Morgenlied

C. Neefe

Willkommen früher Morgenglanz!

Willkommen, junger Tag!

Dort aus des Berges dunkelm Wald

Blitzt schon dein Strahl hervor.

Schon blinket er im Wasserfall,

Im Thau auf jedem Laub;

Und Munterkeit und Wonne kömmt

Mit deinem Glanz daher.

Der Zephir, der in Blumen schlief,

Verläßt sein Bett, und schwärmt

Um Blumen her, und schüttelt die,

Die itzt noch schlasen, wach.

Der buntgemengten Träume Schaar

Entflieht itzt jeder Stirn;

Wie Liebesgötter schwärmten sie

Um Chloens Wangen her.

Eilt, Zephir'! raubet jeder Blum'

Den lieblichsten Geruch;

Und eilet, eilt zu Chloen hin,

Itzt, da sie bald erwacht!

Da flattert um ihr weiches Nett,

Und weckt das schönste Kind,

Mit sanftem Spiel auf ihrer Brust,

Und ihrem süßen Mund.

Wann sie erwacht, dann flüstert ihr:

Schon vor der Morgensonn'

Hab' einsam ihren Namen ich

Am Wasserfall geseufzt!