Die Küsse
C. Bach
Ein Küsschen, das ein Kind mir schenket,
das mit den Küssen nur noch spielt,
das bei dem Küssen noch nichts denket,
ist nun so was, das man nicht fühlt.
Ein Kuss, den mir ein Freund verehret,
ist nun so was, das eigentlich
zum wahren Küssen nicht gehöret;
aus kalter Mode küsst er mich.
Ein Kuss, den mir mein Vater gibet,
ein wohlgemeinter Segenskuss,
wenn er mich lobt und lobend liebet,
ist was, was ich verehren muss.
Ein Kuss von meiner Schwester Liebe
geht insoferne wohl noch an,
als ich dabei mit freiem Triebe
an andre Mägdchen denken kann.
Ein Kuss, den Lesbia mir reichet,
aus meiner Klagen Überdruss,
und dann beschämt zurückeweichet,
ja, so ein Kuss, das ist ein Kuss!