Schlaftrunken wallen die Bäche
A. Dietrich
Schlaftrunken wallen die Bäche,
Die Nebel wogen leis,
Von schweren Tropfen schwanket
Gebeugt das junge Reis.
Da bricht im Osten siegend
Hervor der güldene Stern --
O Liebe, schöne Liebe,
Wie bist du mir so fern!
Strahl' ein in meine Kammer,
In meiner Nebel Nacht,
Schließ' auf mit deinem Zauber
Die Erd' und ihre Pracht!
Es ist so schwer entsagen,
Wenn in der engen Brust
Sehnsüchtig flattern und schlagen
Die Lerchen der Jugendlust.
Es ist so schwer entsagen,
Wenn über uns gebeugt
Ein schönes Menschenantlitz
Sich wie zum Kusse neigt.
Weh' mir und meiner Ketten,
Ich darf den Tag nicht sehn,
Ich muß in Nacht und Dämm'rung
Verzweifelnd untergehn.