Maiennacht

C. Marek

Dort am Waldesrande, ganz versteckt im Grün,

wo so heimlich still, im Schatten der Nacht,

wie sanfte Lichter, Frühlingsblumen blüh'n,

steht die Waldkapelle in Maienpracht.

Arm in Arm ein Mägdlein und ein Knab'

steh'n tief versunken vor dem Muttergottesbild.

Die Andacht zu zweit, des Waldes Einsamkeit

hat ihnen mit Seligkeit die Herzen erfüllt.

Spät, in des Mondes Schein'

kehrt das Mägdlein heim.

Der Knab' sinnt lang und wacht,

sein Herz aber singt und lacht:

Maiennacht, Maiennacht!

Wie hast du mich mit Glück bedacht!

Lieb' und Treu' hat das Mägdlein geschworen.

Bin ich nicht zum Glück geboren?

Maiennacht, Maiennacht!

Wie mein Herz frohlockt und lacht!

Allen Leuten gäb' ich kund,

was mir schwur ihr holder Mund.