Sehnsucht

L. Berger

Ich höre das sanfte Gemurmel

Der Quelle, bis tief in die Nacht;

Ich träume dem dämmernden Morgen

Entgegen, -- und habe gewacht.

Weit über der bläulichen Ferne,

Erspäh' ich mit forschendem Blick

Der friedlichen Heimath Geburge,

Und sehne mich seufzend zurück.

Es ziehen die läutenden Heerden

Vorüber, ich höre sie kaum;

Vergebens durchsuch' ich die Wälder,

Hier schmückt ja kein Name den Baum.

Es öffnet die duftende Rose

Den Busen, am dornigen Stab,

Doch eh' ich zum Kranze sie winde,

So fallen die Blätter schon ab.

Die Flöte des einsamen Hirten,

Sucht weit wohl das Liebchen umher;

Ich könnte vor Schluchzen nicht singen,

Mir klopfet das Herz, ach! so schwer.

Schon hüllt in den trauernden Schleier,

Der Vollmond sein nächtliches Licht;

Die Sehnsucht, -- die naget am Leben,

Und naget, -- und tödtet doch nicht.