Die Mainacht
Brahms, Johannes
Wann
der silberne Mond durch die Gesträuche blinkt
Und sein schlummerndes Licht über den Rasen streut
Und die Nachtigall flötet,
Wandl' ich traurig von Busch zu Busch.
Selig preis' ich dich dann, flötende Nachtigall,
Weil dein Weibchen mit dir wohnet in Einem Nest,
Ihrem singenden Gatten
Tausend trauliche Küsse giebt.
Überhüllet
von Laub, girret ein Taubenpaar
Sein Entzücken mir vor; aber ich wende mich,
Suche dunklere Schatten
Und die einsame Thräne rinnt.
Wann, o lächelndes Bild, welches wie Morgenroth
Durch die Seele mir stralt, find' ich auf Erden dich?
Und die einsame Thräne
Bebt mir heisser die Wang' herab.