!
ADOLARNein, das sei mir fern!
ADOLARDich töten war der Ehre streng' Gebot,
ADOLARDu aber wolltest gehn für mich in Tod,
ADOLARSo kann ich nicht dein Richter sein;
ADOLARIm Schutz des Höchsten bleibe hier allein!
Er eilt, nach schmerzlichem innern Kampf sich losreissend, mit einem letzten Blick auf Euryanthe nach links ab
SYSTEMVIERTER AUFTRITT
Euryanthe allein
SYSTEMNr. 17 - Recitativ und Kavatine
SYSTEMRecitativ
EURYANTHESo bin ich nun verlassen,
EURYANTHESo muss ich hier erblassen
EURYANTHEIm öden Felsenthal,
EURYANTHEIn Einsamkeit und Qual!
EURYANTHEWas rieselst du im Haine,
EURYANTHEDu Quelle, mildiglich?
EURYANTHEWas blickst mit goldnem Scheine,
EURYANTHESo lieblich, Mond, auf mich?
EURYANTHENicht sieget deine Pracht
EURYANTHEOb meiner Leiden Nacht.
EURYANTHEWo irr' ich hin?
EURYANTHEAch, nirgend hin!
EURYANTHEDie ganze Welt ist öd' und leer,
EURYANTHEMir bleibet keine Heimat mehr!
KAVATINEHier dicht am Quell, wo Weiden stehn,
KAVATINEDie Sterne hell durchschauen,
KAVATINEDa will ich mir den Tod erflehn,
KAVATINEMein stilles Grab mir bauen.
KAVATINEWohl kommt auch er einst weit daher,
KAVATINEUnd findet kaum die Stätte mehr;
KAVATINEDann rauscht ihm sanft die Weide zu:
KAVATINESie fand von Lieb' und Leide Ruh'!
KAVATINEDie Blum' im Thaue spricht:
KAVATINENein: sie verriet dich nicht!
Sie sinkt erschöpft auf den Moossitz an der Quelle links hin. Die Morgenröte bricht an. Bauern Männerchor, treten beim Beginn der Hornmusik von links hinten auf und nehmen die rechte Seite
SYSTEMFÜNFTER AUFTRITT
Euryanthe. Bauern. Dann Jäger und Musikanten
SYSTEMNr. 18 - Jägerchor
Die erste Strophe entfernt
CHORDie Thale dampfen, die Höhen glühn,
CHORWelch fröhlich Jagen im Waldesgrün!
CHORDer Morgen weckt zu frischer Lust,
CHORHoch schwillt die Brust, des Siegs bewusst.
CHORDringt mutig durch Schluchten und Moor,
CHORLasst schmettern die Hörner im Chor:
CHORIhr Fürsten der Waldung hervor!
Die Jäger kommen von rechts hinten und nehmen die linke Seite. Die Musikanten folgen ihnen, indem sie die Mitte nehmen
CHORNun freudig sieget das goldne Licht,
CHORVom Bogen flieget des Pfeils Gewicht,
CHOREreilt den Aar auf luft'gem Horst,
CHORErlegt die Schlang' im dichten Forst.
CHORWohlauf denn durch Schluchten und Moor,
CHORLasst schmettern die Hörner im Chor:
CHORIhr Fürsten der Waldung hervor!
Der König erscheint nach Beendigung des Jagdchors auf der kleinen Anhöhe rechts. Vier Pagen und zwei Jagdjunker folgen ihm und nehmen dann hinter ihm Aufstellung
SYSTEMSECHSTER AUFTRITT
Die Vorigen. Der König und Gefolge
blickt nach links vorn hinein und scheint dort die getötete Schlange wahrzunehmen
KÖNIGO seht! die Schlang' erlegt von starker Hand!
hat inzwischen Euryanthe bemerkt und lenkt des Königs Aufmerksamkeit auf sie
CHORUnd hier in Thränen eine zarte Frau!
ist herabgestiegen und hat sich Euryanthe genähert
KÖNIGWer du auch sein magst, holde Unbekannte,
KÖNIGVerbanne jede Scheu, blick' auf zu mir,
KÖNIGDes Unglücks Hort, dein König, spricht zu dir!
