Ein Lied vor der Herrin

C. Kreutzer

Wie durch die Saiten fliegt mein Finger,

Und Lieder strömen ohne Zahl,

Denkt mancher hier beim Freudenmahl:

"Ei Singer sic!

Dir weckt die Liebessonne Schall;

Verliebt nur schlägt so Nachtigall."

Du riethest recht in deinem Sinne,

Wenn also du gerathen hast.

Drum preise mein verständ'ger Gast,

Die Minne!

Die zieht so rein durch Sängerbrust,

Darf bergen nicht die keusche Lust.

Ach wohl ist meine Liebessonne

Mit hier in edler Frauen Reih'n,

Und ahnt, ich meine sie allein -

O Wonne!

Zwei holde Lippen lächeln mild;

Da schweigt das Lied, das Herze schwillt.