Der Abend

A. Spaeth

Mild von Rosenlicht umflossen

stirbt der Sonne letzter Strahl;

Segen hat sie ausgegossen

auf den Höhen, in dem Tal.

Abendwinde

säuseln linde

auf der grünen Schäferflur.

Stilkle Dämm'rung schwebt hernieder,

und beim Schall der Hirtenlieder

sinkt in Schlummer die Natur.

Näher doch dem Sternenheere,

wo kein Baum sich üppig laubt,

glüht wie brennende Altäre

purpurrot der Gletscher Haupt.

Zu zerrinnen

scheint den Sinnen

jener ewig starre Schnee;

vor dem grellen Widerschein

flieht die Nacht scheu aus dem Haine,

wird zum Feuermeer der See.