Fischerlied

J. von Dalberg

Wir schwanken hin, wir schwanken her

im leichten Kahn

und folgen weit ins off'ne Meer

der Wogen Bahn,

wenn sich die Morgensonne hebt

aus Titans Schoß,

und sie auf feuchter Fläche schwebt,

so hehr und groß.

Treibt seinen Kahn der Fischer hin,

sein einzig Gut,

sieht Haus und Hof und Land entflieh'n

mit frohem Mut;

auf Meereswogen schwebt er nun,

ein freier Gott,

das Herz ist froh, die Sorgen ruh'n

und Angst und Not.

Oft hat das Netz, der Kahn nicht Raum

für seinen Fang,

oft angelt er ein Fischlein kaum

den Tag entlang.

Und weit treibt er sein Schifflein hin,

hinab, hinan;

die dunkle Nacht ereilet ihn

im off'nen Kahn.

Er speiset oft sein mäßig Mahl

in Näss' und Frost,

doch tauscht' er nicht, hätt' er die Wahl,

mit Fürstenkost.

Des Fischers Reichtum ist nicht groß,

sein Schatz nicht schwer,

doch ist Zufriedenheit sein Los,

und das ist mehr.

Dann ziehet er den Wellen nach

bei Mondenschein;

der blaue Himmel ist sein Dach,

so schläft er ein.

Der gold'ne Morgen weckt ihn auf

im hohen Meer,

dann treibt den Kahn in schnellem Lauf

ans Ufer er.

Ihr Brüder, lasst das Leben so

auch uns vergeh'n,

auf schnellen Fluten frei und froh

im Kahne steh'n.

Erreicht uns auch die frühe Nacht

im off'nen Meer:

Seht dort, ein schön'rer Morgen lacht

vom Himmel her.