Herbstgedanken

A. Bungert

Noch blühn in meinem Herzen

Viel Blumen, wunderschön,

Noch singt in meinem Haupte

Vielstimmiges Getön.

Doch auf den Haaren schimmert

Schon silbern frischer Reif,

Und drunter wogt Erinnrung,

Wie Herbstes Nebelstreif.

Es hat die Sommersonne

Sich vor dem Frost versteckt,

Doch reift im Stillen weiter,

was einst ihr Strahl geweckt.

Die feinsten Reben fordern

Nicht lauter Sonnenschein;

Erst Reif und Nebel zeugen

Den rechten Feuerwein.