Euryanthe wendet ihr Antlitz gegen den König, ohne aufzustehn
sie erkennend
CHORHimmel! Euryanthe!
Jäger ziehen sich nach rechts vor die Bauern
SYSTEMNr. 19 - Duett mit Chor
EURYANTHELasst mich hier in Ruh' erblassen,
EURYANTHEGönnt mir diese letzte Huld!
KÖNIGNein, ich will dich nicht verlassen,
KÖNIGKomm', zu sühnen deine Schuld!
EURYANTHEMeine Brust ist rein von Schuld.
KÖNIGDu nicht schuldig? Dürft ich's hoffen?
CHORHilf uns auf der Wahrheit Spur!
EURYANTHEEglantines flehend Kosen
EURYANTHELockt' mir mein Geheimnis ab;
EURYANTHENatter war sie unter Rosen,
EURYANTHEDie den Tod mir schmeichelnd gab.
KÖNIGEuryanthe, sprichst du Wahrheit,
KÖNIGO so nimm mein Wort zum Pfand,
KÖNIGHöllentrug bring ich zur Klarheit,
KÖNIGNeu knüpf' ich dein schönes Band.
EURYANTHEWiedersehn!
Sich langsam aufrichtend
EURYANTHEMich ihm versöhnen,
EURYANTHEWär' es möglich?
CHORHoffe! Lebe!
EURYANTHEStürb' ich hin in diesen Tönen!
CHORHoffe!
EURYANTHETäuscht mich nicht!
KÖNIGGlaube, hoffe, lebe!
CHORGlaube, hoffe, liebe, lebe!
EURYANTHEO wie ich bebe! o kann ich's fassen!
SYSTEMNr. 20 - Arie mit Chor
in Wonneglut aufspringend
EURYANTHEZu ihm, zu ihm, zu ihm! o weilet nicht!
EURYANTHEWo bist du meines Daseins Licht?
EURYANTHEWo bist du wo bist du, wo?
EURYANTHEZu ihm, dass ich ihn fest umfasse,
EURYANTHEIhn nimmer, nimmer lasse!
EURYANTHESo Herz an Herzen, Aug' in Auge,
EURYANTHEAus seinen Blicken Leben sauge!
EURYANTHEWo bist du meines Daseins Licht,
EURYANTHEDass ich dich fest umfasse,
EURYANTHENimmer, nimmer lasse!
EURYANTHEWo bist du, wo bist du?
EURYANTHEZu ihm, o weilet nicht!
CHORFort - o weilet nicht!
EURYANTHEZu ihm, zu ihm, zu ihm!
EURYANTHEO weilet nicht!
EURYANTHEWo bist du meines Daseins Licht?
EURYANTHEWo bist du, wo bist du, wo?
EURYANTHEZu ihm, zu ihm, zu ihm!
CHORFort, fort, fort! o weilet nicht!
CHORFort, o weilet nicht! fort zu ihm!
EURYANTHEDass ich ihn fest umfasse,
EURYANTHEIhn nimmer, nimmer lasse!
EURYANTHEHerz an Herzen, Aug' in Auge
EURYANTHESeiner Blicke Leben sauge!
EURYANTHEDass ich ihn fest umfasse,
EURYANTHENimmer lasse, nimmer lasse!
EURYANTHEZu ihm! o Hoffnung! Himmelsstrahl!
EURYANTHEIch trag' es nicht!
EURYANTHEIch sterb' in Wonn' und Qual!
EURYANTHEIch trag' es nicht!
EURYANTHEIch sterb' in Wonn' und Qual!
CHORHoffe, liebe, lebe!
CHORDir winkt ein Himmelsstrahl!
EURYANTHEAch!
Sie sinkt zusammen
CHORO Jammer, unerhört!
CHORO lieblichste der Blüten,
CHORWie hat so früh das Wüten
CHORDes Sturmes dich zerstört!
