An die Vergänglichkeit

J. von Dalberg

Vergänglichkeit, du Sohn der ewigen Nacht,

dir huldigt, was auf Erden lebt.

Kein Menschensohn entgehet deiner Macht,

kein Schmetterling aus Duft gewebt;

es gähnt dein ewig off'ner gier'ger Schlund

durch tausend, tausend Jahre schon,

und was die Zeit gebar, verschlingt dein Mund;

auf Leichen baust du deinen Thron.

Wie manchen lichten, gold'nen Faden spinnt

die holde, süße Jugendzeit -

wofür? Des Lebens leichter Sand zerrinnt

ins tiefe Meer der Ewigkeit.

Da liegen tausend in den Staub gestreckt,

einst alle, ach, wie ich belebt;

ein Erdenspann, ein moosig Grab bedeckt,

was jüngst nach Götterglück gestrebt.

Du reger Geist, wirst du auch einst vergeh'n

wie dieser bunte Blumenstaub,

von einem Gotte ewig ungeseh'n

gleich träger Erd' des Todes Raub;

Verwandlung schrieb des Schicksals harte Hand

auf jedes Erdenwesen hin,

doch blicke freudenvoll ins ferne Land,

Gott hat Unsterblichkeit verlieh'n.