Mein Vögelchen und ich
A. Harder
Mein Vögelchen und ich, wir singen um die Wette,
Mit Liebe zum Gesang beseligt sich und mich:
Die Sonne weckt uns auf, wir gehn mit ihr zu Bette,
Mein Vögelchen und ich.
Hanfkörner essen wir, und Gerstenbrod, und sorgen,
Ist unser Vorrath gleich nur allzukümmerlich,
An jedem Abend satt, nicht für den andern Morgen,
Mein Vögelchen und ich.
In stiller Einsamkeit sind wir vergnügt und lachen,
Tobt um uns her der Streit gleich noch so fürchterlich,
Wir fürchten keinen Feind, weil wir uns keinen machen,
Mein Vögelchen und ich.
In unserm Käfig wohnt bey uns die kleine Freude
Die grosse lassen wir nur dann und wann hinein,
Sie möchte, sorgen wir, sie möcht' in ihm dem Neide
Nur Gram und Aerger seyn.
Wir wollen mit Gesang uns keinen Ruhm erwerben,
Wir singen nur für uns, und jeder nur für sich,
Wir leben singend uns, und wollen singend sterben,
Mein Vögelchen und ich.
Das liebe Vögelchen, das ich im Hüttchen habe,
Das macht zum glücklichen und frohen Manne mich;
Wir ruhn, es ist bestellt, dereinst in Einem Grabe,
Mein Vögelchen und ich.