Alle umstehen Euryanthe mit teilnahmsvollen Gebärden
Freier Platz vor der Burg Nevers, deren Eingangsthor man links hinten hoch oben erblickt; die Zugbrücke führt auf einen im Zickzack nach unten verlaufenden Weg. Im Vordergrunde rechts und links die Hütten der Landleute; rechts vorn diejenige des Brautpaars. Rasenbänke rechts und links ganz vorn. In weiter Ferne sieht man die weinumlaubten Berge der schönen Landschaft
SYSTEMSIEBENTER AUFTRITT
Die Brautmutter. Der Bräutigam. Die Braut. Bertha. Bauern und Bäuerinnen. Man beglückwünscht das Brautpaar und schmückt dessen Hütte rechts vorn mit Blumengewinden
SYSTEMNr. 21 - Tanz mit Gesang und Chor
Pas de cinq Bauerntanz
VERWANDLUNGGesang und Chor.
BERTHADer Mai bringt frische Rosen dar,
BERTHADie Rose schmückt der Jungfrau Haar,
BERTHAUnd niemand weiss im grünen Mai,
BERTHAWas Rose, noch was Mädchen sei.
Berthas Gesang mit teilnehmenden Gebärden begleitend
CHORDenn was da blüht, ist Ros' im Mai.
BERTHADer Mai bringt frische Blüten viel,
BERTHADie Liebe ist des Maien Spiel,
BERTHAUnd niemand weiss im grünen Mai,
BERTHAWas Blüte, noch was Liebe sei.
CHORDenn was da blüht, das liebt im Mai!
BERTHADer Mai bringt dir, du teures Paar,
BERTHADer Blüten allerschönste dar.
BERTHAWohl wisst ihr zwei im grünen Mai,
BERTHAWie selig Lieb' und Treue sei.
CHORDenn eure Treu' krönt heut' der Mai!
Adolar mit gesenktem Visier, wankt, ohne das festliche Treiben zu beachten, von rechts hinten herzu und steht sinnend rechts vorn
SYSTEMACHTER AUFTRITT
Die Vorigen. Adolar. Alle Übrigen sind erstaunt über das Erscheinen des Unbekannten
ADOLARGiebts keine Treu' auf weiter Erde mehr,
ADOLARDavon, davon ist mir das Herz so schwer.
ADOLARIn Liebesglut ist nichts als Wankelmut,
ADOLARAm falschen Herzen sich's gefährlich ruht.
DIE LANDLEUTEWelch Klagen hier trübt froher Liebe Mut?
ADOLARFahr' hin, fahr' hin, du süsser Liebestraum,
ADOLARGieb dunkler Nacht und ihren Schrecken Raum.
ADOLARNacht ohne Licht herein mit Stürmen bricht;
ADOLARHeimat, versag' ein Grab dem Müden nicht.
Er öffnet sein Visier. Die Landleute erkennen ihren Herrn; freudige Bewegung
CHOREr ist's, o Glück, o neuer Hoffnung Licht!
BERTHASo musste der ersehnte Tag erscheinen!
ALLEGeliebter Herr! willkommen bei den deinen!
ADOLARHinweg! Lasst meiner Trauer mich!
BERTHAHier schlägt noch jedes Herz für dich!
CHORFühr' an der Jugend mut'ge Schar, befreie
CHORDein seufzend Land -
ADOLARDu süsse, heil'ge Treue!
ADOLARDu lebst, doch nicht in Euryanthes Brust!
CHORDen schnödesten Verdacht entferne,
CHORIch spreche Wahrheit sonder Scheu:
CHOREs wankten eh' des Himmels Sterne,
CHORAls unsrer süssen Herrin Treu'!
ADOLARNein! sie verriet mich!
BERTHAHör' gewicht'ge Kunde:
BERTHAMit deinem Feind ist Eglantin' im Bunde,
BERTHAAuf deiner Ahnen stolzem Sitz,
BERTHAWo du ihr Zuflucht einst gegeben,
BERTHAWill Lysiart heut zur Herrin sie erheben.
ADOLARAllwaltender, wo ist dein Blitz?!
SYSTEMNr. 22 - Solo mit Chor
BERTHAVernichte kühn das Werk der Tücke,
BERTHAVertrau' der Liebe und dem Glücke!
