Der Glückliche

A. Mühling

Im dunklen Hain, am frischen Quell

Hab' ich ein Hüttchen gebaut.

Das Bächlein rauscht so silberhell,

Das Wäldchen schattet so traut.

Von allem Tand geschieden,

In stiller süßer Ruh',

Seh' ich mit innerm Frieden

Dem Rausch der Menschen zu.

An's Hüttchen grenzt ein Gärtchen an,

Da hat auf duftendem Beet

Mein schönes Liebchen Majoran

Und bunte Blumen gesät.

Ach, Kinder ihrer Pflege,

Ach, blüht so schön wie sie!

Ihr Blümchen auf dem Wege

Des Lebens welkt uns nie.

Zwölf Schaafe mit den Lämmern gehn

Zur Weid' am rauschenden Quell.

Wie ist mein Lieblingslämmchen schön!

Wie klingt sein Glöckchen so hell!

Bei dir, du kleine Heerde,

Bei meinem Hirtenstab,

Vergess' ich, was die Erde

Mir sonst für Kummer gab!

Wenn früh die erste Lerche singt,

Wer hört sie froher als ich?

Mein Liebchen küßt mich wach, und schlingt

Ihr weiches Ärmchen um mich.

Beglückt, wem schon am Morgen

Dein Mund, o Liebe, küßt,

Wer in der Welt voll Sorgen

Durch Liebe glücklich ist!

Bei Arbeit und bei Mäßigkeit

Fliehn meine Stunden dahin,

Im Hüttchen wohnt Zufriedenheit,

Bei Liebchen fröhlicher Sinn.

O Einfalt goldner Zeiten,

Du machst das Leben süß,

Führst uns zu Seligkeiten,

Gibst uns ein Paradies!

Wenn Abends sich der Schatten dehnt,

Das Lüftchen leiser sich regt,

Horch' ich an Liebchens Brust gelehnt,

Wie hold die Nachtigall schlägt.

Sei, Abend meiner Tage,

Ach! sei mir einst so schön!

So will ich ohne Klage

Zu meiner Heimath gehn!