Die Liebe

A. Winterberger

Woher nur nimmt ein jeder

Die Lieb' auf dieser Welt?

Sie wächst auf keinem Felsen,

Man sä't sie nicht im Feld.

Und wohnte gleich die Liebe

Auf Felsen himmelhoch,

Es brache manches Mädchen

Sich doch ihr Hälschen noch.

Ich sah ein Mädchen wandeln

Dahin im grünen Hain,

Ihr netzten heiße Thränen

Die rothen Wangen ein.

Sie rang sich wund die Hände,

Und weinte laut vor Schmerz,

Allein nicht trösten konnte

Sie ihr bekümmert Herz.

"Verloren ist mein Alles,

Dran ich mich süß geschmiegt,

Ich gleiche nun der Täubin,

Die ohne Täuber fliegt."

"Es lüstet sie zu trinken,

Sie fliegt zum klaren Quell,

Von ihrem Flügelschlage

Trübt sich das Wasser schnell."