Auf der Promenade
A. Immisch
Der blasse Himmel und die schlanken Äste
überschimmern mit ihrem zarten Schein
das buntfröhliche Durcheinander unsrer Reih'n,
und unsre helle Kleidung knittert und flattert im Weste.
Ein leiser Lufthauch kräuselt den glatten
Spiegel des blanken Weihers, und das Sonnenlicht
dringt durch die gestutzten Lindenreihen und bricht
und kürzt der niedren Stämme blaue Schatten.
Zärtlicher Sinn und leicht entbrannte Herzen,
flüstern einen bald gebrochnen Schwur,
so plaudern und kokettieren wir die Schnur
der langen Allee hin unter verliebten Scherzen.
Ab und zu, von einem der zarten Händchen,
wird auch wohl ein gelinder Klaps appliziert,
den man nachher reuesamst quittiert
mit einem ergebensten Kuß auf das äußerste Endchen
des kleinen Fingers. Ging man etwas weiter,
und war etwa zu stürmisch das Delikt,
die Gnädige wohl etwas befremdet und kälter blickt,
aber um den schönen Mund bleibt's heiter.