Jugendtraum
X. Pentenrieder
In der Knospe tief verschlossen
schläft die Blum' und träumt so schön
von des Lenzes hoher Wonne
dort auf lichten Felsenhöh'n.
Und sie dehnt sich, wächst und schwillet,
bis die dunkle Hülle bricht,
grüßt beim ersten Morgenstrahle
wonnevoll das erste Licht.
Aber weh! Des Mittags Gluten
sengen heiß das Duftgebild'!
Aber weh! Die Stürme toben
um die Zarte rauh und wild!
Weh! Die Träume sind zerstoben
in des Lebens wildem Tanz,
und entblättert steht die Arme
in der Abendsonne Glanz.
Herz, mein Herz, du bist die Blume,
einst so frisch und kraftdurchglüht,
doch wie bald warst du entblättert!
Herz, dein Lenz hat abgeblüht!