Beim Abschied

C. Schumann

Purpurgluten leuchten ferne,

Golden sinkt der lichte Tag,

Einzeln werden Silbersterne

An dem Himmelsbogen wach.

Und des Tages Königin

trägt ihr Haupt zum Schlummer hin;

Noch ein Gruß, auf Wiedersehn,

S'ist kein Abschied, kein Vergehn.

Schatten deckt die weite Erde,

auf den Fluren lagert Nacht.

Armes Herz, nun stille werde,

Das der Tag so müd gemacht!

O erscheine lieb und mild

Mir im Traume, süßes Bild.

Noch ein Gruß, auf Wiedersehn,

S'ist kein Abschied, kein Vergehn.

Ach, es rinnen heiße Tränen,

Bald ein seliges Gefühl,

Bald ein schmerzlich banges Sehnen

Mir die Brust zerbrechen will.

Nur der Traum führt es zurück,

Das zu schnell entschwundne Glück.

Noch ein Gruß, auf Wiedersehn,

S'ist kein Abschied, kein Vergehn.

Wenn ins Abendrot ich sehe

Und die Sonne sinkt herab,

Denke ich an all das Wehe,

Das ich schon bestanden hab.

Ach, vielleicht der nächste Morgen

Hebet alle, alle Sorgen.

Drum getrost, auf Wiedersehn,

S'ist kein Abschied, kein Vergehn.