Sonnet

A. Eberhardt

Umsonst umgaukelt mich die Erdenwelt

Mit Faltern, die sie selbst für Engel hält,

Mit Blütenduft und Blendwerk ringsumher --

Den Glauben raubt sie doch mir nimmermehr!

Durch Glück und Leid ging ich den Lebenspfad,

Bis jenem Reich des Geistes ich genaht,

Wo unverändert, wie der Sonnenstrahl

Die Schönheit thront, -- des Herzens Ideal!

Noch heute lieb' ich, die ich einst geliebt,

Die Lichtgestalt, wie keine mehr es gibt,

Die Seele, die ich pries den Göttern gleich --

Heut beide sind sie -- eins im -- Schattenreich.

Nur meine Liebe, trotzend Raum und Zeit,

Glaubt an ihr Ideal in Ewigkeit!