Die Braut

Brahms, Johannes

Eine blaue Schurze

hast du mir gegeben,

Mutter, schad' ums Färben,

Mutter, schad' ums Weben!

Morgen in der Frühe

wird sie bleich erscheinen,

will zu Nacht so lange

Tränen auf sie weinen.

Und wenn meine Tränen

es nicht schaffen können,

wie sie immer strömen,

wie sie immer brennen,

wird mein Liebster kommen

und mir Wasser bringen,

wird sich Meereswasser

aus den Locken ringen.

Denn er liegt da unten

in des Meeres Grunde,

und wenn ihm die Wogen

rauschen diese Kunde,

dass ich hier soll freien

und ihm treulos werden,

aus der Tiefe steigt er

auf zur bösen Erden.

In die Kirche soll ich --

nun, ich will ja kommen,

will mich fromm gesellen

zu den andern Frommen.

Lasst mich am Altare

still vorüberziehen;

denn dort ist mein Plätzchen,

wo die Witwen knien.