Der Sonntag
J. von Dalberg
Der Sonntag, der Sonntag in aller Früh
Der hat mir zerrissen das Herz allhie;
Der hat mich um alle meine Freuden gebracht,
Und alle meine Tage voll Weinens gemacht!
Den Sonntag, den Sonntag in aller Früh
Vergisst das sinnende Mädchen nie:
Da hat mein Trauter Abschied genommen,
Und ist -- und ist nicht wiedergekommen!
Nun wein' ich bis tief in die sinkende Nacht;
Und, wenn auch der helle Morgen erwacht,
So schwindet der Thau vor dem lieblichen Licht;
Doch alle meine Thränen, sie schwinden nicht!
Und ist mir nun Alles im Hüttchen so eng';
Und zieht sich der säumende Tag in die Läng':
Wohl spinn' ich und spinne; doch fördert es nicht,
Weil immer und immer das Fädelein bricht.
Und ist mir nun Alles so öd' auf der Welt,
Und schau nichts darinnen, war mir noch gefällt:
Wohl blühen die Rosen, ich brech' sie nicht ab;
Bald schmückt ihr, o Rosen, mein einsames Grab.
Und seit, o mein Trauter, ich von dir bin,
So liegst du mir stets in dem Sinn!
Du liegst mir in dem Herzen mein;
Ich wollte wünschen, ich könnte bei dir sein.
Ich wöllte wünschen, es würde heute noch wahr,
Du bötst mir heute den Trauring dar;
So heilte die Wund' in dem Herzen allhie
Vom Sonntag, vom Sonntag in aller Früh!