Ständchen
Brahms, Johannes
Wach auf, meins Herzens Schöne
Herzallerliebste mein!
Ich hör ein süß Getöne
von kleinen Waldvöglein;
die hör ich so lieblich singen,
ich mein, ich säh des Tages Schein
vom Orient her dringen.
Ich hör die Hahnen krähen
und spür den Tag dabei,
die kühlen Windlein wehen
die Sternlein leuchten frei.
Singt uns Frau Nachtigalle,
singt uns ein süße Melodei,
sie meldt den Tag mit Schalle.
Der Himmel tut sich färben,
aus weißer Farb in Blau,
die Wolken tun sich färben
aus schwarzer Farb in grau;
die Morgenröt tut entweichen;
wach auf, mein Lieb, und mach mich frei,
der Tag will uns verschleichen.
Selig [sei] Tag und Stunde,
darin du bist geborn!
Gott grüß mir dein rot Munde,
den ich mir [auserkorn].
Kann mir kein Lieb're [nie werden],
schau, daß mein [Lieb] nicht sei verlorn,
du bist mein Trost auf Erden.