Die einsame Rose
B. Sturm
Ein Mägdlein auf dem Felde,
Am stillen Waldesrand,
Fern von der Menschen Wohnung,
Ein Röslein blühend fand.
Da sprach das Mägdlein leise,
"Und muß du hier allein
Verduften und verblühen
Und unbeachtet sein?
"Darfst nicht bei deines Gleichen
Im schönen Garten stehn,
Kein Mensch darf dein sich freuen,
Und bist so frisch, so schön.
"Auch ich muß dich verlassen,
Du liebe Rose, du!"
Dann ging mit schwerem Herzen
Sie ihrer Heimath zu.
Sie konnt es nicht begreifen
Warum sie traurig war,
Da jubelnd um sie spielte
Doch die Geschwisterschaar.
Und Abends in der Kammer
Schlief sie mit Thränen ein.
Auch sie war eine Rose
Verlassen und allein.
Manch' edles Menschenleben
Hier ungekannt entflieht,
Wie dort im Waldesschatten,
Die Rose still verblüht.