BERTHAEs jauchzt dir zu dein ganzes Land,
BERTHAZum Schwert für dich greift jede Hand!
ADOLARHilf mir durchschau'n das Werk der Tücke,
ADOLARAllwissender, mit klarem Blicke;
ADOLARGieb Kraft zum Siege meiner Hand,
ADOLARFür Ehre, Treue, Gut und Land.
Er schliesst seinen Helm und tritt beobachtend nach links vorn
SYSTEMNEUNTER AUFTRITT
Die Vorigen. Die Personen des Hochzeitsmarsches
SYSTEMNr. 23 - Hochzeitsmarsch und Chor
Die acht Trompeter welche aus dem Eingangsthor des Schlosses links hinten den Hochzeitszug eröffnen, beginnen die Marschmusik. Es folgen ihnen im Marsch ohne Tritt: ein Offizier, zwei Fahnenträger mit schwarzen Fahnen, zwei Fahnenträger mit den Fahnen von Nevers und Rethel, vierzehn Soldaten, zwei Chorknaben mit Fahnen, zwei Chorknaben mit Räucherbecken, zwei Chorknaben mit Lichtern, zwei Geistliche, Lysiart und Eglantine totenbleich, zwei Pagen die Eglantines Schleppe tragen, vier Damen, vierzehn Ritter, ein Offizier, zwei Fahnenträger mit den Fahnen von Nevers und Rethel, zwölf Soldaten. Die Fahnenträger mit den schwarzen Fahnen nehmen am untern Ausgang des vom Schloss herabkommenden Weges Aufstellung. Der erste Offizier mit den beiden andern Fahnenträgern und die vierzehn Soldaten marschieren nach rechts und von da nach links um den Raum und nehmen zuerst auf der linken Seite Aufstellung, um den Zug, der den ganzen Raum umschreitet, an sich vorüber ziehen zu lassen; dann ziehen sie sich nach rechts hinüber und nehmen dort Aufstellung. Der letzte Offizier mit seinen zwei Fahnenträgern und zwölf Soldaten nimmt auf dem Burgweg Aufstellung
DIE LANDLEUTEDas Frevlerpaar! Weh' diesem Bunde!
ADOLARO klopfend Herz - sei stark zu dieser Stunde!
mit Gebärden des Schmerzes, indem sie mit Entsetzen, das in Wahnsinn übergeht, stehen bleibt
EGLANTINEIch kann nicht weiter! Todesschauer
EGLANTINEDurchrieseln mein Gebein!
EGLANTINEMich drückt die Luft -
EGLANTINESieh! Emma steigt aus dunkler Gruft,
EGLANTINESie winket mir mit starrer Hand!
EGLANTINEWas forderst du zurück der Rache Pfand?
EGLANTINEIch gab es hin, die Unschuld zu ermorden!
EGLANTINEHinweg! Hier bin ich Herrscherin geworden!
EGLANTINEAuf ewig, Lysiart, bin ich dein!
EGLANTINEGeschmiedet ist der Trauring, fest und eigen,
EGLANTINEMit Meineid, Blut und Thränen - kannst du schweigen?
EGLANTINESei ruhig! Nacht hüllt unsre Thaten ein!
Lysiart schaut sie ingrimmig an
CHORWelch Entsetzen! Welch Gericht!
CHORDie Vergeltung schlummert nicht.
LYSIARTHört! dass Wahnsinn aus ihr spricht!
für sich
ADOLARHa! mir tagt ein schrecklich Licht!
Vortretend, Lysiart zur Linken
ADOLARErzittre, ruchlos' Paar! Es naht die Rache.
ADOLARDer Himmel führt bedrückter Unschuld Sache!
LYSIARTWas zischest aus dem Staub du, nicht'ger Wurm?
LYSIARTVasallen, werft den Fremdling in den Turm!
Die vierzehn Ritter zur Linken, wollen auf Adolar eindringen
zu ihnen
ADOLARMich wollt ihr fahen? mich?
Er schlägt den Helmsturz auf
in freudigem Erstaunen, in Jubel ausbrechend
CHORHeil, Adolar, in seiner Väter Hallen!
