Die Amsel ist's, die so heimlich singt

A. Dietrich

Die Amsel ist's, die so heimlich singt,

Ein Waldhorn durch die Büsche klingt,

Süß duften die Geißblattranken --

Wie zittert das Mondlicht auf dem Grund --

O halte fest, mein Herz, zur Stund',

Schlaft ein, ihr wilden Gedanken!

Hier hab' ich sie zum andern gesehn

Nach Maßlieb an dem Bache gehn,

Ich fühlt's, sie kannte mich wieder.

Sie grüßt' in Züchten mein fromm Gewand,

Ich starrte sie an wie festgebannt,

Dann sank ich weinend nieder.

Und als ich in Thränen emporgeschaut,

Da stand sie bebend, ohne Laut,

Und bleich war sie, bleich wie die Todten.

Sie hat mir noch in's Auge gesehn,

Dann winkt' sie mir schweigend, von dannen zu gehn,

Ich that, wie sie geboten.

Und war ihre Wange bleich wie der Tod,

Ich weiß, deß hat es keine Noth,

Liebe blüht roth wie Rosen.

Und hieß sie mich von dannen gehn,

Ich fühl's, ich muß ihr im Herzen stehn,

Bin fest darin beschlossen.