Der Mai

C. Neefe

Willkommen, almächtiger May!

Schönster unter den zwölf Göttern,

Die dort am Himmel im Kreise sich lagern!

Du krönest mit Segen das Jahr.

Willkommen, allgütiger May!

Bester unter allen Göttern,

Die Feld und Garten mit Früchten erfüllen!

Du segnest mit Liebe die Welt.

Ich sah den jungen May:

Seine Silberglocken

Hingen um den Schlaf.

Als er vom Himmel fuhr,

Blühten alle Wipfel;

Als er den Boden trat,

Liess er Violen und Hyacinthen im Fusstritt zurücke.

Ich sah den jungen May:

Eine Myrthenruthe

Blühend in der Hand.

Als er vom Himmel fuhr,

Sangen ihm die Lerchen;

Als er zur Erde sank,

Seufzten vor Liebe die Nachtigallen aus allen Gebüschen.

Willkommen, allmächtiger May!

Schönster unter den zwölf Göttern!

Du krönest mit Segen das Jahr.

Willkommen, allgütiger May!

Bester unter allen Göttern!

Du segnest mit Liebe die Welt.

Seht, die Traube bricht hervor

Unter jungen Rebenblättern,

Und verkündigt Most!

Dieses machen die fröhlichen Götter,

Bacchus und der Mai.

Muntre Schäfer, lasst uns trinken:

Eine Schale dem May, und eine dem Bacchus zur Ehre.

Seht, der Wiese junges Grün,

Laue Lüfte, Wohlgerüche

Laden uns zum Tanz!

Dieses wollen die fröhlichen Götter,

Amor und der May.

Schäferinnen, lasst uns tanzen:

Einen Reihen dem May, und einen dem Amor zur Ehre.

Willkommen, allmächteiger May!

Du krönest mit Segen das Jahr.

Willkommen, allgütiger May!

Du segnest mit Liebe die Welt.

Glücklich ist der Hirt,

Der im May die Welt erblickte,

Wann die Rose die Knospe durchbricht:

Seine Kindheit hauchte Freude,

Freude düftet sein Alter dereinst.

Glücklich ist der Hirt,

Der im May die Hirtin liebet,

Wann der Weinstock die Pappel umarmt;

Seine Jugend liebt sie zärtlich,

Zärtlich liebt sie sein Alter dereinst.

Ihr Kinder des Mayen,

Lobsinget dem May!

Sein Einfluss beseligt die ganze Natur.