Die Ritter drängen sich um ihn
CHORGeliebter, unsre Demut dich versöhne!
aus dumpfer Betäubung erwachend und in die Arme ihrer rechts vorn stehenden Frauen sinkend
EGLANTINEEr ist's! in seiner Glorie, seiner Schöne!
EGLANTINEWeh mir!
LYSIARTVerderben, Fluch euch allen!
LYSIARTVerwegne Knechte, büssend sollt ihr fallen!
SYSTEMNr. 24 - Chor mit Duett
Chor, sich drohend gegen Lysiart gruppierend
DIE RITTERTrotze nicht, Vermessener!
DIE RITTERStrafe dräut, Verräter.
DIE RITTERTilgt das Werk der Nacht!
DIE RITTERZittre, Gottvergessener!
DIE RITTERBirg dich, Missethäter!
DIE RITTERGottes Auge wacht.
ADOLARZum Kampf, zum Gottgerichte,
ADOLARVerruchter Frevler, du!
LYSIARTDass ich dich, Feind! vernichte,
LYSIARTJauchzt mir der Abgrund zu!
ADOLARDein schwarzes Herz durchwühle
ADOLARMein sieggewohnter Stahl!
LYSIARTDein strömend Herzblut kühle
LYSIARTDer Seele Folterqual!
ADOLARDein schwarzes Herz durchwühle
ADOLARMein sieggewohnter Stahl!
LYSIARTDein strömend Herzblut kühle
LYSIARTDer Seele Folterqual!
CHORTrotze nicht, Vermessener!
CHORZittre, Gottvergessener!
CHORTrotze nicht, Vermessener!
CHORStrafe dräut, Verräter,
CHORTilgt, das Werk der Nacht!
CHORErzittre, Gottvergessener!
CHORBirg dich, Missethäter!
CHORGottes Auge wacht!
ADOLARDein schwarzes Herz durchwühle
ADOLARMein sieggewohnter Stahl!
LYSIARTDein strömend Herzblut kühle
LYSIARTDer Seele Folterqual!
CHORZittre, Gottvergessener!
ADOLARZum Kampf! Zum Gottgerichte!
ADOLARVerruchter Frevler du!
ADOLARTrotze nicht! Gottes Auge wacht!
LYSIARTZum Kampf! will nicht um Mitleid werben,
LYSIARTHeran! ich bin bereit! heran!
CHORBirg dich, Missethäter!
CHORGottes Auge wacht!
CHORSchande nur und Verderben
CHORIst ewig dir geweiht!
CHORTrotze nicht! trotze nicht!
CHORGottes Auge wacht!
Adolar, Lysiart ziehen die Schwerter und dringen aufeinander ein. Der König, zwei Jagdjunker, vier Pagen nahen sich von rechts hinten. Die zwei Jagdjunker trennen die Kämpfenden
SYSTEMZEHNTER AUFTRITT
Der König nimmt zwischen Lysiart und Adolar die Mitte. Die vier Pagen stehen hinter ihm. Die beiden Jagdjunker nehmen, zurückstehend, zur Linken des Königs Aufstellung
SYSTEMNr. 25 - Finale
zürnend
KÖNIGLasst ruhn das Schwert, der höchste Richter naht,
KÖNIGDer Rächer jeder Frevelthat!
Alle beugen sich ehrerbietig. Lysiart das Schwert senkend, tritt zurück
knieend
ADOLARMein König, hör' den grässlichsten Verrat!
ADOLARWir sind getäuschet, aller Tugend Bildnis
ADOLARWar Euryanthe! - Weh mir! in der Wildnis
ADOLARVerlassen irret sie umher!
ADOLARHilf, rette, strafe!
KÖNIGHemme deine Klagen,
KÖNIGFass' dich, als Held das Grässlichste zu tragen,
KÖNIGDich segnend ist das treuste Herz gebrochen!
in teuflischer Lust auffahrend
EGLANTINETriumph! gerochen
EGLANTINEIst meine Schmach! der Feindin Herz gebrochen!
EGLANTINEEs stürmt der Tod durch deine Brust!
