Der Abend an Elisen
C. Moltke
Mit der Abendwolke eilet
Meine Seele hin zu dir,
Findet einsam dich, und theilet
Sorgsam jeden Gram mit dir.
Wie der Thau aus Wolken, quillet
Deine Thräne still hervor;
Und dein helles Auge hüllet
Sich in dunkeln Trauerflor.
Denn der Sonnenschein des Lebens
Schwand auf ewig unserm Blick;
Ach, das Auge sehnt vergebens
Ihn vom Abendroth zurück!
Die ihr ehmals uns verbandet,
Stunden erster Zärtlichkeit!
Schnell, mit jeder Spur, verschwandet
Ihr ins Meer der Ewigkeit.
Ach, Elise, schöner kehret
Bald zurück der Sonne Pracht;
Aber ewig, ewig währet
Unsrer Trennung banger Nacht!
Freuden sahen wir entspriessen,
Die uns fromme Liebe gab;
Aber, eh sie reisten, riessen
Menschen, neidisch, sie herab.
Und du weinest! Und mein Herzen
Ist auf dieser Trost versagt,
Daß, gestimmt zu gleichen Schmerzen,
Es in deine Jammer klagt!