Verlornes Glück

C. Moltke

Von Nacht und öder Einsamkeit umgeben,

Führt mich an ihrer mütterlichen Hand

Mit bangem Schmerz und leiser Widerstreben

Die Hoffnung oft in der Erinn'rung Land.

Da nur allein wohnt meines Lebens Wonne.

Die Gegenwart reicht keine Blüten mehr --

Und untergehend senkte sich die Sonne

Hin in der Schwermuth düstres Nebelmeer.

Zwar -- "schön're Tage werden dir beginnen,"

So flüstert mir die sanfte Führerin,

Sieht lächelnd meine heißen Thränen rinnen,

Und deutet auf der Zukunft Ferne hin.

"Jetzt seufzt die Quelle -- Weh ertönt im Winde,

Der in des Haines hohen Wipfeln bebt;

Mit Klagetönen rauschet dir die Linde,

Von Trauerschleiern ist der Mond umwebt.

"Doch fasse Muth -- mild wie Aurora's Schimmer

Naht sich dir einst das hold erneute Glück.

Bis dahin wende deine Blicke immer

Zur schöneren Vergangenheit zurück."

Wohl such' ich Trost im schmerzlichen Betrachten

Des holden Bildes der vergang'nen Zeit.

Doch Ahnungen, die meinen Sinn umnachten,

Weißagen mir, daß sie sich nie erneut.