EGLANTINEBetrogner! war dir meine Glut bewusst,
EGLANTINEWie legtest sorglos und vermessen
EGLANTINEDie Schlange du an der Geliebten Brust?
EGLANTINESo hattest du mein Flehn vergessen?
EGLANTINEVergessen meinen Todesschmerz?
EGLANTINEVergessen deines Kaltsinns Hohn?
EGLANTINEVergessen meines Zornes Drohn?
ADOLARAbscheuliche!
EGLANTINEGrausamer Adolar!
EGLANTINEVerzweifle, da sie schuldlos war!
EGLANTINEIch war's, von deren Hand den Ring
EGLANTINEDer kühne Räuber dort empfing.
EGLANTINEIch war's, die ihn der Gruft entwandte.
EGLANTINERein, wie das Licht, war Euryanthe!
CHORO höllischer Verrat! o herb' Geschick!
nähert sich Eglantine
LYSIARTWahnsinn'ge!
EGLANTINESchnödes Werkzeug meiner Rache,
EGLANTINEDich schleudr' ich in dein Nichts zurück!
LYSIARTWas hält mich, dass ich dich zermalme,
LYSIARTMeineidige! Verräterin!
Er stösst sie nieder. Eglantine fällt ihren Frauen in die Arme, die sie nach rechts vorn abführen
CHORRuchloser Mörder!
winkt
KÖNIGFührt zum Tod ihn!
ADOLARNein, gebt ihn frei!
ADOLARLasst ganz sein Werk ihn krönen.
ADOLARHier ist mein Herz, der Mörder sei
ADOLARBefriedigt. - Gott! wen nannt' ich Mörder? Ich!
ADOLARIch bin der Mörder und der Fluch trifft mich!
ADOLARWer mordete mit wildem Triebe
ADOLARDie höchste Treue, Glauben, Unschuld, Liebe!
ADOLARWo lebt ein Frevler sonst, als ich?
Er versinkt in dumpfe Verzweiflung. Der König winkt noch einmal. Lysiart wendet sich nach hinten.
Die beiden Jagdjunker, der Offizier rechts hinten und sechs Mann seiner Soldaten begleiten Lysiart als Gefangenen nach rechts hinten hinaus. Hornsignale rechts hinten
rechts hinten
CHOR DER JÄGERO Wonne! sie atmet! sie lebet!
Euryanthe, Chor der Jäger kommen von rechts hinten
SYSTEMELFTER AUFTRITT
Die Vorigen. Euryanthe zu Adolar in den Vordergrund eilend. Jagdchor
SYSTEMDuett mit Chor
Der Jagdchor nimmt vor den Trompetern Ausstellung. Adolar kniet vor Euryanthe. Der König in der Mitte, hinter beiden stehend
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHEAtme mein Leben ein!
EURYANTHEHin nimm die Seele mein,
EURYANTHEMein Leben atme ein,
EURYANTHEGanz bin ich dein!
EURYANTHELass mich in Lust und Wehn
EURYANTHEAn deiner Brust vergehn!
CHORO Lust nach Todespein,
CHORO Treue, stark und rein,
CHORDu sein, er dein!
CHORHoldseliger Verein,
CHORO Lust nach Todespein!
SYSTEMRecitativ
von Entzückung ergriffen
ADOLARIch ahne, Emma, selig ist sie jetzt:
ADOLARDer Unschuld Thräne hat den Ring benetzt.
ADOLARTreu' bot dem Mörder Rettung an für Mord,
ADOLAREwig vereint mit Udo weilt sie dort!
König nähert sich und vereinigt die Hände der Liebenden
EURYANTHENun selig Glück will jedes Leid versöhnen!
CHORNun feiert hoch in vollen Jubeltönen
CHORDer Ritter Schmuck, die treu'ste aller Schönen.
CHORGeprüftes Paar, besiegt ist Nacht und Tod,
CHORDie Wahrheit strahlt im reinsten Morgenrot,
CHORDer Himmel schirmt dies Band!
CHORHeil Adolar! In vollen Jubeltönen!
CHORHeil Euryanth'! Der Treusten aller Schönen.
CHORHeil Adolar! Heil Euryanth'.